Willkommen im Musikzimmer! Dies sind Hinweise auf Archivalien, aktuelle Themen, kuratierte Playlisten, neue Tracks, Alben, Bücher und Artikel.
Vorlesung von Christian Schorno: «Dolly Parton im Spiegel der Geschichte der Country Music» (VHS Zürich)
Intern hat diese Vorlesung den Titel: «Queens of Country» und ist eine Fortsetzung und ein Ergänzungsstück zu «Queens of Rock», der Vorlesung während der Pandemie im Frühjahr 2021, die als Serie von Videoclips produziert worden ist. Der offizielle Titel lautet wegen dem 80. Geburtstag von Dolly Parton im Januar: «Dolly Parton im Spiegel der Geschichte der Country Music».
Während die Medien den Lebensweg des Country-Ausnahmetalents feiern, beleuchtet diese Veranstaltung Partons einzigartige musikalische Reise im Kontext der Country-Musik-Geschichte. Wie spiegeln ihre Lieder die Tradition? Welchen Beitrag leistete sie zum Genre? Anhand von Analysen ausgewählter Songs von Country-Songwriterinnen und -Sängerinnen wird Partons Schaffen in Beziehung zur Kultur und Entwicklung dieser Musik gesetzt. Kommen Sie mit auf eine musikalische Entdeckungsreise in die amerikanischen Südstaaten.
Daten und Anmeldung
Daten: Montag, 21. Januar bis 4. Februar 2026 (3 Termine)
zur Anmeldung auf der Webseite der VHS
Kurskosten: 95.–
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Beatles: We Can Work It Out / Day Tripper
Im Dezember vor 60 Jahren brachten die Beatles eine geschichtsträchtige Single heraus, die das Ende der Beatlemania markierte und den Eintritt in eine neue Phase des Musizierens – nicht nur für die Beatles ...
Diese Doppel-A-Single kam im UK am selben Tag wie das Album Rubber Soul heraus. Die beiden Tracks der Single waren auf der britischen LP nicht enthalten - das war gängige Praxis, um Käufer:innen nicht zu zwingen, Tracks zwei Mal zu kaufen, als Single und mit dem Album.
Andrew (Parlogramm) argumentiert, dass diese Single das Ende der Beatlemania markiere und begründet die Aussage damit, dass die Single eine der drei gängigen britischen Charts nicht mehr zu toppen vermochte. Im New Musical Express war die Single sechs Wochen lang Platz 1. Es gab andere britische Musikzeitschriften mit je eigenen Charts, die jeweils andere Musik präferierten: Record Mirror, Melody Maker und Disc. Im «Melody Maker» kam die Doppel-A-Single nicht auf Platz 1 und das wurde in einem Artikel von «Daily Express» bemerkt, der dann auch die Frage stellte: «Does this mark a change in Beatlemania?»
George Martin bestimmte, dass We Can Work It Out die A-Seite war – gegen den Willen der Gruppe. Day Tripper verkörperte aber den zeitgeistigen Trend zur Rockmusik, der sich nun in England mit neuen Bands wie den Who oder den Kinks durchsetzte. Es war vor allem «Day Tripper» ein Song, der die Abkehr von romantischen Themen markierte. Vermutlich hat sich George Martin hier vertan. Ob es etwas an den Chart-Platzierungen verändert hätte, wer weiss?
Neue Themen
Statt über fantasierte und sehnsüchtige Liebe zu schrieben (die romantische Dimension von Pop) oder übers Tanzen (die Sex-Dimension von Pop) handelten die Songs dieser Single vom Ende der Romantik: «We Can Work it out» von einer Konfliktbewältigung in einer schwierig gewordenen Beziehung und «Day Tripper» von einer Beziehungsauflösung, weil die Partnerin nicht genügt. Sie ist nur eine Wochenendausflügerin, nicht bereit, den ganzen Weg zu gehen – sei es mit dem Lebensstil (Drogen) oder mit der Kunst. Gegensätzliche Themen zwar, aber beide nicht aus der Welt der bsiherigen Popmusik.
