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Musikzimmer - News und Archiv für moderne Musik

News-Blog: Am Puls der modernen Musik [–> mehr Musik hören]

GORILLA VS BEAR JULY 2015 MIX mit Cyril Hahn [N]

Der Gorilla vs. Bear Blog veröffentlicht immer zum Monats-Ende einen Mix mit ein paar bemerkenswerten Tracks der letzten Tage - darunter auch same vom Schweizer Cyril Hahn. Ein Abschiedskuss für den Juli ...

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Die Rolle von Playlisten [N]

Kuratierte Playlisten sind hoch im Kurs, seit sie von Musikservices entdeckt worden sind. Playlisten sind ein wichtiger Funktionsteil von Spotify, Deezer, Google Play Music, YouTube, Rdio oder SoundCloud. Zuletzt hat der Launch von Apple Music mit seinen prominenten «Für dich»-Funktionen Playlisten ins Gespräch gebracht und in diesem Gespräch werden interessante Fragen gestellt.
Kuratierte Playlisten bei Apple Music
Marc Hogan spricht in seinem Pitchfork-Beitrag «How Playlists are Curating the Future of Music» viel von John Peel. Der legendäre britische Radio-DJ war der grösste Einflussfaktor für die Musik nach Punk. Wer damals bekannt geworden ist, spielte in Peels Show, wer von Peel «gepusht» wurde, ist bekannt geworden. Der Mann war der Gatekeeper für den Indiemarkt in Grossbritannien und hatte auch bei uns in der Schweiz eine grosse Wirkung, da die Macher der Radiosendung «Sounds» Peel beobachtet haben. Natürlich gibt es bei Apple Music eine Playliste mit dem Namen Artist John Peel Helped Make Famous. Marc Hogan zitiert eine Analyse des digitalen Musikmarktes der Firma MIDiA Research, die zeigt, dass das Hören von Playlisten das Hören von Alben überholt hat. Also, Playlisten als das neue und ultimative Ding?
Ich habe also noch einmal bei Apple Music gekuckt. Die bisherigen Versuche haben mich immer ganz schnell ernüchtert. Auch dieses Mal. Unter dem Titel «The Rolling Stones: Balladen» hat jemand 15 Titel der Band zusammengestellt, die nicht rocken. Bei Youtube findet man eine ähnliche Playliste unter dem Titel The Rolling Stones - Always suffering (Bridges to Babylon, 1997). Ich schüttle den Kopf, wenn man mir solche Listen präsentiert. Das ist ein Teil Snobismus aber auch ein Teil Unverständnis. Klar, ich habe eine grosse Musiksammlung Zuhause, klar, ich kenn mich aus, klar, ich brauche solche Listen nicht. Viele Leute freuen sich über eine Playliste mit Angie und Wild Horses drin. Klar, ganz klar! Aber das ist nicht mein Punkt.

Was waren gleich noch einmal die Argumente, weshalb Playlisten so unglaublich wichtig sind?
  1. Unter dem Stichwort «human touch to the process of music discovery» tut sich gegenwärtig etwas kund, was aus der Enttäuschung über die Algorithmen entstanden ist, die uns bei Amazon gesagt haben, dass Kunden, die das selbe Produkt kauften auch noch ... kauften. Statt Maschinen, die per Algorithmus oder Datenbankabfrage ein Set von Songs aus dem Archiv abrufen, wollen wir nun den klassischen Radiomoderator wie John Peel zurück. Wir wollen die Figuren zurück, die wissen, wo es musikalisch lang geht, denn wir haben den Überblick längst verloren. Mit dem «human touch» wird das Schaffen von Playlisten wieder in die Hände eines Kurators oder einer Kuratorin gelegt, die mit Kenntnis, Geschmack und Liebe die Tracks auswählt.
  2. Zweitens werden Playlisten unter dem Stichwort «best content for the right moment» gepriesen. Hier äussert sich der Wunsch, dass man jederzeit auf einen Knopf drücken kann und die richtige Musik für den jetzigen Moment abruft. Musik zum Jogging oder Musik für den Workout sind hier wichtige Szenarien. Und nicht zuletzt sicher wieder das Szenario, Musik um das Date zu verführen.

