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Aktuelles und Neuigkeiten aus dem Newsblog von Musikzimmer.ch

Ab Mittwoch, dem 20. Februar kann es wegen Programmierarbeiten für kurze Zeit zu Unterbrüchen im Catalog-Teil kommen. Teilweise werden nicht alle Informationen zur Verfügung stehen.
Wenn Musik, die man mag oder liebt, plötzlich Musik von einem unerträglichen Täter wird, ist das traurig für viele Fans. Nur wer sehr dumpf ist, kann darüber hinweghören. Nach der Lektüre einiger relevanter Artikel bin ich dennoch erstaunt, wie viele Male das Arschloch Ryan Adams im Bild erscheint und von den mutigen Frauen, die mit ihren Geschichten an die ?-ffentlichkeit gehen, nur gesprochen wird. Auch wenn die Blogposts von Frauen geschrieben sind – zum Glück sind wir so weit –, ist die Story noch immer die Story des Täters. Das macht den Täter unterschwellig zu einem Anti-Helden oder Opfer und schreibt die unselige Geschichte fort, dass Täter diese verwirrten Genies seien und die Opfer halt nur Frauen, die den Erfolg suchen. Wer populär ist, kann sich alles leisten. Dieses Bild vermittelt sogar der Präsident der USA. Wer populär ist, kann offen und ungestraft Frauen verachten, kann Witze auf Kosten von Frauen und Schwachen machen. Das Publikum lacht dabei herzlich mit. Der Youtube Kanal Popculture Detective ist unter anderem solchen Mechanismen auf der Spur und zeigt in einer Episode wie Misogynie im Fall von Präsident Trump funktioniert (Donald Trump: The Sitcom Misogynist) und in der neuesten Folge, wie in Amerika eine ganze Lachkultur in Filmen, bei Komikern und in Sitcoms rund um sexuelle Übergriffe auf Männer besteht (siehe: Sexual Assault of Men Played for Laughs). Der Artikel Why Are Women Underrepresented in Music? Look to the Ryan Adams Story von Amy Philips bringt für das Musikbusiness einige traurige Fakten aus den letzen Jahren zusammen: Mit schauriger Regelmässigkeit trifft eine junge, idealistische Frau einen älteren Mann in hilfreicher Position. Er schenkt ihr Aufmerksamkeit und verspricht ihr, mit ihrer Karriere zu helfen. Die Sache bringt dann aber mit sich, dass der Mann mehr als ihre Musik will. Eine Version der Geschichte wurde uns vor kurzem in A Star Is Born vorgeführt. Reale Versionen der Geschichte führten Ke$ha und nun Phoebe Bridgers vor. Diese Frauen waren anfänglich vielleicht tatsächlich verliebt oder sie hatten das bittere Gefühl keine anderen Optionen zu haben, um ihr Ziel zu erreichen. Für das Opfer werden die Dinge vermutlich immer hässlich. Für den Täter wird es hingegen nur riskant. Es kann seine Karriere zerstören, manch einer kam und kommt damit durch, wenn er sich z.B. die richtigen Anwälte leisten kann. Es braucht Mut, mit den Erfahrungen über sexuelle Belästigungen und Übergriffen an die ?-ffentlichkeit zu gehen, denn die Frau erntet damit nicht nur Sympathien. Es ist populär, #MeToo ins Lächerliche zu ziehen. Und die Geschichten, die dann die Presse mit diesen coming outs strickt, werden einmal mehr beherrscht von den populären Männern. Das ist die traurige Logik der Presse. Deshalb setze ich hier Phoebe Bridgers ins Titelbild.
Die Betaversion einer neuen Musikzimmer Applikation «PLAYlist» ist nun online. Ich habe mir den langen Wunsch nach einem Player erfüllt, der Playlisten mit den Streaming-Audios und -Videos von Youtube automatisch durchspielt. Ebenso sollte der neue Player für Mobilgeräte geeignet sein. Nun ging eine Testversion online. Weitere Funktionen wie das Abspielen von Video-Streams, die nicht von Youtube, sondern von Soundcloud oder Vimeo kommen, werde ich vielleicht noch einbauen. Allfällige Fehler werde ich noch entdecken und korrigieren. Es ist eine Betaversion.
