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Musikzimmer - News und Archiv für moderne Musik

News-Blog ... am Puls der modernen Musik

Aus der Video-Datenbank: The Bug: Function / Void (Musikvideo) [N]

Kevin Martin ist ein verhältnismässig unbekannter Name. Dabei prägt er britischen Techno und Breakbeat seit den 90er-Jahren mit. Seine Wurzeln liegen im Industrial und Dub. Er war Mitglied bei Techno Animal, God oder Experimental Audio Research. Seine zahlreichen Solo-Releases sind von Monikern gezeichnet, die bekannter sind als sein bürgerlicher Name. Kevin Martin ist ein Rhizom, das durch die britische Electronica-Geschichte gewachsen ist. Die Pflanzen, die aus dem Wurzelgeflecht an die Oberfläche wuchsen, heissen Ladybug, King Midas Sound oder eben: The Bug.
Nun kam dieses Hightech-S/W-Video mit zwei Tracks aus seinem letzten Album als The Bug heraus: Angels & Devils. The Bug ist der Moniker von Kevin Martin, unter dem er Dubstep produziert. Die Bilder führen das menschliche Bewusstsein als Epiphänomen Chemischer Substanzen vor, die Welt als zerfallende Matrix.


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New Baement Tapes: When I Get My Hands On You [N]

Die Gruppe The New Baement Tapes ist ein Projekt, das Nashville-Star-Produzent T-Bone Burnett ins Leben gerufen hat. Burnett ist der Mann hinter den Soundtracks für O Brother, Where Art Thou? und Inside Llewyn Davis und er ist ein Langzeit-Produzent von Elvis Costello. Im neuen Projekt machte sich Burnett daran, einige Lyrics zu vertonen und aufzunehmen, die Bob Dylan zur Zeit der Aufnahmen mit der Band geschrieben hat, als die Basement Tapes entstanden sind (daher der Name!). Das Album Basement Tapes ist bis heute eines der wichtigsten Alben der Rockgeschichte: eine Kollaboration zwischen zwei der profiliertesten Acts ihrer Zeit, die Mutter aller Musik aus dem Neo-Americana-Genre und zeitlose Musik, die Musiker/-innen, die Kritik und Hörer/-innen bis heute zu faszinieren vermag. Mit ins Projekt zog Burnett Elvis Costello, Rhiannon Giddens (von Carolina Chocolate Drops), Taylor Goldsmith (von Dawes), Jim James und Marcus Mumford (von Mumford And Sons).
Zum bald erscheinenden Album gibt es bereits das Video When I Get My Hands On You. Verglichen mit den Basement Tapes ist das geschliffene, polierte Musik. Die damalige Musik ist vielleicht im Video als die alte Frau präsent, die als Geist umgeht, als Geist des mythologisch alten und seltsamen Amerikas. Aus den Wänden schauen Augen, aus dem Boden greifen Hände nach ihr. Sie aber entgleitet und geht leichtfüssig wie alle Geister ihren eignen Weg.

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Aus der Video-Datenbank: Holly Herndon: Home (Musikvideo) [N]





Die Mills-College-Abgängerin Holly Herndon sagte einst in einem Dummy-Interview, dass der Laptop das intimste Instrument und Werkzeug sei, das einer Künstlerin oder einem Künstler heute zur Verfügung stünde. Die Machenschaften der NSA haben aber dieses intime Verhältnis zutiefst erschüttert, schreibt Herndon im Presserelease zu ihrer neuen Single Home. Das Video zum Track führt die Irritation vor Augen, indem es das Gesicht der Musikerin von Kameras, Mikrophonen und einem NSA-Screensaver bzw. einem NSA-Wallpaper verdeckt.
Die Lyrics des Tracks bringen die Verstörung drastisch zum Ausdruck: «I can feel you in my room» und «I know that you know me better than I Know Me». Home gehört damit zu einem selten gewordenen Genre: Es ist ein zeitgenössischer Protestsong.