Quellen, Links
– Parlogramm: The Beatles Single That Ended an Era (11. Januar 2026)
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4-4-Takt
Diese Taktart wird zuweilen auch als «standard meter» bezeichnet, weil er zumal in der Populären Musik am meisten vorkommt. Deshalb ist es auch wenig sinnvoll, Songs in der Musikzimmer-Datenbank mit diesem Stichwort auszuzeichnen. Mit einer Taktart getaggt werden vielmehr diejenigen Songs, die von diesem Standard abweichen.
David Bennett zählte im Mai 2024 alle Top-10 Songs der Britischen Jahreshitparaden seit 2000 und kam auf 96,57 % Songs in «standard time». Am zweithäufigsten ist 6/8-Takt (z.B. Fallin', I'm With You, Breakaway, You and Me, I'm Yours, Take Me To Church, Dangerous Woman, Love On The Brain, Traitor, Wasted On You), 3/4 Takt (z.B. If I Ain't Got You, Earned It), 12/8-Takt (es gab zwischen 2006 und 2010 eine Ära des Shuffles, z.B. SOS, The Sweet Escape, I Kissed A Girl, So What, Womanizer, Believer, YOUNGBLOOD, Perfect, Before You Go)
Quellen, Links
– David Bennett: 97% of pop is in 4/4... let’s look at the 3% that's not (Youtube, 6. Mai 2024)
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Diskografien
Diskografien sind Verzeichnisse von Tonträgern wie Zylinder, Walzen, Schellackplatten, Vinylplatten (LPs und Singles), CDs etc. Ein Synonym ist «Tonträgerkataloge». Das Wort Katalog ist älter und bildungssprachlich. Viel gebräuchlicher ist «Diskografie», aber man spricht zuweilen auch von Label- oder Band-Katalogen.
Die Listung der Tonträger kann nach verschiedenen Kriterien gruppiert werden: Künstler- oder Banddikografien, Genrediskografien, Zeitdiskografien, Labeldiskografien, Sachdiskografien.
Die Ordnung der Listung kann alphabetisch sein ist in der Regel aber chronologisch aufsteigend.
«Runs»
In den Katalogen von bestimmten Acts gibt es so genannte «album runs», zum Beispiel «three album runs», also drei Alben in der Diskografie, die chronologisch unmittelbar aufeinander folgen und entweder eine Logik der Weiterentwicklung der Musikalität aufweisen oder einfach aufs Neue überraschen. Im Folgenden einige Beispiele:
- Beatles: Rubber Soul, Revolver, Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band
- Bob Dylan: Bringing It All Back Home, Highway 61 Revisited, Blonde On Blonde
- Velvet Underground: The Velvet Underground and Nico, White Light / White Heat, The Velvet Underground
- Radiohead: The Bends, OK Computer, Kid A
- Sonic Youth: Sister, Daydream Nation, Goo
- Kanye West: The College Dropout, Late Registration, Graduation
- Björk: Post, Homegenic, Vespertine
- Tame Impala: Innerspeaker, Lonerism, Currents
- Modest Mouse: This Is A Long Drive For Someone With Nothing To Think About, he Lonesome Crowded West, The Moon & Antarctica
- Sunny Day Real Estate: Diary, Sunny Day Real Estate (Pink Album), How It Feels to Be Something On
- Beach House: Teen Dream, Bloom, Depression Cherry
- Animal Collective: Feels, Strawberry Jam, Merriweather Post Pavilion
- Tyler, The Creator: Scum Fuck Flower Boy, Igor, Call Me If You Get Lost
- Earl Sweatshirt: Doris, I Don't Like Shit, I Don't Go Outside, Some Rap Songs
Das chronologisch erste Album eines Acts ist sein Debutalbum.
Quellen, Links
– Indie Skies: What Are the Greatest Three Album Runs of All Time?
