Release-Factsheet: Bon Iver: «22, A Million»

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Bon Iver   :


Bon Iver: 22, A Million ★★★

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Trackliste

  1. 22 (OVER S∞∞N) - 2:48
  2. 10 d E A T h b R E a s T ⚄ ⚄ (Ben Lester, BJ Burton, Justin Vernon) - 2:24
  3. 715 - CR∑∑KS - 2:12
  4. 33 “GOD” - 3:33
  5. 29 #Strafford APTS (BJ Burton, Justin Vernon) - 4:05
  6. 666 ʇ - 4:12
  7. 21 M◊◊N WATER (Sean Carey, Justin Vernon) - 3:08
  8. 8 (circle) Ryan Olson, BJ Burton, Michael Lewis, Justin Vernon) - 5:09
  9. ____45_____ - 2:46
  10. 00000 Million (Michael Lewis, Justin Vernon) - 3:54

Alle Tracks: Justin Vernon, ausser wo anders vermerkt.

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    Datum (JJJJ MM TT)
    – 2016 09 30  [D]
    Label
    – Jagjaguwar JAG 300  [D]
    Genre(s)
    – Post-Millennial-Music - Indiefolk - Singer-Songwriter [D]
    Produzent(en)
    – April Base [>] [D]
    – Justin Vernon [>] [D]
    Archiviert als
    – MP3-Download

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    • Artwork: Eric Timothy Carlson
    • Band [Sad Sax Of Shit]: Al Falaschi
    • Band [Sad Sax Of Shit]: Anthony Barba
    • Band [Sad Sax Of Shit]: Christopher Thomas (8)
    • Band [Sad Sax Of Shit]: Clay Lyons
    • Band [Sad Sax Of Shit]: Clay Pufahl
    • Band [Sad Sax Of Shit]: David Laurenzi
    • Band [Sad Sax Of Shit]: Mark Henderson
    • Band [Sad Sax Of Shit]: Matt Douglas
    • Band [Sad Sax Of Shit]: Michael Lewis
    • Band [Sad Sax Of Shit]: Nelson Devereaux
    • Band [Sad Sax Of Shit]: Peterson Ross
    • Band [Sad Sax Of Shit]: Scott Fultz
    • Mastering: Huntley Miller
    • Synthesizer [Op-1], Guitar [Gritar], Keyboards [Prophet], Bass, Drums, Synthesizer [M1], Voice [Messina]: Justin Vernon
    • Copyright (c) Jagjaguwar
    • Copyright (c) Bon Iver
    • Phonographic Copyright (p) Jagjaguwar
    • Phonographic Copyright (p) Bon Iver
    • Published By April Base Publishing

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    Weitere Quellen:
    NYT: Popcast zum Album
    Pop Matters: Fade Into the Machine (Feature von Rober Loss, 5.Oktober 2016) Bon Iver's '22, A Million'

