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Musikzimmer - News und Archiv für moderne Musik

News-Blog ... am Puls der modernen Musik

Aus der Video-Datenbank: Holly Herndon: Home (Musikvideo) [N]





Die Mills-College-Abgängerin Holly Herndon sagte einst in einem Dummy-Interview, dass der Laptop das intimste Instrument und Werkzeug sei, das einer Künstlerin oder einem Künstler heute zur Verfügung stünde. Die Machenschaften der NSA haben aber dieses intime Verhältnis zutiefst erschüttert, schreibt Herndon im Presserelease zu ihrer neuen Single Home. Das Video zum Track führt die Irritation vor Augen, indem es das Gesicht der Musikerin von Kameras, Mikrophonen und einem NSA-Screensaver bzw. einem NSA-Wallpaper verdeckt.
Die Lyrics des Tracks bringen die Verstörung drastisch zum Ausdruck: «I can feel you in my room» und «I know that you know me better than I Know Me». Home gehört damit zu einem selten gewordenen Genre: Es ist ein zeitgenössischer Protestsong.

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Rezension: U2: Songs Of Innocence [N]

ThumbnailDas Album kam frei in die Mediatheken aller iTunes-Kundinnen und -Kunden der Welt. «Spam oder Geschenk?» fragte die NYT. Stereogum-Rezensent Tom Breihan schrieb: «Songs Of Innocence is in your iTunes right now, and there’s nothing you can do about it». Die Überlegung, die U2 angestellt haben, ist folgerichtig. Das Album würde sich zwar gut verkaufen, doch das grosse Geld kommt wohl durch den Release nicht rein, zumal die Stücke nach wenigen Wochen in den Angeboten von Spotify landen, von wo keine nennenswerten Royalties zurückfliessen. Dieses durchaus innovative Push-Geschenk wird einige der Beschenkten überraschen (freilich nicht so, wie damals Achtung Baby manche Leute überrascht hat) und einige der Überraschten werden an die Konzerte pilgern. Ob die Rechnung aufgeht, wird in den Geschichtsbüchern stehen.
Die Musik der Band klingt an einigen Stellen wie diejenige von Coldplay. Das Orginal wird zur Kopie. Auf der anderen Seite fühlen sich die Songs als die besten und frischesten seit vierzehn Jahren an. Ich habe heute Nacht ein «U2-Erlebnis» und damit hätte ich nicht gerechnet.

Arca: Thievery [N]

Arca hat sein erstes Album Xen angekündigt. Es wird anfangs November beim renommierten Mute-Label erscheinen. Der erstklassige Producer wird, das wage ich schon mal verwegen vorauszusagen, Aphex Twin die Lorbeeren im Wettbewerb um das Electronica-Album des Jahres wegstehlen. Dessen Syro erscheint in diesen Tagen digital und in zwei Wochen physisch.

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Ofra Haza: «Im Nin'Alu» - eine Genealogie [N]

Im Nin'Alu ist ein sakrales Lied der jüdischen Yemeniten, aufgeschrieben im und überliefert seit dem 17. Jahrhundert. Sein Text lautet: «Mögen die Tore der Wohlhabenden verschlossen sein, die des Himmels stehen immer offen» (meine Übersetzung aus dem Englischen). Die israelische Sängerin, Ofra Haza, deren Familie aus Yemen auswanderte, sang ihn schon 1978 im israelischen Staatsfernsehen. Damals war es noch ein orientalisches Lied, das in hippiesker Manier im Studio inszeniert wurde: westliche akustische Gitarren, Perkussion per Knieklopfen von Begleitsänger/-innen teils im Schneidersitz, die elektrische Orgel, die für den orientalischen Charakter des Lieds prägend ist, sieht man nicht. 1984 kommt der Song auf Ofra Hazas Album Yemenite Songs heraus. Jetzt ist Im Nin'Alu in einem Tonstudio mit allen Tricks der Zeit inszeniert worden. Das Lied beginnt acapella und sehr traditionalistisch (ich schreibe das natürlich als jemand, der mit westlichen Ohren ausgerüstet ist) um dann nach 50 Sekunden mit allen Traditionen zu brechen: Eine überdominante Perkussion und digitale Synthiklänge (man könnte diese beiden Elemente auch die «Verbrechen der 80er-Jahre» nennen) decken die Stimme der Sängerin zu. Vielfach werden Synthi-Elemente effektvoll in den natürlichen Flow des Songs (falls man von so etwas noch sprechen kann) hineingeschnitten als wäre es ein James-Bond-Song.
Die Produktion resonierte in unseren westlichen Ohren. Coldcut verwendeten Im Nin'Alu extensiv in ihrem Turntablisten-Remix von Paid In Full für Eric B. And Rakim. Die Musik hatte nun auch ein Label: Sie hiess nun «Worldbeat». Und so brachte Ofra Haza 1988 das Album Shaday mit einer dritten Version «ihres» Liedes heraus. Dieses machte sie nun für kurze Zeit zu einem Weltstar. Das Video zum Song zeigt sie nun mit korrigierter Nase und blasser Haut als weltmarkttaugliche Popsängerin. Im Nin'Alu schmettert den Beat schon nach wenigen Sekunden in die Welt hinaus und einige Zeilen sind nun auch in englischer Sprache gesungen.
Die drei Videos (unten) erzählen nicht nur die Genealogie eines Songs, sondern offenbaren einen für die Popmusik exemplarischen Mechanismus. Diese nährt sich oft von den Neuerungen, deren Träger/-innen Sekondos sind, die ihre Tradition zurückliessen oder zurücklassen mussten und sie in ihrer neuen Umgebung zum Kapital machen. Freilich ohne das ominöse «Geschichtsbewusstsein», das ein Luxus derer hinter den verschlossenen Toren ist.




