Kate Bush: Get Out Of My House | Song-Factsheet

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Song «Get Out Of My House» von Kate Bush.

Fakten

Veröffentlichungsdaten: 1982 09 13 (Album)
Label: EMI EMC 3419
Songwriter Kate Bush
Produktion: Kate Bush
Genre: Newpop - Artpop

Annotationen

«Get Out Of my House» ist das letzte Stück auf dem Album The Dreaming. Der Song sei laut Kate Bush beeinflusst gewesen von Stephen Kings Buch «The Shining» und von Ridley Scott’s Film «Alien». Das Stück vermittelt ein Gefühl von Bedrohung und der Notwendigkeit, sich zurückzuziehen, um die eigene Integrität zu bewahren. Es thematisiert die Angstzustände, die sich einstellen, wenn man sich Zuhause einschliesst, weil man nicht mehr unter Leuten sein kann. Das Haus dient hier als Symbol für die Seele:

This house is as old as I am. 
This house knows all I have done
aber auch für Isolation, Seklusion und Eingeschlossenheit. Die Erzählerin bewältigt eine Lebenskrise nach dem Ende einer Beziehung. Wer in ihren Privatraum eindringen will, wird mit Furor zurückgewiesen. Die Stimmen, die wir im Song hören, repräsentieren psychische Extremzustände.
Die wiederholte Titelzeile «Get out of my house!» ist ein verzweifelter, geradezu animalischer Schrei nach Selbstbehauptung. Animalisch – tatsächlich vergleicht sich die Erzählerin mit einem Maultier («I am the mule»). Sie schreit laut «Hee-Haw, Hee-Haw», um ihre Unnachgiebigkeit zu behaupten. Der Text ist natürlich voller Türen und Schlösser, die Schutz und Isolation symbolisieren. So wie es Horrorfilme gibt, produzierte Kate Bush mit «Get Out of My House» einen Horror-Song.
Die Klanglandschaft
Kate Bush nutzt dynamische Kontraste und vokale Experimente, um eine Atmosphäre der Enge, des Chaos und der Abwehr zu schaffen. Das Stück wirkt am besten, wenn man es mit Kopfhörern hört. Es ist nicht sterophonisch aufgenommen, sondern kubistisch. Musik und Stimmen kommen von allen Seiten, oben, unten, aus der Ferne und der Nähe. Sprechstimmen, Singstimmen, Schreie, Flüster- und Hauchstimmen. Kommt dazu, dass die Stimmen mit vielen Effekten wie Reverb, Panning usw. gestaltet sind. Das klingt beim ersten Mal hören unzugänglich und unbehaglich. «Get Out Of My House» schafft ein vokales Ausdrucksvokabular, das damals neu war und bis heute wegweisend bleibt. Heute ist Vokalproduktion allgegenwärtig und selbstverständlich (Auto-Tune), wenn sie auch selten so wild wie hier ist. In der Geschichte der populären Musik (Pop, Jazz und Rock) brauchte es erstaunlich lange bis man die Stimmen nicht mehr einfach ins Zentrum gestellt hat. Das liegt daran, dass eine Stimme als authentischer und persönlicher Ausdruck galt, der nicht durch technische Tricks verstellt werden sollte. Man produzierte Instrumente, aber nicht die Stimme.
Vokale Vielschichtigkeit und Intensität
Kate Bushs Gesang durchläuft extreme emotionale und tonale Variationen. Sie wechselt zwischen zarten, fast flüsternden Passagen und wilden, schreienden Ausbrüchen (z.B. „Get out!“).
Die Stimme ist nicht das Zentrum des Songs, dem alles andere zudient («homophon»).
Die vokalen Kontraste erzeugen einen Eindruck von inneren Konflikten, von einem inneren Drama, Verletzlichkeit und Aggression, Verzweiflung, Triebhaftigkeit und Reflexion wechseln sich ab.
Die Stimme wirkt oft isoliert, da sie wenig harmonische Unterstützung erhält. Dies verstärkt das Gefühl, dass die Figur allein gegen eine Bedrohung kämpft.
Die schrillen, animalischen Schreie (insbesondere gegen Ende) klingen wie ein in die Enge getriebenes Tier, was die Isolation und Verzweiflung unterstreicht.
Instrumentierung und Klangtextur
Die Instrumentierung ist bewusst spärlich und dissonant, was den akustischen Raum klaustrophobisch und unruhig macht.
Das Schlagzeug und Perkussion: Das treibende, unregelmäßige Schlagzeugmuster erzeugt einen pulsierenden, fast bedrohlichen Rhythmus, der wie ein Herzschlag unter Druck wirkt. Es gibt keine beruhigende, gleichmäßige Struktur, was das Gefühl von Instabilität verstärkt.
Gitarren und Synthesizer: Die verzerrten Gitarrenriffs und die unheimlichen Synthesizerklänge füllen den Raum mit einer bedrohlichen, chaotischen Energie. Sie wirken wie Eindringlinge, die den akustischen Raum der Protagonistin stören.
