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Rezensionen Novemeber 2009

Vindicatrix [x>] [D]: Die alten bösen Lieder [Double Sided 12'' Vinyl Single, CDr] [F] [P]

CoverLabel: Mordant Music MM 038
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 11 (Vinyl), 2010 01 (Netaudio)
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Dubstep, Neo-Europeana

Ich geb's zu: Das hier ist Uneasy-Listening. Willst du etwas hören, was du noch nie gehört hast, ausser in schlechten Träumen, versuch's mit diesen alten bösen Liedern.
Vindicatrix ist der Londoner David Aird. Seine Musik kommt auf Mordant Music heraus, dem britischen Label für obskure Musik, das auch schon Shackleton herausgebracht hat. Was mit Die alten bösen Lieder vorliegt, ist eine eigenartig idiosynkratische Hybride aus Scott Walkers Gesang (ruined crooning), spätromantischen Streicherarrangements (grey as nightmare) und Dubstep-Beats (drums crashing and bashing like flayling limbs) – die englischen Ergänzungen in Klammer stammen alle aus der Rezension von Mark Fisher in The Wire (311, p.57). Die alten bösen Lieder enthalten Musik, die mir vorkommt wie die Möbel und Einrichtungsgegenstände in einem Art Nouveau Antiquitätenhandel. Schwarzes Leder, schummriges Licht, skuril und artifiziell in die Höhe gezogene Formen, Deutschland in der Hitlerzeit. Die Musik klingt wie die Anfangssekunden aus Lou Reeds Berlin auf Albumlänge weitergeführt. Das hier ist, um noch einmal Mark Fisher zu zitieren: a ridiculous-sublime song suite of ramshackle majesty.

Trackliste:

1. Dein Schwert - 8:33 2. Audi Nostra Suspiria - 4:49 3. The Silken Cell - 8:55 4. Lack Of Correspondence - 6:35 5. Rubbing Pages Out - 4:01 6. Insulinde - 9:21 7. Punctured - 5:55 8. A Long Straight Road In A Cold City - 9:20
Seite A 1. Something In The Night Pt. 1 and 2
Seite B (AA) 1. Something In The Night Pt. 3
Alle Tracks: Vindicatrix.

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Rezensionen Oktober 2009

Matias Aguayo [x>] [D]: Ay Ay Ay [F] [P]

CoverLabel: Kompakt 076
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 10 26
Genre: Electronica - Minimaltechhouse - Tecnocumbia

Ein NZZ Artikel über Tecnocumbia von Tobias Feld brachte mir diesen Release näher. Matias Aguayo verwendet für seine Stücke auf Ay Ay Ay vorwiegend Vocalsamples. Rhythmus, Melodie, Harmonie – alles mit seiner Stimme gemacht. Das ist ein interessanter Ansatz, nur ist Matias' Stimme zu wenig interessant, zu wenig facettenreich, um eine ganze CD zu füllen.

Trackliste:

1. Menta Latte - 6:32 2. Ritmo tres - 4:26 3. Rollerskate - 6:09 4. Desde Rusia - 5:12 5. Ritmo Juarez - 5:00 6. Koro Koro - 4:49 7. Mucho viento - 4:59 8. Ay Ay Ay - 6:05 9. Ay Shit - The Master - 4:41 10. Me vuelvo loca - 3:37 11. Juanita - 7:07
Alle Tracks: Matias Aguayo.

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Broadcast & Focus Group [x>] [D]: Broadcast & The Focus Group Investigate Witch Cults Of The Radio Age [F] [P]

CoverLabel: Warp 189
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 10 26
Genre: Electronica - Synthtronica - Analogelectronica, Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground

Zwei der Hauptexponenten des Hauntology-Genres haben sich zusammengetan und bringen bei Warp dieses Album heraus: Broadcast & The Focus Group Investigate Witch Cults Of The Radio Age. Das ist keine homöopatische, sondern eine doppelte Dosis Hauntology: Jagd nach okkulten musikalischen Momenten in der frühelektronischen Musiklandschaft Englands. Wir hören doppelt so viele G/min – Gespenster pro Minute.
Ein Gemeinschaftswerk von Julian House, dem Mann hinter dem Namen Focus Group und Gründer des Ghostbox-Labels, und von Broadcast, die am Anfang unseres Jahrzehnts als Band vollendete und unvergessliche Indietronica-Musik gemacht haben und längst zu einem Duo geschrumpft sind. Mit dieser personellen Reduktion der Band verloren Broadcast nicht nur die Rhytmussektion sondern auch den Boden unter den füssen (und das ist durchaus im guten Sinn gemeint). Sie folgten als sie zum Duo schrumpften dem weissen Kaninchen aus Alice in Wonderland und schweben seither im feinstofflichen Äther englischer Zauberlandschaften. Sie lassen sich in alte Platten, Tapes, Filme und Radioaufzeichnungen hineinfallen und explorieren die wundersamen Welten, die sich dort offenbaren. Im The Wire Artikel steht, welches historische Klangmaterial für diese CD eine Rolle gespielt hat, nämlich die okkulte Strömung in der frühen elektronischen Musik der Endsechziger und beginnenden 70er: Bruce Haacks Electric Lucifer, Zodiacs: Cosmic Sounds, Mort Garsons Black Mass Lucifer und Ataraxias The Unexplained, Mick Jaggers Soundtrack Invocation Of My Demon Brother für den gleichnamigen Kenneth Anger Kurzfilm oder Joe Meek, der versuchte, die Stimmen der Toten aufzunehmen, und natürlich das unvermeidliche An Electric Storm von White Noise (siehe: The Wire, Nummer 308, Seiten 39ff.). Für mich stellt dieses Album den Beginn einer wunderbaren Hörreise zurück in die Vergangenheit elektronsicher Musik dar, auch wenn es dem Hauntology-Genre nichts wesentlich Neues hinzufügt.

Trackliste:

1. Intro / Magnetic Tales - 0:38 2. The Be Colony - 4:31 3. How Do You Get Along Sir? - 1:10 4. Will You Read Me. - 1:20 5. Reception / Group Therapy - 1:19 6. A Quiet Moment - 0:58 7. I See, So I See So - 2:08 8. You Must Wake - 1:35 9. One Million Years Ago - 2:16 10. A Seancing Song - 2:19 11. Mr Beard, You Chatterbox - 1:24 12. Drug Party - 1:28 13. Libra, The Mirror's Minor Self............ - 2:45 14. Love's Long Listen-in....................... - 1:47 15. We Are After All Here - 2:32 16. A Medium's High - 2:29 17. Ritual / Looking In - 4:20 18. Make My Sleep His Song - 2:41 19. Royal Chant - 2:14 20. What I Saw - 1:02 21. Let It Begin / Oh Joy - 3:28 22. Round and Round and Round - 1:39 23. The Be Colony / Dashing Home / What on Earth Took You? - 2:30
Alle Tracks: Broadcast und Focus Group.

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Rezensionen September 2009

Andrew Weatherall [x>] [D]: A Pox On The Pioneers [F] [P]

CoverLabel: Rotters Golf Club RGCCD017
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 09 27
Genre: Postrock - Indietronica

Andrew Weatherall war der Produzent von Primal-Scream, der Remixer unzähliger Acts, der Regisseur von Sabres Of Paradise und den Two Lone Swordsmen. Seine neue CD klingt rockig und transportiert eine eher düstere Stimmung.
Fantastische und eingängige Musik, aber schwer klassifizierbar. Klar Indietronica, das ist nicht falsch. Aber Herr Weatherall ist zu eigenständig, man müsste einen eigenen Genre-Begriff f?ür diese Musik finden. Jemand schreibt, es handle sich um Swamp-Rock – elektronischer Swamp-Rock, ja, mit dieser Einschätzung kann ich leben. Einziger Abstrich an der Musik: Von einer Band eingespielt hätte sie noch mehr Lebendigkeit. Man merkt der CD an, dass sie am elektronischen Reissbrett entstanden und produziert wurde. Nun gut, dafür ist der Mann schliesslich bekannt.

Trackliste:

1. Fail We May, Sail We Must - 3:54 2. Privately Electrified - 5:35 3. Miss Rule - 3:35 4. Selective Walking - 4:11 5. Liar With Wings - 3:55 6. Let's Do The 7 Again - 3:41 7. A Pox On The Pioneers (Chris Mackin) - 4:15 8. All The Little Things (That Make Life Worth Living) - 4:54 9. Built Back Higher (Keith Tenniswood) - 3:56 10. Walk Of Shame - 6:25
Alle Tracks: Andrew Weatherall, Steve Boardman, ausser wo anders vermerkt.

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Kid Cudi [x>] [D]: Man On The Moon: The End Of The Day [F] [P]

CoverLabel: Universal Motown B 0013195
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 09 15
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Poprap, Afroamericana - R'n'B - R'n'B-Renaissance

Kid Cudi ist ein Protegé von Kanye West und arbeitete mit diesem am letztjährigen Meilenstein 808s And Heartbreak mit. Hier kommt mehr von diesem afroamerikanischen Poptronica-Entwurf. Der Bezug zu Kanye West ist offen hörbar, aber das ist nicht negativ gemeint, denn Kid Cudis Debut, das als ein loses Konzeptalbum und als erster Teil einer Trilogie angelegt ist, übertrifft das Album des Meisters mit Leichtigkeit. Eingängige Melodien, interessante Samples, Lyrics eines jungen angstgerittenen und selbstreflektiven Manns, die Kombination von Soul und Breakbeat – ein grossartiges Album.

