Tim Buckley

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Den Namen Buckley würden viele Leute in der Musik wohl mit dem Vornamen Jeff ergänzen. In diesem Beitrag soll es jedoch nicht um Jeff Buckley, sondern um dessen Vater Tim Buckley gehen. Für viele ist er wahrscheinlich ein relativ unbekannter Sänger, welcher zu Lebzeiten keine besonders großen kommerziellen musikalischen Erfolge feiern konnte.

Beginnend in den Stilrichtungen Folk-Rock und Psychedelic Rock, wandelt sich seine Musik bald in Richtung Progressive Jazz.[1] Sein sich ständig verändernder musikalischer Stil wurde von vielen seiner Fans als zu extrem angesehen, weshalb sie sich eher von ihm abwandten. Tim Buckley konnte mit seiner Musik also nicht wirklich überleben, seine zahlreichen Alben, die in den 1960er und 70er erschienen, wurden alles andere als gut verkauft. Keiner seiner Songs schaffte auch nur annähernd eine zufriedenstellende Chartplatzierung.[2]
Im Jahre 1975 verstarb Buckley unerwartet an einer Überdosis Heroin. Zu diesem Zeitpunkt war er hoch verschuldet, was wohl daran lag, dass sein musikalischer Ansatz einem eher nicht-kommerziellen entsprach und es ihm mehr um das Schaffen von „abgefahrener“ Musik ging. Dies traf jedoch nicht wirklich den Geschmack der meisten Leute zu dieser Zeit.

Als 1980 die britische Band Cocteau Twins Buckleys „Song for the Siren“ coverte, führte dies zu einem Anstieg seines Berühmtheitsgrades. In den 1990er Jahren wurden noch zwei seiner Alben aus den späten 60ern veröffentlicht, welche seine Karriere nach seinem Tod ebenfalls ankurbelten.[3]
Allgemein lässt sich festhalten, dass Buckley fast 40 Jahre nach seinem Tod immer noch nicht in Vergessenheit geraten ist – im Gegenteil, seine Alben sind immer noch auf dem Musikmarkt zu finden und er wird als einer der besten Musiker der 60er/70er Jahre dargestellt, dessen Musik der damaligen Zeit einfach schon zu weit voraus war.

Viele seiner Songs wurden von anderen Künstlern aufgegriffen und noch heute werden immer neue CDs mit alten Songs von Buckley veröffentlicht.
Seine durch Kreativität und Improvisation geprägte Musik fand zu seinen Lebzeiten nur wenig Anklang, nun bekommt Buckley die längst überfällige Honorierung für seine Songs und ist in der Musikbranche präsenter denn je.

(Lh)

 

 

Quellen:

http://www.timbuckley.net/prime_page.shtml

http://www.allmusic.com/artist/tim-buckley-mn0000595101

 

 


[1] http://www.timbuckley.com/biography/

[2] http://www.timbuckley.com/biography/

[3] http://www.timbuckley.com/biography/

Josephine Foster – I’m a Dreamer (2013)

[youtube width=“530″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=NfdBZUFWHFs[/youtube]

Das Intro des Songs ähnelt einer Szene aus einem Schwarzweissfilm.  Mit wenigen Worten singt die verträumte weibliche Stimme von der romantischen Gemächlichkeit des Seins. Die Frau singt behaglich mit einer mütterlichen Art von ihren Träumen und ihrer Liebe. Während die lauschigen Klänge wie von einem Grammophon erklingen, versinkt man unweigerlich in süsser Nostalgie. In einer Kritik von Sam Sheperd meint er zum gleichnamigen Album: „This is an album that appears to have been written, recorded and performed in an entirely different era.“1
Josephine Foster trägt die nostalgische Schwere von welcher sie singt gleichsam mit selbstverständlicher Leichtigkeit. Durch ihren bescheidenen und gemächlichen Stil fällt es einem nicht schwer, das Lied mehrere Male nacheinander zu hören. Die abwechselnde harmonische Begleitung von Klavier, Bass, sanfter Perkussion und teils mit der Mundharmonika unterstützen das wohlige Gefühl, das sich beim Zuhören einstellt.
Die Musik Josephine Fosters überzeugt durch ihre authentische Schlichtheit, welche sich selbst genügt: Das Lied besteht hauptsächlich aus leichten Nuancierungen der Worte „I’m a Dreamer“, und veranschaulicht eine warme Einfachheit, welche sich selbst genügt. „[The album] is never going to set the world alight with innovative new sounds, but these songs are perfect little gems that possess a timeless quality. A great song is a great song after all, and Josephine Foster has great songs in abundance.“2