Ist die Playliste mit Stones-Balladen repräsentativ für eines der beiden Argumente? Vielleicht für das zweite. Einen «human touch» kann ich darin nicht sehen, denn die Kenntnis, der Geschmack und die Liebe, die hinter einer solchen Liste steht, lässt sich just mit einer Datenbank-Abfrage bewerkstelligen: «Gib mir alle Tracks aus mit dem Namen «Rolling Stones» und dem Stil: «Ballade». War es nicht das, wovon wir weg wollten?
Simon Reynolds beklagt auf dem Retromania-Blog die Atemporalität von Playlisten: «I'm curious how much this works towards atemporality - playlists that cut across time». Mir kommt das etwas theoretisch rüber. Es ist sein Argument aus Retromania, dass unsere Zeit kein Bewusstsein für Geschichtlichkeit mehr hat, kein Bewusstsein dafür, dass Dinge jetzt geschehen und dann vorbei sind, Geschichte sind. Wegen den verfügbaren Archiven und Services sind musikalische Ereignisse gewissermassen zeitlos, Frank Sinatra so verfügbar wie Titus Andronicus. Die Argumentation von Simon Reynolds macht mich nicht jubeln, denn ich bin überzeugt, dass eine gute Playliste nur aus einem einigermassen umfassenden Archiv oder einer liebevoll erlesenen Musiksammlung zusammengestellt werden kann. Reynolds Argumentation erinnert mich aber an eine Erfahrung, die ich gerade neulich bei Apple Music gemacht habe. Ich suchte nach dem ersten Album von Joan Baez. Es erschienen nach der Abfrage etwa 100 Alben, die meisten davon irgendwelche Greatest-Hits-Zusammenstellungen. Das gesuchte Album war zwei Mal enthalten als Album mit dem Namen «Joan Baez» und als Remaster-Album mit dem Titel: «Joan Baez Original 1960 Album». Wenn jemand nun den Joan-Baez-Track Silver Dagger ab dieser LP von 1960 für eine Playliste sucht, dann wird er oder sie als Top-Suchergebnis den Track aus einer gleichnamigen Compilation von 2009 erhalten. In der Trackliste scheint es dann, dass der Song von 2009 stammt. Hat Simon Reynolds also doch recht? In der bereits erwähnten Rolling Stones Playliste von Apple Music kommt der Track «Time is On My Side» vor. Er ist offenbar ab dem Sampler The Very Best of the Rolling Stones 1964-1971 genommen, erschienen 2013. Zu meinem Erstaunen ist der Track aber nicht das Original, sondern eine andere Version wahrscheinlich aus der Zeit. Ich weiss nicht, welche Version nun wirklich auf diesem Sampler zu finden ist. AllMusic gibt mir die richtige Version aus. Ich vermute, dass Apple Music einen falschen Track gespeichert hat. Diese Dinge ärgern mich. Musikservices sind keine Arbeitsmittel für jemanden wie mich, der es historisch genau nimmt.
Late Night Tales: Four Tet (2004)Ein Beispiel einer vorbildlichen Playliste ist Four Tets Late Night Tales Mix - eher eine kuratorische Arbeit als ein DJ-Mix -, der aus allerlei Psychedelia besteht, aus Jazz, Rock, Postrock und Electronica. Das Album ist 2004 erschienen, auch wenn Ihnen Ihr Music Service etwas anders sagt. Youtube hat einige der Tracks in einer Playliste und Apple Music stellt das ganze Album zur Verfügung.



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Aus der Video-Datenbank: Jenny Hval: Sabbath (Musikvideo) [N]

Das Video zu diesem bemerkenswerten Song von Jenny Hval wurde mit einem Mobil-Telefon aufgenommen. Der Song ist ein surrealer Report (eine Art Tagebuch-Text) über das Erwachen der Sexualität mit sechs oder sieben Jahren ...



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Im Musikzimmer Blog: Southern Journey: Full Text [N]

Der gesamte Text zu meiner Südstaatenreise ist nun auf dem Blog greifbar.