Trackliste:

1. In My Dreams - (Haynie, Mescudi) - 3:18 2. Soundtrack 2 My Life (Mescudi) - 3:55 3. Simple As... (Humphreys, McCluskey, Mescudi, Reynolds) - 2:31 4. Solo Dolo (Nightmare) (Brenneck, Guy, Mescudi, Michels) - 4:26 5. Heart of a Lion (Baptiste, McHenry, Mescudi) - 4:21 6. My World (feat. Billy Cravens) (Bhasker, Kawczynski, Mescudi, Padovan, Puterflam, Reynolds) - 4:02 7. Day N Nite (Nightmare) (Mescudi, Omishore) - 3:41 8. Sky Might Fall (Mescudi, West) - 3:40 9. Enter Galactic (Friedman, Mescudi) - 4:20 10. Alive (feat. Ratatat) (Nightmare) (Mast, Mescudi, Stroud) - 4:06 11. Cudi Zone (Haynie, Mescudi) - 4:19 12. Make Her Say (Germanotta, Henderso, Khayat, Lynn, Mescudi, Najm, Prescott, Walker, West) - 3:36 13. Pursuit of Happiness (feat. MGMT & Ratatat) (Nightmare) (Mast, Mescudi, Stroud) - 4:55 14. Hyyerr (feat. Chip tha Ripper) (Chip Tha Ripper, Gamble, Huff, Kalla, Mescudi) - 3:32 15. Up Up & Away (Baptiste, McHenry, Mescudi, Whyte) - 3:47

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Rezensionen August 2009

Wild Beasts [x>] [D]: Two Dancers [F] [P]

CoverLabel: Domino WIG 238
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 08 03, 2009 09 08 (US)
Genre: Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Artrock

Das Schattenspiel zweier Tänzer schwebt sachte durch einen zu hell erleuchteten Raum, von dem niemand weiss, ob er ein Theater oder ein Tanzsaal ist. Die Wild Beasts sind eine junge Artpop-Band aus der nordenglischen Stadt Kendall, die ein Gespür für Popsongs hat.
Das zweite Album der mittlerweile in Leeds ansässigen Gruppe, Two Dancers, ist eine runde Sache, viel raffinierter als der Erstling Limbo, Panto, der viele stimmungsmässige Brüche enthielt und vielleicht einfach zu überambitioniert war, zu viele Ideen in einen Song packte. Die Musik auf Two Dancers ist feingestrickt, schafft aber kare Strukturen bzw. Texturen, vor denen sich die Stimmen, vorab das Falsett des Gitaristen und Leadsängers Hayden Thorpe als das prägende Merkmal ausnimmt und den Songs ein theatralisches Element gibt.

Trackliste:

1. The Fun Powder Plot - 5:35 2. Hooting & Howling - 4:35 3. All the King's Men - 3:59 4. When I'm Sleepy - 2:09 5. We Still Got the Taste Dancin' on Our Tongues - 4:35 6. Two Dancers (i) - 4:06 7. Two Dancers (ii) - 2:37 8. This Is Our Lot - 4:32 9. Underbelly - 1:54 10. Empty Nest - 3:24
Alle Tracks: Wild Beasts.

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Helena Espvall & Masaki Batoh [x>] [D]: Overloaded Ark [F] [P]

CoverLabel: Drag City DC 388
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 08
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Spacefolk, Akademica - Renaissance-Musik

Helena Espvall ist eine schwedisch-amerikanische Cellistin und Gitarristin. Sie spielt bei Espers, arbeitete mit Pauline Olivieros und Eugene Chadbourne zusammen. Masaki Batoh spielt in Ghost, der genialen japanischen Neo-Psych-Band. Overloaded Ark ist bereits das zweite Album des Duos. Der Erstling Helena Espvall & Masaki Batoh kam in die Musikzimmer-Bestenliste von 2008. Die beiden spielen Freakfolk, der eine Kombination zwischen mittelalterlicher Musikliteratur (Troubadourmusik) und schwelgerischen Instrumentaltexturen (Space-Folk) darstellt. Auf dieses zweite Album war ich natürlich besonders gespannt. Es begeistert mich erneut.
Die CD beginnt mit einem anonymen Stück aus dem späten Mittelalter, das als Saltorello bekannt (auf Aion von Dead Can Dance zu finden) und hier als Little Blue Dragon überschrieben ist – 500 Jahre alte, mitreissende Tanzmusik. Dieses Stück zieht deine Aufmerksamkeit auf sich, holt dich ab. Doch so festlich geht die CD nicht weiter: Es folgen zwei längere Stücke, zuerst der Titelsong mit einem hypnotischen aber langsamen Beat auf einer electronischen Noise-Textur (ein elektronischer Dschungel), der plötzlich jäh von einem Brummton unterbrochen wird. Wenn die Musik wieder einsetzt, dann wird sie mit Gitarren und Hurdygurdy überrmalt. Der Track entwickelt sich langsam ist stimmungsvoll, aber strukturarm als hätte es im Mittelalter bereits Technomusik gegeben - Musik, die funktional darauf ausgerichtet ist, die Leute zum tanzen zu bringen. Until Tomorrow ist eine psychedelische Freakfolknummer, in der zwei Gitarren sich umspielen als würden sie miteinander tanzen, darüber trämerisch singende Stimmen, vielleicht wie von alten Geistern. Stellenweise kommen Pink Floyd zur Zeit von Ummagumma oder Meddle in den Sinn. Die vier eigenen Nummern tendieren zur Länge, wo die fünf traditionellen Kompositionen kurz gehalten werden. Beide ergänzen sich sehr gut, da die traditionellen Stücke strukturell stark sind. Ein Anspieltipp ist hier neben dem ersten Stück das ebenso kurze wie charmante Tourdion, ein Intermezzo von nur etwa einer Minute. Die eigenen Stücke von Espvall und Batoh schwelgen in reichen Texturen aus Cello, Gitarre und alten Instrumenten. Die CD ist so sehr spannungsreich aufgebaut, fällt aber nirgendwo auseinander.

Trackliste:

1. Little Blue Dragon (Anonymous) - (2:27) 2. Overloaded Ark (11:11) 3. Until Tomorrow (12:22) 4. Sueño Con Serpientes (Silvio Rodriguez) - (4:58) 5. Pro-Peccatis Suae Gentis / Nun Fanget An (Hans Leo Hassler, Orlando di Lasso) - (3:09) 6. Tourdion (Pierre Attaingnant) - (1:07) 7. Over The Luminous Land (10:34) 8. Vem Kan Segla (Anonymous) - (1:24) 9. Sham No Umi (7:42)
Alle Traclks: Helena Espvall, Masaki Batoh, ausser wo anders vermerkt.

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Rezensionen Juli 2009

Dead Weather [x>] [D]: Horehound [F] [P]

CoverLabel: Third Man 519785
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 07 13
Genre: Post-Millennial-Music - Garagerock-Revival - Garageblues

Schon wieder eine neue Band von Wite Stripe Jack White, nach den Raconteurs nun Dead Weather. Aber moment mal, das ist nicht irgend eine neue Band von Jack White, sondern eine Supergruppe bestehend aus Alison Mosshart von den Kills und den Raconteurs am Mikro, Little Jack Lawrence am Bass (ebenfalls von den Raconteurs) und Dean Fertita von Queens of the Stone Age an der Gitarre und an den Synths. Ach ja, und Jack White spielt drums und nicht etwa Gitarre!
Dean Fertita spielt wie gesagt nicht nur Gitarre, sondern auch Synths. Die Keyboards bringen einen interessanten neuen Impuls in den Sound der Jack White-Bands. 60 Feet Tall schafft es, dich in Hochspannung zu versetzen, wie wenn der DJ den Beat eines Technotracks kommen und gehen lässt. I Cut Like A Buffalo klingt wie neurotische Version von Deep Purple. Nach dem schleppend-schweren So Far From Your Weapon kommt die ausgekoppelte Single Treat Me Like Your Mother. Mit auf der CD ist das Dylan Stück New Pony aus Street Legal.
Die elf Stücke auf Horehound kommen noch näher an das heran, was Led Zeppelin heute machen würden, wenn sie jung wären und noch spielten. Sie waren ja auch eine sogenannte Supergruppe, eine Gruppe, deren Mitglieder sich aus mehreren bereits erfolgreichen Bands zusammentun.

Trackliste:

1. 60 Feet Tall (Mosshart, Fertita) - 5:31 2. Hang You From The Heavens (Mosshart, Fertita) - 3:37 3. I Cut Like A Buffalo (White) - 3:28 4. So Far From Your Weapon (Mosshart) - 3:37 5. Treat Me Like Your Mother (Mosshart, Fertita, Lawrence, White) - 4:17 6. Rocking Horse (Mosshart, White) - 2:49 7. New Pony (Bob Dylan) - 3:57 8. Bone House (Mosshart, Fertita, Lawrence, White) - 3:26 9. 3 Birds (Mosshart, Fertita, Lawrence, White) - 3:43 10. No Hassle Night (Mosshart, White) - 2:54 11. Will There Be Enough Water? (Fertita, White) - 6:08

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Richard Youngs [x>] [D]: Like A Neuron [12'' Vinyl] [F] [P]

CoverLabel: Dekorder 034
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 07
Genre: Alternativerock - Lo-Fi-Rock, Folk - Newfolk

Wieder ein hervorragender Dekorder-Release, diesmal – Überraschung! – vom schottischen Lo-Fi-Musiker Richard Youngs. Musik, um auf dem Rücken ins Gras zu liegen und Wolken zu betrachten.
Statt mit Gitarre arbeitet der Lo-Fi-Musiker Richard Youngs auf diesem Album mit Analogsynthis. Der Reviewer bei Boomkat schreibt, dass dieser Release die Prinzipien euphorischer House- oder Technomusik aufnimmt, um diese in ein Gewand aus psychedelischem Wahnsinn zu kleiden. Wenn ich nicht wüsste, dass Richard Youngs diese Platte gemacht hat, würde ich vermuten, das es sich um eine mir bisher unbekannte Krautrock Band handelt. Stellenweise klingt The Orb oder Black Dice durch. Auf grossartige Weise eigenständig.

Trackliste:

Seite A 1. Tapes Of Bothwell 2. Runway 3. Call Of The Full Ultra 4. Descent
Seite B 1. Heights 2. Tornadoes 3. Alpha Blues
Alle Tracks: Richard Youngs.

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Rezensionen Juni 2009

Moby [x>] [D]: Wait For Me [F] [P]

CoverLabel: Little Idiot Idiot 001
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 06 29
Genre: Electronica - Poptronica

Das reife Werk eines grossen Romantikers – so kommt mir das neue Album von Moby rein. Vieles klingt wie Play minus die Blues-Samples. Dafür ist das neue Album von einer tiefen Melancholie getragen.
Über weite Strecken ist Wait For Me ein Instrumentalalbum, auch die Singleauskopplung Shot in the Back of the Head (das Video übrigens von David Lynch. Entspannte, manchmal schläfrige Sounds fliessen ungefährlich dem weiten Meer entgegen. In einigen Stücken singen Gastsänger/-innen, Freunde von Moby, keine Celebrities. Study War schliesst nahtlos an Mobys kommerziell und künstlerisch erfolgreichstes Album Play an (falls jemand von euch das noch nicht kennt: Hopp!). Walk with Me gefällt mir von der Stimme her am besten. Sie erinnert mich an Sidsel Endresen, die mit Bugge Wesseltoft zusammengearbeitet aber auch schöne Soloplatten gemacht hat.
Ich vermute, den einen von euch wird beim Anhören dieses Albums das Gesicht einschlafen, die anderen werden sich aber unglaublich wohl fühlen. Be it!

