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David Temperley: The Musical Language of Rock
David Temperley ist Professor für Musiktheorie an der Eastman School of Music. Er forscht und publiziert in den Bereichen Musik-Kognition und Musiktheorie. Sein erstes Buch The Cognition of Basic Musical Structures gewann den Emerging Scholar Award der Society for Music Theory. Ausserdem komponiert er und ist Songwriter.
Es geht Temperley in «The Musical Language of Rock» um die verschiedenen Aspekte der Analyse der Rock-Musik. Was er im Buch verhandelt, sei konzeptuell neuartig und spekulativ/hypothetisch (xi) und bilde einen umfassenden theoretischen Rahmen für die Untersuchung von Rockmusik. Der Begriff «Rock» wird dabei breit gefasst und umfasst eine weite Palette anglo-amerikanischer populärer Stile des späten 20. Jahrhunderts – von Rock 'n' Roll der 1950er Jahre über Motown bis hin zum Alternative Rock der 1990er.
Die Methode verbindet einen konventionellen musikanalytischen Ansatz mit statistischer Korpusanalyse und führt Ideen aus früheren Artikeln des Autors mit umfangreichem neuem Material zusammen. Eine zentrale These lautet, dass die Analyse von Rocksongs erheblich vorangetrieben werden kann, wenn man stärker darauf achtet, wie diese Songs mit den Konventionen des Stils umgehen.
Es gibt nicht viele Rock-Korpora. Deshalb orientiert man sich an kanonischen Listen wie der Rolling Stone: The 500 Greatest Songs of All Time. Für eine frühere Arbeit kreierten Temperley und Trevor de Clercq ein Korpus, das sie «RS 5x20» nennen (A Corpus Analysis of Rock Harmony) und mit dem sie auch hier arbeiten. Es handelt sich um die 20 bestplatzierten Songs der Rolling-Stone-500-Songs-Liste aus jeder Dekade. Diese chronologische Bereinigung ist notwendig, weil die RS500-Liste einen Schwerpunkt in den 1960er und 1970er Jahren bildet. Das Korpus ist in einer Online-Tabelle mit den Annotationen einsehbar und als Liste in Musikzimmer erfasst. Das Quellmaterial stammt von einer Projektseite: A Corpus Study of Rock Music von de Clercq.
Eine wesentliche Neuerung des Buches ist ein dreidimensionales Analyse-Modell des musikalischen Ausdrucks, das die Dimensionen Valenz (Valence), Energie und Spannung (Tension) abbildet. Dieses Modell erweist sich als leistungsfähiges Werkzeug, um Songs zu charakterisieren und expressive Verläufe innerhalb eines Stücks nachzuzeichnen.
Das Buch enthält Kapitel zu «Skala und Tonart», Harmonie, Rhythmus und Metrum, Melodie, Timbre und Instrumentierung/Besetzung, Emotion und Spannung, Form, Strategie. Ein Kapitel bietet Analysen von sechs Songs (I Heard It Through The Grapevine, Philadelphia Freedom, Landslide, Sunday Bloody Sunday, You Oughta Know, Jumpin' Jumpin'). Das Schlusskapitel betrachtet Rock im grösseren historischen und stilistischen Kontext.
Was ist Rock?
In der Einleitung setzt Temperley sich kurz mit der Frage auseinander, was Rock-Musik sei. Von der Antwort auf die Frage müsste zum Beispiel die Zusammensetzung des Korpus abhängig sein. Antworten, die der Autor nennt sind: a) was im Rock Radio Format gespielt wird, b) was in kanonischen Listen wie der Rolling Stone: The 500 Greatest Songs of All Time oder der VH1: 100 Greatest Rock Songs oder c) was in Korpora vorkommt. Als weitere Korpora nennt der Autor The McGuill Billboard Corpus und das Korpus des Centers for Digital Music, das Songs von einige Acts wie den Beatles, Queen oder Carole King enthält.
Für «The Musical Language of Rock» geht Temperley also von der umfassenden RS-Liste aus und formt diese zu einem Korpus. Egal welchen Weg jemand hier wählt: Man ist in einem hermeneutischen Zirkel gefangen. Um die Definitionsfrage zu beantworten, braucht man verlässliche Analysen, um Analysieren zu können ein Korpus, das nur Songs und Stücke enthält, die der Definition entsprechen.
Der Begriff «Rock» hat mehrere Dimensionen, die in der Literatur thematisiert werden und die eine Abgrenzung von anderen Musikarten schwierig machen:
- Rock und andere Gattungen, Genres und Stile von Musik (Tin Pan Alley, Blues, Swingband Pop/Jazz, Country, Klassische Musik bzw. die europäische Common-Practice Tradition)
- Rock vs. Pop
- Rock vs. Rock and Roll
Quellen, Links
– Webseite zum Buch
Link zum Inhalt: [M]