Der musikalische Werdegang Josephine Fosters ist erstaunlich vielseitig: Zu Beginn spielte sie an Hochzeiten und Beerdigungen, nahm im Jahr 2000 ihr erstes Album („There are Eyes Above“) auf, welches hauptsächlich Ukulele-Lieder beinhaltete, gab 2001 ein Kinderlied-Album („Little Life“) heraus, und veröffentlichte bis heute neun weitere Alben3, welche von Einflüssen aus Psychedelia, Flamenco oder amerikanischem Folk geprägt sind.4
Neben der Musik malt Josephine Foster, schreibt Gedichte und unterrichtet Gesang.
In einem Interview mit Harmonic Rooms meint sie dazu: „When there is variety in the Nature: it stimulates the Nature.“ (10:00)

Auch in den anderen Songs auf dem Album „I’m a Dreamer“ erzählt Josephine mit warmer Stimme Geschichten von Begegnungen, Schönheit und Erinnerungen.
Die geerdete Musik sorgt für eine Entschleunigung im alltäglichen Leben und zaubert mit süsser Melancholie ein (vielleicht vergessenes) Lächeln leise zurück auf die Lippen.

Drei ihrer frühen Alben können hier gehört werden.
Ihre Diskographie ist hier einsehbar.

(mwu)

„Searching for Sugar Man“ (2012) – Der Mythos um Sixto Rodriguez

Searching For Sugar Man (Orange)

„Searching for Sugar Man“ ist eine schwedisch-britische Produktion aus dem Jahre 2012 und wurde unter anderem mit einem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.1

Der Film von Malik Bendjelloul handelt von der Suche der südafrikanischen Musikfans Stephen Segerman und Craig Bartholomew Strydom nach dem amerikanischen Folk-Singer-Songwriters Sixto Rodriguez.2 Dieser veröffentlichte 1970 mit Cold Fact sowie 1971 mit Coming From Reality zwei zunächst (zumindest in den USA) erfolglose Alben und zog sich dann aus dem Musikbusiness zurück.3 Was Rodriguez jedoch nicht wusste  war, dass seine Alben in den 70ern in Südafrika einen riesigen Erfolg verzeichneten.4 Mehr noch, Rodriguez wird zu einer Ikone, gilt zeitweise sogar als berühmter als Elvis Presley und wird in Südafrika in der Zeit der Apartheid quasi zum Zeichen einer Revolution .5

„Searching for Sugar Man“ zeigt die Geschichte, wie Segerman und Strydom Rodriquez suchen und diesen schliesslich 1998 auch finden. Es folgt ein ausverkauftes Konzert in Kapstadt und eine Tour durch Afrika.6 Die ganze Suche und nicht zuletzt Rodriguez selbst wurden dabei vom schwedischen Dokumentarfilmer Bendjelloul wie ein grosser Mythos inszeniert, der jedoch auch die ursprüngliche Geschichte ein wenig umschreibt. So war Rodriguez nicht nur in Südafrika erfolgreich, sondern ebenso in anderen afrikanischen Staaten, sowie in Australien, wo er des Weiteren auch mehrmals erfolgreich tourte.7 Zudem scheint es, als ob Sixto Rodriguez in Realität gar nicht so unauffindbar war, wie der Film dies darstellen will.8 Auch Rodriguez als Musiker auf ein Level mit den Beatles oder Bob Dylan zu stellen, ist wohl eher als ein dramatisierendes Stilmittel des Films einzustufen9 – wobei er jedoch zweifellos ein paar wirklich herausragende Songs schrieb, wie beispielsweise This Is Not a Song, It’s an Outburst: Or, the Establishment Blues, I Wonder oder Inner City Blues beweisen. (bw)

