Print-Factsheet: Wilfried Heise: «Vom Rauscherlebnis zum Erlebnisrausch: Künstliche Paradiese gestern und heute» (Artikel_Online)

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Wilfried Heise   :


Wilfried Heise [D]: Vom Rauscherlebnis zum Erlebnisrausch: Künstliche Paradiese gestern und heute   [PDF]

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Datum (JJJJ MM TT)
– 2017 09 04 [D]
Verlag
– Avenu,jetzt (Basel)
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Tags
– Drogen [Tag]
– Rausch [Tag]
– Romantik [Tag]
– Gegenkultur [Tag]
– Postmoderne [Tag]
– Zeiterleben [Tag]
– Subjektivität [Tag]

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Der Artikel schreibt eine Geschichte des (Drogen-)Rausches in drei Epochen:
1) Die Romantik sieht den Drogenrausch als Ausbruch aus dem Gefängnis der bürgerlichen Gesellschaft, in dem das entgrenztes Bewusstsein zu sich selber gelangen kann. Alexander Kupfer hat in «Künstliche Paradiese» (1996), einer Literaturgeschichte des Rausches die Sucht (und ihre Pathologisierung) als bürgerliche Seite des Rauschs beschrieben. Die andere sei das künstliche Paradies, das nicht nicht nur im übertragenen Sinne mit dem religiösen vergleichbar sei. Von solchen künstlichen Paradiese sagt der Kulturwissenschaftler Mark Butler, dass sie Raum und Zeit verwandeln: Kulturwissenschaftler Mark Butler: Psychotropika seien Zeitmaschinen und beschleunigen oder verlangsamen die Zeit (das Zeiterleben). Leider machten Künstler wie Oscar Wilde, Charles Baudelaire oder Edgar Allan Poe die Erfahrung, dass die Flucht in den Rausch nicht zur Produktionssteigerung führte – berauscht konnte man nicht schaffen.
2) Die Gegenkultur der 60er Jahre überführte den individuellen Rausch in einen kollektiven: Nun ging es nicht um Bewusstseinserweiterung einzelner, sondern um das inszenierte Spektakel kollektiver moderner Erlebniswelten. Der Soziologe Andreas Reckwitz beschrieb das so, dass die antibürgerlichen Bewegungen über den Weg der Avatgarden ein exzessives, artifizielles und parasitäres Subjekt stark machten – ein Subjekt, das die Grenzen des rechten Maßes überschreite, das jede Natürlichkeit missachte und das Aktivitäten verfolge, die jenseits des Nützlichkeitsanspruchs lägen.
3) Die Postmoderne und sein Konsumsubjekt, das die Entwicklung vom Rauscherlebnis zum Erlebnisrausch vorerst abschliesst.
Alle drei Epochen des Rausches bringen eine bestimmte Form der Subjektivität mit sich, nämlich eine, die das Erleben vor das Handeln stellt: 1) indem sie das Lustprinzip vor das das Realitätsprinzip stellt, 2) die Selbstexpression als wichtiger erachtet als die Moralität und 3) das Neuen statt der Stabilität des Bewährten prämiert. Herausgeschält hat sich das postmoderne Konsumsubjekt.

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