Trackliste:

1. Division - 1:56 2. Pale Horses - 3:37 3. Shot in the Back of the Head - 3:15 4. Study War - 4:18 5. Walk with Me - 4:01 6. Stock Radio - 0:45 7. Mistake - 3:47 8. Scream Pilots - 2:48 9. jltf 1 - 1:27 10. jltf - 4:40 11. A Seated Night - 3:23 12. Wait for Me - 4:13 13. Hope Is Gone - 3:30 14. Ghost Return - 2:38 15. Slow Light - 4:00 16. Isolate - 3:28
Alle Tracks: Moby.

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Tortoise [x>] [D]: Beacons Of Ancestorship [F] [P]

CoverLabel: Thrill Jockey THRILL 210
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 06 23
Genre: Postrock - Dubrock

Sehr gutes Album der Altmeister des Postrocks. Das ist noch immer das bekannte Amalgam aus Jazz, Kraut- und Alternativerock, Lounge- und Fimmusik. Sozusagen die Summe aller Instrumentalmusik-Traditionen. Hey, Nerd, das ist was für dich!
Der erste Track High Class Slim Came Floatin In wechselt alle neunzig Sekunden oder so das Tempo – hallo Proteus, Gott des Wandels der Gestalt! Die Verwandlung ist ein Prinzip dieser CD: Jeder der Tracks ist anders, ist ein Universum für sich. Jeder Track landet wo anders als du aufgrund des Anfangs vermutest. Manchmal spielen die Musiker auf die eigene Vergangenheit an, beispielsweise in The Fall of Seven Diamonds Plus One. So haben sie vor dreizehn Jahren auf dem kanonischen Album Millions Now Living Will Never Die geklungen. Insgesamt kommt mir Beacons Of Ancestorship vor, als hätten sich Tortoise musikalisch und stilistisch Supersilent angenähert. Zum einen ist das Album im Grossen und Ganzen sehr elektronisch ausgefallen, zum andern spielen Keyboards eine wesentliche Rolle darin, dir den Kopf zu verdrehen. So viel Psychedelik war bei Tortoise noch nie.

Trackliste:

1. High Class Slim Came Floatin In - 8:14 2. Prepare Your Coffin - 3:37 3. Northern Something - 2:24 4. Gigantes - 6:21 5. Penumbra - 1:08 6. Yinxianghechengqi - 3:37 7. The Fall of Seven Diamonds Plus One - 3:40 8. Minors - 4:23 9. Monument Six One Thousand - 3:22 10. de Chelly - 1:46 11. Charteroak Foundation - 5:07

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Bibio [x>] [D]: Ambivalence Avenue [F] [P]

CoverLabel: Warp 177
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 06 22
Genre: Electronica - Folktronica

Mit diesem Abum scheint Stephen Wilkinson einen grossen stilistischen Schritt zu machen: von Folktronica der Marke Boards of Canada hin zu Folktronica der Marke Four Tet oder Prefuse 73. Das verwirrt seine Fans. Doch ist dieser Schritt tatsächlich so gross, wundere ich mich. Heissen nicht alle diese Stile Folktronica?
Bibio war bekannt für Gitarren-Electronica, sehr traumhaft impressionistische Stücke, stimmungsvoll arrangiert, vergleichbar mit Boards Of Canada. Und nun kommt Ambivalence Avenue bei Warp heraus. Ein Album, das völlig anders klingt als das bisherige Schaffen, ein Album, das nach DJ Shadow, Guillermo Scott Herren (Prefuse 73, Delarosa and Asora), Four Tet oder Caribou klingt, doch nicht so psychedelisch wie letzterer. Einige Rezensenten sind verwirrt und wissen mit dieser CD nichts anzufangen. Sie sei ein Stilbruch, ein Mixtape aber kein einheitliches Werk, so lauten viele Urteile. Was mir auffällt: Ambivalence Avenue ist ein grossartiges Album. Das einzige, was mich verwundert ist vielleicht, dass Stephen Wilkinson nicht seinen bürgerlichen Namen auf diese CD gesetzt hat oder einen anderen Moniker als Bibio verwendet hat. Das hätte die Enttäuschung bei einigen seiner Fans vielleicht gedämpft. Was mir sofort auffiel, dass diese so andere Musik genremässig immer noch mit Folktronica überschrieben werden kann und so stellt dieses Album keine Genre-Transgression dar. Freilich ist das Folktronica-Genre ein äusserst weitgefächertes: Es reicht von pastoralem Gitarren-Folk, wie ihn Minamo oder Mountains machen, über Freakfolk mit elektronsichen Gimmicks an der grenze zu Lo-Fi (CocoRosie oder Guido M?bius) bis hin zu editierter Sample-Musik wie Four Tet oder Prefuse 73 sie produzieren. Alle diese Stile werden oder wurden mit Folktronica überschrieben. Über die phänomenologische Vielfalt des Folktronica-Begriffs wundere ich mich unendlich viel mehr als über Bibios Schritt, dieses Album zu veröffentlichen.
Soll man also auf den Genrebegriff Folktronica verzichten? Mache ich gerne, wenn mir jemand griffigere Bezeichnungen liefert. Doch letztlich haben alle genannten Stile etwas gemeinsam: Sie passen in die gegenwärtigen musikalischen Strömungen der Neuen Aufrichtigkeit (Folk, Freakfolk, Neo-Dies und Neo-Das) und es handelt sich um Musik, die produktionstechnisch von Electronica her kommt. Mit der Neuen Aufrichtigkeit wird jetzt dann eh Schluss sein wie mit den Bush-Jahren. Folk und Electronica werden sich bald in neue Richtungen begeben, vielleicht werden die Begriffe dann klarer und neue Genres tauchen auf. Ich glaube so wie so daran, dass Wir neuen Stilen und grossartiger neuer Musik entgegen gehen.

Trackliste:

1. Ambivalence Avenue - 3:42 2. Jealous of Roses - 2:35 3. All the Flowers - 1:05 4. Fire Ant - 4:58 5. Haikuesque (When She Laughs) - 3:32 6. Sugarette - 3:54 7. Lovers' Carvings - 3:58 8. Abrasion - 2:46 9. S'vive - 4:05 10. The Palm of Your Wave - 2:25 11. Cry! Baby! - 3:57 12. Dwrcan - 5:55
Alle Tracks: Stephen Wilkison.

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Sonic Youth [x>] [D]: The Eternal [F] [P]

CoverLabel: Matador OLE 0829
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 06 09
Genre: Alternativerock - Noiserock, Indiepop - Noisepop

Sonic Youth sind abolute Professionals. Die wissen, wie man eine gute Platte macht, sie rocken, dass man das tatsächliche Alter der Musiker vergisst. Sonic Youth können noch immer Platten machen, die ein Fest für Liebhaber von Gitarren sind.
Ihr neues Album haben Sonic Youth für das Indie-Label Matador aufgenommen. Das ist für alle Alternativerock-Nerds eine sehr sympathische Entscheidung. Stimmungsmässig knüpft das neue Album an Goo an, den vielleicht poppigsten Release der Band. Das ist dann irgendwie inkonsequent. Da aber in ästhetischer Hinsicht die Entscheidung für ein Label bei einer Band diesen Kalibers keine grosse Rolle spielt, will ich dies nicht weiter vertiefen. The Eternal ist zudem das erste Album mit dem Pavement-Bassisten Mark Ibold.
Ich verstehe die mittelmässigen Rezensionen nicht, die es erhält. Hey, das Album ist doch uplifting shit. Komm, dreh den lautstärke-Regler auf und lass deine Haare im Raum herum fliegen!

Trackliste:

1. Sacred Trickster - 2:11 2. Anti-Orgasm - 6:08 3. Leaky Lifeboat (For Gregory Corso) - 3:32 4. Antenna - 6:13 5. What We Know - 3:54 6. Calming The Snake - 3:36 7. Poison Arrow - 3:43 8. Malibu Gas Station - 5:39 9. Thunderclap For Bobby Pyn - 2:39 10. No Way - 3:53 11. Walkin Blue - 5:21 12. Massage The History - 9:43
Alle Tracks: Sonic Youth.

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Gregg Kowalsky [x>] [D]: Tape Chants [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 131
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 06 08
Genre: Electronica - Soundart

Das Soundart Genre, zu dem dieser Release von Gregg Kowalsky zu zählen ist, fordert Musiker, Rezensenten und Liebhaber dieser Musik heraus, sich das Verhältnis von Live- und auf Tonträger vertriebener Musik zu überdenken. Dieser Text ist mehr eine theoretische Reflexion als eine Rezension. Die Reflexion schafft es aber hoffentlich genauso wie eine Rezension, dich für diese Drone-Musik zu begeistern. Es handelt sich bei Tape Chants nämlich um eine Musik, die – zumindest auf Tonträger – durch das Hintergrundwissen gewinnt, dass man über sie haben kann.
Moderne Musik, wie ich sie auf meiner Website verstehe, ist im Studio produzierte und aufgenommene Musik. Aufnahmen aus den 50er Jahren, denk an Elvis Presley oder Johnny Cash, waren im Studio inszenierte Konzerte ohne Publikum. Die Kunst des Produzenten bestand darin, den Aufnahmeraum so auszustatten, dass der Sound der Instrumente oder der ganzen Band interessant klang. Dieser interessante Klang war ein wesentlicher Faktor, mit dem Schallplatten verkauft wurden. Als dann in den 60er Jahren Studios mit Mehrspur-Tonbandmaschinen zur Verfügung standen, wurde Musik mehr und mehr am Schnittplatz konstruiert (denk an die Mittsechziger-Alben der Beatles und der Beach Boys). Spielte eine Band dann live auf einer Bühne, so musste sie schauen, ob die Studiotricks dort überhaupt reproduzierbar waren. Oft waren sie es nur dank dem verspotteten Playbackverfahren (die Tonbandmaschine spielte auf der Bühne mit). Die Studiotechnologie wurde dann immer ausgefeilter und dank der Digitalisierung immer günstiger, so dass Anfangs der 90er Jahre jeder sein eigenes Studio auf einem Schreibtisch stellen konnte: Sequencer, Drum-Machine, Synthis, schliesslich Rechner, auf denen sich alle Instrumente emulieren liessen. Der Aufnahmeraum spielte dabei kaum noch eine Rolle: Musik war elektronisch oder elektroakustisch. Musik bestand aus Strom. Erst auf der Tanzfläche verräumlichte sich der Klang oder im Wohnzimmer der Musikhörer. Mit der Soundart verändert sich das Verhältnis von Studio- und Live-Musik nun aber radikal! Musik wie Tape Chants entsteht zwar ebenso elektronisch, wie vor ihr Electronica (House, Techno, Elektro, Drum'n'Bass, Triphop usw.), sie entsteht aber für einen Ausstellungs- oder Installations-Kontext. Dadurch ist der Raum von Anfang an als das zu Gestaltende gegeben. Kowalskys Installationen beinhalteten sechs bis zehn Kassettenrecorder, die im Raum verteilt sind (lies dazu den Anfang der Pitchfork Rezension von Marc Masters). Die Besucher/-innen bewegen sich frei durch die Installation und hören, was sie hören, in Abhängigkeit von ihrem Standort. Jedes Hörerlebnis ist individuell. Keiner hört das selbe. Und nun, stell dir vor, macht der Musiker / Soundartist eine Dokumentation von seinem Werk auf Tonträger. Das funktioniert natürlich niemals gleich wie in der Ausstellung. Er oder sie muss noch einmal gestalterisch bzw. produzierend tätig werden. Du siehst, es verhält sich gerade umgekehrt, wie mit der Studiomusik, die nach der Produktion für Tonträger auf die Bühne gebracht werden muss. Diese Musik muss von der Bühne auf die Platte 8sie ist mehr Elvis als Beach Boys). Dabei geht eine, vielleicht viele Dimensionen verloren. Die technische Beschränkung vieler Soundart-Tonträger ist die Stereophonie, die für das Homelistening und die dafür geschaffenen Tonträger den Standard darstellen (ich meine: Quadrophonisch hätte Kowalsky seine Installationen relativ problemlos als solche veröffentlichen können). So musste er das Klangmaterial neu im virtuellen stereophonischen Raum arrangieren, um den Hörer/-innen eine vergleichbare akustische Erfahrung vermitteln zu können.
Das ist ihm relativ gut gelungen. Es handelt sich hier um Dronemusik, deren Pitch (Tonhöhe – bei Kassettenrecordern natürlich von der Laufgeschwindigkeit abhängig) leicht schwankt. Du hörst die Schwankungen des Gleichlaufs der Wiedergabegeräte. Es sind die Taperecorder, die singen. Technisch nennt man das Wow und Flutter. Ein Chor aus solchen Recordern ereugt dann unzählige Interferenzen. Kowalskys Tape Chants sind damit ein Chorwerk f?r Kassettenrecorder.