[Musikzimmer Text Blog]

Neue Liste: From Edison To Marconi. The First Years Of Recorded Music [N]

Quelle: Mainspringpress.com
Die gepackte Atmosphäre einer mechanischen Aufnahmesession (Bild: mainspringpress.com)
Kompositionen, aus den ersten Jahren der konservierten Musik (1897 bis 1919), die auch heute noch bekannt und vertraut sind.
Diese Songs wurden alle noch mechanisch aufgenommen, d.h. in einen Trichter gesungen mit dem Orchester im selben Raum. Die kräftigen Stimmen von Vaudeville-Sänger/-innen waren dafür geeignet. Heute scheinen uns die Stimmen und ihre Artikulation übertrieben, fast lächerlich. Es geht uns ähnlich mit den Gesten von Schauspieler/-innen im Stummfilm. Auch diese scheinen zu aufgesetzt. My Melancholy Baby dient hier als Kontrast. Der Song ist eine elektrische oder Mikrophon-Aufnahme. Hier wird die Stimme sanfter, was wir natürlicher finden.

Über Musikzimmer

Musikzimmer ist ein Online-Katalog für moderne Musik, der von Christian Schorno betrieben wird, einem Musikliebhaber, Kurator und Dozenten für Populäre Musik aus Zürich.

Die Frontseite von Musikzimmer berichtet regelmässig über aktuelle Musik und über musikgeschichtliche Zusammenhänge. Die Beiträge verweisen auf Inhalte im datenbankgestützten Katalog. Hier auf der Titelseite und auf der Schaufenster-Seite gibt es immer aktuelle und interessante Musik zu hören und Videos zu schauen.

Christian Schorno bietet verschiedene Dienstleistungen im Zusammenhang mit Musik an, z.B. Popquishows oder Vorträge.

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Leitbild

Der Kern des Musikzimmer-Projekts besteht im Aufbau und der Pflege der Datenbank. Die Datenbank enthält Informationen zu Populärer Musik, aber auch zu ihren Einflüssen, Grenzbereichen und Auswirkungen: zu Jazz, Blues, Folk, Country, moderner Klassik oder Improvisation – kurz, zu allem, was man als moderne Musik bezeichnen kann. Populäre Musik ist eine historisch und kontextuell bedingte künstlerische Ausdrucksform. Die enthaltene Musik soll möglichst weite Teile der Geschichte der Populären Musik wiederspiegeln. Da gehört Pop für die Massen (Abba oder Backstreet Boys) genauso dazu wie Musiker/-innen und Bands, die in Nischen leben (Focus Group oder Deafheaven), Musik der Zentren (New York, Los Angels, Nashville, London, Berlin) genauso wie Musik der Peripherie (Missisippi Delta, Seattle, Bristol), Musik, die bei kleinen und unabhängigen Labeln («Indies») verlegt wird und Musik von den drei weltweit operierenden «Majors».
Ein zweites Projekt besteht darin, die Musik digital zu archivieren, die in der Datenbank erfasst ist. Dieses Archiv für Moderne Musik soll der Zielgruppe der Forschenden und künstlerisch tätigen Personen zugänglich gemacht werden. Hierfür gibt es zur Zeit aber noch keine erschwinglichen und administrativ bewältigbaren Lizenzmodelle. Deshalb ist das Archiv vorläufig privat.

Zweck des Projekts

Die Musikzimmer-Datenbank dient zuerst der Systematisierung der Musiksammlung von Christian Schorno und damit letztlich seiner Tätigkeit als DJ, Kurator von Popquizshows oder Dozent. Die Stärke der Internet-Technologie besteht darin, dass die private Arbeit stets öffentlich sichtbar ist. Ein privater Nutzen ist damit zugleich der Nutzen der gesamten interessierten Öffentlichkeit.

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Aktuelle Rezensionen aus andern Musikblogs

Rezensionen neuer Alben (Quellen: Pitchfork, TinyMixTapes, DustedMagazine, NoRipCord, Metacritic). Das Widget stammt von Surfing-Waves.