Print-Factsheet: David Samuels: «The Rap on Rap» (Artikel_Online)

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David Samuels [D]: The Rap on Rap

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Datum (JJJJ MM TT)
– 1991 11 11 [D]
Verlag
– The Republic (New York)
Links
– [Quelle]
Behandelte Acts Behandelte Acts
Grandmaster Flash [D], Mellie Mel [D], Run-DMC [D], Rick Rubin [D], Beastie Boys [D], KRS-One [D], LL Cool J [D], Chuck D [D], MC Hammer [D], Vanilla Ice [D], DJ Quik [D], Slick Rick [D], Brand Nubian [D]
Tags
– Genre: Hip-Hop [Tag]
– Erfolgsmessung [Tag]
– Nielsen Soundscan [Tag]
– Authentizität [Tag]
– Rassismus [Tag]

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Ein klassischer Artikel von David Samuels über Rap/Hip-Hop aus dem Jahr 1991, der Zeit als diese Musik in den Mainstream durchbrach.
Im Sommer 1991 wurde in Amerika Soundscan eingeführt, was Hip-Hop einen Boost verschaffte, weil mit Soundscan die Barcodes am Point of Sales (POS) gelesen wurden, damit die tatsächlichen landesweiten Verkäufe, statt der Verkäufe grosser Läden in urbanen Zentren. Die weisse, suburbane Mittelklasse, die ihre Musik in Shopping-Malls einkauft, bestimmte von nun an die Charts. Und diese Leute kauften Hip-Hop bzw. Rap (die Begriffe werden synonym verwendet, wobei «Hip-Hop» eher die Musik hinter den Lyrics und «Rap» den Sprechgesang bezeichnet).
Hip-Hop ist eine sonische Bricolage und Rap kommt ursprünglich aus dem «Toasten», dem Sprechen von MCs und (Radio-)DJ's, wenn Schallplatten laufen und wenn der Sprechrhythmus das Feeling des musikalischen Rhythmus aufnimmt. Hip-Hop war zuerst eine Tanzmusik und wurde dann mehr und mehr einem Songformat angeglichen, das urbane Weisheiten der Strasse verbreitete. Nach Anfängen in schwarzen Vierteln von New York breitete sich die Kultur in andere Städte aus: Philadelphia, Chicago, Boston, Los Angeles. Erfolgreich war Rap aber von Anfang an nicht nur bei einem afroamerikanischen Publikum, sondern auch bei weissen Rock Kritikern, die diese Musik als moderne Form von Protestsongs à la Bob Dylan und Phil Ochs auffassten. Der schwarze Mittelklasse-Act RunDMC wurde der erste Crossover-Act. Dann kam der Produzent Rick Rubin und die Beastie Boys und Public Enemy. Die letzteren gaben der Stimmung Ausdruck, dass trotz allem Fortschritt in der gesellschaftlichen Integration von Afroamerikaner/-innen diese immer noch nicht ganz dasselbe sind, wie das weisse Amerika. Nun wurden alle Breaks aus dem 60er und 70er Jahre Funk geplündert. Das «Golden Age» begann. Hank Shocklee kommentierte: «Das Weisse afroamerikansiche Musik mögen ist nichts Neues, aber dass afroamerikanische Musik so viel Wörter verwendet (und dermassen explizit ist) schon». Dann kam Schooly D aus Philadelphia ein richtiger Misogynist und ein Gangster. Sein Rap-Stil warf hohe Wellen in Los Angels. Und die hippen Medien sprangen auf: 1989 startete die Sendung «Yo! MTV Raps» und das Tagesprogramm des Musik-TV-Senders brachte bald kommerziellen Rap von MC Hammer oder Vanilla Ice. Jon Shecter startete 1988 das erste Hip-Hop Magazin: The Source. Der Gangstarap mit seinen Hymnen über Gewalt und den kruden Karikaturen von Frauen als Sexobjekten (Nelson George nannte sie «ghettocentrist». Der Rassismus kam gross in Mode (Anti-Weiss, Antisemitisch) und das weisse Publikum feierte es als schwarze Authentizität ab.
Es gibt literarische Vorbilder für das, was damals am Ende der 80er Jahre passierte. Carl Van Vechten, ein Schriftsteller im Jazz Age, hatte 1926 mit Nigger Heaven einen Bestseller. Ein maskulin geprägtes, kriminelles schwarzes Ghetto fungiert in der Erzählung für gelangweilte weisse Mittelschicht als Ausweg aus ihrer Langeweile. Der weisse Jazzer Mezz Mezzrow beschrieb sein eigenes Leben als Weisser unter Schwarzen Jazzern in Really the Blues. Er schrieb, dass seine Existenz in Harlem ihn in ein Mitglied der Schwarzen Rasse verwandelt hätte. Die Verwandlung invertiert die vorherrschenden rassistischen Vorurteile in Qualitäten von Sensibilität und Verantwortung. MC Serch von 3rd Bass sagte von sich, dass seine weissen Kollegen ihn « wigger» genannt hätten.
Dabei gehe es nicht um interkulturelles verständnis, so der Autor, sondern um eine Komplizenschaft zwischen Schwarzen und Weissen, um Voyeurismus und Toleranz von gegenseitigen Rassismus. Leute, die nie den Mumm hätten, in Schwarzenvierteln herumzulaufen, geben sich die entsprechenden Musik Videos und Schallplatten und bleiben dabei stets in Sicherheit und haben das Gefühl von Kontrolle.

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Formel: Autor: «Titel». Nachweis Ort, Verlag.