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    Musikzimmer-Rezension
    Fünf Jahre und drei Monate brauchte Justin Vernon für sein neues Album 22, A Million. Der Songwriter, der sich 2007 mit seinem Erstling, For Emma, Forever Ago, ins Zentrum des Indiefolks spielte, ist einen weiten Weg gegangen: Als Musiker, der typischerweise in Clubs spielte, fand er sich plötzlich auf grossen Bühnen und Festivals wieder und erhielt gar einen Grammy für das zweite Album, Bon Iver, Bon Iver. Dieser Erfolg macht ihn zu einem der prominenten Crossover-Musiker der Zehnerjahre. Es besteht eine grosse biografische und existentielle Spannung zwischen dem, der sich während einer Lebenskrise in eine Hütte zurückzieht, um Songs zu schreiben, und dem, der mit Kanye West auf Augenhöhe musiziert. Den Weg zwischen diesen Extremen muss einer zuerst einmal zurücklegen. Er muss ihn fassen und verarbeiten.
    Der 35-jährige Justin Vernon wusste, dass er auf dem dritten Album alles machen konnte: Sein Name wird das Album verkaufen. Doch er fragte sich, wo er mit seiner Musik hin will und zu welchem Zweck er sie macht. Wie ist 22, A Million nun also geworden? Musik mit Herz für Leute mit Herz. Wobei «Herz» keine billige Ausrede für fehlende Worte ist, sondern das Organ (oder metaphorisch: die psychische Instanz), die einen antreibt, weiter bringt, befähigt, offen (beherzt) auf das Ungewisse zuzugehen.
    Im New York Times Popcast wird eine Rezension zitiert, die die Frage stellt und verneint, ob 22, A Million dem Publikum gefällt, das For Emma, Forever Ago liebten. Ich stelle mir diesen Diskurs vor, in dem es typischerweise um Emotion, Bauch und Herz geht. Die frühen Songs von Justin Vernon hatten diese Direktheit, die der Musik als Sprache oder Ausdruck zugeschrieben wird, wenn man sagt: «Musik vermag unmittelbar sublinguistische Schichten unserer Kommunikation anzusprechen». Musik spricht zum Herzen, das ist zweifellos der Fall. Doch das Herz sollte kein Gefängnis sein. Herzlich ist der Mensch, der offen auf Neues und andere zugeht, nicht der, der seinen Kreis von Freunden hat und nur in diesem warm und lebendig ist. Bon Iver ist ein beherzter Act, der das Neue sucht und sich nicht auf schöne, mit fragiler Stimme vorgetragene Folksongs festschreiben lässt. Warum also soll man nicht die frühen und diese neuen Songs genau so lieben können?
    Es gibt zwei Faktoren, die das erste Bon Iver Album mit den folgenden, zunehmend experimentelleren verbinden: Justin Vernons Soul-Stimme und sein Geschick, verschiedene Instrumente zu spielen. Doch ein dritter Faktor macht die Musik mit aus, Vernons Experimentier- und Gestaltungsfreude im Studio. Sie hat von Album zu Album zugenommen, aber die Ansätze dazu finden sich schon im Erstling. Vernons Musik wollte nie einfach sein, das widerspiegelt sich schon im Künstlernamen des Acts, der eine Herausforderung ist, weil er französisch satt englisch ausgesprochen werden will. Bon Ivers Soul-Stimme fiel von Anfang an aus jedem Indiefolk-Rahmen: Ich erinnere mich, dass ich For Emma, Forever Ago, als es herauskam, im ganz anderen Kontext von Alternative-R'n'B wahrgenommen habe. Das andere Album, das damals bei mir in «Heavy Rotation» lief, war Love Remains von How To Dress Well. Von daher besteht m.E. gar kein Anlass, Bon Iver bzw. Justin Vernon in die Indiefolk-Ecke zu drängen und seine Auto-Tune-Effekte als «schwierige», «schwer verständliche» und «fremde» Elemente zu besprechen.
    Gerade die Produktion von 22, A Million ist nämlich das Bemerkenswerteste an diesem Album: Sie verbindet das Klassische mit dem Experimentellen, das Analoge mit dem Digitalen, Lo-Fi und Auto-Tune. Die quadratische Yin-und-Yang-Ikonografie im Zentrum des Covers ist Ausdruck der Einheit dieser Gegensätze. Hier treffen digitale Glissandis der Stimme auf verwitterte Lo-Fi-Effekte und analoge Fehler. Dass Yin und Yang hier in einem Quadrat stehen, entreisst sie zudem einer perfekten, von einem Kreis symbolisierten Einheit und holt sie runter auf die Erde und ins Leben.
    Interessant sind die Songtitel des Albums. Zahlen sind ihre Hauptkomponente und stehen für Abstraktion und Codierung. 33 ‘GOD’ verweist auf die Länge des Stücks (3 Minuten 33 Sekunden) oder 00000 Million soll mit der Tracknummer 10 zusammen gelesen werden und heisst dann «1,000,000». 715 - CRΣΣKS ist ein Ort und seine Postleitzahl in Wisconsin. Einige Zahlen tragen eine persönliche Bedeutung, wie der Verfasser der Linernotes schreibt. Die 22 im Titel steht z.B. für Vernon, für seine «Dualität» und für die Verzweiflung aus Psalm 22 («Mein Gott, warum hast du mich verlassen?»). Der Autor dieser Musik spielt mit den Sounds wie mit den Zahlen in den Titeln. Alles weist darauf hin: Musik ist codierte und gestaltete Information, deren Zweck nicht ist, festgeschriebene Genres und Formate oder Publikumserwartungen zu bedienen, sondern zum Herzen zu sprechen und beherzt das Neue zu suchen.

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    Listenzugehörigkeit
    – Pitchfork: Best New Music 2016 [L] [←] [→]
    – Stereogum: The 50 Best Albums Of 2016 [L] [←] [→]
    – Exclaim!: Exclaim!'s Top 20 Pop & Rock Albums. Best Of 2016 [L] [←] [→]
    – Treblezine: The Top 50 Albums Of 2016 [L] [←] [→]
    – PopMatters: The 70 Best Albums Of 2016 [L] [←] [→]
    – Pitchfork: The 50 Best Albums Of 2016 [L] [←] [→]
    – PopMatters: The Best Avant-Garde And Experimental Music Of 2016 [L] [←] [→]
    – No Ripcord: Top Albums Of 2016 [L] [←] [→]

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