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Musikjahr 2025
Im Oktober stellte Billboard fest, dass zum ersten Mal seit 1990 kein Hip-Hop Track mehr in den Top-40 war (Andrew Unterberger: No Rap Songs Are in the Billboard Hot 100’s Top 40 for the First Time Since 1990, 29. Oktober 2025). Seither wird die Frage gestellt, ob Hip-Hop und Rap tot seien.
Die Wettbewerbsklagen gegen LiveNation sind immer noch hängig. LiveNation ist das Monopol des Konzertbetriebs, nicht nur in den USA.
KI-Tracks
Im Jahr 2025 kamen verschiedene Alben und Tracks heraus, die beeindruckten, weil sie von Suno und ähnlichen KI-Plattformen generiert wurden: die verschiedenen Alben und Songs von Velvet Sundown, Xania Monet, Bertha Mae Lightning oder Breaking Rust.
Begleitet wurden diese maschinellen Kreationen von kritischen Diskussionen um den Wert KI-generierter Musik. Im 2026 werden KI-Plattformen mit den Katalogen der Labels gespeist. Es wird befürchtet, dass von da an tausende von Klonen bisheriger Katalogmusik erzeugt werden, was die Musik entwertet und das Internet mit AI-Slops verschmutzt. Was tatsächlich passieren wird, ist ungewiss. Ziemlich sicher ist, dass generierte Musik zunehmend die Playlisten von Streaming Services besetzen werden. Für diese Musik müssen die Plattformen keine oder weniger Lizenzgelder abdrücken.
Die drei Alben von Velvet Sundown sind in der diesjährigen Bestenliste von Musikzimmer, weil die Alben und die Technologie dahinter interessant und wegweisend ist. Eine Zukunft, die aus lauter solcher generierter Musik bestünde, wäre indes eine Art Horrorvision. Es ist absehbar, dass es in wenigen Jahren einen neuen Katalog mit maschinell-generierter Musik geben wird, der neben den alten Katalogen (z.B. dem Great American Songbook, dem Classic Rock Katalog oder dem Alternative- und Indie-Katalog, dem Hip-Hop-Katalog) existiert. Gegenwärtig ist die Angst davor vorherrschend, weil man annimmt, dass das Internet mit KI-Tracks überschwemmt wird. Ein generierter Track ist schnell erzeugt und so ist zu befürchten, dass für jeden werthaltigen klassischen Katalogtrack aus der Vergangenheit hunderte ähnlicher KI-Tracks generiert werden, was die Originale mittel- und langfristig auslöschen wird. Wir stehen an einer Epochenschwelle, die mehr als eine Modewelle ist.
Bestenlisten Alben
– AllMusic: Year in Review
– PopMatters: The Best Music of 2025 (1. Dezember 2025)
– Pitchfork: The 50 Best Albums of 2025 (2. Dezember 2025)
– Treblezine: The 50 Best Albums of 2025 (2. Dezember 2025)
– The Quietus: The Quietus Albums of the Year 2025 (In Association with Norman Records) (Dezember 2025)
– Paste Magazine: The 50 best albums of 2025 (1. Dezember 2025)
Musikzimmer Listen 2025: Songs
– Musikzimmer: Songs & Tracks von 2025
Musikzimmer Listen 2025: Alben
Pop-Alben
Sofern nicht oben bereits erwähnt.
