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Sarah Smarsh: She Come by It Natural: Dolly Parton and the Women Who Lived Her Songs
«She Come by It Natural» (2020) ist teils eine Biografie von Dolly Parton und teils eine autobiografische Erzählung, die Sarah Smarshs Kindheit und Jugend in einem ruralen Familienhaushalt in Kansas thematisiert. Es geht der Autorin mit ihrem Buch um amerikanische Frauen, die in Armut leben und heute häufig stereotyp als «Trailer Trash» abgestempelt werden, denen Dolly Parton als Songwriterin eine Stimme gegeben hat und gibt. Das Buch geht den Beiträgen nach, die diese Frauen an die amerikanische Gesellschaft leisten.
«She Come By It Natural» ist eine einfühlsame Hommage an die Country-Ikone Dolly Parton. Das Buch verbindet Elemente von Memoiren mit soziologischer Analyse und zeichnet nach, wie Partons Lieder und ihr Leben den Feminismus für arbeitende Frauen verkörpern – einen Feminismus, der in der Praxis wurzelt, nicht in Theorien oder Protesten. Smarsh, die in einer Region von Kansas aufwuchs, die geprägt war von Weizenfeldern und Flugzeugfabriken, nutzt Partons Musik als Spiegel für die Vulnerabilitäten und Stärken von Frauen in Armut, die mit unerwünschten Schwangerschaften kämpfen, mit betrügerischen Männern, harter Arbeit und dem Überleben in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen.
Das Buch wechselt zwischen Smarshs persönlichen Anekdoten aus ihrer Familie – wo Country-Musik «vor allem eine Sprache unter Frauen» war, um Gefühle auszudrücken – und einer detaillierten Betrachtung von Partons Karriere. Smarsh argumentiert, dass Parton durch ihre Lieder wie Jolene oder I Will Always Love You (die beide am gleichen Abend entstanden) Frauen wertschätzt, die sonst regelmässig ignoriert werden: arme Frauen, schwangere Teenagerinnen oder die als «Trailer Trash» abgetane Mütter.
Dolly Partons Aufstieg aus einer armen Famile in den Great Smoky Mountains zu einer selbstgemachten Mogulin in Nashville und Hollywood dient als Vorbild für die Schnittstellen von Geschlecht, Klasse und Kultur. Smarsh betont, wie Parton ihre übertriebene Weiblichkeit – inklusive ihres ikonischen Dekolletés – als eine Art Trojanisches Pferd einsetzte, um die Country-Musik-Szene zu erobern, in die Popkultur einzugehen und Geschlechterstereotypen zu durchbrechen, während sie sich konsequent an ihrer ländlichen Herkunft orientierte.
Ein zentrales Argument ist, dass Partons Feminismus unpolitisch wirkt, da sich die Sängerin nie als Feministin bezeichnet hat, sie aber doch die Black Lives Matters Bewegung oder die LGBTQ+-Communities mit Spenden unterstützt. Smarsh kontrastiert das Engagement Partons mit dem Eliten-Feminismus, der Parton oft herablassend behandelte. Sei würdigt Partons Philanthropieund bezeichnet die Musikerin als «vielleicht die mächtigste, am wenigsten politische Feministin der Welt». Partons Feminismus zeigt sich in Alltagshandlungen, dem Jonglieren mit Jobs oder dem Schreiben von Hits als Abschied von toxischen Beziehungen. Es ist eine Form des Feminismus, die von Frauen glebt wird, denen die Ressourcen für akademische Debatten fehlen.
Das Buch wurde als «ambitioniertes Werk» gelobt, das die Essenz von Weiblichkeit und Arbeiterklasse einfängt, und schaffte es in die Finals für den National Book Critics Circle Award und den Kirkus Prize. Es war New York Times Bestseller und «Best Book of the Year» von NPR. In unserer Zeit mit steigender sozialer Ungleichheit ist «She Come by It Natural» ein besonders wichtiges Buch. Seine Autorin Sarah Smarsh schreibt auch journalistische Essays für rennomierte Tageszeitungen wie die New York Times oder den Guardian. Als Tochter einer Arbeiterfamilie aus Kansas ermöglicht sie ihren Leser:innen authentische Einblicke in Themen wie Armut und ländliches Leben. Insgesamt ist «She Come By It Natural» eine feinfühlige, intelligente Erkundung, die Parton nicht nur als Entertainerin, sondern als Identifikationsfigur und Wohltäterin für vergessene Frauen feiert.
Artikel von Sarah Smarsh
The New Yorker: Poverty, Pride, and Prejudice (1. Juli 2015 – nur mit Abo)
– Guardian: Working-class women are too busy for gender theory – but they're still feminists (25. Juni 2017)
– Sharon Ramos Goyette: Book Review: She Come By It Natural, Dolly Parton and the Women Who Lived Her Songs (Journal of International Women Studies)
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