Musikzimmer Blog Post: Serge Droban: Inside the Collapse of the Music Industry

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Serge Droban: Inside the Collapse of the Music Industry

Der Dokufilm «Inside the Collapse of the Music Industry» von Serge Droban ist eine essayistische Dokumentation, die den langsamen, fast unsichtbaren Niedergang der traditionellen kommerziellen Musikproduktion in Aufnahmestudios beleuchtet. Der Film spielt in Los Angeles, einst das unangefochtene Zentrum der Aufnahmewelt, und zeigt, wie die großen Recording-Studios über Jahre hinweg verschwanden. Es wird betont, dass dieser Kollaps nicht plötzlich und als Schock kam. Man sieht leere Studios (vor allem die Chalice Recording Studios), ehemalige Top-Ingenieure, die den Beruf aufgegeben haben, weil die Budgets immer kleiner wurden. Gleichzeitig wird der Aufstieg der Home-Production und DIY-Kultur gezeigt (DAWs, günstige Mikrofone, Bedroom-Producer, die ihr Handqwerk aus Youtube-Tutorials lernen).
Hauptthesen des Films
Die digitale Musikwirtschaft mit ihrer Streaming-Ökonomie, den sinkenden Produktionsbudgets der Labels, der Verlagerung der Einnahmen zu Live und Publishing haben seit Jahren an der klassischen Studio-Infrastruktur genagt und sie nun zerstört. Viele erfahrene Toningenieure und Mixer wurden schlecht bezahlt und schliesslich überflüssig. Der Berufsstand ist nun praktisch verschwunden. Die Industrie hat etwas Wertvolles eingetauscht: hochwertige, kollektive Studio-Produktion gegen maximale Zugänglichkeit (Niederschwelligkeit) und Quantität. Die Industrie wirkt quantitativ explodiert, aber qualitativ und infrastrukturell ausgehöhlt.
Übersetzung des Transskripts
Los Angeles hat seine Musikindustrie nicht über Nacht verloren. Sie ist langsam und hinter verschlossenen Türen verblutet. Im Jahr 2020 gingen die Lichter aus. Studios schlossen. Sessions wurden abgesagt. Räume, die früher rund um die Uhr liefen, wurden still. Allen wurde gesagt, es sei nur vorübergehend. Das war es nicht. Als die Türen wieder aufgingen, blieben viele von ihnen für immer zu. Die Räume verschwanden. Die Ingenieure zerstreuten sich und die Industrie schrieb leise die Regeln um. Die Musik hörte nicht auf – sie hörte nur auf, gemeinsam zu entstehen. Was früher in Räumen gebaut wurde, entstand jetzt in Isolation. Was früher Zeit brauchte, wurde gehetzt. Was früher Menschen brauchte, brauchte sie nicht mehr. Und etwas Grundlegendes ging verloren.
Dieser Film handelt nicht von Nostalgie. Er handelt davon, was passiert, wenn die Infrastruktur, die eine Kultur zusammenhält, zusammenbricht und niemand es bemerkt, bis sie weg ist. Im Zentrum dieser Geschichte steht ein Produzent, der den Wandel vor, während und nach dem Kollaps miterlebt hat. Keine Schlagzeile, keine Theorie, kein Zeuge. Denn wenn du verstehen willst, warum Musik sich jetzt anders anfühlt, musst du auf den Moment schauen, in dem die Räume still wurden.
Wenn die Leute vom Niedergang der Musikindustrie sprechen, fangen sie meist bei den Künstlern an. Aber der Kollaps hat dort nicht begonnen. Er begann bei den Studios und genauer gesagt bei den Menschen, die sie am Laufen gehalten haben. Aufnahmeingenieure sind im Grunde die Arbeiter der Musikindustrie. Sie waren nicht das Gesicht der Platte. Sie waren nicht die Marke. Sie kamen nicht in die Schlagzeilen. Sie waren die Infrastruktur. Sie kamen früh, blieben spät, lösten Probleme, die niemand sah, übersetzten Ideen in Klang. Und als die Studios anfingen zu verschwinden, verschwanden auch die Jobs, die sie ausgebildet haben. Die Ingenieure sind nicht verschwunden, weil sie plötzlich nutzlos geworden wären. Sie sind verschwunden, weil die Systeme keinen Platz mehr für sie gemacht haben. Als die Sessions kürzer wurden, als die Budgets flach blieben, als die Arbeit in Schlafzimmer und Laptops wanderte, gab es keinen Ort mehr, um Ingenieur zu werden. Keine Lehre, keine Leiter, keinen Raum, um durch blosse Anwesenheit im Raum zu lernen.