Trackliste:

1. Invocation - 1:07 2. I-IV - 20:45 3. V - 1:16 4. VI-VII - 13:23 5. VIII - 0:51 6. IX - 4:19 7. X-XI - 8:07
Alle Tracks: Gregg Kowalsky.

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Masha Qrella [x>] [D]: Speak Low: Loewe And Weill In Exile [F] [P]

CoverLabel: Morr Music MM 091
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 06 05
Genre: Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Electronicpop, Newpop - Neo-Traditionalpop

Masha Qrellas drittes Solo-Album ist eine Auftragsarbeit: Detlef Diederichsen, der Kurator des New York-Berlin-Festivals, fragte sie an, ob sie zum 50-jährigen Geburtstag des Hauses der Kulturen Lieder zum Motto Broadway - The Cradle Of Popular Music beitragen könne. Klassische Lieder von Kurt Weill und Frederick Loewe, zwei Deutsch-Amerikanischen Komponisten, wurden live aufgeführt und anschliessend im Studio aufgenommen. Einmal mehr zeigt eine Musikerin, wie viel man auch heute noch mit klassischen Liedern aus dem Great American Songbook machen kann. Lou Reed hat vor zwölf Jahren September Song in eine moderne Rock-Arrangement gekleidet (auf September Songs zu finden). Masha Qrella macht etwas Ähnliches und klingt genauso zeitlos wie aktuell. Ihr ist mit Speak Low ein grossartiges Album gelungen.
Songs aus dem Exil. Musik die vielleicht in Berlin geschrieben worden wäre, wenn das NS-Regime die jüdischen Komponisten nicht verfolgt und vertrieben hätte. Frederick Loewe (My Fair Lady) und Kurt Weill (3-Groschen Oper, Mahagonny) haben im Amerika grosse Erfolge am Broadway gefeiert. Ihre Musik gehört zum Great American Songbook. Es handelt sich dabei um Songs, die für Musical, Theater und Shows geschrieben wurde, Musik, die in Noten gesetzt wurde, damit sie jede Sängerin und jeder Sänger singen konnte. So gesehen haben diese Songs etwas Überpersönliches und sind gut in andere Kontexte setzbar. Hier werden sie in einen Alternative- oder Lo-Fi-Rock-Kontext gesetzt, was den Songs das Theatralische, die grosse Geste nimmt, ihnen aber klare Linien und eine angenehme Durchsichtigkeit verleiht. Masha Qrella bringt mit diesem Album die Popmusik nach Hause zurück. Popmusik ist im Berlin der 20 er Jahre entstanden und musste dann für einige Jahre nach Amerika ins Exil.

Trackliste:

1. I Talk to the Trees (Lerner, Loewe) - 3:44 2. My Ship (Gershwin, Weill) - 4:02 3. Speak Low (Nash, Weill) - 3:59 4. One Life to Live (Gershwin, Weill) - 4:40 5. On the Street Where You Live (Lerner, Loewe) - 2:51 6. Drunken Scene (Loewe) - 3:02 7. Wandering Star (Lerner, Loewe) - 5:16 8. I'm a Stranger Here Myself (Nash, Weill) - 3:31 9. Little Prince (Lerner, Loewe) - 3:20 10. September Song (Anderson, Weill) - 4:52 11. Saga of Jenny (Gershwin, Weill) - 4:57

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Neil Young [x>] [D]: Archives, Vol. 1 [10 Disc Blue Ray, Act-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Reprise 524165
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 06 02 (Ed.), 1972-63 (Rec.)
Genre: Rock - Folkrock - Singer-Songwriter

Dank der Blue-Ray-Disc Technologie kann Neil Young sein Lebenswerk als audiovisuellen Hypertext herausbringen. Die Archives, Vol. 1 sind erschienen. Sie decken die Zeit zwischen 1963 und 1972 ab.
Der Preis ist stolz für die 10 Blue Ray Discs. Und kauft man sp?ter auch noch die zweite, dritte und n-te Box l?sst man richtig viel Geld liegen. Und wer hat Zeit sich das alles anzuschauen und anzuh?ren? Soweit die praktischen Fragen. Vom technologischen Aspekt her gesehen ist das Projekt von Neil Young absolut bahnbrecherisch. Da wird ein K?nstlerleben medial angemessen dokumentiert, wie es klassische CDs einfach nicht k?nnen. Die Archives sind eine multimediale Autobiografie; sie enthalten rare Aufnahmen, Konzertmitschnitte, TV-Auftritte, Fotos, Filme, Texte (Lyrics, Pressetexte), gescannte Arbeitspapiere, kurz alles denkbar archivierendwerte.

Trackliste:

