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Musikzimmer Blog Post: Story: Spacedisco

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Story: Spacedisco

Spacedisco ist Disco mit Raumfahrt- und Space-Themen und -Klängen. Die Machart kann «albern oder subversiv, sexuell oder sexistisch, vereinend oder diversifizierend, utopisch oder dystopisch sein, sie bringt Wunder oder Apokalypse, bietet Flucht oder Reflexion an» (A. Loudermilk). Die Verzweigungen dieses Stils sind vielfältig und so ist die Musik, die sich hinter dem Etikett versteckt.

Die Wurzeln von Spacedisco reichen zurück zum Spaceage-Easylistening der 1950er und 1960er Jahre, in die Zeit des Wettlaufs ins All. Damals inszenierten begabte Arrangeure wie Esquivel Sci-Fi-Fantasien mit ihren Orchestern. In den 1970er Jahren indes brauchte es dazu keine Orchester mehr. Ein Produzent (in allen Fällen ein Mann), ein paar Studiomusiker*innen, eine Sängerin, ein Sänger oder eine Vokalgruppe sowie eine Hand voll Synthesizer reichten nun aus.
Spacedisco klingt oft Camp und tritt so auf. Man kann die Raumanzüge auch als einen Schutzschild von den gesellschaftlichen Anfeindungen verstehen. Zudem sind sie eine extravagante Verkleidung für Gender-Vexierspiele. Spacedisco hat daher auch eine Entsprechung im Glamrock, der ein paar Jahre zuvor vor allem in England Geschichte schrieb.
In seiner afroamerikanischen Variante war Spacedisco stark afrofuturistisch inspiriert. Als afrofuturistisch wird afroamerikanische Musik bezeichnet, die Science-Fiction-Motive enthält (z.B. Sun Ra: Space Is The Place). Es liegt nahe: Wer deportiert worden ist, träumt zuerst davon, Wurzeln zu schlagen und die Verbindung mit dem Mutterland wieder herzustellen. Dazu ist jedes Mittel recht, auch Raketen und Astronautenausrüstung. Camp und Afrofuturismus haben den Eskapismus aus einer feindlich gesinnten Welt gemeinsam. Disco bot Menschen, die sich im Alltag nicht zu Hause oder von der Gesellschaft nicht akzeptiert fühlten, einen realen oder einen Fantasieraum, in dem sie sich selbst sein konnten.
A. Loudermilk, der eine ausführlich erläuterte Liste mit Spacedisco-Tracks für PopMatters verfasste, teilte diese in fünf Rubriken ein: 1) «Avant-Garde Deep Spacers» sind abstrakte Tracks mit einem «space groove», für Hörer*innen, die sich für einen langen Flug durch das samtige Andromeda eingerichtet haben. 2) «Spawn of Star Wars» enthält Tracks, die sich entweder direkt auf die Star Wars-Filme beziehen oder offensichtlich von ihnen angeregt wurden. 3) «Selections under Intergalactic Kitsch» zeigen einen campen Humor. 4) «Cosmic Chanteuses» sind Tracks mit singenden Frauen – hier gilt die im Pop übliche Arbeitsteilung zwischen den Männern hinter der Studiotechnologie und den singenden Frauen auf der Bühne. 5) «The Mothership Electro» ist die späte Phase von Spacedisco im afroamerikanischen Stil des Electrofunks, der sich zudem auf eine afrofuturistische Mythologie stützt.
Zusammen mit HI-NRG und Italodisco war Spacedisco das Bindeglied im Übergang zwischen Disco und Electronica. Disco war eine Produzenten-Musik, die vorwiegend von Studiomusiker*innen gespielt wurde. Als die Produzenten zu drum machines und anderen elektronischen Gadgets greifen konnten und damit die Musiker*innen ersetzten, waren Electronica erfunden.
Parallele Entwicklungen fanden innerhalb der Rockmusik statt, in den Genres des Electronicprog (Vangelis oder Rick Wakeman) und in den beiden deutschen Electronicprog-Schulen aus Berlin (Tangerine Dream) und Düsseldorf (Kraftwerk). Diese progressiven Genres standen in der Tradition der Rockmusik, auch wenn sie teils weitab von dieser musizierten. Deren Auftritt war ungleich seriöser, authentischer als Spacedisco, zuweilen avantgardistisch.
Playliste

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Elaste, Volume 02: Space Disco (Mix von Marc Frank und Tom Wieland)

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