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Player Piano
Ein «Player Piano» ist ein selbstspielendes Klavier. Deutsch hiessen diese Instrumente meist «Pianola. EIn solches Instrument wird z.B. in der Feschen Lola von Marlene Dietrich) besungen.
Ein Lochstreifen, die Notenrolle, steuert über pneumatische Mechanismen, später elektromechanisch die Klaviertasten. Nach einem Popularitätshoch um 1924 verdrängten elektrische Phonographen und Radios das Instrument. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 brachte die Produktion schliesslich fast vollständig zum Erliegen.
Geschichte
Das «player piano» wurde 1895 von Edwin Scott Votey in Detroit gebaut. Votey wurde von der «Aeolian Company», die wichtigste Herstellerin von «Player Pianos» in den USA engagiert, die das Instrument 1897 in den USA und 1899 in Europa auf den Markt brachte. In Deutschland entwickelte die Firma Hupfeld in Leipzig 1902 ein weiter entwickeltes System, das «Phonola», das in Europa den Markt beherrschte.
Erweiterte Codierung
1905 kamen von der Aeolian Company die ersten Künstlerrollen auf den Markt. Diese waren nicht mehr nur einfach von den Noten abgelesene und in die Notenrolle gestanzte Toninformationen, sondern wurden von leibhaftigen Pianisten eingespielt. Die Rollen gaben bereits die Tempoänderungen der Pianisten beim Klavierspiel wieder. Damit war das «Reproduktionsklavier» erfunden.
Werk vs. Aufführung
Die folgende Joplin-Aufnahme zeigt einen Pianolisten. Man hat den Eindruck, dass er mit Händen und Füssen bzw. den beiden Pedalen die Performance beeinflusst.
Tatsächlich hat das Pianola zwei Pedale und vor der Klaviatur ein paar Regler oder Bedienelemente:
- Die Pedale sind im Grunde die Luftpumpen (Bälge) des Systems. Da diese Instrumente meist mit Unterdruck arbeiten, erzeugst der Spieler durch das Treten den nötigen Sog, um die Papierrolle zu bewegen und die Hämmer zu aktivieren. Festes Treten: Erzeugt mehr Vakuum, was zu einem lauteren Anschlag führt. Sanftes Treten: Erzeugt weniger Vakuum und sorgt für ein leiseres Spiel.
- Der Tempo-Hebel: Mit der rechten Hand steuert der Spieler die Geschwindigkeit der Papierrolle. Da die Musik auf der Rolle oft starr eingestanzt ist, bringt der Pianolist durch feine Bewegungen dieses Hebels das „Rubato“ (das emotionale Beschleunigen und Verzögern) in das Stück.
- Der Sustaining-Hebel: Dieser ersetzt das rechte Pedal eines normalen Klaviers. Er hebt die Dämpfer an, damit die Töne nachklingen.
- Der Soft/Loud-Schalter: Diese unterstützen die Fussarbeit, um bestimmte Abschnitte leiser oder kräftiger klingen zu lassen.
Original für Werktreue Aufführung
Eine Frage stellt sich im Zusammenhang mit Aufnahmen von Reproduktionsklavieren: Was fungiert nun als das Original, die Noten oder diese Aufnahme? In der Klassischen Musik ist die Frage nach dem Original deshalb wichtig, weil die Werktreue, der Aufführungen zu folgen haben, diesen Referenzpunkt braucht. Es wurde diskutiert, ob die Notenrollen von Debussys Kompositionen («Arabesques» und «Claire de Lune») das Vorbild für Aufführungen sein sollen. Das Tempo ist schneller als die Aufführungspraxis, die sich auf Noten stützt. Diese Tatsache könnte dem Medium geschuldet sein, denn eine Notenrolle hatte nur eine bestimmte maximale Dauer. Debussys Kompositionen mussten in dieses Format eingepasst werden (wie auch viele andere Kompositionen, die auf Wachszylinder oder Schallplatten aufgenommen wurden).
Querverweise
– Notenrolle
Quellen, Links
– Peter Jost: Debussy in Urtext – Part 3: Debussy’s recordings of his piano music (Henle Verlag, 21. Mai 2018). "https://www.henle.de/blog/en/2018/05/21/debussy-in-urtext-%E2%80%93-part-3-debussy%E2%80%99s-recordings-of-his-piano-music/
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