Gleichzeitig brach die Einstiegshürde zusammen. Jeder konnte einen Laptop aufklappen, Logic starten, ein Mikrofon einstecken und etwas machen, das wie eine Platte aussah. Und dieser Wandel ist wichtig. Er hat Türen für Stimmen geöffnet, die früher nie reingelassen wurden. Aber er hat auch etwas Wichtiges verwischt, denn Aufnehmen in eine DAW ist nicht dasselbe wie eine Platte machen. Ohne Ingenieure, ohne Räume, die für Klang gemacht sind, ohne Systeme, die Standards erzwingen, fühlt sich der Prozess schon fertig an, lange bevor er es wirklich ist. Heute wachsen viele Künstler damit auf, dass das der Prozess ist. Dass es fertig ist, wenn es laut genug, sauber genug, poliert genug klingt. Nicht weil sie sich nicht kümmern würden, sondern weil es niemanden mehr gibt, dessen Job es ist, zu widersprechen, niemanden, dessen Rolle es ist zu sagen: Das ist noch nicht bereit. Das wirft eine echte Frage auf: Wenn jeder überall aufnehmen kann, wenn die Tools außerhalb des Raums leben, wenn die Ingenieure nicht mehr Teil des Systems sind – wofür braucht man dann eigentlich noch ein kommerzielles Studio?
Früher waren kommerzielle Aufnahmestudios Infrastruktur. Wenn du eine Platte machen wolltest, musstest du in einen Raum wie diesen kommen. Es gab keine Alternative. Diese Räume waren nicht optional. Sie waren das System. Als ein Ort wie Record Plant nicht mehr offen bleiben konnte, lag das nicht am Geschmack. Nicht an der Relevanz. Nicht daran, dass die Leute aufgehört hätten, sich für Musik zu interessieren. Es war strukturell. Die Kosten, Räume wie diesen in einer der teuersten Städte der Welt zu unterhalten, passten einfach nicht mehr dazu, wie die Industrie tatsächlich funktionierte. Und Record Plant war keine Ausnahme. Andere Studios verschwanden ebenfalls. Orte mit Geschichte, mit Glaubwürdigkeit, mit Platten im Rücken.
Sie schlossen nicht, weil keine Musik mehr gemacht wurde. Sie schlossen, weil weniger Leute es auf diese Weise machen mussten. Einige Studios gibt es noch. Überleben bedeutet nicht unverändert bleiben. Es bedeutet, sich an ein System anzupassen, in dem der Raum nicht mehr erforderlich ist, sondern nur noch gewählt wird. Schau dich in einem modernen kommerziellen Studio um. Die Sofas, die Aschenbecher, der Platz für 10 oder 12 Leute, die bequem sitzen können. Es fühlt sich weniger wie Infrastruktur an und mehr wie Erlebnis.
Und gleichzeitig am Pult: 48 Kanäle verfügbar. In Benutzung: ein Stereo-Track und eine Gesangsspur. Drei Fader bewegen sich. Nicht weil das Pult veraltet wäre, sondern weil die Arbeit es nicht mehr braucht. Das ist der Wandel. Kommerzielle Studios sind nicht verschwunden. Sie wurden umpositioniert – von Notwendigkeit zu Luxus, von Infrastruktur zu Option. Für Major-Künstler mit Geld zum Ausgeben macht diese Option immer noch Sinn. Aber für unabhängige Künstler, die aufkommen, tut sie das nicht. Nicht finanziell, nicht praktisch, nicht nachhaltig.