Quellen:
[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/Searching_for_Sugar_Man [zuletzt aufgerufen 02.12.13]
[2]
http://en.wikipedia.org/wiki/Searching_for_Sugar_Man [zuletzt aufgerufen am 03.12.13]
[3]
http://en.wikipedia.org/wiki/Sixto_Rodriguez [zuletzt aufgerufen am 03.12.13]
[4]
http://en.wikipedia.org/wiki/Sixto_Rodriguez [zuletzt aufgerufen am 03.12.13]
[5]
http://en.wikipedia.org/wiki/Sixto_Rodriguez [zuletzt aufgerufen am 03.12.13]
[6]
http://de.wikipedia.org/wiki/Sixto_Rodriguez [zuletzt aufgerufen am 03.12.13]
[7]
http://www.tagesanzeiger.ch/ipad/kultur/wenn-der-flop-der-wahre-hit-ist/23857047/print.html [zuletzt aufgerufen am 03.12.13]
[8]
http://www.tagesanzeiger.ch/ipad/kultur/wenn-der-flop-der-wahre-hit-ist/23857047/print.html [zuletzt aufgerufen am 03.12.13]
[9]
http://www.tagesanzeiger.ch/ipad/kultur/wenn-der-flop-der-wahre-hit-ist/23857047/print.html [zuletzt aufgerufen am 03.12.13]

Syd Barrett – Echo eines Exzentrikers

Wer den Namen Syd Barrett hört, verbindet ihn unmittelbar mit „Pink Floyd“ und „Psychedelic Rock“. Der exzentrische Gründer der weltberühmten Band hob sich besonders durch seinen einzigartig experimentellen und verworrenen Darstellungsart von seinen Freunden ab. Obwohl er kaum ein Jahrzehnt aktiv in der Musikbranche mitmischte, erklingen Echoe seiner Einflüsse noch heute durch die Musikgeschichte.

Ganze acht der elf Pink Floyd Songs vom 1967 erschienenen Debut-Album „The Piper At The Gates Of Dawn“ schrieb er selbst.1 Seine experimentellen Ideen begrenzten sich jedoch nicht bloss auf die Musik: Sie schlugen sich ebenfalls in der visuellen Darbietung nieder, indem unter seiner Leitung die erste auf die Musik abgestimmte Lichtshow konzipiert wurde. „Diese ersten Pink-Floyd-Auftritte gehören somit zu den ersten Beispielen von Multimedia-Shows in der Rockmusik überhaupt.“2 Diese aus heutiger Sicht simplen Effekte waren damals jedoch wesentlich daran beteiligt, dass die Band es schaffte sich von anderen zu distinktieren, indem sie eine neuartige Faszination darbot. Diese multisensuell-fordernde Inszenierung zeigt sich beispielsweise bei „Astronomy domine“:

[youtube width=“420″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=ts-2lg5fpQ4[/youtube]

Diese Musik war enigmatisch, geräuschvoll und experimentell. Sie entführt dich in klangliche Sphären an den Rand deines rationalen Musikbewusstseins. Diese weltfremden, teils düsteren Sphären reflektieren sich oftmals in den Songtiteln, wie beim psychedelischen Paradebeispiel „Interstellar Overdrive“ oder des späteren Albums, an welchem er jedoch nicht mehr direkt beteiligt war: „The Dark Side of the Moon“.

[youtube width=“420″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=2iA7wdO00VI[/youtube]

Dann der abrupte Bruch: Syd Barretts psychischen Probleme in Verbindung mit seinem Drogenkonsum machte ihn untragbar für die Band: „Many report having seen him on stage with the group, strumming on one chord through the entire concert, or not playing at all.“3 Die Band trennte sich von ihm. Zwei Soloalben später, welche er beide im Jahr 1970 veröffentlichte, zog er sich bis zu seinem Tod (2006) aus der Öffentlichkeit zurück.