Leere Räume: In einigen Momenten gibt es bewusst platzierte Pausen oder reduzierte Instrumentation, die den Hörer mit einem Gefühl der Leere zurücklassen. Diese „leeren“ akustischen Räume spiegeln die Isolation wider, indem sie die Protagonistin allein in ihrem «Haus» positionieren.
Produktion räumlicher Effekte
Einer der zentralen musikalischen Ausdrucksparameter ist der Raum. Ich kenne nicht viele Stücke, die dermassen mit dem Raum spielen. Kate Bush nutzt laufend Effekte, um den akustischen Raum bewusst zu manipulieren und zu verändern – wie gesagt: kubistisch statt stereophonisch.
Hall und Echo: In bestimmten Passagen wird Hall auf Bushs Stimme gelegt, was den Eindruck eines großen, leeren Hauses erzeugt. Dies verstärkt die Idee eines isolierten, hallenden Geistes, der gleichzeitig geschützt und eingeschlossen ist.
Panningeffekte: Klänge bewegen sich im Stereofeld hin und her, was ein Gefühl von Unruhe und Orientierungslosigkeit erzeugt. Zum Beispiel scheinen die Gitarren und Perkussionselemente manchmal von einer Seite zur anderen zu „springen“, was die Protagonistin (und den Hörer) in einen Zustand der Wachsamkeit versetzt, als ob die Bedrohung von allen Seiten kommt.
Dynamische Kontraste: Der Song wechselt zwischen lauten, aggressiven Abschnitten und leiseren, angespannten Momenten. Diese Dynamik simuliert das Gefühl, in einem Raum eingeschlossen zu sein, in dem die Bedrohung mal näher, mal ferner wirkt, was die Isolation der Figur betont.
Metaphorischer Klangraum
Die Aufnahme dieses Songs arbeitet mit verschiedenen Raumdesigns. Der akustische Raum selbst wird zu einer Metapher für das „Haus“ der Protagonistin. Die dichten, chaotischen Klänge repräsentieren die Eindringlinge, die versuchen, in ihren Raum einzudringen, während die leeren, hallenden Momente ihre Einsamkeit und ihren Rückzug symbolisieren. Der Song endet mit einer Art akustischem „Zusammenbruch“, bei dem die Schreie und Klänge in einer Kakophonie gipfeln, was die endgültige Weigerung ausdrückt, den Raum aufzugeben.
Animalische Klänge und Isolation
Die Verwendung von tierischen Lauten (wie das Eselsgeschrei, das Bush imitiert) verstärkt die Idee der Isolation noch weiter. Diese Laute sind roh und ursprünglich, als ob die Protagonistin auf eine archaische, instinktive Ebene zurückfällt, um sich zu verteidigen. Der akustische Raum wird dadurch „entmenschlicht“, was die extreme Abgrenzung von der Außenwelt betont.
Analyse der Isolation durch den akustischen Raum Der akustische Raum in „Get Out of My House“ ist so gestaltet, dass er die psychologische und emotionale Isolation der Protagonistin greifbar macht. Die folgenden Aspekte sind besonders relevant:
Klaustrophobie und Bedrohung: Die dichte, chaotische Klanglandschaft erzeugt ein Gefühl der Enge, als ob die Protagonistin in ihrem eigenen Geist gefangen ist, während Eindringlinge von außen drängen.
Kontrast zwischen Leere und Chaos: Die Wechsel zwischen leeren, hallenden Momenten und überwältigenden Klangschichten spiegeln die Spannung zwischen Rückzug und Konfrontation wider. Die leeren Momente sind besonders effektiv, um Isolation darzustellen, da sie die Protagonistin allein mit ihrer Angst lassen.
Vokale Dominanz: Bushs Stimme ist oft der einzige „menschliche“ Klang im Song, was ihre Einsamkeit unterstreicht. Ihre vokalen Ausbrüche wirken wie ein verzweifelter Versuch, den Raum zu behaupten.
Räumliche Unruhe: Die Bewegung der Klänge im Stereofeld und die unregelmäßigen Rhythmen verhindern, dass der Hörer sich „sicher“ fühlt, was die Isolation der Protagonistin verstärkt, da es keinen stabilen, beruhigenden Raum gibt.
Lyrics
«Get Out Of My House» wurde oft als Lied über eine Vergewaltigung überinterpretiert.
Struktur
Eine Verse-Chorus-Bridge-Struktur mit Pre-Chorus und einigen Unregelmässigkeiten: verschiedene Längen des Chorus, zweiteiligkeit der Bridge, anderer motivischer Aufbau der Verses, gleitender Übergang zwischen Chorus und Bridge.
Besetzung
Kate Bush: vocals, Fairlight CMI synthesizer
Jimmy Bain: bass guitar
Preston Heyman: drums
Alan Murphy: electric guitar
Paddy Bush – backing vocals
Paul Hardiman: «Eeyore», der Esel in den Winnie-the-Pooh Büchern. Eeyore beklagt sich immerzu über alles. Sein Name klingt nach dem Tierlaut.
Esmail Sheikh – drum talk