Archivreleases: Act-Compilations
Genre-, Thema-, Zeit- und Ort-Compilations
Querverweise
– Musik der 2020er Jahre
– Musikjahr 2024
– Musikjahr 2026
– zur Monatsdiskografie vom Januar 2025 (mit Navigation zu den anderen Monaten des Jahres)
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Musikzimmer: Songs & Tracks von 2025
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Bob Dylan: The Bootleg Series, Vol. 18: Through the Open Window, 1956–1963
«Through The Open Window» bietet Einblicke in die formativen Jahre Bob Dylans. Der Titel inszeniert ein offenes Fenster, durch das wir dem Sänger bei frühen Konzerten, Radioauftritten und ersten Studioversuchen zuhören können. Er suggeriert eine private Begegnung mit Dylan in dieser Zeit des Aufbruchs, als sich Robert Zimmerman in Bob Dylan verwandelte
Als Archivrelease dokumentiert Dylans gesamte musikalische Metamorphose, vom Teenager-Rock'n'Roller zum Star der Folkszene im Greenwich Village. Dabei ist die schiere Fülle des Materials besonders eindrücklich 139 Tracks. Die acht CDs offenbaren bereits den jungen Zimmermann/Dylan als wahren Songster und lebende Jukebox der amerikanischen Musik. Er verkörpert schon hier das alternative amerikanische Songbook.
Die Aufnahmen stammen aus folgenden Quellen:
- Informelle Aufnahmen aus Privatbesitz (1956–1960):
Die allerfrühesten Aufnahmen stammen nicht aus Studios, sondern sind Heim- und Party-Mitschnitte, als Dylan noch Robert Zimmerman hiess. Diese wurden oft mit einfachen Geräten bei Freunden oder Bekannten aufgenommen, zum Beispiel die früheste Aufnahme der Compilation, «Let the Good Times Roll» vom Heiligabend 1956. Diese Aufnahme, ein Cover von Shirley and Lee, entstand im Terlinde Music Shop in St. Paul, Minnesota, als Dylan 15 war. Sie ist für seine Biografie wichtig, weil sie zeigt, dass Dylan nicht zum Rock 'n' Roll kam als er im Juli 1965 begann, elektrisch zu spielen, sondern dass er von Anfang an von der Rock-Musik begeistert war.
Weitere frühe Aufnahmen entstanden bei Freunden in Hibbing und Minneapolis (z.B. die «Informal Recordings» mit Jugendfreund Ric Kangas oder die Party-Aufnahmen von Minneapolis 1961/1962. Insgesamt dokumentieren diese informellen Aufnahmen die musikalische Entwicklung vom Rock’n’Roll-Fan zum Folk-Musiker. - Live-Mitschnitte aus der Folk-Szene (1961–1963): Nach seinem Umzug nach New York City begann Dylan, intensiv in den kleinen Clubs des Greenwich Village aufzutreten. Dass diese Auftritte mitgeschnitten wurden, erstaunt vielleicht, aber offenbar wurden solche Club-Konzerte gerne von Tontechnikern, Freunden der Künstler oder von ambitionierten Sammlern auf Band aufgenommen, entweder zur Archivierung oder für private Sammlungen.
- Radioauftritte (ab 1961): Auch Aufnahmen von Radio- oder Fernsehauftritten sind Teil der Sammlung.
- Studio-Vaults von Columbia Records: Nachdem Dylan 1961 bei Columbia Records unterzeichnet hatte, begann er mit den Aufnahmen zu seinen ersten drei Alben. Davon sind hier Outtakes und alternative Versionen zu hören. Sie stammen aus den Columbia-Archiven.
- Professionelle Live-Aufnahmen: Die Deluxe-Ausgabe enthält als Highlight den kompletten, bisher unveröffentlichten Mitschnitt seines Auftritts in der Carnegie Hall vom 26. Oktober 1963. Dieses Konzert war ein wichtiger Meilenstein in seiner frühen Karriere und wurde professionell aufgenommen.
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Eva Illouz: Der 8. Oktober: Über die Ursprünge des neuen Antisemitismus
«Am 7. Oktober 2023 verübte die radikalislamische Terrormiliz Hamas verheerende Anschläge in Israel. Doch am nächsten Tag dominierte nicht Mitgefühl für die Angegriffenen die öffentliche Meinung. Vielmehr wurden die Attacken in progressiven Kreisen von Berlin über Paris bis New York als Akt des Widerstands legitimiert, ja teilweise sogar bejubelt. Woher kommt dieser Hass, der sich selbst für moralisch überlegen hält? Die Ereignisse vom 7., aber auch die vom 8. Oktober haben Eva Illouz tief erschüttert. In ihrer kämpferischen Intervention zeichnet sie nach, wie Identitätspolitik und vom französischen Poststrukturalismus inspirierte Theorien zum Nährboden für ein Denken werden konnten, das historische Tatsachen und die ihnen innewohnende Komplexität ausblendet und Israel zum Inbegriff des kolonialistischen Bösen stilisiert.»