Und es ist nicht so, dass die Toningenieure komplett verschwunden wären. Tatsächlich gibt es wahrscheinlich mehr Ingenieure jetzt als je zuvor. Was verschwunden ist, ist der Weg. Jahrzehntelang bedeutete es, Ingenieur zu werden, im System drin zu sein: Praktikum in einem Major-Studio, Assistenz bei Sessions, Lernen unter jemandem, der schon Platten gemacht hatte. Es war langsam, hierarchisch, oft unfair. Aber es schuf eine Linie, eine Tradition. Heute ist dieser Weg selten. Studios haben nicht die Margen, um auszubilden. Sessions dauern nicht lange genug, um zu mentorieren. Und viele der Räume, in denen dieses Wissen früher lebte, existieren einfach nicht mehr.
Also wanderte die Ausbildung zu YouTube, Foren und Online-Kursen. Und dieser Zugang ist real. Er hat das Wissen auf eine Weise demokratisiert, wie die Industrie es nie zuvor getan hat. Aber er hat auch den Kontext entfernt. Wenn du aus einem Video lernst, weißt du nicht immer, von wem du lernst. Du kennst ihre Erfahrung nicht, ihren Geschmack nicht, ihre Fehler nicht. Du lernst Techniken und nicht Urteilsvermögen, Einstellungen und nicht Standards. Und ohne jemanden im Raum, der widerspricht, sieht alles plötzlich richtig aus. Gleichzeitig wurden die Tools identisch. Dieselben Plugins, dieselben Sample-Bibliotheken, dieselben Drum-Kits, dieselben Vocal-Chains – alles zu geringen Kosten verfügbar, was mächtig ist. Aber wenn jeder Zugang zu denselben Zutaten hat, verliert die Musik ihren Fingerabdruck. Eine Platte machen wird langsam zum Zusammenbauen einer. Nicht Kunst, sondern Handwerk. Nicht Ausdruck, sondern Output. Songs wurden zu Produkten, die optimiert werden: schnell gemischt, schnell veröffentlicht, schnell abgehakt – effizient, wiederholbar, skalierbar. Und wenn ein System Geschwindigkeit über Risiko belohnt, beginnt die Arbeit weniger nach Menschen zu klingen und mehr nach einer Maschine. Nicht weil jemand das geplant hätte, sondern weil das genau das ist, was Systeme produzieren, wenn sie auf Effizienz optimiert sind.
Die meiste Zeit der Geschichte war die Musikindustrie nicht auf Geschwindigkeit ausgelegt. Sie war auf Reibung ausgelegt. Zeit kostet Geld. Fehler hatten Bedeutung. Und das System selbst zwang die Menschen, langsamer zu werden. Was wir jetzt erleben, ist etwas anderes. Musik ist billiger herzustellen als je zuvor, schneller zu veröffentlichen, leichter zu verteilen. Und auf viele Arten ist das ein Sieg. Mehr Stimmen, mehr Zugang, mehr Beteiligung.
Aber es bedeutet auch, dass das System nicht mehr dieselben Fragen stellt wie früher. Nicht: Ist das fertig? Ist es die Zeit wert? Wird es Bestand haben? Sondern stattdessen: Kann das skalieren? Kann es wiederholt werden? Kann das schnell genug gehen?
Studios sind nicht verschwunden, weil die Leute aufgehört haben, sich für Musik zu interessieren. Sie sind verschwunden, weil das System die Bedingungen, die sie erzwangen, nicht mehr benötigte. Auch die Toningenieure sind nicht verschwunden. Aber die Wege, die sie früher ausgebildet haben – die Räume, die Mentoren, die langsame Anhäufung von Urteilsvermögen – wurden in einem auf Geschwindigkeit optimierten System schwerer aufrechtzuerhalten. Was zusammengebrochen ist, war nicht die Kreativität. Es war die Ökonomie, die sorgfältige Arbeit unterstützt hat. Die Infrastruktur, die es der Kunst erlaubte, in einem System zu existieren, das sie nicht sofort skalieren lassen musste.
