Musikzimmer Blog Post: V. A. (Warner Bros.): The 1969 Warner/Reprise Songbook

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V. A. (Warner Bros.): The 1969 Warner/Reprise Songbook

Die erste von zwei extensiven Labelschauen, die Warner Bros. 1969 herausgegeben hat. Die Serie trug den ironischen Titel: «Loss Leaders», da diese Platten zum günstigen Preis von 2 USD nur über Mailorder verkauft wurden. «The 1969 Warner/Reprise Songbook» war der erste Release dieser Loss Leaders Serie, die bis 1980 mit bis zu vier einzelnen, doppelten oder manchmal gar dreifache Platten pro Jahr weitergeführt wurde. Die Reihe repräsentiert den Aufstieg von Warner Bros. zum führenden Rock-Label in den 1970er Jahren.
Mit diesem «Songbook» – ein Begriff aus der alten Welt des Sheet-Publishings – und dem folgende Release, die The 1969 Warner/Reprise Record Show (Son of Songbook) präsentierte sich das Label als dasjenige unter den Majors, das die Zeichen der Zeit erkannt hat und auf Musik statt auf Kommerz setzte. Die hippieske Covergestaltung passt da völlig ins Bild.
Mo Ostin, der das Plattenlabel leitete, kam vom Jazz her und vertrat die Strategie, die in den 1960er Jahren herrschende Prioritätenliste eines Labels umzukehren. Statt wie bisher vor allem Hitsingles im Fokus zu haben und nebenbei Alben von erfolgreichen Acts auf den Markt zu bringen, agierte Warner Bros. umgekehrt und produzierte Alben, aus denen Hitsingles ausgekoppelt wurden. Man beachte das Wort «ausgekoppelt», das diese Prioritätenliste unterstützt. Das Album verkoppelt einzelne Stücke zu einem Ganzen. Eine Single wird aus diesem Verbund herausgelöst. Sie ist nicht das Eigentliche. Mit dieser Strategie schaffte es Austin, Warner (zusammen mit den eingekauften Katalogen von Reprise, Elektra und Atlantic) als führendes Rock-Label zu etablieren.
Die hier zusammengestellten Tracks waren keine Hits, sondern «deep cuts», «outtakes», «rare tracks», zum Beispiel Flipsides (B-Seiten von Singles). Musikfans sollten durch diese Label-Compilations Acts entdecken, die sie am Radio nicht hörten, und in der Folge Original-LPs kaufen.
Label-Compilations wie die Sogbooks gehörten zum Marketing von Rockmusik. Im selben Jahr 1969 brachte auch das britische Island Label eine vergleichbare Platte heraus: You Can All Join In, auf die eine Reihe weiterer Releases folgte.
Querverweise

– Norman Maslov: Warner-Reprise Records: The Loss Leaders Series
Links
– Both Sides Now: Warner Brothers Album Discography, Part 12: Promotional and Miscellaneous Issues

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