Neue Liste: Mercury Prize Nominees 2014 [N]

Diese Aben sind für den diesjährigen Mercury Prize nominiert.

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FKA Twigs: Stay With Me [N]

Die ganz in Blau getauchte FKA Twigs covert für die «Live Lounge» von BBC Radio 1 den Song Stay With Me von Sam Smith. Kühl und zerbrechlich, aber unglaublich gekonnt.

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Genealogie: The Normal: Warm Leatherette [N]

The Normal war Daniel Miller, der das Mute-Label gründete, auf dem viele relevante Synthpop-Acts zuhause waren. Der Track mit seinem Sägezahngenerator-Sound klingt heute noch schroff. Damals war er absolut avantgardistisch. Die Lyrics sind der Novelle «Crash» von J.G. Ballard entnommen und beschreiben die Wahrnehmungen in den letzten Sekunden eines Car-Crash-Fetischisten, der in einem Unfall stirbt.



Der Track wurde zuerst von Grace Jones gecovert, später unter anderem von Chicks On Speed.





Eine Übersetzung ins Deutsche haben Laibach besorgt (herausgekommen 2012). Bei ihnen heisst die Nummer Warme Lederhaut:



Eine neue Bearbeitung hat Atom™ (Uwe Schmidt, Señor Coconut) letztes Jahr unter dem Namen Empty gemacht. Dieser Track spielt mit Video Killed The Radio Star und schreibt die Mediengeschichte der Populären Musik fort, wenn es heisst: «Internet Killed the video star» und «MP3 killed the MTV». Und «MTV» ist seither «Emty» - schönes Wortspiel!


Aphex Twin: minipops 67 (120.2)(source field mix) [N]

Das neue Aphex Twin Album Syro ist in Sicht: Der erste verfügbare Track daraus heisst minipops 67 (120.2)(source field mix). Beim ersten Hören auffallend: der verstimmte Gesang. Bin gespannt ob Aphex Twin mit dem neuen Release noch einmal Neuland zu gewinnen vermag.

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Muleskinner Blues (Blue Yodel #8) [N]

Jimmie Rodgers nahm 1930 seinen Muleskinner Blues (Blue Yodel #8) für RCA Victor auf. Der Song gibt das Bewerbungsgespräch eines Maultiertreibers wieder. Rodgers war einer der ersten Country-Stars, die das Genre hervorgebracht hat. Leider verstarb er mit 35 Jahren nach kurzer Karriere an Tuberkulose. Interessant ist, dass die Countrymusik der 30er-Jahre noch viele hörbare Elemente des Blues aufweist. Offensichtlich ist auch der Einfluss des Jodelns aus den Alpen.
Der Muleskinner Blues wurde 1960 vom Rockabilly-Duo The Fendermen in einer schnellen und elektrischen Version gecovert. Dieses Duo bestehend aus Jim Sundquist und Phil Humphrey nannte sich nach ihren Instrumenten: Einer der beiden spielte eine Fender-Stratocaster, der andere eine Telecaster.