Disc 00 - Early Years (1963-1965) 1. Aurora - The Squires - from the 45 RPM single (mono) 2. The Sultan - The Squires - from the 45 RPM single (mono) 3. I Wonder - The Squires - previously unreleased song (mono) 4. Mustang - The Squires - previously unreleased instrumental (mono) 5. I'll Love You Forever - The Squires - previously unreleased song (mono) 6. (I'm A Man And) I Can't Cry - The Squires - previously unreleased song (mono) 7. Hello Lonely Woman - Neil Young & Comrie Smith - previously unreleased song 8. Casting Me Away From You - Neil Young & Comrie Smith - previously unreleased song 9. There Goes My Babe - Neil Young & Comrie Smith - previously unreleased song 10. Sugar Mountain - Neil Young - previously unreleased demo version (mono) 11. Nowadays Clancy Can't Even Sing - Neil Young - previously unreleased demo version (mono) 12. Runaround Babe - Neil Young - previously unreleased song (mono) 13. The Ballad Of Peggy Grover - Neil Young - previously unreleased song (mono) 14. The Rent Is Always Due - Neil Young - previously unreleased song (mono) 15. Extra, Extra - Neil Young - previously unreleased song (mono) 16. I Wonder - The Squires - previously unreleased alternate version (mono) (Hidden track) 17. Nowadays Clancy Can't Even Sing - Buffalo Springfield - from the album Buffalo Springfield (mono) (Hidden track) 18. I Wonder - The Squires - previously unreleased basement rehearsal (mono) (BD-Live download)
Disc 01 - Early Years (1966-1968) 1. Flying On The Ground Is Wrong - Neil Young - from the Buffalo Springfield Box Set (mono) 2. Burned - Buffalo Springfield - from the album Buffalo Springfield (mono) 3. Out Of My Mind - Buffalo Springfield - from the album Buffalo Springfield (mono) 4. Down, Down, Down - Neil Young - previously unreleased version (mono) 5. Kahuna Sunset - Buffalo Springfield - from the Buffalo Springfield Box Set (mono) 6. Mr. Soul - Buffalo Springfield - from the Buffalo Springfield Box Set (mono) 7. Sell Out - Buffalo Springfield - previously unreleased song (mono) 8. Down To The Wire - Neil Young - from the album Decade (mono) 9. Expecting To Fly - Buffalo Springfield - from the album Buffalo Springfield 10. Slowly Burning - Neil Young - previously unreleased instrumental 11. One More Sign - Neil Young - from the Buffalo Springfield Box Set 12. Broken Arrow - Buffalo Springfield - from the album Buffalo Springfield Again 13. I Am A Child - Buffalo Springfield - from the album Last Time Around 14. Do I Have To Come Right Out And Say It? - Buffalo Springfield - from the album Buffalo Springfield (mono) [Hidden track] 15. Flying On The Ground Is Wrong - Buffalo Springfield - from the album Buffalo Springfield (mono) [Hidden track] 16. For What It's Worth - Buffalo Springfield - from the album Buffalo Springfield - second version (mono) [Hidden track] 17. This Is It! - Buffalo Springfield - excerpts from their final concert - previously unreleased montage (mono) [Hidden track]
Disc 02 - Topanga 1 (1968-1969) 1. Everybody Knows This Is Nowhere - Neil Young - from the stereo promotional 45 RPM single-second pressing 2. The Loner - Neil Young - from the album Neil Young 3. Birds - Neil Young - previously unreleased version 4. What Did You Do To My Life? - Neil Young - previously unreleased mix 5. The Last Trip To Tulsa - Neil Young - from the album Neil Young 6. Here We Are In The Years - Neil Young - from the album Neil Young-second version 7. I've Been Waiting For You - Neil Young - previously unreleased mix 8. The Old Laughing Lady - Neil Young - from the album Neil Young 9. I've Loved Her So Long - Neil Young - from the album Neil Young 10. Sugar Mountain - Neil Young - previously unreleased stereo master 11. Nowadays Clancy Can't Even Sing - Neil Young - previously unreleased live version 12. Down By The River - Neil Young with Crazy Horse - from the album Everybody Knows This Is Nowhere 13. Cowgirl In The Sand - Neil Young with Crazy Horse - from the album Everybody Knows This Is Nowhere 14. Everybody Knows This Is Nowhere - Neil Young with Crazy Horse - from the album Everybody Knows This Is Nowhere 15. The Emperor Of Wyoming - Neil Young - from the album Neil Young [Hidden track]
Disc 03 - Live At the Riverboat (Toronto 1969) 1. Sugar Mountain - Neil Young - previously unreleased live version 2. The Old Laughing Lady - Neil Young - previously unreleased live version 3. Flying On The Ground Is Wrong - Neil Young - previously unreleased live version 4. On The Way Home - Neil Young - previously unreleased live version 5. I've Loved Her So Long - Neil Young - previously unreleased live version 6. I Am A Child - Neil Young - previously unreleased live version 7. 1956 Bubblegum Disaster - Neil Young - previously unreleased song 8. The Last Trip To Tulsa - Neil Young - previously unreleased live version 9. Broken Arrow - Neil Young - previously unreleased live version 10. Whiskey Boot Hill - Neil Young - previously unreleased live version 11. Expecting To Fly - Neil Young - previously unreleased live version
Disc 04 - Topanga 2 (1969-1970) 1. Cinnamon Girl - Neil Young with Crazy Horse - from the album Everybody Knows This Is Nowhere 2. Running Dry (Requiem For The Rockets) - Neil Young with Crazy Horse - from the album Everybody Knows This Is Nowhere 3. Round And Round (It Won't Be Long) - Neil Young with Crazy Horse - from the album Everybody Knows This Is Nowhere 4. Oh Lonesome Me - Neil Young with Crazy Horse - previously unreleased stereo mix 5. Birds - Neil Young with Crazy Horse - from the 45 RPM single (mono) 6. Everybody's Alone - Neil Young with Crazy Horse - Previously unreleased song 7. I Believe In You - Neil Young with Crazy Horse - from the album After The Gold Rush 8. Sea Of Madness - Crosby, Stills, Nash & Young - from the original soundtrack album Woodstock 9. Dance Dance Dance - Neil Young with Crazy Horse - previously unreleased version 10. Country Girl - Crosby, Stills, Nash & Young - from the album Déjà Vu 11. Helpless - Crosby, Stills, Nash & Young - previously unreleased mix 12. It Might Have Been - Neil Young with Crazy Horse - previously unreleased live version 13. I Believe In You - Neil Young with Crazy Horse - previously unreleased mix [Hidden track] 14. I've Loved Her So Long - Crosby, Stills, Nash & Young - previously unreleased live version (mono) [Hidden track]
Disc 05 - Live At the Fillmore East (New York 1970) 1. Everybody Knows This Is Nowhere 2. Winterlong 3. Down By The River 4. Wonderin' 5. Come On Baby, Let's Go Downtown 6. Cowgirl In The Sand
Disc 06 - Topanga 3 (1970) 1. Tell Me Why - Neil Young - from the album After The Gold Rush 2. After The Gold Rush - Neil Young - from the album After The Gold Rush 3. Only Love Can Break Your Heart - Neil Young - from the album After The Gold Rush 4. Wonderin' - Neil Young - previously unreleased version 5. Don't Let It Bring You Down - Neil Young - from the album After The Gold Rush-first pressing 6. Cripple Creek Ferry - Neil Young - from the album After The Gold Rush 7. Southern Man - Neil Young - from the album After The Gold Rush 8. Till The Morning Comes - Neil Young - from the album After The Gold Rush 9. When You Dance, I Can Really Love - Neil Young with Crazy Horse - from the album After The Gold Rush-first pressing 10. Ohio - Crosby, Stills, Nash & Young - from the stereo 45 RPM single 11. Only Love Can Break Your Heart - Crosby, Stills, Nash & Young - previously unreleased live version 12. Tell Me Why - Crosby, Stills, Nash & Young - previously unreleased live version 13. Music Is Love - David Crosby, Graham Nash & Neil Young - from the album If I Could Only Remember My Name 14. See The Sky About To Rain - Neil Young - previously unreleased live version 15. Don't Let It Bring You Down - Neil Young - from the album After The Gold Rush - second pressing [Hidden track] 16. When You Dance I Can Really Love - Neil Young with Crazy Horse - from the album After The Gold Rush - second pressing [Hidden track] 17. Birds - Neil Young - from the album After The Gold Rush [Hidden track]
Disc 07 - Live at Massey Hall (Toronto 1971) 1. On The Way Home 2. Tell Me Why 3. Old Man 4. Journey Through The Past 5. Helpless 6. Love In Mind 7. A Man Needs A Maid/Heart Of Gold (Suite) 8. Cowgirl In The Sand 9. Don't Let It Bring You Down 10. There's A World 11. Bad Fog Of Loneliness 12. The Needle And The Damage Done 13. Ohio 14. See The Sky About To Rain 15. Down By The River 16. Dance Dance Dance 17. I Am A Child
Disc 08 - North Country (1971-1972) 1. Heart Of Gold - Neil Young - previously unreleased live version 2. The Needle And The Damage Done - Neil Young - from the album Harvest 3. Bad Fog Of Loneliness - Neil Young with The Stray Gators - previously unreleased version 4. Old Man - Neil Young with The Stray Gators - from the album Harvest 5. Heart Of Gold - Neil Young with The Stray Gators - from the album Harvest 6. Dance Dance Dance - Neil Young - previously unreleased version 7. A Man Needs A Maid - Neil Young with the London Symphony Orchestra - previously unreleased mix 8. Harvest - Neil Young with The Stray Gators - from the album Harvest 9. Journey Through The Past - Neil Young with The Stray Gators - previously unreleased version 10. Are You Ready For The Country? - Neil Young with The Stray Gators - from the album Harvest 11. Alabama - Neil Young with The Stray Gators - from the album Harvest 12. Words (Between The Lines Of Age) - Neil Young with The Stray Gators - from the original soundtrack album Journey Through The Past 13. Soldier - Neil Young - previously unreleased mix 14. War Song - Neil Young & Graham Nash with The Stray Gators - from the 45 RPM single (mono)
Disc 09 - Journey Through the Past - A Film By Neil Young 1. Special features include the theatrical trailer, radio spots and archival galleries.

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Rezensionen Mai 2009

Alva Noto & Ryuichi Sakamoto & Ensemble Modern [x>] [D]: utp_ [CD & DVD] [F] [P]

CoverLabel: Raster-Noton R-N 096
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 05 29 (Ed.), 2007 11 16 (Rec.)
Genre: Electronica - Soundart

Der Titel utp_ steht als Abkürzung für Utopia. Die Stadt Mannheim liess vor zwei Jahren ihren 400. Geburtstag unter anderem mit einem Konzert von Sakamoto und Alva Noto mit dem Ensemble Modern feiern. utp_ ist die Dokumentation dieser Auftragsarbeit auf CD und DVD, ein Meisterwerk Nicolaischer Verpackungskunst und musikalisch eine stimmige Sache: konzeptuelle Musik für eine konzeptuell angelegte Stadt: Mannheim, die utopische Quadratestadt mit ihren rechtwinkligen Strassennetz.
Nach den herausragenden Releses Vrioon, Insen, Revep sowie der Insen Live als Duo arbeiten der Klangmaler und Pianist Sakamoto und der Soundartist Carsten Nicolai mit einem Orchester, das auf zeitgenössische akademische Musik spezialisiert ist, wobei es dem Ensemble nicht allein um die Interpretation von Musik nach der notation durch Komponisten, sondern um Partizipation am Kompositionsprozess geht. In der Rezension will ich zunächst von der Verpackung sprechen: Die DVD und die CD sind in den Vorder- und Hinterklappen der Kartonverpackung eingeklemmt, die zwei hochformatige Booklets einfasst. Die Front des Covers, das siehst du erst, wenn du es aufklappst, ist keine gedruckte, sondern eine ausgestanzte Textur, die ein Opartcover bildet. Das eine Booklet enthält die Partitur und das technische Setup, das andere einen Einleitungstext von David Toop. Toop betont, dass die Zusammenarbeit der beiden Musiker nicht deshalb wichtig sei, weil sie minimalistische Musik humanisiere oder Romantizismen rationalisiere, sondern weil sie aus dem Staub besteht, der aus der Reibung dieser Gegensätze aneinander entstehe. Der Text ist überschrieben mit grid + void. Das Gitter ist als geometrische Form die Begegnung zweier Dimensionen, die in ihrem Spiel leere Flächen schaffen, Freiräume mit Grenzen. Gitter und Zwischenräume stehen so sowohl für die Stadt Mannheim als Lebensraum als auch für die Zusammenarbeit der zwei in kultueller und ästhetischer Hinsicht recht gegensätzlichen Musiker. Die Konzert DVD enthält neben der Aufführung des Werks auch den Film Try Out, ein Making-of. Die Musik CD splitet das Werk in zehn Tracks oder Abschnitte auf, die allerdings ein Ganzes sind. Und wie soll ich diese Musik umschreiben? Sie fliesst dahin als Anreihung von Klangereignissen und Klangeffekten. Streicherattacken, Rauschen, Klicken, Drohnen, präpariertes Klavier und vieles mehr – alles aneinander gereiht, ohne so etwas wie Komposition der Elemente zu suggerieren. Deshalb fliesst die Musik dahin ohne Höhepunkt in der Makrostruktur, sie ist zwar dicht, aber zugleich sehr leise, fragil. Die Spannung zwischen dem Gitter und der Leere wird kunstvoll gehalten. Sakamoto, Nicolai und das Ensemble Modern praktizieren musikalischen Impressionismus: Sie machen aus fast nichts sehr viel, aus Punkten ein Bild, aus Linien Räume.

Trackliste:

CD 1. Attack / Transition (7:24) 2. Grains (6:24) 3. Particle 1 (6:40) 4. Transition (3:31) 5. Broken Line 1 (6:32) 6. Plateaux 1 (8:07) 7. Silence (6:51) 8. Particle 2 (7:00) 9. Broken Line 2 (6:29) 10. Plateaux 2 / End (12:59)
DVD 1. utp_ Concert (74:21) 2. utp_ 'Try-out' (38:46)
Alle Tracks von Alva Noto (= Carsten Nicolai), Ensemble Modern und Ryuichi Sakamoto.