Pink Floyd widmete ihm die Songs „Comfortably Numb“, „Brain Damage“, „Wish you were here“ und „Shine On You Crazy Diamond“, welche u.a. die Entfremdung von der Realität thematisieren.4
Syd Barrett war damit das innovative Streichholz, an welchem sich jene psychedelische Musik von Pink Floyd entzündete, die zum zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten führen sollte.5

[youtube width=“560″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=77n1mDf6Iqo[/youtube]

Obwohl seine bedeutsamen Einflüsse deutlich bemerkbar sind, wird er in seinem Nachruhm unfairerweise den anderen Bandmitgliedern von Pink Floyd gegenüber oftmals als das wahre (und einzige) Genie der Band verherrlicht.67

Ein anderer Zugang findet das Buch „The definitive visual companion to the life of Syd Barrett„, welches ihn primär als Künstler und nicht als Musiker per se thematisiert.
Einige Bands der 80er Jahre, u.a. Julian Cope, beziehen sich explizit auf Barretts (und nicht Pink Floyds) musikalische Eigenart

Eine Dokumentation, welche die bemerkenswerte Geschichte Syd Barrets durchleuchtet findet sich hier.
2001 erschien zudem die Dokumentation „The Pink Floyd and Syd Barrett Story“.

(mwu)

  1. Vgl. http://www.zeit.de/online/2006/28/nachruf-syd-barrett
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Syd_Barrett
  3. http://en.wikipedia.org/wiki/Syd_Barrett#The_Piper_at_the_Gates_of_Dawn
  4. http://www.zeit.de/kultur/musik/2011-06/biografie-syd-barrett
  5. http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_best-selling_albums
  6. http://sabotagetimes.com/music/temples-adam-smith-why-syd-barrett-was-a-true-british-genius/
  7. http://www.pink-floyd.org/barrett/timint.htm

„Fifties nostalgia“ in American Pie (Don McLean, 1971)

Don McLean performt American Pie live (Youtube besucht am 27.10.13)

A long long time ago
I cann still remember how the music used to make me smile
And I knew if I had my chance that I could make those people dance
And maby they’d be happy for a while

Das Lied „American Pie“ des amerikanischen Sängers und Komponisten Don McLean ist im Zusammenhang mit der von Simon Reynolds bezeichneten „fifties nostalgia“ viel mehr als eine blosse Reaktion auf die „art-ification“ von Rock1. Reynolds beschreibt, dass die in den späten 60er Jahren aufkommende „fifties nostalgia“ Künstler wie John Lennon dazu bewegte, sich von progressivem Rock und psychedelisch-experimentelle Klängen abzuwenden und stattdessen dem „simple rock and nothing else“ zu frönen.2 Eine Nostalgie, die bei McLean weit über den musikalisch-künstlerischen Aspekt hinausgeht: „American Pie“ ist ein kritisch reflektierter Rückblick auf die musikalischen und politischen Ereignisse in Amerika seit der tödlichen Verunglückung des Rock’n’Roll Künstlers Buddy Holly am 3. Februar 1959 – „the day that music died“. Auf seiner Webseite don-mclean.com wird beschrieben, dass McLean die Rock-’n’-Roll-Ära mit einer Zeit verbindet, in welcher die amerikanische Nation wirtschaftlich aufblühte und optimistisch in die Zukunft blickte. „Feel-good records“ von Künstlern wie Buddy Holly oder Elvis Presley lieferten den passenden Soundtrack zu dem beschwingten Lebensgefühl dieser Zeit. Die überschwängliche Simplizität der 50er wurde aber bald von einer dunkleren Atmosphäre überschattet, geprägt durch politische Unbeständigkeit, den Krieg und Vietnam und den daraus resultierenden gesellschaftlichen Unruhen. Die 60er und frühen 70er bedeuteten turbulente Zeiten für die Generation McLeans. „American Pie“ verarbeitet die Sehnsucht der Nation nach unbeschwerten Tagen – nach Zeiten des Rock ’n’ Roll.3

