Print-Factsheet: Christoph Fellmann: «Wie die Hippies schwarze Musik links liegen liessen» (Artikel_Online)

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Christoph Fellmann   :


Christoph Fellmann [D]: Wie die Hippies schwarze Musik links liegen liessen   [PDF]

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Datum (JJJJ MM TT)
– 2017 06 10 [D]
Verlag
– Tages-Anzeiger (Zürich)
Links
– [Quelle]
Tags
– Fantasy Fair and Magic Mountain Music Festival [Tag]
– Open Air [Tag]
– Summer of Love [Tag]
– Babybommers 1940-1970 [Tag]

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Am Wochenende vor 50 Jahren, am 10. und 11. Juni 1967 fand das erste Open Air der Rockgeschichte statt, die Fantasy Fair and Magic Mountain Music Festival auf dem Mount Tamalpais bei San Francisco. Die Doors spielten damals ihr erstes grosses Konzert. Das Festival war ein weiterer Massenauflauf der Hippie-Generation in Kalifornien, nach dem Human Be-In im Golden Gate Park im Januar. Die Fantasy Fair und das Magic Mountain Music Festival fand eine Woche vor dem nächsten, dem Monterey Pop Festival statt. Dieses spätere Open Air hat Geschichte geschrieben, weil es von D.A. Pennebaker auf Film dokumentiert wurde. Vom Magic Mountain Music Festival gibt es nur einen farblosen Kurzfilm eines deutschen Filmteams.
Die Musik zwischen 1965 und 1967 war von einer Ästhetischen Revolution bestimmt. Die neue Hippie-Ästhetik prägte die klassische Rockmusik und wurde zur Leitkultur der Jugend, bis Disco und Punk sie ablösten. Eines der prominentesten Bücher, die sich (unter anderem) mit den musikalischen Umwälzungen in der Mitte der Sixties befassen, ist Elijah Walds How The Beatles Destroyed Rock 'n' Roll. Der Artikel von Christoph Fellmann nimmt eine Beobachtung aus diesem Buch auf, dass nämlich vor der musikalischen Revolution schwarze und weisse Musik zum ersten mal in der Geschichte egalitär nebeneinander koexistierten. Ende 1963 hob man in den USA die Trennung der Hitparaden für weissen Pop und schwarzen Rhythm & Blues auf, weil die beiden Musikströmungen dasselbe wurden. Eine der grossartigen audiovisuellen Zeugnisse der Koexistenz von Pop und Soul ist die TV-Show T.A.M.I. Show von 1964. Doch durch die Hippiekultur trat ein, was Frank Schäfer mal gesagt hat: «Für den Mainstream-Hippie hat der ‹Neger› als Leitbild und Identifikationsparadigma an Bedeutung verloren. Er wird durch den ‹Indianer› ersetzt.» Die schwarze und die weisse Musik gingen wieder separate Wege, allerdings nicht ohne einander immer wieder Tricks abzuschauen. Für die weisse Rock-Musik wurden «Texte und Klangexperimente [...] wichtiger als der Tanzbeat.» Aus der Tanz- und Partymusik wurde in den psychedelischen Jahren eine Musik, die sich als Kunstform gebärdete. Die schwarze Musik hingegen entwickelte sich vom Soul zum Funk weiter und wurde radikaler in Text und Musik. Der Medienwissenschaftler Jack Hamilton hat in seinem Buch Just around Midnight geschrieben, dass die schwarzen Spielarten der Popmusik in jenen Jahren zur «Quelle» und zur «Wurzel» der Rockmusik erklärt und damit abgewertet wurden, weil Rock diese Wurzeln überwunden hat.

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