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Guido Möbius [x>] [D]: Gebirge [F] [P]

CoverLabel: Karaoke Kalk kalk 49
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 05 26
Genre: Electronica - Folktronica, Electronica - Funktronica

Der Kölner und Wahl-Berliner Guido Möbius ist schon ein paar Jahre als Lo-Fi-Elektroniker unterwegs. Seine Musik ist mit der von Harald Sack Ziegler und F.S. Blumm vergleichbar, mit den Leuten also, die den Bedroomproducern das Frickeln gestohlen und auf richtige Instrumente übertragen haben. Klisten, Möbius' erster Release, trug Züge von Click'n'Cuts bzw. Glitch. Gebirge nun ist von Funk geprägt und vom Sänger Andreas Gogol, was seiner Musik eine weitere Dimension hinzufügt.
Du findest hier den Gummiband-Track mit Dada-Lyrics Niemens, dann I Am Williams Kamera, eine Funk-Explosion im Kindezimmer, die Postpunk-Revival-Nummer Sssplitter, Artrock in der Traditionsline Brian Enos (Gosse Overman), oder Princess of Porz mit dem brutalen Dubstep-Bass – aber alles in der Handschrit von Guido Möbius. Ein Lo-Fi-Wunder, dieses Gebirge, bunt und abenteuerlich. Gehört zu den CDs des Jahres. Musst du gehört haben!

Trackliste:

1. Niemens (Go:Gol) - 4:06 2. I Am Williams Kamera (Go:Gol) - 5:09 3. Dig a Mammoth (Go:Gol) - 5:21 4. Being Nice (Wada) - 4:04 5. Sssplitter (Go:Gol) - 4:11 6. Roosevelt Mayo (Go:Gol) - 5:57 7. Gosse Overman (Go:Gol) - 3:14 8. Princess of Porz [live] (Go:Gol) - 7:37

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V. A. (Mordant Music) & Shackleton & Mordant Music & Vindicatrix [x>] [D]: Picking O'er The Bones [F] [P]

CoverLabel: Mordant Music MM 030
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 05 25
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Dubstep, Electronica - Synthtronica - Analogelectronica, Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground

Typisch englischer Release – nein, ein Album kann englischer nicht sein! Ein Sampler, der die Genres Dubstep und Hauntology zusammen bringt. Die beteiligten Musiker arbeiten alle eher in den düsteren Ecken der Welt, in Friedhöfen, in verstaubten Archiven und im industriellen Ödland.
Das Dubstep-Genre zeichnet sich für die gegenwärtig interessanteste Breakbeat-Musik verantwortlich. Besonders Shackleton, der vier Tracks auf Picking O'er The Bones beisteuert, ist einer der interessantesten und offensten Produzenten elektronischer Musik, der immer wieder an Genre-Rändern arbeitet und Grenzen erforscht. Mordant Music arbeiten samplebasiert an Tracks, die alte elektronische Musik aus den 60ern bis in die 80er emuliert. Dann ist noch Vindicatrix, ein verhältnismässig neuer Act. Allen Musikern auf diesem Album geht es um Geister – um die Geister vergangener elektronischer Musik oder um Geister in der Maschine ?Absolut magisch! Und ein Augenzwinkern ist mit dabei, indem die Musiker ihr Album als die Arbeit von Aasgeiern bezeichnen, die auf Überresten herumpicken.

Trackliste:

1. Shackleton - Stalker 2. Shackleton - I Want To Eat You 3. Mordant Music - Hummdrumm 4. Shackleton - El Din (Part One) 5. Mordant Music - Olde Wobbly 6. Mordant Music - 24 Million Or Sell Neverland 7. Vindicatrix - Private Places (Shackleton & MM Version) 8. Mordant Music - The Hauntological Song 9. Shackleton - El Din (Part Two) 10. Vindicatrix - Private Places 11. Mordant Music - Marston Moor

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Rezensionen April 2009

Spunk [x>] [D]: Kantarell [F] [P]

CoverLabel: Rune Grammofon RCD 2085
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 04 20
Genre: Improvisation - Elektroakustische-Improvisation

Grossartiges improvisations-Alum der norwegischen Frauen-Gruppe um Maja Ratkje. Dieses Genre ist ja in der Regel Musik, die du Live hören musst und auf Konserve nur beschränkt interessant. Spunk allerdings gehören zur Ausnahme dieser Regel, Spunk klingen jede Sekunde interessant, und erst Kantarell!
Das Cello von Lene Grenager schafft die Basis, die groben Maschen der musikalischen Textur Kantarells. Parallel dazu die fein gespielte Trompete von Kristin Andersen und das Horn von Hild Sofie Tafjord. Und darüber allerlei elektroakustische Schnippsel, dicht verwoben, aber ohne dass ein undurchdringlicher Knoten entsteht, sondern vielmehr ein fein texturierter wunderbarer Klangteppich voller Farbenpracht. Spannend und leidenschaftlich.

Trackliste:

1. Tremble - 6:56 2. The Lake - 1:52 3. Bipolarity - 10:06 4. Quadralogue - 6:04 5. Antisolar Point - 2:24 6. Mosegrodd - 7:33 7. Ankomst - 1:50 8. Ute - 2:36 9. Eaten - 7:23

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Black Dice [x>] [D]: Repo [F] [P]

CoverLabel: Paw Tracks PAW 026
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 04 07
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Noisefolk, Electronica - Noisetronica, Alternativerock - Lo-Fi-Rock

Black Dice aus Brooklyn, NY., sind ein Paralleluniversum zu Animal Collective. Eine Noiseband, die zwar noch mit Gitarren arbeitet aber nur noch als Klangquelle. Der Rest ist stark prozessierte Elektronik, die zum einen Teil aus dem Effektgerätepark von Rockbands stammt und zum anderen aus der Produktion von Tanzmusik. Was du auf Repo hörst, ist nichts, was man im letzten Jahrtausend als Musik bezeichnet hätte. Nur abgedrehte Japaner wie Merzbow haben an etwas Ähnlichem gearbeitet wie Black Dice. Das ist natürlich Musik von und für hochgradige Nerds, aber sie steht exemplarisch für unsere Zeit, in der Elektronik in alle vorher nicht-elektronischen Genres Einzug gehalten hat: in den Folk und den Alternativerock.
Wie andere Bands fusionieren Black Dice psychedelische Musik mit elektronischer Tanzmusik. Ihre Konzertvideos auf YouTube klingen wie rituelle Lärmorgien. Dabei ist die Band oft ins Licht farbenprächtiger Videos getaucht. Der Rhythmus spielt sodann eine wichtige Rolle, dabe ist er im Klangbild gar nicht so zentral, steht nicht im Vordergrund, eher verhalten im Hinter-/Untergrund, versteckt in einer Kiste gehalten, in einem heissen schweissnassen Raum eingesperrt, zu dem du keinen Zutritt hast. Wie wenn du von draussen ein Konzert hörst, zu dem du kein Ticket hast und das ausverkauft ist. Nick Richardson von The Wire stellt bei den Rhythmen auf Repo eine Ähnlichkeit zu Big Beat fest. Ultra Vomit Craze hat einen fetten Breakbeat und absurde Sounds wie Katzenpfeifen, Spielzeuginstrumente, Samples mit Gurgeln, Schreien, Grunzen sind als Sigatur der Band auf der ganzen CD zu hören. Diese Klänge werden übrigens auf der Bühne erzeugt und liegen nicht als Konserve vor. Das Resultat ist eine verstörende Schrägheit (Disorienting wonkiness), so Richardson. Das Erstaunliche an Black Dice ist, dass die drei Musiker Aaron Warren, Björn und Eric Copeland, immer aufeinander fokussiert bleiben. Wenn sie zusammenspielen wirkt das als Einheit, als Band, auch in den Momenten, wo du dich fragst, wie diese Sounds um Gottes Willen zusammenpassen sollen.

Trackliste:

1. Nite Creme - 5:31 2. Glazin - 3:51 3. Earnings Plus Interest - 2:22 4. Whirligig - 0:21 5. La Cucaracha - 6:59 6. Idiots Pasture - 2:03 7. Lazy TV - 5:06 8. Buddy - 0:34 9. Ten Inches - 2:03 10. Chicken Shit - 4:01 11. Vegetable - 2:50 12. Urban Supermist - 1:22 13. Ultra Vomit Craze - 6:37 14. Gag Shack - 1:51

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Rezensionen März 2009

Miss Kittin & The Hacker [x>] [D]: Two [F] [P]

CoverLabel: Nobody's Bizzness BIZZ 4
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 03 27
Genre: Electronica - Elektro - Electroclash

Eine Art erlektrisches Händeklatschen eröffnet das neue Album von Miss Kitin & The Hacker, ein Händeklatschen, das klingt wie ein Schuss, vielleicht der Schuss, der auf dem Coverphoto des ersten Albums gefallen ist. Erinnerst du dich an die Szene? Die Frau liegt tot zu Boden, der Mann steht mit der Waffe nach unten neben dem Opfer. Dieser Erstling der beiden Musiker aus Grenoble war DIE Electroclash-Platte schlechthin. Drauf der Killertrack Frank Sinatra (gesungen mit französischer Intonation als Fronk Sinatra). Das war 2002. Seither sind sieben Jahre vergangen, in denen beide Musiker ihre Solokarrieren aufgebaut haben. Jetzt aber ist Nummer zwei endlich da!
Die Musik von Miss Kitin & The Hacker ist stark im europäischen Elektropop der Achzigerjahre verwurzelt. Du hörst Manchester und Belgien in dieser Musik. Glamouröse Sequencer-Patterns und Synthakkorde sorgen für ihre Ohrwurmqualität. Erstaunlich ist die Version von Suspicious Minds, der Elvis Nummer. Two ist ein Album mit maximalem Pop-Charakter, abgesehen vom einzigen gleichsam brutalen Track Indulgence, der dem Album aber sehr gut steht.

Trackliste:

1. The Womb 2. 1000 Dreams 3. Pppo 4. Party In My Head 5. Indulgence 6. Emotional Interlude 7. Suspicious Minds 8. Electronic City 9. Inutile Eternite 10. Ray Ban 11. 1000 Dreams (Reprise)

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Ghédalia Tazartès [x>] [D]: Repas Froid [Act-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Tanzprocesz [tzpTAZ]
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 03
Genre: Improvisation - Vokalimprovisation

Gh?dalia Tazart?s ist ein improvisierender Vokalartist, ein Outsider, der in keine Szene passt, ein Wilder. Seine Platten sind reine Art brut. Referenzpunkte und Vergleiche lassen sich schon finden, aber sie greifen nicht so richtig. Seine musikalische Sprache ist zu eigen. Sie besteht aus einer Mischung aus Improvisation, Industrial, Tapemontage, Musique Conr?te, Lo-Fi-Folk oder – wieso nicht – Freakfolk. Falls du ein offenes musikalisches Ohr hast – hör dir das an!
Ich bin, seit ich sie kenne, tief beeindruckt von der Musik von Tazart?s. Sie ist roh und doch im hohen Masse artistisch. Sie klingt alt aber immerzu auch neu, wie noch nie gehört. Jedes Stück kommt wie aus einem Kuriositätenkabinett. Im Vergleich mit Phil Minton, einem anderen Vokal-Improvisatoren, wirkt Tazart?s weniger nervös oder überdreht. Er scheint mir mit der Stimme nicht expressive Freejazz-Instrumente zu imitieren. Vielmehr singt er mit fremder, nicht-europäischer Stimme, zuweilen fühle ich mich nach Afrika versetzt, zuweilen ins tibetische Hochland und zuweilen in die Psychiatrie. Das sind die Stücke, bei denen das Kuriose ins Unheimliche kippt ?