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Rezension: U2: Songs Of Innocence [N]

ThumbnailDas Album kam frei in die Mediatheken aller iTunes-Kundinnen und -Kunden der Welt. «Spam oder Geschenk?» fragte die NYT. Stereogum-Rezensent Tom Breihan schrieb: «Songs Of Innocence is in your iTunes right now, and there’s nothing you can do about it». Die Überlegung, die U2 angestellt haben, ist folgerichtig. Das Album würde sich zwar gut verkaufen, doch das grosse Geld kommt wohl durch den Release nicht rein, zumal die Stücke nach wenigen Wochen in den Angeboten von Spotify landen, von wo keine nennenswerten Royalties zurückfliessen. Dieses durchaus innovative Push-Geschenk wird einige der Beschenkten überraschen (freilich nicht so, wie damals Achtung Baby manche Leute überrascht hat) und einige der Überraschten werden an die Konzerte pilgern. Ob die Rechnung aufgeht, wird in den Geschichtsbüchern stehen.
Die Musik der Band klingt an einigen Stellen wie diejenige von Coldplay. Das Orginal wird zur Kopie. Auf der anderen Seite fühlen sich die Songs als die besten und frischesten seit vierzehn Jahren an. Ich habe heute Nacht ein «U2-Erlebnis» und damit hätte ich nicht gerechnet.

Arca: Thievery [N]

Arca hat sein erstes Album Xen angekündigt. Es wird anfangs November beim renommierten Mute-Label erscheinen. Der erstklassige Producer wird, das wage ich schon mal verwegen vorauszusagen, Aphex Twin die Lorbeeren im Wettbewerb um das Electronica-Album des Jahres wegstehlen. Dessen Syro erscheint in diesen Tagen digital und in zwei Wochen physisch.

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Ofra Haza: «Im Nin'Alu» - eine Genealogie [N]

Im Nin'Alu ist ein sakrales Lied der jüdischen Yemeniten, aufgeschrieben im und überliefert seit dem 17. Jahrhundert. Sein Text lautet: «Mögen die Tore der Wohlhabenden verschlossen sein, die des Himmels stehen immer offen» (meine Übersetzung aus dem Englischen). Die israelische Sängerin, Ofra Haza, deren Familie aus Yemen auswanderte, sang ihn schon 1978 im israelischen Staatsfernsehen. Damals war es noch ein orientalisches Lied, das in hippiesker Manier im Studio inszeniert wurde: westliche akustische Gitarren, Perkussion per Knieklopfen von Begleitsänger/-innen teils im Schneidersitz, die elektrische Orgel, die für den orientalischen Charakter des Lieds prägend ist, sieht man nicht. 1984 kommt der Song auf Ofra Hazas Album Yemenite Songs heraus. Jetzt ist Im Nin'Alu in einem Tonstudio mit allen Tricks der Zeit inszeniert worden. Das Lied beginnt acapella und sehr traditionalistisch (ich schreibe das natürlich als jemand, der mit westlichen Ohren ausgerüstet ist) um dann nach 50 Sekunden mit allen Traditionen zu brechen: Eine überdominante Perkussion und digitale Synthiklänge (man könnte diese beiden Elemente auch die «Verbrechen der 80er-Jahre» nennen) decken die Stimme der Sängerin zu. Vielfach werden Synthi-Elemente effektvoll in den natürlichen Flow des Songs (falls man von so etwas noch sprechen kann) hineingeschnitten als wäre es ein James-Bond-Song.
Die Produktion resonierte in unseren westlichen Ohren. Coldcut verwendeten Im Nin'Alu extensiv in ihrem Turntablisten-Remix von Paid In Full für Eric B. And Rakim. Die Musik hatte nun auch ein Label: Sie hiess nun «Worldbeat». Und so brachte Ofra Haza 1988 das Album Shaday mit einer dritten Version «ihres» Liedes heraus. Dieses machte sie nun für kurze Zeit zu einem Weltstar. Das Video zum Song zeigt sie nun mit korrigierter Nase und blasser Haut als weltmarkttaugliche Popsängerin. Im Nin'Alu schmettert den Beat schon nach wenigen Sekunden in die Welt hinaus und einige Zeilen sind nun auch in englischer Sprache gesungen.
Die drei Videos (unten) erzählen nicht nur die Genealogie eines Songs, sondern offenbaren einen für die Popmusik exemplarischen Mechanismus. Diese nährt sich oft von den Neuerungen, deren Träger/-innen Sekondos sind, die ihre Tradition zurückliessen oder zurücklassen mussten und sie in ihrer neuen Umgebung zum Kapital machen. Freilich ohne das ominöse «Geschichtsbewusstsein», das ein Luxus derer hinter den verschlossenen Toren ist.