Im Film wird der Topos «Romantische Begegnung» oft wie folgt dargestellt: Ein Mann und eine Frau kommen zu ihm in seine Junggesellenwohnung. Während sie sich interessiert umschaut, legt er eine Platte auf. Der Moment, wenn die Nadel auf die Rille aufsetzt, ist der Moment mit dem das Liebesspiel beginnt. Die Musik ist ein wesentlicher Teil dieses Topos, auch die Nadel, die auf die Platte aufsetzt - eine CD oder eine Playliste können mit dieser Erotik nicht mithalten. Und was legt der Mann auf? 'Let's get it on' wird es nicht sein, das ist zu direkt. Erotisch soll der Track sein. Stimmungsvoll halt. Doch was ist erotische Musik? Die Autorin sagt, dass es keinen universellen Standard für einen sexy Song gäbe. Eine Playliste mit solchen sexy Songs zusammenzustellen sei schwierig: Was jede und jeder von uns sexy findet, kann weit auseinandergehen. Bestimmte Interpreten stehen für sexy Musik: 'Sade', 'Prince', 'Khalid', genauso wie gewisse Songs wie symbolische Monumente dafür stehen: 'Peggy Lees' 'Fever', 'Childish Gambinos' 'Redbone' oder 'Janet Jacksons' 'Any Time, Any Place'. Gibt es musikalische Merkmale von sexy Songs? Intimität, die durch Verletzlichkeit hergestellt wird oder technisch durch eine 'croonende Stimme'. Sodann ist das Tempo ein wichtiges Merkmal: Ein sexy Song muss nicht langsam sein, aber insistent im Rhythmus. Er soll eine Spannung aufbauen ohne eine euphorische Auflösung anzubieten. Er kann aber muss nicht mimetisch sein, wenn es um die Bewegung der Körper beim Vor- oder Liebesspiel geht. Die Lyrics können explizit sein oder die Sache andeuten. Dabei hat sich die Grenze des explizit tolerierbaren stetig verschoben. In den 20er Jahren haben Blues-Sängerinnen verklausuliert über Sex gesungen ('I Want Some Sugar In My Bowl'). Im neuen Jahrtausend kann 'Khia' singen: «My Neck, My Back, Lick It». Der Artikel nennt 'CupcakKe' nicht, die kaum mehr andeutet. Songs, die in einer juvenil-maskulinen Art über Sex sprechen (z.B. 'Cherry Pie' von 'Warrant') funktionieren nicht (oder nur bei gewissen Männern oder Frauen?). Die Autorin betont ausserdem, dass Songs, die andere als die heteronormative Begegnungs- und Beziehungsmuster thematisieren, ebenso sexy sein können wie ihre Gegenstücke. Als Beispiele nennt sie 'Tegan und Saras' 'Closer', 'Frank Oceans' 'Pyramid' oder 'k.d. Langs' 'Constant Craving'. Wichtig ist schliesslich, dass ein sexy Song nicht die ganze Aufmerksamkeit für sich einnimmt. Es soll ja eine Stimmung und keine konzertante Rezeptionssituation schaffen. Podcast mit der Autorin zum Thema – Switched On Pop: 'Valentines Day Special: What Makes a Song Sexy?' (Episode 104, 5. Februar 2019) Playlisten – Sara Coughlin: '36 Songs That Women Really Play While Having Sex' (Refinery29, 4. Dezember 2018) – Musikzimmer Stichwort 'Sex (Songthema)'
Die Webseite T4C, kurz für Top40-Charts, publiziert Hitparaden aus allen möglichen Ländern. Unter der Rubrik World Singles Official Top 100 werden die hundert populärsten Singles aus hundert verschiedenen Charts aus 65 Ländern berechnet. Streaming bleibt dabei leider (noch) nicht berücksichtigt. In dieser sporadisch aktualisierten Liste werden jeweils die ersten zehn Ränge wiedergegeben. Es kann sein, dass einzelne Track nicht online verfügbar sind.

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