Trackliste:

1. Untitled 2. Untitled 3. Untitled 4. Untitled 5. Untitled 6. Untitled 7. Untitled 8. Untitled 9. Untitled 10. Untitled 11. Untitled 12. Untitled 13. Untitled 14. Untitled 15. Untitled 16. Untitled 17. Untitled 18. Untitled 19. Untitled 20. Untitled

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Rezensionen Februar 2009

Mountains [x>] [D]: Choral [F] [P]

CoverLabel: Thrill Jockey thrill 211
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 02 17
Genre: Electronica - Folktronica

Mit diesem Album erwartet dich pastorale Schönheit, wie du sie selten gehört hast. Brendon Anderegg und Koen Holtkamp haben sich mit ihrem Thrill Jockey Debut selbst übertrofffen.
Brendon Anderegg und Koen Holtkamp sind die Gründer des sehr geschätzten Apestaartje Labels aus Brooklyn, wo neben Mountains und Soloprojekten der Gründer Minamo und Fourcolor veröffentlicht haben. Apestaartje ist das Folktronica-Label aus den USA schlechthin. So erstaunt es, dass dieses Album in Chicago bei Thrill Jockey heraus kommt. Oft bewirkt ein Labelwechsel, dass Musiker einige Parameter ihrer Musik verändern, um in die Landschaft des neuen Labels zu passen. Vielleicht ist den Musikern auch bewusst, dass ein grösseres Label ein grösseres Publikum und damit eine grössere Aufmerksamkeit mit sich bringt. Die sechs Stücke sind zuerst einmal im Studio in Echtzeit aufgenommen worden. Die beiden Musiker wählten die Methode, als Band zu spielen. Die entstandene Musik ist Ambient für Folkgitarre und Elektronik: warme, heilsame Klänge, chic, ohne jeden Kitsch. Musik fürs Paradies. Musik für die heile Natur, die ihre Unberührtheit feiert.

Trackliste:

1. Choral (12:53) 2. Map Table (5:37) 3. Telescope (8:18) 4. Add Infinity (9:11) 5. Melodica (12:31) 6. Sheets Two (2:38)

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Belbury Poly [x>] [D]: From An Ancient Star [F] [P]

CoverLabel: Ghost Box GBX 011
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 02 01
Genre: Electronica - Synthtronica - Analogelectronica, Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground

Warum benutzen Leute analoge Synthesizer, um elektronische Musik zu machen? Klar, die alten Biester klingen warm und wecken Jugenderinnerungen: So klang früher die Musik der Zukunft! Man hörte diese Instrumente in Filmsoundtracks und in Trailern von Radio- und TV-Programmen. Dieser Sound setzte sich irgendwo im hintersten Winkel deines Gehirns fest und wenn du heute Analogelectronica hörst, speziell die Releases des Ghost Box Labels, dann kitzelt diese Musik diese verborgene Stelle in deinem Gehirn und schüttet Endorphine aus. Das neue Belbury Poly Album ist ein sehr liebevoll produziertes Album dieser Art.
Simon Reynolds, DER Musikjournalist schlechthin, hat eine etwas kompliziertere Beschreibung und Erklärung dieser Musik gefunden. Er greift dabei auf einen Begriff von Derrida zurück, den Begriff der Hauntology. Es geht Derrida darum, dass der postmoderne Mensch nicht mehr an eine emanzipatorische Geschichtslogik glaubt. Die Geschichte als (Weiter-)Entwicklung, als Emanzipation und Befreiung existiert so heute nicht mehr und folglich entstehe ein eigentümliches Verhältnis zur Vergangenheit. Derrida erklärte seine Hauntology am Beispiel von Marx, der heute als Gespenst des Kapitalismus umgeht, wo früher doch noch der Kommunismus als Gespenst der Emanzipation der Menschheit umgegangen ist. Ein Gespenst ist philosophisch deshalb spannend, weil es präsent und nicht-präsent zugleich ist. Wenn die Vergangenheit nicht mehr als Geschichte wirkt, sondern als Gespenst, dann nimmt sie groteske Züge an. Diese Grotske hört Reynolds in der Analogelektronik des Ghost Box und Mordant Music Labels, bei Caretaker oder Philip Jeck. Diese Musiker erzeugen mit den Mitteln alter Instrumente geisterhafte Klänge, von denen wir nicht wissen, ob sie aus der Vergangenheit stammen oder aus der Zukunft kommen, ob sie konservativ oder progressiv sind, nostalgisch oder futuristisch. Vielleicht wirst du diese Musik mögen weil sie dir schrullig und durchsichtig zugleich vorkommt, weil sie zugleich exotisch und vertraut klingt. Sie schliesst auf jeden Fall die Vergangenheit und die Zukunft miteinander kurz. Diesen Kurzschluss solltest du dir anhören!

Trackliste:

1. Belbury Poly Logotone - 0:09 2. The Hidden Door - 5:05 3. From An Ancient Star - 4:57 4. A Year And A Day - 4:51 5. The All At Once Club - 3:43 6. Time Scale - 2:10 7. Adventures In A Miniature Landscape - 5:27 8. Widdershins - 3:18 9. A Great Day Out - 4:22 10. Clockwork Horoscope - 3:33 11. Remember Tomorrow - 4:43 12. Model Country - 3:27 13. Seed Ships - 3:05
Alle Tracks: Jim Jupp.

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Rezensionen Januar 2009

DJ Sprinkles [x>] [D]: Midtown 120 Blues [Mix] [F] [P]

CoverLabel: Mule Musiq 09
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 01 26
Genre: Electronica - House - Leftfieldhouse

DJ Sprinkles ist Terre Thaemlitz. Sein Mix steht ungefähr in der Mitte zwischen House und Ambient. Teilweise könnte man zu dieser Musik tanzen, beispielsweise zum deephousigen Titeltrack. Dann wieder bilden die Sounds verträumte Rhizome und betten dich in weiche Samtkissen. Da mit diesem Release kein Format so richtig erfüllt wird, was bei Terre Thaemlitz natürlich Programm ist, muss man wissen, worauf man sich einlässt: Dann aber liebt man diesen Mix.

Trackliste:

1. Midtown 120 Intro - 2:46 2. Midtown 120 Blues - 8:06 3. Ball'r (Madonna-Free Zone) - 8:18 4. Brenda's $20 Dilemma - 7:46 5. House Music Is Uncontrollable Desire You Can Own - 7:09 6. Sisters, I Don't Know What This World Is Coming to - 10:46 7. Reverse Rotation - 7:19 8. Grand Central, Pt. I (Deep Into the Bowel of House) - 12:08 9. Grand Central, Pt. II (72 Hrs. by Rail From Missouri) - 8:48 10. The Occasional Feel-Good - 6:40
Alle Tracks: Terre Thaemlitz.

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Atom™ [x>] [D]: Liedgut [F] [P]

CoverLabel: Raster-Noton R-N 099
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 01 26
Genre: Electronica - Funktronica - Glitchfunk, Electronica - Techno - IDM

Endlich wieder einmal ein Electronica-Album, das ein richtiges Ereignis ist: Liedgut von Atom TM bzw. Uwe Schmidt respektive Señor Coconut. Vor vier Jahren luden Carsten Nicolai und Olaf Bender, die Betreiber des Raster-Noton-Labels Uwe Schmidt ein, ein Album zu machen, das auch gar nicht so klingen müsse, wie ein typischer Release dieses Labels. Schmidt hat sich Zeit gelassen und nun ist es da, ein Album, das analog und digital zugleich klingt, dass die romantische und biedermeierische Vergangenheit mit dem Zeitalter der elektronischen Musik verbindet und zudem eine Auseinandersetzung mit den Urvätern von Techno, mit Kraftwerk darstellt. Das geht mit viel Humor ab, kommt aber doch als ernst gemeintes Kunstwerk daher. Dieser Spagat gelingt niemandem so gut wie Uwe Schmidt.
Der erste Track ist die Einleitung ins Liederbuch. Das Weisse Rauschen wird vorgestellt als eines der Elemente, aus denen dieses Album gemacht ist. Schmidt hat extra einen Korg MS20 verwendet (ein Analogsynthesizer aus den Endsiebzigern), um dieses schöne warme Rauschen zu erzeugen. Dann kommt ein Zyklus von vier Liedern zum Thema Felder und Wellen mit technoid-synthetischer Stimme gesungen. Das erinnert dich gleich an Kraftwerk. Der Text dieser Lieder macht dich auf die Tatsache aufmerksam, dass die Sprache der physikalischen Ereignisse der modernen Musik vollends in der Romatik gründen: Da ist von Wellen, Feldern, Rauschen und Strom die Rede. Kraftwerk und Schmidt arbeiten mit der Verkehrung dieser Begrifflichkeit ins Metaphorische. Normalerweise werden Metaphern dort eingesetzt, wo die Sprache keine Begriffe hat und so kommen Wortschöpfungen zu Stand. Wenn diese Metaphern aber in die Sprachkonvention eingehen, werden sie zu normalen Wörtern, die nichts metaphorisches mehr haben (ausser für Leute, die unverbesserlich Sinn in der Etymologie suchen). Wenn es heisst: Felder und Wellen speichern die Quellen der Gegenwart. ? Berge und Täler aus Informationen bestehen, dann spielt Uwe Schmidt mit der Verkehrung der Begriffe ins Metaphorische. Jetzt hören sich Wellen und Felder an wie die biedere Landschaftsbeschreibung in einem Volkslied. Am Ende dieses Liedzyklus folgt eine Überleitung in einen nächsten, überschrieben als Funksignal. Eine tiefere synthetische Stimme singt: Felder und Wellen – wir transformieren – gestalten sie nach unserer Wahl – um drahtlos zu kommunizieren – erschufen wir das Funksignal. Kurz hörst du ein Sample aus Radioaktivität von Kraftwerk. In Interfernez 1 verwendet Schmidt die Störsignale, die ein Mobiltelefon in Audioleitungen verursacht. Das ist total witzig und ich falle bei jedem Hören der CD darauf hinein und will mein Mobile vom Laustsprecherkabel entfernen. Der nächste Zyklus Zwischenstücke arbeitet mit Anlogsynthesizer und spielt an die elektronische Musik der Ära Moogsynthesizer an: Wendy Carlos kommt in den Sinn sowie Jean-Jacques Perrey & Gershon Kingsley. Die verwendeten Melodien spielen hier an Schubert an und an die Filmmusiken von Stanley Kubrick. Der letzte Liedzyklus ist überschreiben mit Weisses Rauschen. Hier sind alle Elemente vereinigt: Synthetischer Gesang, Rauschen, Funksignale und Analogsynthi-Sounds. Ein remarkabler Schlusspunkt wird von Schlusswort gesetzt. Höre selbst die klappernde Mühle am rauschenden Bach!
Mit Liedgut haben wir es mit einem Konzeptalbum erster Güte zu tun. Eine Musikgeschichte in Liederbuchform, die in die Musikgeschichte eingeht.

