‚The Twist’ aus Quentin Tarantinos PULP FICTION (US 1994)


„Ladies and gentlemen, now the moment you’ve all been waiting for, the world-famous Jackrabbit Slim’s twist contest.

…Now let’s meet our first contestants here this evening. Young lady, what is your name?“

„Missus Mia Wallace.“

„And, uh, how `bout your fella here?“

„Vincent Vega.“

„All right, let’s see what you can do. Take it away!“

Quentin Tarantinos im Kunstuniversum angesiedeltes Meisterwerk PULP FICTION wagt schon gar nicht den Versuch glaubwürdig zu wirken. Der brutale und gleichzeitig urkomische Gangsterfilm spielt mit Konventionen, Mythen und mit der Geschichte selbst. Genrecodes und historische Markierungen werden bunt zusammengemischt und überall stecken Verweise auf die Vorbilder und Idole aus der Vergangenheit.

Die berühmte Tanzszene, in welcher sich Mia Wallace (Uma Thurman) und Vincent Vega (John Travolta) einem Tanzduett widmen, findet in dem Fünfzigerjahre-Revival-Lokal Jackrabitt Slim’s statt. Der Ort, die Stimmung, und die Personen darin sind alles stilgerechte Elemente, sorgfältig abgestimmt und offensichtliche Verweise auf die Anknüpfung und Ideologisierung der 50er Jahre. Filmposter der 50er zieren die Diner-Wände und die Kellner und Kellnerinnen fungieren als Kopien der Stars dieser vergangenen Ära: Marilyn Monroe, James Dean, Jayne Mansfield, Zorro, Donna Reed, Buddy Holly, Martin and Lewis und The Philip Morris Midget. Die Twist-Szene zu Chuck Berrys ‚You Never Can Tell’  sprüht förmlich vor Intensität. Uma Thurman treibt ihre weiblichen Reize während dem Tanz auf die Spitze und John Travolta fällt in dieser Szene nochmals in seine Paraderolle als Discokönig aus SATURDAY NIGHT FEVER (US 1977, John Badham) zurück: er ist in der Szene der Inbegriff von Coolness. Die Musikauswahl ist in Tarantinos Filmen immer von zentraler Bedeutung und trägt auch meistens auffallend viel zur Dramaturgie bei.

‚You Never Can Tell’ ist ein Musterbeispiel für Rock’n’Roll der 50er und 60er. Chuck Berry verfasste den Song während seiner Zeit im Gefängnis und brachte ihn schlussendlich 1964 auf den Markt. Chuck Berry war 1986 das erste Mitglied der Rock’n’Roll Hall of Fame.

Im Film wird kein Hehl daraus gemacht, dass das, was uns präsentiert wird, wenig mit Realität zu tun hat. Die Mythen und Klischees der Populärkultur werden aber dennoch genussvoll gefeiert. PULP FICTION gilt als einflussreichster Film aller Zeiten und wird auch heute noch als Kult-Klassiker gelobt. Die Tanzszene kann man zweifellos als eine der besten der Filmgeschichte zählen und die Hommage an Chuck Berrys ‚You Never Can Tell’ führt uns vor Augen, dass der Rock’n’Roll nach wie vor lebt und gebührend gefeiert wird. (pl)

 

Quellen:

– Christen, Thomas und Robert Blanchet: Einführung in die Filmgeschichte. New Hollywood bis Dogma 95. Marburg: Schüren Verlag GmbH, 2008.

– Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture’s Addiction to its Own Past. London: Faber and Faber, 2011.

– Schneider, Steven Jay: 1001 Filme die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist. Zürich: Edition Olms AG, 2011.

– Tarantino, Quentin: Pulp Fiction. London: Faber and Faber, 1994.

http://www.rollingstone.com/movies/pictures/the-30-greatest-rock-roll-movie-moments-20130221/8-chuck-berry-you-never-can-tell-in-pulp-fiction-1994-0219971

http://en.wikipedia.org/wiki/You_Never_Can_Tell_(song)

http://en.wikipedia.org/wiki/Pulp_Fiction

American Graffiti (1973)

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American Graffiti ist ein US-amerikanischer Film aus dem Jahre 1973. Produziert wurde er von George Lucas, der auch das Drehbuch geschrieben sowie Regie geführt hat. Der Film war sehr erfolgreich und wurde unter anderem 1974 in fünf Kategorien für den Oscar nominiert (u.a. für Bestes Originaldrehbuch und Bester Film).