Am 8. Oktober lief etwas schief mit dem Mitleid, das linke Parteien üblicherweise für Opfer aufbringen. «Joseph Massad, ein Professor
jordanischer Herkunft an der Universität Columbia, bezeichnete das Massaker als ‹atemberaubend›, ‹innovativ› und ‹eindrucksvoll›. Russell Rickford, Historiker an der Universität Cornell mit dem Forschungsschwerpunkt Black Radical Tradition, äußerte sich ‹begeister› über die Nachricht von dem Massaker. Im britischen Brighton pries eine Demonstrantin bei einer ähnlichen Versammlung die Attentate mit einem Megafon als ‹schön›, ‹inspirierend› und ‹geglückt›.» «Die postkoloniale Bewegung PIR (Parti des Indigènes de la République) feierte das Massaker als heldenhaften Akt des Widerstands.» «In dem US-amerikanischen Podcast Democracy now! sah Judith Butler, Professorin für Rhetorik und
Komparatistik in Berkeley, in den Gräueltaten einen Akt des Widerstands.»
Israel gilt in Kreisen der postmodernen, postkolonialen Theorie als ein Siedlerstaat, ein imperiales und koloniales Unternehmen.
Judenhass, nahm man an, ging vor allem im 20. Jahrhundert von totalitären Regimes aus. Heute stimmt das nicht mehr.
Das postmoderne Denken oder die «Theorie» aus der der neue Antisemitismus hervorging, zeichnet sich laut Illouz durch vier Kriterien aus:
- Pantextualismus: Jacques Derrida: «Il n'y a pas de hors-texte». Die Kritik am Phonozentrismus, mit der die Dekonstruktion angefangen hat, schaffte das (politische) Subjekt ab bzw. wies es als eine Fiktion aus.
- Pouvoirisme (das ist die Nietzsche–Foucault-Linie dieses Denkens, der es um den Willen zur Macht bzw. um die Macht geht. Kombiniert mit dem Pantextualismus wird die Kritik von Texten so zu einer moralischen Praxis. Derrida hielt die Gerechtigkeit für nicht dekonstruierbar. Was das zeichentheoretisch heisst: Jeder Text besteht aus Selektionsleistungen. Alles, was geschrieben und gesagt wird, aktualisiert nur einen Teil der Möglichkeiten. Diese Wahl oder Selekton ist notwendigerweise Machtausübung.
- Superkritik: Israel wird dem Pinkwashing bezichtigt. Dass Israel tolerant gegenüber einer grossen eigenen LGBTQ-Community ist, täusche darüber hinweg, dass Israel ein kolonialistischer Staat sei.
- die umherwandernde Struktur: die Strukturen des Strukturalismus sind im Poststrukturalismus zu einem akteurslosen Konzept geworden. Nicht Subjekte und Institutionen schaffen diese Strukturen. Da sie keine empirische Existenz führen (nicht real sind), können sie a) nicht falsifiziert werden, was die Theorie zu einem Dogma macht und b) können sie von einer Disziplin auf eine andere und von einem Kontext auf einen anderen übertragen werden, ohne zu prüfen, ob das stimmt oder nicht.
Der Antizionismus ist eine intellektuell und moralisch respektable Version des Antisemitismus. Er verhilft zu kognitivem und identitärem Trost. Er reduziert die Komplexität der Welt. Die heutige Linke scheint nach dem 8. Oktober kein humanistisches Projekt mehr zu sein, denn den Humanismus hat sie dekonstruiert und abgeschafft.