Die Lyrics von „American Pie“ bestehen aus geschickt gewählten Metaphern und Anspielungen auf MusikerInnen und Bands oder politisch bedeutsame Ereignisse für Amerika während den 60er Jahren.4Did you write the book of love?„, so fragt McLean beispielsweise und setzt mit dieser Liedzeile dem Smash Hit der Monotones aus 1958 „The Book of Love“ ein musikalisches Denkmal – welches aber nur Kenner der Doo-Wop-Vocalgruppe enthüllen können. Bis heute haben sich Fans und Musikliebhaber einen Sport daraus gemacht, der expliziten Bedeutung der Lyrics auf den Grund zu gehen.5 (nw)


  1. Simon Reynolds (2011a): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. London: Faber & Faber, S.277
  2. Simon Reynolds (2011a): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. London: Faber & Faber, S. 288
  3. http://www.don-mclean.com/?p=261 (besucht am 27.10.13)
  4. http://de.wikipedia.org/wiki/American_Pie_%28Lied%29 (besucht am 27.10.13)
  5. siehe z.B. die elaborierte Interpretation des Songtextes auf http://www.songfacts.com/detail.php?id=1193 (besucht am 27.10.13)

Tyler Ward: „Hello. Love. Heartbreak.“ (2012)

 

„Hello. Love. Heartbreak.“ ist das erste vollumfänglich selbständig geschriebene und produzierte EP-Album des Amerikanischen 24-jährigen Independent Singer, Songwriter und Produzenten Tyler Ward.

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Es erreichte innert 12 Stunden nach der Veröffentlichung Platz 1 der iTunes U.S. Singer/Songwriter Charts und etwas später sogar Platz 1 auf 15 weiteren internationalen Charts derselben Kategorie. Tyler Ward, der sonst nicht als Chartstürmer bekannt ist, hat sich auf YouTube einen Namen als New-Media-Phänomen gemacht. Seine Covers und eigenen Songs wurden weltweit von über 303 Millionen YouTube Usern angeklickt und er hat mittlerweile 1.2 Millionen Abonnenten.

Die sechs Songs des Debut-Albums überzeugen mit den Tugenden des Singer-Songwriter-Genres: mit Direktheit und Einfachheit. „Raise Up“ knüpft am bewährten akustisch angelehnten Stil an, den er auch für seine Coverversionen anwendet. Mit viel Gitarren- und Schlagzeugsound im Refrain und viel Gefühl in Strophen, vermag Tyler selbst bei ernsteren Songtexten gute Laune zu transportieren. „Raise Up“ erinnert spontan an eine Mischung aus Kings of Lion und Maroon5. Für diesen Track nutzte der New-Media-Star gekonnt die Möglichkeiten der Technik und liess seine Fans zuhause ein paar „woohoos“ aufnehmen, die er später für die Platte zu einem Chor zu prominentem Schlagzeug abmischte. „Dashes“ und „The Way We Are“ sind Aushängeschilder wie seine Musik funktioniert und was Tyler als Künstler repräsentiert. „Maybe I’m walking to a place I don’t know / `Cause dreams in this town get cold / You’ll miss your chances if you’re marching in time / Even if I go alone, The least you can give me are dashes on the road“1 – man nehme diese paar Zeilen, mische sie mit akustisch angelehntem Orchestersound, mit Gitarren-, Klavier- und Geigeneinlagen, Schlagzeug sowie Backvocals und es ergibt sich einen Stil, den die Fans ehrlich und sympathisch nennen: „Bei Tyler bekommt man, was man sieht und hört: keine mit Autotune verstellte Stimme, kein fremdbestimmter Star.“2

Keeping Secrets“ ist stark gitarrenlastig, mit einem frechen Sound und Backvocals – ein Song, der einen Spritzer Rock auf die Platte bringt und der zudem zu Tylers Elvis-Tolle passt. „Fortget to Say No ist ein kraftvoller Popsong mit eingänglicher Melodie und energiegeladenen Gitarrenklängen. Bei „I Don’t Wanna Miss Anything“ war Tyler sich nicht sicher, welche der sechs aufgenommenen Versionen auf die Platte soll und liess kurzerhand die Fans per YouTube-Likes selber entscheiden. Geschafft hat es die Version mit meistem Garageband-Charakter mit akustischer Gitarre, Vocals und sanfter Perkussion. Zum Dank drehte er das Video im Sepia-Look zu „I Don’t Wanna Miss Anything“ auf seiner Europa-Tournee 2012 im verregneten Paris, das die verträumte Stimmung des Songs wunderbar einfängt.

