Jacques Brel: La Quête | Song-Factsheet

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Song «La Quête» von Jacques Brel.

Fakten

Veröffentlichungsdaten: 1968 12 02 (Album), 1969 (Single)
Label: Barclay 80 381, Barclay 61 058
Songwriter Jacques Brel & Joe Darion & Mitch Leigh
Produktion:
Genre: Europeana - Chanson - Chanson-à-texte

Annotationen

Jacques Brels «La Quête» (oft auch bekannt als «The Impossible Dream») dürfte die ultimative Vertonung von Miguel de Cervantes’ Klassiker «Don Quijote de la Mancha» von 1605/1615 sein. Brel hat das Lied nicht als eigenständiges Chanson geschrieben. Es stammt ursprünglich aus dem amerikanischen Broadway-Musical «Man of La Mancha» (1965) von Mitch Leigh (Musik) und Joe Darion (Text). Dort heisst der Song eben «The Impossible Dream». Jacques Brel sah das Stück, war tief bewegt und beschloss, es selbst ins Französische zu übersetzen, um die Hauptrolle des Don Quijote auf der Bühne zu spielen. 1968 feierte seine Version in Brüssel und Paris Premiere. Aus dem «unmöglichen Traum» machte Brel «La Quête», was so viel heisst wie «Die Suche», «Das Streben» oder im ritterlichen Sinne «Die Aventiure», die Suche nach dem Gral. Der Song fängt die tiefe, tragikomische Essenz von Cervantes' Romanfigur perfekt ein. Don Quijote ist ein verarmter Junker, der zu viele Ritterromane gelesen hat, den Verstand verliert und fortan versucht, als edler Ritter die Welt zu verbessern – obwohl das Zeitalter der Ritter längst vorbei ist. Der Liedtext spiegelt diese «Quijoterie» oder den idealistischen Kampf gegen Windmühlen Zeile für Zeile wider:

Rêver un improbable rêve – Einen unwahrscheinlichen Traum träumen
Porter le chagrin des départs – Den Schmerz des Aufbruchs tragen
Im Roman kämpft Quijote gegen Riesen (die in Wahrheit Windmühlen sind). Im Song heisst es:
Brûler d’une possible fièvre – Von einem möglichen Fieber brennen
Partir où personne ne part – Dorthin aufbrechen, wo niemand aufbricht
Seine imaginäre Herzensdame Dulcinea von Toboso ist in Wahrheit eine einfache Bäuerin. Dennoch besingt er die platonische, reine Liebe:
Aimer jusqu'à la déchirure – Lieben bis zum Zerrissenwerden
Aimer, même trop, même mal – Lieben, selbst zu viel, selbst schlecht

Der Sänger und seine Figur
Dass «La Quête» im französischen Sprachraum untrennbar mit Jacques Brel verbunden ist (und nicht als reiner Musical-Song wahrgenommen wird), liegt an Brels Persönlichkeit. Brel war selbst ein Getriebener, ein Idealist, der sich auf der Bühne bis zur völligen Erschöpfung verausgabte. Wenn er sang, dass es seine Pflicht sei, den Körper zu Tode zu schinden, um den fernen Stern zu erreichen, dann war das für Brel kein Schauspiel mehr – es war seine eigene Lebensphilosophie. Deshalb gilt seine Interpretation bis heute als eine der kraftvollsten und authentischsten Verbeugungen vor Cervantes’ unsterblichem Ritter von trauriger Gestalt.
Die tiefe Identifikation von Brel mit dieser Figur speiste sich aus mehreren Parallelen mit Brels Biografie:
  1. Der Kampf gegen die Windmühlen des Bürgertums. Brel verabscheute zeitlebens das, was er «les bourgeois» nannte – die satten, selbstzufriedenen Spiesser, die keine Träume haben und sich in ihrer Komfortzone einrichten. Don Quichotte tut genau das Gegenteil: Er bricht aus einer banalen Realität aus, um für Ideale wie Ehre, Gerechtigkeit und die bedingungslose Liebe zu kämpfen. Brel sah in Quichottes Verrücktheit die einzig gesunde Reaktion auf eine gefühlskalte, rein pragmatische Welt.
  2. «L'Quête» steht für die Jagd nach dem unerreichbaren Traum. Für Brel war das Leben eine permanente, fast schmerzhafte Suche nach Intensität. Er sagte einmal: «Ein Mann, der keine Träume mehr hat, ist kein Mann mehr, sondern ein Gemüse.» Sich ein scheinbar unerreichbares Ziel zu setzen und bis zur völligen Erschöpfung dafür zu kämpfen – genau das war Brels Lebensmotto und dieses erkannte er in der Figur von Don Quichotte wieder.
  3. Ein zentraler Punkt im Stück ist Quichottes Blick auf die Welt: Er sieht in einer heruntergekommenen Schankmagd und Prostituierten (Aldonza) die edle Dame Dulcinea. Er weigert sich, die Hässlichkeit der Realität zu akzeptieren und hebt die Menschen durch seinen Glauben an das Gute auf ein höheres Niveau.Auch Brel war ein solcher Romantiker, der in seinen Chansons oft die Ausgestossenen, die Verzweifelten und die Huren besang – immer auf der Suche nach einem Funken purer Menschlichkeit und Poesie in der Alltäglichkeit.
  4. Brel war bekannt dafür, sich auf der Bühne zu verausgaben. Bei seinen Konzerten schwitzte er Sturzbäche, er schrie und litt. Diese manische Energie passte perfekt zu dem asketischen, getriebenen Ritter. Er spielte die Rolle im Brüsseler und Pariser Theater mit einer solchen Intensität, dass ihm nach den Auftritten der Sauerstoff fehlte und er völlig erschöpft zusammenbrach.
Die Rolle in «L'Homme de la Mancha» war ein Wendepunkt in Brels Leben. Nach dem Ende des Engagements verabschiedete sich der Sänger von der Musikbühne. Er hatte schon 1966 aufgehört, Konzerte zu geben, weil er Angst hatte, zur eigenen Routine zu erstarren. Später zog er sich auf die abgelegenen Marquesas-Inseln im Pazifik zurück.

Personen und Querverweise


Jacques Brel
Jacques Brel
Joe Darion
Mitch Leigh

Lyrics

Rêver un impossible rêve Porter le chagrin des départs Brûler d'une possible fièvre Partir où personne ne part Aimer jusqu'à la déchirure Aimer, même trop, même mal Tenter, sans force et sans armure D'atteindre l'inaccessible étoile Telle est ma quête Suivre l'étoile Peu m'importent mes chances Peu m'importe le temps Ou ma désespérance Et puis lutter toujours Sans questions ni repos Se damner Pour l'or d'un mot d'amour Je ne sais si je serai ce héros Mais mon cœur serait tranquille Et les villes s'éclabousseraient de bleu Parce qu'un malheureux Brûle encore, bien qu'ayant tout brûlé Brûle encore, même trop, même mal Pour atteindre à s'en écarteler Pour atteindre l'inaccessible étoile