Den Palästinensern wäre mit einem Wiederaufbau besser geholfen als mit Hass auf Israel. Um einen palästinensischen Staat Wirklichkeit werden zu lassen, müsste daran gearbeitet werden, dass die Juden sich nicht mehr für die Existenz Israels rechtfertigen müssen. Dafür müssen weiterhin Brücken im Namen umfassender Brüderlichkeit gebaut werden.
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Paul Kingsbury & Michael McCall & John W. Rumble: Encyclopedia Of Country Music
Nachschlagewerk, herausgegeben von der Country Music Hall of Fame and Museum in Nashville. Es enthält zahlreiche alphabethische geordnete Biografien von Künstlern, Executives und Institutionen, vermischt mit Beiträgen zu Stichwörtern sowie Essays zu den historischen Wurzeln von Country, zum Songwriting, zur Musik, zur Plattenproduktion, zu den Medien, Am Ende gibt es dreissig Seiten mit Verzeichnissen mit den am meisten verkauften Country-Alben, Opry-Mitgliedern, Radiostationen, Inductees in die verschiedenen Halls of Fame oder Awards und ihre Träger:innen.
Bill Evans: Country Music as Music
Country funktional: Die Kreativität von Country besteht darin, die grösstmögliche emotionale Wirkung mit den einfachst möglichen musikalischen Mitteln zu erreichen (p. 349).
Country historisch: Die Musik hat sowohl afrikanische (melodische Modulation (im Text steht «variation», gemeint ist aber bending, sliding) und rhythmische Vitalität) als auch europäische Einflüsse (Balladen).
Instrumente: Das Banjo ist afrikanisch, die Fiddel kam aus Irland. Saiteninstrumente waren stets dominant.
Formal besteht Country hauptsächlich aus Songs mit zyklischen Verse-Chorus-Sequenzen. Balladen aus England waren die erste kodifizierte Form der Country Music. Die Lyrics sind aus vier Versen, die eine Stanze bilden, gebaut. Neben den Verses trifft man Turnarounds, Bridges und Interludes an. Turnarounds befinden sich in der Regel am Ende von Verses oder Chorussen als I–V–I-Kadenz.
Wie in anderen populären Song-Traditionen sind Melodie und Lyrics aneinander gekoppelt. Die Melodien bewegen sich meistens innerhalb einer einzigen Tonleiter, [die eine Solosängerin oder ein Solosänger ohne Stimmbildung beherrschen kann] (eine Ausnahme war Crazy).
[Harmonie spielt eine wichtige Rolle als mnemonisches Korsett der Songs.] Verwendet werden meistens Dur-Tonleitern und ihre Akkorde (eine Ausnahme ist 16 Tons). Modulation war in der Anfangszeit der Country Musik rar (Ausnahmen: I Walk The Line oder San Antonio Rose). Mit dem Einfluss von Pop und Rock auf Country hat sich das indes geändert. Die Harmoniesprache entspricht am Anfang dem «3-chord-stereotype» – den funktionalen Akkorden I, IV und V. Später werden daraus Harmoniefolgen. Der Text zeigt am Beispiel von «I'm So Lonseome I Could Cry», dass der Song sowohl als 3-Akkord-Sterotyp als auch als Harmoniefolge mit Slash-Akkorden und Übergangsakkorden funktioniert. Harmonische Verschönerung spielt in neuerer Zeit eine wichtige Rolle. [Wiederum dürfte die Anregung aus Pop und Rock stammen.]
Meter, Tempo, Rhythmus: Das Metrum ist douple oder triple, die Taktart 3/4 oder 4/4. Country Waltzer kommen in langsamem (He'll Have To Go) und schnellem Tempo (El Paso). Metrumwechsel/data> sind rar (Ausnahme 'Tis Sweet To Be Remembered). Das Tempo der Songs hängt oft mit Standards zusammen, die das ganze Genre bzw. Subgenre betrifft. Es ist geprägt von Tanzstilen und darf weder zu langsam noch zu schnell sein, so dass man die Lyrics versteht. Ein 4/4-Takt enthält abwechslungsweise zwei starke und zwei schwache Beats. Die Gitarre, wie sie Maybelle Carter spielte, sah vor, auf den betonten Noten den Bass und auf den unbetonten die Begleitung zu spielen.
