Eric Casero: Mental Machine Music

Artikel kürzlich bei PopMatters erschienen

Es geht in diesem Artikel um Rezeptionsbedingungen von Musik. Der Autor geht der Frage nach, wie neue Medien, beispielsweise der iPod, unsere Hörgewohnheiten verändert. Es geht unter anderem um die (durchaus nicht mehr neue) These, dass das Musikhören mit einem iPods (oder einem vergleichbaren MP3-Player) dazu animiert, einzelne Stücke statt ganze Alben zu hören. Das Album als Medium gerät langsam aber sicher aus dem Fokus der jungen Musikkonsumenten. Mit gesteigerten Quantität der verfügbareb Musikstücke, die wir mit uns herumtragen, schwindet die Qualität des Hörerlebnises: Unser Gehirn mit Auswahlprozessen beschäftigt, statt mit Hören, zum Beispiel denken wir während dem Hören schon daran, was wir wohl nachher hören wollen.

Nun der Autor neigt meines Erachtens zu sehr kulturellen Verfallsthesen zu: I do believe, however, that the quality of these experiences has, on a cultural level, been irreversibly altered. No longer do we tend to afford the same level of attention to any singular listening experience.

Ich mag Verfallsthesen nicht und wenn schon müssten sie besser begründet sein als sie es in besagtem Artikel sind. Es interessiert Casero zu wenig, wie der Vorgang der Auswah tatsächlich geschieht. Was geht wirklich in unseren Köpfen ab, bevor wir aus unseren (riesig gewordenen) Musiksammlungen tatsächlich ein Stück hören. Wie wählen wir, was wir hören möchten? Let’s say that you have 5, 10, 50, 500, or even 5,000 records sitting in front of you. If you decide to listen to one of these records, you will inevitably scan the choices in front of you and then decide which one is most appealing at the moment. When you sit down to listen to your choice, your brain will inevitably devote some of its energy to processing what you are listening to. It may also devote, however, some of its energy to processing options for future listening. In fact, as you sit listening, you may scan the other 4, 9, 49, 499, or 4,999 records to contemplate which would be best to listen to next (or which one would be worth interrupting your current listening experience for). Anders gesagt: Je mehr Songs und Alben wir haben, desto mehr bleiben ungehört.

Mit der Verfügbarkeit von Musik kam auch die Verfügbarkeit von qualitativ anständiger Information über Musik. Casero spricht davon, dass sich die Rolle des Musikhörenden von der eines Fans zu der eines Musikkritikers wandle. Wir können viel über Musik lesen, wenn es uns wirklich interessiert und das, meint er, relativiert unser Verhälnis zur Musik noch mehr: Es gibt kiene exemplarischen Künstler mehr wie es Dylan, die Beatles oder Led Zeppelin waren. Casero zitiert in diesem Zusammenhang Scaruffi, der sagt, dass sozial geteilte Kulturelle Figuren(gestalt) unter dem Stress der Informationsüberflutung erodieren. Casero meint, dass der Geschmack der informierten Musihörer/-innen differnezierter (sophistication) geworden ist und dass die Gegenwartsmusik dadurch mehr an Stilen und Genres orientiert ist anstatt am echten Songwriting:

Increasingly, popular songs, in their construction, rely less and less on pure songwriting, and more and more on their ability to reference other works or genres.

Statt kulturellen Verfallstendenzen nachzugehen interessiert mich vielmehr, was wir vor Augen haben, wenn wir die Musik, die wir hören, auswählen. Auswählen heisst doch: Eines aus einer Menge wählen. Alphabetische Listen von Interpreten, Genretags oder was immer mögen hier leitend sein. Was es ist, möchte ich hier herausfinden.

Die Wahl

Die Menge, aus der wir auswählen, nenne ich im folgenden Paradigma. Wir wählen m.E. nie aus dem ganzen Archiv, das uns zur Verfügung steht aus, sondern lassen uns durch die Widergabemedien, Paradigmen vorgeben. Welches Paradigma das leitende ist, ist natürlich selbst schon das Resultast eines Selektionsprozesses. Dieser primäre Selektionsprozess ist aber stärker habitualisiert, d.h. wir wählen ganz oft aus Paradigmen aus, an die wir uns gewöhnt haben. Zum Beispiel durchstreifen wir die Liste mit den Interpreten, Wiedergabelisten oder Genrelisten.
Von daher denke ich, dass das, was wir hören, immer in solche Paradigmen eingebettet ist. Wir hören Whole Lotta Love von Led Zeppelin aus dem Songkatalog dieser Band, aus den 500 grössten Songs vom Rolling Stone Magazine, oder ganz klassisch aus dem Paradigma eines Albums (Led Zeppelin II). Soweit mal ein Ansatz, um das zu verstehen, was als Selektion tatsächlich abgeht.