Die Technologie hat die Musikindustrie nicht kaputt gemacht. Sie hat genau das getan, was sie versprochen hat. Sie hat die Reibung entfernt. Sie hat Barrieren gesenkt. Sie hat die Effizienz gesteigert. Und anfangs war sie dazu gedacht, den Künstlern zu helfen. Aber mit der Zeit wurden diese Werkzeuge in viel grössere Systeme aufgesogen. Systeme, die auf Wachstum, Optimierung und Profit ausgelegt sind.
Wenn das passiert, ändern sich die Fragen. Nicht: Ist das interessant oder fordert das den Hörer heraus? Sondern: Funktioniert das? Übersetzt sich das? Passt das ins Format?
Es gab eine Zeit [1960er und 1970er Jahre], in der Musik von dir verlangte, zuerst zuzuhören. Die Leute sassen mit Schallplatten da, Alben wurden von vorne bis hinten durchgehört. Das Werk lebte im Klang. Als [in den 1980er Jahren] das Bild ins Spiel kam, verschob sich die Aufmerksamkeit vom Zuhören zur Wiedererkennung, vom Klang zur Identität. Dieser Wandel hat die Musik nicht zerstört, aber er hat verändert, was das System belohnt. Und je schneller die Technologie wurde [ab den 00er Jahren], desto schneller bewegte sich das Branding – schneller als die Musik selbst. Ein Bild konnte sich verbreiten, bevor ein Song fertig war. Eine Persona konnte existieren, bevor eine Platte da war. Die Musik ist nicht verschwunden. Sie wurde zweitrangig. Der Song begann, dem Image zu dienen, statt dass das Image dem Song dient.
Und jetzt tritt KI ins Bild – nicht als Schock, sondern als Fortsetzung. KI ist nicht aus dem Nichts aufgetaucht. Sie ist natürlich aus einem System entstanden, das bereits auf Geschwindigkeit, Volumen und Wiederholbarkeit optimiert war. Wenn Musik wie Daten behandelt wird, wenn Geschmack modelliert und Stil vorhergesagt werden kann, dann wird Automatisierung unvermeidlich. KI fragt nicht, ob etwas existieren sollte. Sie fragt, ob es existieren kann. Sie braucht keine Studios, keine Ingenieure, keine Zeit. Sie braucht nur Referenzen.
Das bringt die Frage wieder in den Fokus. Nicht ob die Technologie beeindruckend ist, sondern was mit Arbeit passiert, die Zeit, Risiko und Zurückhaltung braucht, in einem System, das genau diese Dinge entfernt.
Vielleicht ist das, was wir Kollaps nennen, gar kein Ende. Vielleicht ist es ein System, das abwirft, was es nicht mehr tragen kann. Und was es ersetzt. Ob das zu etwas Hohlem oder zu etwas Ehrlichern führt, hängt davon ab, wofür wir entscheiden, dass Musik eigentlich da ist.
Denn Systeme ändern sich nicht von allein. Sie ändern sich als Reaktion darauf, was wir belohnen, was wir hören, was wir teilen und womit wir bereit sind, uns hinzusetzen.
Musik hat jede frühere Version der Industrie überlebt. Die Frage ist nicht, ob sie es wieder tun wird. Die Frage ist, welche Form sie annimmt, wenn das System um sie herum nicht mehr gleich aussieht.
Dieser Film fragt nicht, ob die Vergangenheit besser war. Er fragt, ob der Tausch absichtlich war, ob das, was wir gewonnen haben [z.B. Produktivität], das wert war, was wir aufgegeben haben [den Raum, in dem kollektive Kreativität am Werk war], und ob ein System, das auf Effizienz gebaut ist, immer noch die Art von Arbeit schützen kann, die Reibung braucht, um zu existieren. Das ist die Frage des Films: «Did the music industry lose something or did it trade it away — and was the exchange worth it?»
Das Transscript aus Youtube wurde mit Grok ins Deutsche übersetzt und nur geringfügig angepasst.

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