Besetzung: Der Unterschied zwischen Rhythm-Section und Solo- oder Leadinstrument ist grundsätzlich. Das Leadinstrument spielt Backup zur Stimme: eine zweite ergänzende Melodie. Verschiedene Instrumente spielen so zusammen, dass sie sich gegenseitig zu einem integrierten Klangbild ergänzen, d.h. ein eizelnes Instrumen spielt auf einem ihm zugeordneten rhythmischen Muster, das den anderen Mustern nicht in die Queere kommt. Nur so ergibt sich ein Zusammenspiel im Ensemble, das allen Instrumenten einen hörbaren Ort gibt.
Stimmen: Der Gesang ist zentral. Er kommt als Solo- oder Gruppengesang vor, letzterer als Duo, Trio oder Quartett. Gesang in der afroamerikanischen und der Vaudeville-Traditionslinie neigt einem konversationellen Stil zu (Jimmie Rodgers), während Gesang in der europäischen Tradition melancholisch klagend ist (Carter Family). Die beiden Gesangsstile vereinigt haben Acts wie Hank Williams, Lefty Frizzell oder Dolly Parton.
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Deutlichkeit
Eine Dimension der Physikalität von Musik. Jede Musik befindet sich auf einer Skala zwischen Vagheit und Präzision, je nachdem wie klar definiert und konturiert das Klangbild ist. Es geht darum, wie leicht oder schwer es ist, einzelne Elemente oder die gesamte Textur zu erkennen und räumlich zu verorten. «Vage» (unscharf, «blurred») heisst eine Textur, die verschwommen, unbestimmt oder diffus wirkt. Die Konturen sind weich, Details sind schwer zu fassen. Das Gegeteil ist eine Textur, die «präzis», klar, scharf umrissen und gut definiert ist. Jedes Element ist einzeln gut wahrnehmbar.
Akustische Ursachen von Vagheit sind Hall und lange Ausklangzeiten (Reverb/Delay), was die Präsenz bzw. Kontour des Klangs verwischt. Auch stark modulierte oder phasenverschobene Klänge verwischen die Deutlichkeit (z.B. durch Chorus oder Flanger).
Vage Klänge füllen den Raum, sind aber räumlich und temporal schwer lokalisierbar. Es entsteht eine atmosphärische oder traumhafte Qualität. Die Energie ist oft verstreut. Man kann das in Genres hören wie Ambient, Drone Music oder psychedelischer Musik.
Verwandt ist diese Dimension mit der Kohäsion (Dichte in der Zeit): lose vs. kompakt. Die Deutlichkeits-Dimension Vage/Deutlich bezieht sich primär auf die Klangschärfe und die Definition der Konturen der Klänge, während die Kohäsion Dünn/Dicht sich auf die Füllung der Zeitachse bezieht.
Deutliche Musik ist oft in Funk, Metal und den Electronica-Genres zu hören. Vage Grooves würden sich zum Tanzen nicht so eignen.
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Impact
Eine Dimension der Physikalität von Musik. Jeder Song befindet sich auf einer Skala von direkt oder zurückhaltend. Direkt sind Songs, die von der Spielweise oder des Gesangs her auf die Hörerschaft abzielen («in yo face»).
Verwandt ist diese Dimension mit der Lautstärke. Dennoch gibt es leise Songs, die eindringlich sind (Candle in the Wind, Love Is a Losing Game, Hurt, Jolene), und laute, die reserviert wirken (Neil Young).
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Reinheit
Eine Dimension der Physikalität von Musik. Jede Musik befindet sich auf einer Skala zwischen rein (auch tonal) und lärmig, geräuschhaft.
Querverweise
– Noise
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