Neue Liste: Mercury Prize Nominees 2014 [N]

Diese Aben sind für den diesjährigen Mercury Prize nominiert.

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Thema

Musikzimmer ist der Online-Katalog des Archivs für moderne Musik. Diese Seiten enthalten datenbankgestützte Informationen zu Rock, Pop und Electronica, aber auch zu deren Einflüssen, Grenzbereichen und Auswirkungen: zu Jazz, Blues, Folk, Country, moderne Klassik, Improvisation, ... – zu allem, was man als moderne Musik bezeichnen kann.

Das Archiv für Moderne Musik besteht gegenwärtig aus einem Blog, in dem Texte über Produktions- und Rezeptionsbedingungen von Moderner Musik und über den Einfluss der Technik / Technologie auf die Musik publiziert sind.

Inhalt

Die Musikzimmer-Datenbank enthält im Kern Informationen zu:

 

Die folgende Illustration zeigt das Informations- bzw. Datenbank-Konzept von Musikzimmer. Um die Hauptinformationen zu Releases, Songs, Videos und zur Literatur, gibt es Nebeninformationen (Rezensionen, News) und Superinformationen (Diskografien und Listen).

Datenbank Tabellen

Datenbank-Konzept (klick zum vergrössern)

 

Hier auf der Webseite können Sie nach den erfassten Inhalten suchen. Abfragen machen Sie entweder über das Suchfeld rechts oben oder über die Suchseite, die verschiedene Suchformulare enthält. Zusätzlich steht Ihnen ein Index zur Verfügung. Listen und wichtige Diskografien sind in diesem Index enthalten.

 

Musikzimmer begreift Veröffentlichungen als Bestandteile von Diskografien und Listen. Folgende Diskografie-Typen werden angeboten:

  • Monatsdiskografien: hier schlagen Sie beispielsweise nach, welche Veröffentlichungen und Songs im März 1989 heraus kamen,
  • Künstler- und Produzentendiskografien, hier wird Ihnen gezeigt, in welche Veröffentlichungen und Songs Brian Eno involviert war,
  • Labeldiskografien, hier finden Sie heraus, welche Veröffentlichungen und Songs bei einem bestimmten Label erschienen sind,
  • und in Genrediskografien sind stilistisch ähnliche Veröffentlichungen und Songs zusammengestellt.

 

Sodann sind Releases oder Songs in Listen zusammen gestellt. Zu solchen Listen gehören Bestenlisten von Musikzeitschriften, die einfluss- und erfolgreiche Musik enthalten, oder sie sind thematisch in anderer als stilistischer Hinsicht zusammen gestellt. Viel besucht wird die Ewigbestenliste von Musikzimmer.ch oder die Jahresbestenliste von 2012.

 

In weiteren Rubriken finden Sie:

  • Karten: grafische Navigationshilfen wie Genremaps
  • Links: eine kuratierte Linksammlung zum Thema Musik im Internet

Impressum

Die Inhalte von Musikzimmer stammen von Christian Schorno ... [weiter lesen] ...

Spotlight auf Lieblingsalbum

Mike Batt & London Symphony Orchestra [x>] [D]: Schizophonia [F] [P]

Datum: 1977

Coverbld

Label: Epic 82001

Produzent(en): Mike Batt

Genre: Rock - Progrock - Symphonicprog

Spotlight auf Songs

Drei zufällige Songs

ZZ Top [x>] [D]: La Grange [F] [P]

Fall Out Boy [x>] [D]: My Songs Know What You Did In The Dark (Light Em Up) [F] [P]

Loggins And Messina [x>] [D]: Your Mama Don't Dance [F] [P]

Spotlight auf Diskografien

Drei neuste Monatsdiskografien

September 2014 [D], August 2014 [D], Juli 2014 [D]

Drei zufällige Künstlerdiskografien

Smiths [Band] [D]

Richard D. James [Person] [D]

Sea And Cake [Band] [D]

Aktuelle Rezensionen aus andern Musikblogs

Rezensionen neuer Alben (Quellen: Pitchfork, TinyMixTapes, DustedMagazine, NoRipCord, Metacritic). Das Widget stammt von Surfing-Waves.