Tyler Ward hat sich einen ganz eigenen Platz in der Musikindustrie erarbeitet und weiss, wie er die Neuen Medien einzusetzen hat, um Fans zu erreichen und sich neben den grossen Plattenfirmen zu behaupten. Der Begriff Independent Singer/Songwriter erhält eine neue Dimension, denn neben Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier spielen und singen und rappen gleichermassen, gehört zu seinem Job auch die vollumfängliche Selbstproduktion der Songs mit Musikvideodrehs und Selbstvermarktung. Sein Können hat er auf seinem ersten EP-Album unter Beweis gestellt und klar gemacht, er kann mehr, als nur covern. Unverkennbar ist seine Handschrift, die hauptsächlich durch das Zusammenspiel von Gitarre, Orchester, Gesang und Schlagzeug den Songs eine einzigartige Stimmung verleiht.

Künstler: Tyler Ward

Album: Hello. Love. Heartbreak. – EP

Tracks: 1. Raise Up (3:58), 2. The Way We Are (2:52), 3. Dashes (3:54), 4. Keeping Secrets (2:47), 5. Forget to Say No (3:02), 6. I Don’t Wanna Miss This (2:51)

Medium: Digitaler Download

Stil: Pop

Label: Tyler Ward Music

Spieldauer: 19:24

Erschienen: 25. September 2012

(el)


Literaturhinweise:

  1. aNewRisingDesign: Album Review. Hello, Love, Heartbreak. Tyler Ward. http://www.anewrisingmusic.net/2013/03/album-review-hello-love-heartbreak.html (Abgerufen: 26.10.13)
  2. Hemenway, Troy: Tyler Ward: Hello. Love. Heartbreak. – EP. http://completelymainstream.wordpress.com/2013/03/23/tyler-ward-hello-love-heartbreak-ep-review/ (Abgerufen: 26.10.13)
  3. Lanning, Carly: Tyler Ward. Musician & Producer. http://newmediarockstars.com/2013/02/tyler-ward-musician/ (Abgerufen: 26.10.13)
  4. TuneCore: Tyler Ward. I’ve learned that a great song is invaluable. http://blog.tunecore.com/2012/10/tyler-ward-ive-learned-that-a-great-song-is-invaluable.html (Abgerufen: 26.10.13)
  5. Wikipedia: Tyler Ward. http://en.wikipedia.org/wiki/Tyler_Ward (Abgerufen: 26.10.13)

Fussnoten:

Rezension: Bob Dylan – Blonde on Blonde

Künstler: Bob Dylan

Album: Blonde on Blonde

Cover 'Blonde on Blonde'

Cover ‚Blonde on Blonde‘

Besetzung: Bob Dylan/ Gitarre, Gesang, Mundharmonika, Klavier, Keyboard; Al Kooper/ Gitarre, elektronische Orgel, Flügelhorn, Keyboard; Robbie Robertson/ Gitarre, Gesang; Joe South/ Gitarre; Rick Danko/ E-Bass, elektrische Violine, Gesang; Bill Atkins/ Keyboard; Wayne Butler/ Posaune; Kenneth A. Buttrey/ Schlagzeug; Paul Griffin/ Klavier; Garth Hudson/ Keyboard, Saxophon; Jerry Kennedy/ Gitarre; Sanford Konikoff/ Schlagzeug; Richard Manuel/ Schlagzeug, Keyboard, Gesang; Wayne Moss/ Gitarre, Gesang; Hargus „Pig“ Robbins/ Klavier, Keyboard; Henry Strzelecki/ E-Bass; Charlie McCoy/ E-Bass, Gitarre, Mundharmonika, Trompete