Personen und Querverweise


Kate Bush
Kate Bush
Kate Bush

Lyrics

("Hee-haw! Hee-haw! Hee-haw!") When you left, the door was (slamming!) You paused in the doorway (slamming!) As though a thought stole you away (slamming!) I watched the world pull you away (Lock it!) So I run into the hall (Lock it!) Into the corridor (Lock it!) There's a door in the house (slamming) I hear the lift descending (slamming!) I hear it hit the landing (slamming!) See the hackles on the cat (standing) With my key I (lock it) With my key I (lock it up) With my key I (lock it) With my key I (lock it up) I am the concierge chez-moi, honey Won't letcha in for love, nor money ("Let me in!") My home, my joy I'm barred and bolted and I (Won't let you in) (Get out of my house!) No stranger's feet will enter me (Get out of my house!) I wash the panes (Get out of my house!) I clean the stains away (Get out of my house!) This house is as old as I am (Slamming.) This house knows all I have done (Slamming.) They come with their weather hanging 'round them (Slamming.) But can't knock my door down! (Slamming.) With my key I (lock it) With my key I (lock it) This house is full of m-m-my mess (Slamming.) This house is full of m-m-mistakes (Slamming.) This house is full of m-m-madness (Slamming.) This house is full of, full of, full of fight! (Slam it.) With my keeper I (clean up) With my keeper I (clean it all up) With my keeper I (clean up) With my keeper I (clean it all up) I am the concierge chez-moi, honey Won't letcha in for love, nor money ("It's cold out here!") My home, my joy I'm barred and bolted and I (Get out of my house!) (Won't let you in) (Get out of my house!) No stranger's feet (Get out of my house!) Will enter me (Get out of my house!) I wash the panes (Get out of my house!) I clean the stains (Get out of my house!) (Get out of my house!) (Get out of my house!) (Get out of my house!) Won't enter me (Get out of my house!) (Get out of my house!) (Get out of my house!) (Get out of my house!) Yeah! Won't let you in! (Get out of my house!) (Get out of my house!) "Let me in! "Woman let me in! Let me bring in the memories! Woman let me in! Let me bring in the Devil Dreams!" I will not let you in! Don't you bring back the reveries I turn into a bird Carry further than the word is heard "Woman let me in! I turn into the wind I blow you a cold kiss Stronger than the song's hit." I will not let you in I face towards the wind I change into the Mule – "I change into the Mule." Hee-haw! Hee-haw! Hee-haw-hee-haw-hee-haw-hee-haw... "Hee-haw! Hee-haw! Hee-haw!"