Musikzimmer-Stichwort: Psychedelia

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Synonyme
Psychedelik, Psychedelic (engl.), psychedelisch

Erklärung
Psychedelisch/Psychedelia (engl. Fachtermini, die abgeleitet sind von griech.: die Seele offenbarend) steht als Begriff für einzelne oder die Gesamtheit der Praktiken, mit der man, mittels LSD, Meskalin oder Psilocybin eine Bewusstseinsveränderung bzw. Bewusstseinserweiterung erreichen kann. Das Wort «psychedelic» hat der englische Psychiater Humphrey Osmond 1956 in seinem berühmten Ausspruch geprägt: «To fathom hell or soar angelic, just take a pinch of psychedelic» («Um die Hölle zu ergründen oder wie ein Engel aufzusteigen, nimm eine Prise Psychedelik»). Osmond untersuchte den Zusammenhang von LSD-Rausch und Psychose und postulierte anfangs die Hypothese, dass die Wirkung von LSD «psychotomimetisch» sei, also eine Psychose nachahme. Er tauschte sich mit dem Schriftsteller Aldous Huxley über die Möglichkeit aus, dass LSD auch eine religiöse Erfahrung vermitteln könne. Beide räumten dies ein. Daher brauchte Osmond einen neuen, positiveren Begriff für «psychotomimetisch» und verwendete fortan «psychedelic» («psychedelisch»), von deloun/delos (griech.): offenbaren, sichbar.
Psychedelia in der Gegenkultur der 60er Jahre
In der Gegenkultur der 60er Jahre tauchte Psychedelik zum ersten Mal in einem populärkulturellen Zusammenhang auf, als die Merry Pranksters, die Künstlergruppe um den Schriftsteller Ken Kesey zuerst in San Francisco und Los Angeles Experimente mit LSD veranstalteten (siehe Acid Tests). Ihr klandestines LSD wurde von Owsley Stanley produziert, einer der wichtigsten Figuren der Gegenkultur Kaliforniens. Die Musik der Zeit trat in eine psychedelische Phase ein: Es gab Psychedelischen Folk, Psychedelischen Folkrock und Psychedelischen Bluesrock, Psychedelicpop, Psychedelicsoul. Die psychedelische Musik von damals wurde vermutlich nur zum Teil im LSD-Rausch eingespielt. Notorisch für ihre Trip-Konzerte waren allerdings Grateful Dead. Und interessant, wenn auch keine musikalische Offenbarung, ist der posthume Release von LSD Underground 12, bei dessen Einspielung alle Musiker auf einem Trip gewesen sein sollen.
Merkmale psychedelischer Kunst
Visuelle Psychedelische Kunst drückt mit grellen Farben und verlaufenden oder sich bewegenden Formen Merkmale der veränderten Wahrnehmung im Rauschzustand aus. Diese Kunst hat die Funktion zu dokumentieren aber auch den Rauschzustand mit anregenden Stimuli zu begleiten.
Die psychedelische Musik zeichnet sich aus durch klangverändernde Soundeffekte (Gitarreneffekte wie Fuzz, Phazer, WahWah, Flanger). Fremdländische oder ungewohnte Instrumente waren an der Tagesordung (Sitar und Tablas). Elektronische Soundeffekte, die im Studio produziert wurden: Tonbandaufnahmen mit falscher Geschwindigkeit oder rückwärts laufend. Paning-Effekte, die eine Schallquelle im Raum bewegten. Die musikalische Form hatte eine Tendenz zur Länge, weil man mit der Musik den Drogentrip begleiten (nicht unterbrechen) wollte.
Mit der psychedelischen Kultur kam die psychedelische Plakatkunst und der psychedelische Film.
Geschichte der Psychedelia
Jede Zeit, in der das Psychedelische eine Rolle spielt, bringt eine eigene psychedelische Kultur hervor – und sei es eine Retrokultur. Das erste Revival entstand in den 80er Jahren (siehe: Neo-Psychedelicrock Spartendiskografie). Sludgemetal hatte Affinitäten zur Psychedelik, Goa-Trance bezog sich in der Elektronischen Tanzmusik auf die Hippiekultur der 60er Jahre. Die Musiker/-innen des Freakfolk und speziell das Psychfolk-Revival der Nuller Jahre (siehe: Psychfolk Stildiskografie) waren ihrerseits besessen von vergessen gegangener psychedelischer Musik aus den Endsechzigern und Frühsiebzigern.
Listen mit psychedelischer Musik
– Richard Morton Jack: Psychedelia. 101 Iconic Underground Rock Albums 1966–1970
– Richard Morton Jack: Psychedelia. 30 Great Psychedelic Singles – US, UK, Europe
– Treblezine: Treble’s Top 50 Psychedelic Albums
– Mojo: Psychedelia US
– Mojo: Psychedelia UK
– Mojo: 50 Most Out There Albums - Psychedelia, Outsiders & Visionäre
– Fact Magazine: 20 Best: UK Psych Records Ever Made
– Musikzimmer:
Thematische Songsammlung: Angst und andere psychische Zustände
Ausgewählte Compilations mit psychedelischer Musik
– V.A.: Let's Go Down And Blow Our Minds: The British Psychedelic Sounds Of 1967. Cherry Red CRSEGBOX 033, Grapefruit Records CRSEGBOX 033. 3 CD Box, Genre-Comp., 2016.
– V.A.: Hallucinations: Psychedelic Pop Nuggets From The WEA Vaults. Rhino RHM2 7821. Genre-Comp., 2004.
– V.A.: Children Of Nuggets: Original Artifacts From The Second Psychedelic Era. Rhino R2 74639. 4 CD Box Genre-Comp., 2005.
– V.A.: The Golden Apples Of The Sun. Bastet 01. Genre-Comp., 2004.

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