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Im Menü «Cabinet» sind nun die verfügbaren Verzeichnisse direkt aufrufbar. Unter anderem das neue Jahres-Verzeichnis, das zu jedem Jahr Ressourcen aufführt, sowie für jeden Monat des Jahres Direktlinks in die Musikzimmer Monats-Diskografie. Nun können Sie über dieses Verzeichnis Fragen nachgehen wie: Welches waren die erfolgreichsten Songs eines Jahres? Wer führte die Hitparade an? Was passierte in Ihrem Geburtsmonat musikalisch? Welche Musiker/-innen wurden geboren oder verstarben? Solche Ereignisse führen die Wikipedia-Seiten auf.
Dieses Mal wird's philosophisch in den Streifzügen – Christoph Merkis setzt sich mit «Adornos Verachtung von Jazz und Pop» auseinander.
Der Beitrag behandelt den ästhetischen Bruch zwischen Beat- und Rock-Musik in Zürich. Dieser Bruch oder die Ablösung einer musikalischen Ästhetik durch eine andere ist ein Beispiel für eine Reform jenseits der 1968er Revolte – worum es im Sammelband der Antiquarischen Gesellschaft geht. Diese «ästhetische Revolution» kam mit der angelsächsischen Musik nach Zürich und war nicht vom politischen Geschehen, dem 'Globuskrawall' im Juni 1968, motiviert gewesen. Der Begriff Hippie-Ästhetik stammt vom amerikanischen Musikwissenschaftler 'John Covach'. Eine Ästhetik gibt die Grundsätze wieder, nach denen Musik produziert und rezipiert wird. Die Ästhetik ist in der Populären Musik nichts Überzeitliches oder Allgemeingültiges, sondern hochgradig von sozialen Praktiken oder – wenn man so will – von den Moden einer Epoche abhängig. Die Hippie- oder Rock-Ästhetik entsteht in den Jahren zwischen 1965-68 und ist, bis Disco und Punk sie Mitte der 70er-Jahre weitgehend ablösen, verantwortlich für den wichtigsten Teil der Popmusik der Zeit: für klassischen Rock, Hardrock, klassischen Metal, Blues-, Folk- und Country-Rock, Psychedelischen Rock, Progressiven Rock, Singer-Songwriter und auf dem Kontinent Dialektrock oder 'Krautrock'. Die Hippie-Ästhetik entsteht im psychedelischen Untergrund in San Francisco, Los Angeles und London und kommt via angelsächsische Musik nach Zürich. Wichtige Einflüsse sind Schallplatten und Konzerte mit englischen Bands wie den 'Kinks' (1966), den 'Rolling Stones' (1967) und dem Lineup des 'Monsterkonzerts' von Ende Mai 1968: 'Jimi Hendrix', 'Eric Burdon And The Animals', 'Traffic' (mit 'Steve Winwood') und 'The Move'. 1967 wird auf der Zürcher Allmend ein Love-in nach dem Vorbild des 'Human Be-ins' in San Francisco veranstaltet. Danach bricht auch in Zürich musikalisch eine neue Zeit an: Rockbands wie 'Krokodil' werden gegründet, die die Hippie- oder Rock-Ästhetik leben und ihre Musik möglichst unabhängig von Label und Management entwickeln. Neben diesem «schweizerischen Krautrock» entsteht mit 'Lise Schlatt' auch eine Zürcher Variante des Mundart- oder 'Dialektrocks'. Am 2. Januar 1968 geht auch die Schweizer 'Radiohitparade' «on air». In ihr widerspiegelt sich zum einen der gesellschaftliche Konflikt, der 1968 auf der Strasse ausgetragen wird, zum anderen zeigt sich im internationalen Vergleich, dass der Schweizer Popmarkt weit weniger vielfältig ist als die angelsächsischen Märkte. In Zürich wurden auch Schlager produziert. Der erfolgreichste war 'Ich fange nie mehr was an einem Sonntag an' von 'Monica Morell'. Dieser neue Schlager liebäugelt mit der Hippie-Ästhetik, freilich ohne sie als Ganze zu übernehmen. Zusätzliche Materialien und Texte – Christian Schorno: 'Zürcher Populäre Musik der Hippie-Ära: «Outtakes» – weitere Musiker und Bands' – Musikzimmer: 'Kommentierte Playliste', die die Vielfalt der Zürcher Musik jener Zeit zwischen 1966 und 1981 wiedergibt. – 'Timeline' – 'Chartruns der Schweizer, Britischen und Amerikanischen Hitparade im Jahr 1968' (Spreadsheet)
Playliste zum Artikel über Zürcher Populäre Musik der Hippie-Ära. Nicht alle Acts aus dieser Liste werden im Artikel behandelt. Deshalb zeichnet die Playliste ein umfassenderes Bild der Zürcher Rock Musik als der Artikel.
Bemerkenswerte Entwicklungen sind: 1. die Musikwirtschaft der USA verzeichnet Wachstum und das kann man auf Streaming zurückführen («diversity of channels for music discovery» – heisst es im Report) 2. Urbane Genres wie RundB und Hip-Hop haben Rock als dominantes Genre hinter sich gelassen. 3. Schaut man bei den Formaten, mit welchen Anteilen an physischen Einheiten, Downloads und Streams die Musik konsumiert wird, zeigen sich Cluster: An physischen Formaten bleiben hängen: Klassik-, Jazz- und Gospel/Christian-Hörer/-innen, aber auch Formate wie Holiday/Seasonal Musik und Kinderformate fallen hier hinein. Streams machen hier maximal 33% aus. Rock und Country werden zu ca 40% gestreamt, Pop zu 45% und urbane Genres wie RundB/Hip-Hop und Electronic/Dance um die 70%. Hierzu gehört auch – und das ist das Bemerkenswerte daran – die Latin-Music, die mit 70% hauptsächlich als Stream gehört wird (siehe p. 31). 4. Vinyl macht 14% aller verkauften physischen Einheiten aus. Am meisten abgesetzt wurde 2017 die Wiederauflage des 'Beatles'-Albums: 'Sgt. Pepper', nämlich 72'000 Stück!!! 5. 'Drake' und 'Future' sind die Acts, die am meisten gestreamt wurden.

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