Musikzimmer Blog Post: Van Dyke Parks: Song Cycle

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Van Dyke Parks: Song Cycle

Nachdem Van Dyke Parks mit Brian Wilson an Smile gearbeitet hatte, war er selbst bereit, sich in die Geschichte des avantgardistischen Pop der 1960er Jahre einzuschreiben und sein Sgt. Pepper oder Smile zu produzieren. Sein Plattenvertrag, den er im Januar 1967 mit Warner Bros. abschloss, hat ihm den Weg dazu geebnet: Er sah absolute kreative Kontrolle und ein gigantisches Budget für seine Platten vor. «Song Cycle» verschlang ca 80'000 USD. Es war das teuerste Album, das Warner Bros. bis dahin produziert hat. Parks war 24 Jahre alt, als er im Frühling 1967 mit der Arbeit zu «Song Cycle» begann. Die Aufnahmen dauerten mehr als ein halbes Jahr, doppelt so lange wie die Produktion von Pet Sounds von den Beach Boys beanspruchte.
Als Label-Executive Joe Smith die Musik hörte, schüttelte er den Kopf. «Wo bitte sind die Songs?» fragte er. Als er zögerte, das Album herauszubringen, brauchte es ein gutes Wort von Elektra-Label-Boss Jac Holzmann, der «Song Cycle» ohne Zögern übernommen hätte. Holzman sagte «Song Cycle» sei ein amerikanischer Schatz, Musik für Leute, die gerne im Niemandsland auf Reisen gehen («Trips» ist das zweideutige englische Wort, das er brauchte).
Wie die Musik der Band, die die Wurzeln der damals noch neuen Rockmusik hörbar machte, war «Song Cycle» der Versuch, das selbe für die Populäre Musik zu tun: Musical, Swing, Ragtime, Bluegrass, Märsche, ... Ein grossartiges Konzept, das aber scheitert. Stellenweise klingt die Musik von Parks wie eine Soundcollage, ist aber komponiert. Die Musik von Frank Zappa lässt sich daher am ehesten mit der von Van Dyke Parks vergleichen. Beide Musiker strotzen nur so vor Überambition. Bei Zappa kommt aber noch eine gehörige Portion Übermut hinzu, wo Parks vorsichtig, ja schüchtern wirkt.
«Song Cycle» fehlt am Ende die Erdung in der Popmusik qua Musik für Hitparaden, Top-40-Radioprogramme, Singles. Die Musik kommt weitgehend ohne Gitarren aus und arbeitet mit orchestralem Vokabular.
«Song Cycle» ist Liebhabermusik, schwer zu hören. Leute, die das Album besitzen, warten Jahre auf die günstige Stunde, in der sie es feierlich auflegen und dranbleiben bis zum letzten Ton. Meist legen sie es nach kurzem Anspielen wieder weg und warten weiter auf ihren Van-Dyke-Parks-Moment.
«Song Cycle» wurde trotz exzellenter Besprechungen in der Presse zum kommerzielle Misserfolg. Van Dyke Parks richtete sich danach, wie er selbst sagte, als «Beta-Male» ein und arbeitete als Arrangeur für andere Musiker*innen. Manchmal gab es Van-Dyke-Parks-Schaltjahre, in denen es der Meister mit einem weiteren Album versuchte. Orange Crate Art, ein Gemeinschaftswerk mit Brian Wilson mag der bemerkenswerteste neben «Song Cycle» sein.
Links
– zum Buch über dieses Album von Richard Henderson

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