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Iso Camartin [D]: Was bedeutet es, wenn ein Musikstück «im Volkston» erklingt?

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Datum (JJJJ MM TT)
– 2018 10 18 [D]
Verlag
– NZZ (Zürich)
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Robert Schumann [D], Johann Abraham Peter Schulz [D], Antonin Dvořák, Leoš Janáćek, Béla Bartók, Zoltán Kodály, Manuel de Falla, Maurice Ravel [D], Luciano Berio [D]
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Interessant als einer der Frühformen der Europäischen Populären Musik im 19. Jahrhundert: Romantische Komponist/-innen begannen Werke «im Volkston» zu schreiben und zu veröffentlichen. Volkstümlich heisst das aber nicht, so der Autor, denn erstens sind die Stücke nicht an das Volksgut angelehnt und zweitens waren sie für Salons zu schwierig. Vielmehr handelt es sich um eine «selbstimaginierte Folklore». Ans Volksgut angelehnte Musikliteratur entstand erst gegen das Ende des 19. Jahrhunderts. Das ging einher mit den aufkeimenden nationalen Bewegungen.
«Im Volkston» kommt als Bezeichnung auf als Johann Abraham Peter Schulz im Jahr 1779 eine Liedersammlung unter dem Titel Gesänge im Volkston veröffentlichte. Sie enthielten zum Beispiel Der Mond ist aufgegangen oder Ihr Kinderlein kommet. Diese Lieder waren an ein singendes Laienpublikum gerichtet. Melodie und Text sind bei diesen Liedern eng aneinander angepasst: «wie ein Kleid dem Körper».
Das geschah also bereits im Zeitalter der Klassik, und des Sturm und Drangs. Es war Johann Gottfried Herder, der den Begriff des Volkslieds geprägt hat (1773). In Frankreich war es Montaigne, der zur selben Zeit den Ausdruck «poësie populaire» prägte, in England Thomas Percy, der von «popular song» sprach. Herder interessierte sich zudem lediglich für die Liedtexte. Ende des 19. Jahrhunderts schrieben Dvořák, Janáćek, Bartók, Kodály, Falla, Ravel und Berio Musik, die sich von im Volk verbreiteter Musik anregen liess. Sie zitierten diese Volksmusik nicht nur platt und plagiierten sie schon garnicht. Ihre Intention bestand darin, Musik neu zu erfinden, wobei der «Volkston» hier ein Ausweis für das Individuelle und Eigenständige darstellt.

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