Musikzimmer Blog Post: Rick Nelson: Garden Party

Willkommen im Musikzimmer! Dies sind die empfohlenen Inhalte, Neuerscheinungen und Veranstaltungsankündigungen.

Rick Nelson: Garden Party

Der Promoter Richard Nader buchte Ricky Nelson zusammen mit anderen Altstars des Rock 'n' Rolls – Bo Diddley, Chuck Berry, den Coasters – für eine Oldies Show im Madison Square Garden. Doch Nelson war nicht mehr Ricky, sondern Rick und er sang damals auf der Bühne keine Rock-'n'-Roll-Oldies, sondern Rockmusik. Er wurde ausgebuht.
Der Song handelt davon, wie die Musikbranche einen Act kontrafaktisch schubladisiert (auf Rock 'n' Roll festschriebt, als Oldies-Act auffasst). Der Chorus sagt dazu: «You see, ya can't please everyone, so ya got to please yourself». Manchmal muss man als Künstler ein Publikum enttäuschen um sich den Respekt gegenüber sich selbt zu erhalten, um sich im Spiegel ansehen zu können. (Und manchmal werden Acts verheizt, weil sie im falschen Kontext gebucht werden.)
Die Lyrics bringen eine der ästhetischen Differenzen von Rock 'n' Roll und Rockmusik zum Ausdruck: R'n'R muss dem Publikum gefallen, ist Massenmusik, Popmusik. Rock dagegen ist sebstbewusst und authentisch im Sinn von aufrichtig gegenüber sich selbst und der eigenen Lebenswelt.
Bob Dylan schreibt in seinem neuen Buch The Philosophy of Modern Song über die Karriere von Rick Nelson und erwähnt diesen Song und den Event, über den er spricht. Am Ende stellt er fest, dass die Leute, die zur Show gingen (und buhten) – eine Situation, die Dylan natürlich selbst kannte –, dass diese Leute nicht einmal sich selbst in diesem Song wiedererkannt hätten. Dylan setzt hier eine Pointe und weist mit dem Finger auf die Tatsache, wie wenig Bewusstsein im Rock 'n' Roll und seinem Publikum steckte. Der Schritt von Musikern wie Dylan und Nelson, die zur Rockmusik wechselten, war ein notwendiger, ein reifen und erwachsen werden.

Link zum Inhalt: [M]