Greil Marcus: The History Of Rock 'n' Roll In Ten Songs [N]

coverVon vielleicht wichtigsten Rock-Schriftsteller kommt ein neues Buch mit dem Titel: «The History Of Rock And Roll In Ten Songs». Dass einer die reiche Geschichte des Rock and Roll, d.i. die amerikanisch-stämmige Populäre Musik, in nur zehn Songs erzählen möchte, klingt etwas vermessen. Aber wenn es sich um Greil Marcus handelt, dann nehmen wir das ernst. Wenn jemand eine Essenz der Rockmusik in zehn Stücken zu erfassen vermag, dann ist das er.
Drei der zehn Songs sind Shake Some Action von den Flamin' Groovies (produziert übrigens von Dave Edmunds - siehe unten), Transmission von Joy Division und Money Changes Everything von Cyndi Lauper.





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Thema

Musikzimmer ist der Online-Katalog des Archivs für moderne Musik. Diese Seiten enthalten datenbankgestützte Informationen zu Rock, Pop und Electronica, aber auch zu deren Einflüssen, Grenzbereichen und Auswirkungen: zu Jazz, Blues, Folk, Country, moderne Klassik, Improvisation, ... – zu allem, was man als moderne Musik bezeichnen kann.

Das Archiv für Moderne Musik besteht gegenwärtig aus einem Blog, in dem Texte über Produktions- und Rezeptionsbedingungen von Moderner Musik und über den Einfluss der Technik / Technologie auf die Musik publiziert sind.

Inhalt

Die Musikzimmer-Datenbank enthält im Kern Informationen zu:

 

Die folgende Illustration zeigt das Informations- bzw. Datenbank-Konzept von Musikzimmer. Um die Hauptinformationen zu Releases, Songs, Videos und zur Literatur, gibt es Nebeninformationen (Rezensionen, News) und Superinformationen (Diskografien und Listen).

Datenbank Tabellen

Datenbank-Konzept (klick zum vergrössern)

 

Hier auf der Webseite können Sie nach den erfassten Inhalten suchen. Abfragen machen Sie entweder über das Suchfeld rechts oben oder über die Suchseite, die verschiedene Suchformulare enthält. Zusätzlich steht Ihnen ein Index zur Verfügung. Listen und wichtige Diskografien sind in diesem Index enthalten.

 

Musikzimmer begreift Veröffentlichungen als Bestandteile von Diskografien und Listen. Folgende Diskografie-Typen werden angeboten:

  • Monatsdiskografien: hier schlagen Sie beispielsweise nach, welche Veröffentlichungen und Songs im März 1989 heraus kamen,
  • Künstler- und Produzentendiskografien, hier wird Ihnen gezeigt, in welche Veröffentlichungen und Songs Brian Eno involviert war,
  • Labeldiskografien, hier finden Sie heraus, welche Veröffentlichungen und Songs bei einem bestimmten Label erschienen sind,
  • und in Genrediskografien sind stilistisch ähnliche Veröffentlichungen und Songs zusammengestellt.

 

Sodann sind Releases oder Songs in Listen zusammen gestellt. Zu solchen Listen gehören Bestenlisten von Musikzeitschriften, die einfluss- und erfolgreiche Musik enthalten, oder sie sind thematisch in anderer als stilistischer Hinsicht zusammen gestellt. Viel besucht wird die Ewigbestenliste von Musikzimmer.ch oder die Jahresbestenliste von 2012.

 

In weiteren Rubriken finden Sie:

  • Karten: grafische Navigationshilfen wie Genremaps
  • Links: eine kuratierte Linksammlung zum Thema Musik im Internet

Impressum

Die Inhalte von Musikzimmer stammen von Christian Schorno ... [weiter lesen] ...

Spotlight auf Lieblingsalbum

Andrew Hill [x>] [D]: Point Of Departure [F] [P]

Datum: 1964 03 31

Coverbld

Label: Blue Note BST 84167

Produzent(en):

Genre: Jazz

Spotlight auf Songs

Drei zufällige Songs

Professor Longhair And His New Orleans Boys [x>] [D]: Mardi Gras In New Orleans [F] [P]

Karlheinz Stockhausen [x>] [D]: Kurzwellen [F] [P]

Coasters [x>] [D]: Along Came Jones [F] [P]

Spotlight auf Diskografien

Drei neuste Monatsdiskografien

August 2014 [D], Juli 2014 [D], Juni 2014 [D]

Drei zufällige Künstlerdiskografien

Scritti Politti [Band] [D]

Tim Buckley [Person] [D]

Etta James [Person] [D]

Aktuelle Rezensionen aus andern Musikblogs

Rezensionen neuer Alben (Quellen: Pitchfork, TinyMixTapes, DustedMagazine, NoRipCord, Metacritic). Das Widget stammt von Surfing-Waves.