Poesie und Musik: Liebesballade für ein Zigeunermädchen | Song-Factsheet

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Song «Liebesballade für ein Zigeunermädchen» von Poesie und Musik.

Fakten

Veröffentlichungsdaten: 1976 (Album)
Label: APV Prod. AG 60.100 005
Songwriter Poesie und Musik & François Villon
Produktion:
Genre: Rock - Corporate-Rock - Progfolk

Annotationen

Die Figur des Outsiders bzw. Outlaws zieht durch die Musik der Hippies, wie durch die Italo-Western der Zeit. François Villon, der französische Dichter aus dem 15. Jahrhundert ist ein trefflicher Vorreiter und Prototyp dieser Outlaw-Figur. Wen wundert's also, dass Poesie und Musik gerade auf ihn zurückgreifen (und später auf den als Jude und zwischen Frankreich und Deutschland zerrissenen doppelt heimatlosen Heinrich Heine). Die «Liebesballade für ein Zigeunermädchen» ist eine wortgewaltige Liebeswerbung, in der ein «waldschratiger» Outlaw eine Fahrende bezirzt.

Personen und Querverweise


Poesie und Musik
Poesie und Musik
François Villon

Lyrics

Als man mich verstiess ins Unbekannt, warst du, schwarzes Tier, mein Vaterland. Leg mir deine Wurzelhand aufs Haar, schenk mir deinen roten Muschelmund; dass ich herrenloser Strassenhund wieder weiss, wer ich vor Jahren war, Dichter manchmal, manchmal auch Soldat, den die Welt wie einen Wurm zertrat. Viele Tiere sind mit rotem Blut durch mein Ich geschwommen, bis die Flut überlief von mir. Wer kann dafür, dass er nicht in jeden Stiebel passt? Wenn ich der Mensch also verhasst und verekelt bin wie ein Geschwür: Kleine schwarzes Luder, du, komm her, deine Liebe wiegt jahrtausendschwer. Waisenkinder sind wir beide jetzt, angespien und herumgehetzt. Aber unser Blut ist noch so rot, dass wir tanzen müssen, wenn es wild durch die Adern spillt und, nie gestillt, uns im Traum noch quält bis auf den Tod. Bei dem lauen Wind der Mitternacht, hab ich dir im Kraut ein Bett gemacht. Sieh, jetzt kommt aus dem Holunderstrauch auch der Mond und will auf deinem Bauch auch einmal die Nacht zu Hause sein Gib ihm ruhig alles hin, was du auf dem Leibe hast Villon sieht zu, wie du in dem blanken Silberschein, den weissen Anemonen da, schöner aufblühst, Stern von Afrika! Stern, der mir noch manche Sommernacht leuchten möchte, mir zum Glück gemacht. Über uns ist nur das Laub erbaut mit den weissen Lämmerwolken drin. Und das Gras, das reicht uns bis zum Kinn, bis dass unsre Leiber sich zu Kraut auch schon verwandelt haben, hier im Wald: Du und ich Schon ein Jahrtausend alt. Hier, von aller Kümmernis entflohn, ist auch dieser Wald ein Gottessohn, der die Hände uns zusammenlegt Und wie manchmal aus dem grauen Staub auferhoben wird das rote Laub, treiben wir vom Morgenwind bewegt, Durch die breiten Flüsse in das Meer Wo kein Grund mehr ist und keine Wiederkehr.