Produktion: Bob Johnston

Label: Columbia Records

Veröffentlichung: 16. Mai 1966

Spieldauer: 71 m 40 s

Stil: Folk-Rock

Medium:  Vinyl

Trackside 1: 1. Rainy Day Women # 12 & 35 (4:33) 2. Pledging My Time (3:42) 3. Visions of Johanna (7:27) 4. One of Us Must Know (Sooner or Later) (4:53)

Trackside 2: 1. I Want You (3:06) 2. Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues Again (7:04) 3. Leopard-Skin Pill-Box Hat (3:50) 4. Just Like a Woman (4:39)

Trackside 3: 1. Most Likely You Go Your Way and I’ll Go Mine (3:22) 2. Temporary Like Achilles (5:03) 3. Absolutely Sweet Marie (4:46) 4. 4th Time Around (4:26) 5. Obviously 5 Believers (3:30)

Trackside 4: 1. Sad Eyed Lady oft he Lowlands (11:19)

 

Mit seinem 7. Studioalbum ‚Blonde on Blonde’, einer Doppel-LP, knüpft Dylan klar an die vorhergehenden Alben ‚Highway 61’ und ‚Bringing It All Back Home’ an; nur ist der elektrische Sound noch stärker, die Texte philosophischer und die Melodien noch harmonischer. Mit dem Übergang zur E-Gitarre beim Newport Folk Festival im Jahre 1965 (ein Statement, welches vielen Fans als Verrat gleichkam) distanziert sich Bob Dylan aktiv von der Folkmusik und Woody Guthries Einflüssen auf seine Musik. Blonde on Blonde bringt diesen Wandel deutlich zur Geltung und gipfelt in einer Eigenständigkeit, die wir so von Dylan noch nie gesehen haben. Die enttäuschten Fans können die Brillanz dieses Stilwechsels nicht mehr leugnen.

Robbie Robertson an der Gitarre und Al Kooper an der elektrischen Orgel bringen die Einzigartigkeit dieser Platte auf den Punkt. Das Herausragende an diesem Werk ist, dass es Dylan gelingt, auf verschiedenen Ebenen anzusetzen. Der Einstieg mit ‚Rainy Day Women # 12 & 35’ vermittelt eine Leichtigkeit und gleichzeitig eine Komplexität, dessen fruchtbaren Widerspruch man kaum in Worte fassen kann. Der Humor des Liedes wird durch den Einsatz von Tamburin, Mundharmonika, Menschenrufen und Geklatsche ergänzt, beziehungsweise unterstützt. Gleichzeitig gelingt es Dylan mit ‚Visions of Johanna’, ‚I Want You’ oder ‚Just Like A Woman’ eine unglaubliche Ernsthaftigkeit und Intensität zu vermitteln. Die Lyrics sind von einer überragenden Tiefe, welche ein ‚normaler Hörer’ kaum aufnehmen mag. ‚Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues again’ regt durch komplexe und teilweise verwirrende Textpassagen an: „ […]Now the rainman gave me two cures, then he said, “Jump right in”, the one was Texas medicine, the other was just railroad gin[…]“.

Dylan zeigt uns aufs Neue, und dies nicht in einer diskreten Art und Weise, dass er ein Poet ist. Er überfährt den Hörenden mit einer Kraft und einer offensiven Provokation, und lässt ihn dann am Boden liegen. Die etlichen Spielereien, die sich Dylan in diesem Projekt erlaubt, machen die LP als Gesamtwerk spannend und abwechslungsreich. Die meisten Songs überschreiten 5 Minuten Länge – und doch werden diese Songs auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig. Dylan lässt auch auf dieser Platte mit seinen Liedern vieles im Dunkeln; das Rätselhafte wird von ihm stets aufrechterhalten. Genau darin liegt aber auch die unglaubliche Faszination seiner Musik und seines Wesens selbst.

Blonde on Blonde ist ein herausragendes Musikwerk, dass auch heute noch von zentraler Bedeutung ist. Das Album ist in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung: für MusikliebhaberInnen und für die Musikgeschichte.

Danke Bob Dylan, für diesen Meilenstein!