Musikzimmer Blog Post: Queen: Bohemian Rhapsody

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Queen: Bohemian Rhapsody (= Bo Rhap)

«Bohemian Rhapsody» hat eine Rhapsodie und hat mehrere distinkte Teile: Eine Pianoballade, die a-cappella beginnt, ein opernhafter Teil («operatic part»), ein rockiger Teil und einen Schluss (Coda), der die Pianoballade vom Anfang wieder aufnimmt.
«Bohemian Rhapsody» ist einer der bemerkenswertesten Songs der 1970er Jahre – das Material aus dem Rockgeschichte gebaut ist. Zum Beispiel war «Bo Rhap» mit seiner Länge von fast sechs Minuten eine überlange Single, die eigentlich keine Chance hatte, am Radio gespielt zu werden. Dennoch wurde der Song ein Top-Hit. Der «operatic part» des Songs soll aus nicht weniger als 180 unterschiedlichen Vokal-Overdubs auf dem Tonband zusammengeschnitten sein. Drei Wochen Studioarbeit waren nötig, um den Song aufzunehmen..
Gegen den Willen des Labels wurde «Bo Rhap» als Single veröffentlicht und ging mit Hilfe von Radio DJ Kenny Everett, der den Song rauf und runter spielte, bis ganz London ihn kannte, auf Platz 1 der britischen Hitparade, wo er für 9 Wochen verblieb. In den USA schaffte die Single es auf Platz 9. Auch hier wurde die Single von einem Radio DJ Paul Drew «gepusht». DIese DJs veranstalteten mit «Bo Rhap» eine Art Palastrevolution im Feld des Radios.
Nach dem Tod von Freddie Mercury toppte «Bo Rhap» noch einmal die britischen Charts und schaffte in den USA nun Platz 2. In Grossbritannien ist «Bohemian Rhapsody» die am drittmeisten verkaufte Single aller Zeiten. Sie wurde hier 1,25 Millionen mal verkauft. Gerade dieses Jahr wurde der Song von der RIAA als diamantener Track ausgezeichnet – für über 10 Millionen zertifizierte Einheiten in den USA. Auf Spotify wurde der Song 1,6 Milliarden Mal gestreamt. Auf Youtube zusätzliche 1,4 Milliarden Mal.
Interpretationen
Viele Fans und Kritiker glauben, dass Freddie Mercury mit «Bohemian Rhapsody» öffentlich gesteht, schwul zu sein. Ich finde diese Deutung falsch, weil Mercury sein Privatleben bis kurz vor seinem Tod streng geheim hielt und nie über solche intimen Themen sprach. Seit den Beatles gibt es in der Rockmusik eine alte Gewohnheit: Man sucht in den Songtexten nach tieferen Bedeutungen und fragt sich, was die Band oder der Songwriter wirklich sagen wollte. Besonders bei Texten, die nicht auf den ersten Blick klar sind – wie bei «Bo Rhap» –, nimmt man an, es gäbe versteckte Codes oder Botschaften, die man knacken muss.
Aber was, wenn das alles Quatsch ist? Anstatt nach einer geheimen Nachricht zu graben, sollte man bei diesem Ausnahme-Song lieber fragen: Wie sind diese Song verfasst? Welche besonderen Merkmale haben die Lyrics? So kommt man zu völlig neuen Einsichten. Statt eines Coming-outs entdeckt man dann Dinge wie die Textur des Texts oder seine Intertextualität. Die «innere Beschaffenheit des Texts» ist viel ergiebiger, als immer nach privaten Geständnissen zu suchen – eine schlechte Angewohnheit von Musikjournalisten und des Fans.
Querverweise
– zum «making of» von Queen: Inside The Rhapsody
– zum Feature von Polyphonic: Understanding Bohemian Rhapsody, das den Song als coming-out Track von Freddie Mercury interpretiert
– zum Feature von David Bennett: A Brief Analysis of Bohemian Rhapsody
– zum Feature von Rick Beato: What Makes This Song Great? QUEEN: Bohemian Rhapsody
– zum Sound On Sound Artikel über den Aufnahmeprozess

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