Print-Factsheet: Herrmann Danuser: «Neue Innerlichkeit in der zeitgenössischen Musik» (Artikel_Online)

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Herrmann Danuser [D]: Neue Innerlichkeit in der zeitgenössischen Musik   [PDF]

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Datum (JJJJ MM TT)
– 1989 11 22 [D]
Verlag
– Dissonance (Basel)
Nachweis
– dissonanz/dissonance 22. November 1989, S. 4–10
Behandelte Acts Behandelte Acts
John Cage [D], Dieter Schnebel [D], Wolfgang Rihm [D], Luigi Nono [D], Arvo Pärt [D], Pauline Oliveros [D], Krzystof Penderecki [D]
Tags
– Neue Innerlichkeit [Tag]

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Komponist/-innen der Neuen Innerlichkeit versuchen auf vielfältige Weise die bei der modernen Seriellen Musik verloren gegangene Kategorie des musikalischen Ausdrucks zu restitutionalisieren. Zur Neuen Innerlichkeit gezählt werden können Verfahren, die versuchen, die aus dem 19. Jahrhundert stammende Kategorie des Gefühls zu rehabilitieren (Rihm und andere), Verfahren, die die Subjektivität entleeren (Cage), die Musik als Form der Meditation begreifen (Pärt, Oliveros), aber auch Verfahren des Traditionalismus (Penderecki) und der Moderne (Cage, Schnebel).
Die Kategorie der Innerlichkeit geht historisch mindestens auf Hegel zurück, der Musik als Ausdruckskunst einer «subjektiven Innerlichkeit» bestimmte. Nach dem ersten Weltkrieg kam es zu einer Epochenzäsur, die den Ausdruck in der Musik durch eine Strukturästhetik ersetzte.
Die Neue Innerlichkeit hat zwei Wurzeln: eine, die die Romantik negiert, und eine, die die Modern negiert (eine Negation der Negation also). Die erste wendet sich gegen die Prämissen der klassisch-romantischen Musiktradition und ihren Fortsetzungen, die andere gegen die Prämissen entweder der in serieller Musik negierten Innerlichkeit oder einer «experimentellen» Innerlichkeit avantgardistischer Prägung.
Cages Neue Innerlichkeit sucht nicht nach der Restitutionalisierung der reichen Gefühlswelt der traditionellen musikalischen Ausdruckskunst, sondern nach einer am Zen-Buddhismus orientierten Leere. Es geht ihm um Tilgung der Subjektivität. Cage kehrt Hegel um und versucht Innerlichkeit als Erfahrung des Nichts zu vermitteln.
Die Musik von Oliveros will eine Hörübung sein und richtet sich an ein meditationsbereites Publikum. Ihr geht es um eine Innerlichkeit als Bewusstheit («awareness»). «Awareness» ist im Gegensatz zur gerichteten (intentionalen) selektiven Aufmerksamkeit etwas, das auf die gleichzeitige Präsenz der inneren und äusseren Wirklichkeit abzielt.

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Formel: Autor: «Titel». Nachweis Ort, Verlag.