Print-Factsheet: Hansgeorg Mühe: «Unterhaltungsmusik. Ein geschichtlicher Überblick» (Musikgeschichte)

Autor Navigation

Hansgeorg Mühe   :


Hansgeorg Mühe [D]: Unterhaltungsmusik. Ein geschichtlicher Überblick   [PDF]

Cover

Datum (JJJJ MM TT)
– 1996 [D]
Verlag
– Verlag Dr. Kovač (Hamburg)
Links
– [Quelle]
Tags
– Unterhaltungsmusik [Tag]
– Tanzmusik [Tag]
– Gebrauchsmusik [Tag]
– Umgangsmusik [Tag]
– Leichte Musik [Tag]
– Jazz- und Jazzverwandte Musik [Tag]
– Popularmusik [Tag]
– U-Musik [Tag]

Cover

Mühe geht der Unterhaltungsmusik in drei Epochen nach, wobei er sie im Anschluss an Georg Knepler als Musik bestimmt, die einen grossen Anteil biogener Funktionen (im Verhältnis zu mimogener und logogener Funktionen) aufweist (S. 11): die Rhythmik der Musik und ihr Gebrauch als Tanzmusik stehen also im Vordergrund (wenn auch nicht zu jeder Unterhaltungsmusik notwendig getanzt werden muss). Die drei Epochen sind erstens die Tanz-und Unterhaltungsmusik in der Zeit vor 1750, zweitens die zwischen 1750 und 1950 und drittens die Popularmusik in der zweiten Hiilfte des 20. Jahrhunderts. Zur Wertung der Unterhaltungsmusik schreibt Hansgeorg Mühe: «es gibt gute und schlechte Tanzmusik, gute und schlechte Sinfonik usw., aber keine prinzipiell besseren oder schlechteren musikalischen Gattungen» (S. 10).
Eine Trennung zwischen E- und U-Musik ist schon in den antiken Sklavenhaltergesellschaften zu beaobachten, wobei E den Prinzipen des Appollinischen und U denjenigen des Dionysischen entsprochen habe (12). Der Gegensatz lebte im Mittelalter als Trennung von geistlicher und weltlicher Musik fort (13f.). Im 12. und 13. Jahrhundert gab es Minnesänger/-innen, Trobadors und Trobairitz (10). Schon seit dem 12. Jahrhundert traten solche Spielleute auch in den Städten auf und wurden später sogar in Gilden aufgenommen (Pfeiffer). Zu den wichtigsten Tänzen des Mittelalters gehören Ductia, Estampida, Rotta, Dance und Saltarello (14). Aus der Renaissance sind Liedersammlungen von Giovanni Gastoldi (BALLEITI PER CANT ARE, SON ARE E BALLARE), Hans Leo Haßler (LUSTGARTEN NEUER TEUTSCHER GESANG) oder Caspar Othmayr (Bearbeitungen von Tanzliedem und BEURISCH DANTZEN) erhalten. Rhythmusmuster waren die Passacaglia, Galliarde und Pavane (17f.). In der Barockzeit entstanden an den Höfen Hofkapellen. In Städten entwickelte sich eine Kaffeehaus-Musikkultur. Die Tanzmusik der Barockzeit bestand aus Assamezzi, Bourées, Allemandes, Courantes, Gavottes, Sarabandes, Menuetten, Giguen, Pastoralen, Sizilianos, Canarien, Rigaudons, Loures, Musetten (19 ff.). Diese Musik wurde auch in die Kollonien exportiert, wo sie in Kreol-Stile einging. Nach dem Dreissigjährigen Krieg verwandelte sich die Musik grundlegend. Elemente der Fanfarenmusik der Soldaten hätten sichverbreitet. Im 19. Jahhundert habe mit dem erwachenden Nationalbewusstseins eine «Politisierung der Folklore» stattgefunden (35). Das Verwenden fremder volksmusikalischer Elemente schuf auch eine Exotik. Die Verstädterung brachte eine Idealisierung des Landlebens mit sich. Zu nationalen/regionalen Stilen der Tanzmusik in Europa gehören Redowa, Furiant und Böhmische Polka (Tschechei), Polonaise, die Mazurka, Polonaise, Krakowiak und Mazurka, Kujawiak und Oberek (Polen), Kosak und Meteutza (Russland), Rigaudon, Bourée und Cancan (Frankreich), Fandango, Seguedilla, Madrillena und Habanera (Spanien), Tarantella und Siciliano (Italien), Tyrolienne, Ländler, Deutscher Tanz, Zwiefacher und Rheinländer (Deutschland, Österreich), Schottisch, Eccosa, Square (Grossbritannien), Csardas (Ungarn), Gopak (Ukraine), Sirtakis, Syrtos kalamatianos, Tsak6nikos (Griechenland), Pajduscbko, Ratschenitza, Kopanitza, Tschamtscheto (Bulgarien), Aksak, Kolo, Choro (andere Balkanländder), Zapateado, Zorzika, Bolero (Baskenland), Halling (Norwegen). Am Anfang des 19. Jahrhunderts bildet sich auch eine städtische Folklore aus: Gassenhauer, Moritaten- und Bänkelgesang, Küchenlieder, Arbeiterlieder, Shanties, Gondellieder, Musette kommen von hier (41 f.). In den Städten werden sinfonische Orchester gegründet, die Tanzmusik spielten.
Komponiert wurde ab dieser Zeit vermehrt in Begleitrhythmen statt in Rhytmusmustern (melodie und Rhythmus werden zunehmend unabhängig). Das Bestreben war, dass ein Musikstück von unterschiedlichen Besetzungen (Blasorchester, Sinfonieorchester, Salonorchester, DorfkapeUe usw.) gespielt werden konnte (47). Häufig verwendete Figuren waren der Drei-Viertel-Takt, der zwei-Viertel-Takt, Zweitaktige Figuren, Vier-Viertel-Takt, Drei-Halbe-Takt. Der Jazz [und Latin] hatten im 20. Jahrhundert einen grossen Einfluss auf neue rhythmische Figuren. Das Chanson wird zu einem beliebten logogen geprägten unterhaltunsgmusikalischen Genre. In Deutschland schreiben Walter Mehring, Frank Wedekind, Joach1m Ringelnatz, Christian Morgenstern oder Ernst von Wolzogen Chansons. Nach dem Ersten Weltkrieg wird Berlin zum Zentrum der deutschsprachigen Chansonkunst (Hanns Eisler, Friedrich Hollaender, Kurt Weill, Bert Brecht, Kurth Tucholski, Marlene Dietrich). Später nach dem 2. Weltkrieg wurden Hildegard Knef, Gisela May, Reinhard Mey, Hermann van Veen, Hannes Wader, Konstantin Wecker erfolgreich. In Frankreich werden Maurice Chevalier, Edith Piaf, Charles Trenet, später Charles Aznavour, Gilbert Bécaud, Juliette Greco, Ives Montand bekannt.

Widget Embed Code
Kopieren Sie diesen Code, um ihn auf einer Webseite oder in einem Blogpost einzubetten:

Zitierhilfe
Formel: Autor: «Titel». Nachweis Ort, Verlag.