Die Geschichte spielt 1962 und handelt von vier Teenagern und ihrem letzten Abend vor dem Beginn der Collegezeit. Handlungsort ist die Stadt Modesto (Kalifornien), welche auch George Lucas‘ Geburtsstadt ist. Somit kann American Graffiti auch als autobiografischer Film betrachtet werden, wie Lucas selber sagt: „It all happened to me, but I sort of glamorised it. I went through all that stuff, drove the cars, bought liquor, chased girls.“1

Eine Besonderheit des Films stellt der Soundtrack dar, welcher aus 40  Rock ’n’ Roll-Titeln der 50er Jahre besteht. So hört man beispielsweise gleich zu Beginn Bill Haleys (We’re Gonna) Rock Around the Clock, später unter anderem auch Fat Dominos Ain’t that a Shame oder Chuck Berrys Almost Grown. Die Musik ist während des gesamten Filmes als eine Radioshow von Wolfman Jack, einem DJ aus den 60er und 70er Jahren, in den Autoradios zu hören. (bw)

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/American_Graffiti
http://en.wikipedia.org/wiki/American_Graffiti
http://www.moviepilot.de/movies/american-graffiti

  1. Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture’s Addiction to Ist Own Past. London: Faber and Faber, 2011. S. 292ff.

When the Fifties enter the Noughties: Cadillac Records (2008)

Cadillac Records, 2008, Film, Musikbiographie, 1950s, Chicago

Cadillac Records: Etta James, Muddy Waters and Leonard Chess.

Eine Hollywoodproduktion mit Stars der Nuller-Jahre portraitiert eine Musikära 1, welche als Ursprung der heutigen (amerikanischen) Pop-Musik gilt; Die Fünfziger-Jahre in Chicago inklusive Sex, Kriminalität, Rassenunterschiede und Rock’n’Roll…2 Im Zentrum der Musikbiographie stehen das Label Chess Records, dessen Starmusiker und das turbulente Nachtleben Chicagos.

Cadillac Records“ erzählt eine Geschichte im Schnelldurchlauf, die Regisseurin und Verfasserin Darnell Martin versucht alle Grössen der Zeit in einen Film zu packen. Auf Grund dessen fehlt dem Film Tiefe, jedoch wird die Musik authentisch widergegeben.3 Der Sound der Fünfziger muss seine eigene Geschichte erzählen, denn die Musik trägt den häufig gelobten Film.4

Stimmlich brilliert die R&B-Sängerin Beyoncé Knowles als Etta James, sie gewann 2009 sogar ein Grammy Award als Best Traditional R&B Voice für den Song „At Last“.5 Auch weitere berühmte, einflussreiche Musiker, wie Muddy Waters, Little Walter, Howlin‘ Wolf und Chuck Berry, werden nachgestellt von einer passenden Besetzung. Ihr Entdecker und Produzent Leonard Chess, dargestellt von Adrien Brody, zeichnet sich durch wirtschaftliches Denken aus und sein Gespür für die Zukunft der black music und deren Stars.6

Der Film verbindet Berühmtheiten der heutigen Zeit mit dem Ursprung von damals und verknüpft deshalb mehrere Generationen miteinander. „Cadillac Records fasst eine Ära zusammen und lässt sie gleichzeitig auf unseren Bildschirmen für ein und dreiviertel Stunden entstehen. Akustische Nostalgie mag aufkommen, denn der Film wirkt wie eine Homage auf die Zeit und nicht nur wie eine historische Zusammenfassung auf Grund seiner Musik-lastigen Machart… „and life is like a song!7 (sak)

  1. Für den ganzen Post: Simon Reynolds (2011): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. London: Faber & Faber.
  2. International Movie Database (IMDB): Cadillac Records. http://www.imdb.com/title/tt1042877/ (Abgerufen: 26.10.2013).
  3. Weitzman, Elizabeth: ‚Cadillac Records‘ takes a greatest-hits approach. http://www.nydailynews.com/entertainment/tv-movies/cadillac-records-takes-greatest-hits-approach-article-1.356391 (Abgerufen: 26.10.2013).
  4. Box Office Mojo: Cadillac Records. http://www.boxofficemojo.com/movies/?id=cadillacrecords.htm (Abgerufen: 26.10.2013).
  5. Grammy Awards. Past Winners. http://www.grammy.com/nominees/search?artist=&field_nominee_work_value=&year=2009&genre=27 (Abgerufen: 26.10.2013).
  6. Ebert, Roger: Cadillac Records. http://www.rogerebert.com/reviews/cadillac-records-2008 (Abgerufen: 26.10.2013).
  7. Songtexte: At Last Songtext von Etta James. http://www.songtexte.com/songtext/etta-james/at-last-5bd503f8.html (Abgerufen: 26.10.2013).