Print-Factsheet: Sven Felix Kellerhoff: «1968 und die Medien» (Artikel_Online)

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Sven Felix Kellerhoff   :


Sven Felix Kellerhoff [D]: 1968 und die Medien

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Datum (JJJJ MM TT)
– 2008 11 12 [D]
Verlag
– Herder (Freiburg)
Nachweis
– Bernhard Vogel (Hrsg.) & Matthias Kutsch (Hrsg.): 40 Jahre 1968. Alte und neue Mythen - Eine Streitschrift.
Links
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Tags
– Babybommers 1940-1970 [Tag]

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Der Autor ist Medienhistoriker und steht der Forderung von Götz Aly aufgeschlossen gegenüber, endlich Geschichtssschreibung statt Veteranengeschichten zu schrieben!. Er interessiert sich für das kritische Hinterfragen von Bildern. Damit meint er sowohl reale Bilder (Fotos usw.) und Bilder im übertragenen Sinne (Erklärungsmuster, Deutungen, Mythen). Alle Arten Bilder werden in der Regel kolportiert ohne kritisch hinterfragt zu werden.
Gängige Erklärungsmuster dafür, was 1968 passiert ist und wofür die Jahrezahl/Chiffre steht: 1) Medienhetze gegen den Springer Verlag und die Umgründung der Republik. Einige Mythen wurden mittlerweile bereits dekonstruiert, nämlich:
– dass 68er für die Aufarbeitung der Nazivergangenheit verantwortlich sind
– dass sie die Öffnung der Hochschulen für breite Bevölkerunggsteile erwirkt hätten und
– dass sie die sexuelle Befreiung der Frau angestossen hätten.
Solche Fehldeutungen sind wiederum Gegenstand der Geschichtsschreibung.
Resultate in drei Thesen
Medien waren bei 1968 zentral: «Ohne Resonanz keine Revolte!»
APO gegen Springer als brisante Konfrontation: «Ohne Feind keine Fehde».
Mythologisierung von 68: «Ohne Verdrängung keine Verklärung.»
Die Kommune 1 war der Kristallisationspunkt der Revolte: Politisierung des Privatlebens und radikale Verneinung bürgerlicher Werte (Privateigentum, Zweierbeziehung), Anfängliche Diebereien brachten nur Bussen aber kein Echo, Öffentlichkeit war an der Kommune nicht sonderlich interessiert. Das vereitelte Puddingattentat auf US Aussenminister in Schöneberg hingegen brachte die Kommunarden ins Schlaglicht: Von nun an kamen Journalisten (aber nicht von Springer) und zahlten der Kommune Geld für die Berichterstattung. Das geschah zur rechten Zeit, als die Verwandten der Kommune die finanzielle Unterstützung entzogen. Mit der neuen Einnahmequelle konnten sie eine neue Wohnung mieten. => Die Kommune I wäre eigentlich 1967 zerfallen, wenn nicht die Presse gewesen wäre, die sie finanziert hätte.
Es müsste untersucht werden wie der Kampf gegen Springer auf die Agenda kam: Der Autor deutet an, dass die SED und Ulbricht damit angefangen hätten und dass dieses thema aus Ostdeutschland importiert wurde, weil Springers strikt antikommunistischer Kurs jenseits der innerdeutschen Grenze ein Dorn im Auge war. Tatsächlich habe der Springer Verlag unter den schärfsten Angriffen auch unsachlich zurückgeschossen und seine Macht demonstriert.
Kritische Stimmen von 2008
Es gab beim vierzigjährigen Jubiläum von 1968 drei kritische Stimmen: Götz Aly, der 1968 mit 1933 vergleicht (siehe Unser Kampf), Thomas Schmid, der einen selbstkritischen Leitartikel in der Welt schreibt und Jörg Friedrich, der (schon 2002!) betonte, dass die Deutschen auch Opfer im WW2 geworden waren: Der Bombenkrieg der Allierten ab 1944, der wurde gegen unschuldige Zivilisten geführt.

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Formel: Autor: «Titel». Nachweis Ort, Verlag.