Trackliste:

1. Weißes Rauschen - 0:47 2. Wellen und Felder I - 1:10 3. Wellen und Felder II - 2:43 4. Wellen und Felder III - 0:55 5. Wellen und Felder IV - 1:01 6. Uberleitung - 1:01 7. Funksignal - 3:23 8. Interferenz I - 1:51 9. Im Rausch der Gegenwart I - 2:18 10. Interferenz II - 0:19 11. Wellen - 0:52 12. Mittlere Composition No. I - 2:08 13. Mittlere Composition No. II - 2:24 14. Mittlere Composition No. III - 1:51 15. Weißes Rauschen (Erster Teil) - 4:48 16. Berge und Täler - 1:59 17. Im Rausch der Gegenwart II - 0:49 18. Weißes Rauschen (Zweiter Teil) - 3:33 19. Weißes Rauschen (Ausleitung) - 1:11 20. Schlusswort - 0:41
Alle Tracks: Uwe Schmidt.

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Giuseppe Ielasi [x>] [D]: Aix [F] [P]

CoverLabel: 12k 1051
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 01 19
Genre: Post-Millennial-Music - Digital-Underground - EAM

Sehr plastische Stücke von Giuseppe Ielasi, der mit improvisierter elektronischer Musik begonnen hat (und diese immer noch macht), sich aber langsam zu diesen Soundart-Konstruktionen hin entwickelte, wie du sie in seinem neuen bei 12k erschienen Album Aix hören kannst. Extrem spannende Listening-Electronica.
Richtige Instrumente (Perkussion, Kontrabass, Gitarren, Klavier, Keyboards, Bläser, ?) und konkrete Aufnahmen werden in einem Hyperraum zu einer ganz und gar virtuellen Musik rekonstruiert, wie sie Musiker nie spielen könnten, nicht einmal Radian oder Polwechsel. Aix ist virtuose und phantasievolle Produzentenmusik – etwas vom Besten, was Europa derzeit zu bieten hat. Giuseppe Ielasi gehört zusammen mit Simon Pyke (Freeform) zu den Soundartisten, die wie Bildhauer an Klängen arbeiten – wo Soundart sonst oft wie Grafik klingt. Aix ist Musik zum Anfassen und zum Spüren.

Trackliste:

1. Untitled - 3:22 2. Untitled - 3:50 3. Untitled - 3:36 4. Untitled - 3:51 5. Untitled - 3:52 6. Untitled - 3:00 7. Untitled - 2:26 8. Untitled - 3:18 9. Untitled - 4:08
Alle Tracks: Giuseppe Ielasi.

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Elegi [x>] [D]: Varde [F] [P]

CoverLabel: Miasmah MiaCD 009
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 01 17
Genre: Electronica - Postelectronica - Darkambient

Ein herausragendes Darkambient Album von Tommy Jansen. Der Titel Varde heisst auf Deutsch Steinpyramide – gemeint sind die Steine, die man über der Stelle auftürmt, an der man Tote begraben hat. Thematisch geht es hier um die zweite Expedition von Robert Scott zum Südpol, die Terra Nova Expedition von 1911-12..Man muss also an die aus Schnee und Eis errichteten Grabaufschüttungen für Scott, Wilson, Bowers und Oates denken, die 1912 im Ross Ice Shelf ihr Leben liessen. Varde ist eine bewegende, geradezu aufwühlende Angelegenheit.
Die erfolglose Expedition von Robert Scott – er kam mit seinen Leuten nur als zweiter nach Amundsen zum Südpol und wurde von schlechten Witterungsverhältnissen ums Leben gebracht – wurde zu einem englischen Mythos. Bis in die 70er Jahre, als unter Historikern eine lebhafte Diskussion darüber entbrannte, ob Scott nicht leichfertug handelte, sich und seine Leute unnötigen Risiken aussetzte, war die Geschichte der Terra Nova Expedition eine Studie der Englishness: Eine Geschichte von wagemutigen Männern, die auch im Angesicht des Todes Gentlemen blieben (den Film dazu gibt's auf Wikipedia zu sehen. Die Expeditionen zum Südpol bewegen uns bis heute: denn der Südpol verblieb bis vor etwas mehr als hundert Jahren eine der letzten von Menschen unbetretenen Gegenden. Seither hat einzig die erste Mondlandung die abenteuerlichen Gemüter der Menschheit mehr bewegt. Die Antarktis. Lebensfeindlich tiefgefrorener Kontinent. Im südlichen Sommer erreicht das Thermometer gerade mal durchschnitlich –25 ?C, im Winter–55 ?C! Kein Wunder dass Ambient-Musiker von dieser Landschaft und ihren Geschichten angezogen sind. Vor Elegi waren das die Cocteau Twins (Victorialand) oder Windy And Carl (Antarctica). Tommy Jansen gelingt es, mit Piano, Streichern und konkreten Aufnahmen Stimmungen von Scotts Antarktisexpedition musikalisch zu inszenieren und zu rekonstruieren. Dabei fängt er mit dem Ende an: Der erste Track, Varde, begint mit dem Aufschaufeln des Grabhügels während im Hintergrund das Eis knackt und springt ?

Trackliste:

1. Varde (2:17) 2. Skrugard (6:38) 3. Svanesang (6:15) 4. Arvesølv (2:38) 5. Drivis (5:23) 6. Uranienborg (5:07) 7. Fandens Bre (4:31) 8. Skyggespill (2:05) 9. Angekok (4:25) 10. Råk (6:42) 11. Søvnens Kvelertak (3:34) 12. Den Store Hvite Stillhet (4:17)

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Animal Collective [x>] [D]: Merriweather Post Pavilion [F] [P]

CoverLabel: Domino DNO 219 & Domino WIGCD 216
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2009 01 06
Genre: Post-Millennial-Music - Psychedelia

Wieder ist Animal Collective ein grossartiges Album gelungen. Der Sound von Merriweather Post Pavilion geht stark in die Richtung der letzten Panda Bear Solo-CD Person Pitch. Noch nie war diese Band so Pop. Wie sehr Pop? So sehr, dass andere diese Songs in einem ganz anderen Kontext vortragen könnten: In Las Vegas, in einem Pariser Cabaret oder wie wäre ein Disco Remix? Alles möglich weil eine Band eine universelle Sprache spricht.
Was da in der grossartig popigen Verpackung von Akiyoshi Kitaoka daher kommt – grüne blattförmige Ovale, die in einer nadelbaumartigen Textur organisch angeordnet sind, in ihrer Menge aber wier ein Opart-Design wirken als hätte die Textur eine Tiefe – ist nicht der Noisefolk früherer Alben wie Campfire Songs oder Sung Tongs, sondern eher ein Folktronica- oder Freakfolk-Album, jedenfalls eine Musikrichtung, der Animal Collective nie abgeneigt waren. Die Band besteht bei diesem Album aus drei Musikern: Avey Tare (David Porter), Panda Bear (Noah Lennox) und Geologist (Brian Weitz). Josh Dibb ist diesmal nicht dabei. Der Titel kommt vom Namen des offenen Konzertplatzes in Columbia, Maryland, der nach der Philanthropin Marjorie Merriweather Post benannt und von Frank Gehry erbaut worden ist (siehe Wikipedia). In anderen Rezensionen wird das Album bereits mit Pet Sounds von den Beach Boys verglichen. Bleiben wir bescheiden! Diese Grösse kann nur die Zeit ans Licht bringen. Schon beim ersten hören aber kannst du die Meisterschaft dieser Band hören. Entsprechend positiv ist die Resonanz bei der Kritik. Das Album wird in alle verfügbren Höhen gejubelt. Engelsmusik.
Die Musik dieses Albums hat einen paganen Charakter, wie viele relevante Alben unseres Jahrzehnts, ich denke da an Björk oder an CocoRosie. Es geht um Tänze im Blumenfeld (In The Flowers – Jugendstil pur), einfachem Leben ohne Ansprüche (My Girls), Spaziergänge oder Parties draussen in der Natur (Also Frightened und Summeertime Clothes). Der Text von Bluish ist eine intime und zärtliche Ansprache der Geliebten, derjenige von Brother Sport eine tröstende Rede von einem Bruder an den anderen nach dem Tod ihres Vaters. Die Musik erinnert wie gesagt an Panda Bears Person Pitch-Album. Verwaschene aber melodische Gitarren- und Keybord-Loops, ergänzt mit viel Elektronik, die Naturgeräusche emuliert. Der Rhythmus im Hintergrund aber zuweilen sehr treibend: Track 1 (In The Flowers) hat in seinem Höhepunkt einen Beat fast im Tempo von Housemusic. Der Gesang ist mehrstimmig, die Stimmern von Avey Tare und Panda Bear ergänzen sich wunderbar. Wenn du sie hörst, kommen dir tatsächlich immer wieder die Beach Boys in den Sinn. Die Songs sind melodisch, sobald du dich an die ungewöhnliche Textur der Musik gewöhnt hast. Wer die Band schon kennt, muss dieses Album zugänglich wie keines zuvor finden.
Diese Platte ist ein Ereignis! Kommt schon mal in die Bestenliste des Jahres und bestimmt in diejenige des Jahrzehnts, die bald ansteht.

Trackliste:

1. In the Flowers - 5:22 2. My Girls - 5:41 3. Also Frightened - 5:14 4. Summertime Clothes - 4:30 5. Daily Routine - 5:46 6. Bluish - 5:14 7. Guys Eyes - 4:31 8. Taste - 3:53 9. Lion in a Coma (Animal Collective, Lathozi Mpahleni Manquin Madosini) - 4:12 10. No More Runnin - 4:23 11. Brother Sport - 5:59
Alle Tracks: Animal Collective, ausser wo anders vermerkt.

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