Action Bronson: Blue Chips 2 (2013)

action-bronson

Eine ruhige, langweilige Autofahrt, im Radio läuft irgend ein Lied, nichts Besonderes. – Doch dann beginnt jemand auf dem Rücksitz zum Lied aus dem Radio zu rappen. Es ist vorbei mit der Ruhe, der Langeweile weicht Gelächter und der Unterhaltungswert der Fahrt steigt.
Action Bronson müsste dieser Jemand sein, der mit einer Leichtigkeit über die von Youtube stammenden Samples rappt.1 Party Supplies, der das Album produziert hat, macht sich nicht die Mühe, die Herkunft seiner Samples zu vertuschen. Eher umgekehrt. So rapt Bronson im Lied Silverado leicht erkennbar über den geloopten Anfang von Elton Johns „Island Girl“, in „Pepe Lopez“ über den Partyhit „Tequilla“ von the Champs,  und  in „Through the eyes of a G“ über den geloopten Beginn von Quincy Jones „Summer in the city“.2 Neben der leichten Erkennbarkeit der Samples, sind es aber vor allem die Reime, die den grossen Unterhaltungswert des Mixtapes ausmachen. Auch wenn die sonst so üblichen Foodporn Referenzen spärlicher ausfallen, so rapt er immer vor allem über das Highwerden, Nutten charmieren und Geld schmuggeln3 Aber nicht nur; die eingestreuten Metaphern, zur rapüblichen Selbststilisierung, sind oft von einer seltenen Absurdität und seine Punchlines kommen oft ohne dramaturgische Klimax aus dem Nichts. Zum Glück kommt dabei auch die Selbstironie nicht zu kurz, wenn er rappt, „why the fu** would i have a bodyguard, when I look like the muthafu**ing bodyguard“.

Action Bronson, der Sohn eines albanischen Immigranten und einer New Yorker Jüdin, dessen Stil oft mit dem von Ghostface Killer verglichen wurde, emanzipiert sich zusehends von diesem Vergleich und manifestiert mit diesem Mixtape seine Eigensinnigkeit. Es ist sein achtes Projekt in den letzten drei Jahren und bei so einem Output muss man mitunter zügig arbeiten. Dies hört man Blue Chips auch an, es ist kein konzeptionell durchdachtes Album. Frei vom Anspruch ein Meisterwerk liefern zu müssen, ist es vielmehr ein Mixtape, dass mit einer eigenwilligen Leichtigkeit daherkommt und mit einer Prise Absurdität bestens unterhält. (Stg)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=O5KtVd07fcc[/youtube]

Eminem: The Marshall Mathers LP 2

Cover des Albums

Cover des Albums „The Marshall Mathers LP 2″

Lange geplant und immer wieder verschoben wurde der Erscheinungstermin des neuen, mit Spannung erwarteten Albums des Rappers aus Detroit, an dem nicht weniger als 18 Produzenten beteiligt waren.1 Das Album trägt den selben Titel wie Eminems im Jahre 2000 erschienenes Album, soll jedoch gar kein Sequel desselben sein. Eminem hat diesen Titel nicht gewählt, um dieses Album zu einem Sequel zu machen, sondern aus Nostalgie. So erklärte er dem Rolling Stone: „To me, it’s more about the vibe, and it’s more about the nostalgia.“2

Der erste Track des Albums – „Bad Guy“ – stellt die Verbindung zu seinem früheren Hit „Stan“ her, die Atmosphäre ist aggressiv und geisterhaft, man spürt die Wut des Jungen, den Eminem in diesem Lied verkörpert. Der Chorus wird, wie auch auffällig in einigen der anderen Tracks wie „Survival“, „A**hole“ und „The Monster“, von einer Sängerin gesungen. Doch wer von Eminem nur frühere parodische, rebellische, aggressive kennt, findet auf diesem Album durchaus auch sanftere Töne. In „Stronger than I was“ wird der Rapper sentimentaler, besingt die Trauer die das Ende einer Beziehung bringen kann. Der Track geht unter die Haut, mit den fast schon gepressten Passagen, die Eminem gekonnt halb singt, halb rappt. Ebenfalls aus seinen früheren Mustern ausbrechend ist der Track „Headlights“, in welchem Eminem mit relativ ruhiger Stimme und der Begleitung von Nate Ruess (der Sänger von fun.) eine Versöhnungserklärung an seine Mutter, mit der er seit Jahren verstritten ist, richtet. Die Stimme von Nate Ruess gibt dem Track eine melancholische Note, die, zusammen mit Eminems Rap, eine Entschuldigung mit Nachdruck bildet.

Auf dem Album gibt es einige Tracks, in denen Eminem alte Songs samplet, wie z.B. in „Berzerk“, dem mit Rick Rubins produzierten Song, in welchem er Tracks von den Beastie Boys, Billy Squier und Naughty by Nature einflechtet. Insgesamt 8 Songs des Albums enthalten Samples aus anderen Tracks und in praktisch jedem arbeitet er mit anderen Sängern zusammen (u.a. mit Rihanna in „The Monster“).3

Auch wenn Eminem in seinem Album andere Töne anschlägt und uns Stoff zum Nachdenken gibt, zeigt er, dass der Junge aus Detroit reifer geworden ist, jedoch gibt es immer noch Spuren seines Alter-Egos Slim Shady und das ist auch gut so. Ein Kritikpunkt wäre jedoch, dass die Tracks (meist länger wie vier Minuten) zum Teil zu stark in die Länge gezogen werden. Alles in allem ist Eminem immer noch ein grossartiger Songwriter, kann einen mit seinen schnellen Raps (wie z.B. in „Rap God“) aus den Socken hauen und auch wenn einige behaupten mögen, er sei noch nicht in der heutigen Zeit angekommen, so ist dies vielleicht genau das, was er bezweckt und in seinem Song „Berzerk“ auch besingt: „Let’s take it back to straigt hip-hop and start it from scratch.“

(nana)

Lyrics von: http://rapgenius.com/albums/Eminem/The-marshall-mathers-lp-2 (Abgerufen Januar 2014)

http://juice.de/review-eminem-the-marshall-mathers-lp2/ (Abgerufen am 12. Januar 2014)

http://noisey.vice.com/de/read/die-marshall-mathers-lp-2-ist-das-album-auf-das-alle-eminem-stans-gewartet-haben (Abgerufen am 12. Januar 2014)

http://www.popmatters.com/review/176302-eminem-the-marshall-mathers-lp-2-take-two/ (Abgerufen am: 12. Januar 2014)

http://meinrap.de/2013/11/08/eminem-the-marshall-mathers-lp-2-review/ (Abgerufen am 12. Januar 2014)

http://pitchfork.com/reviews/albums/18733-eminem-the-marshall-mathers-lp-2/ (Abgerufen am 12. Januar 2014)

http://en.wikipedia.org/wiki/The_Marshall_Mathers_LP_2 (Abgerufen: Januar 2014)

Rezension: Death Grips – Government Plates

Das Trio Death Grips aus Sacramento, bestehend aus Rapper Stefan Burnett, Schlagzeuger Zach Hill und Produzent Andy Morin1, hat mit „Government Plates“ im November 2013 ihr drittes Studioalbum innerhalb von nur 18 Monaten veröffentlicht. Nach ihrem Debüt „The Money Store“, dem durchs Band positive Kritik beschieden war2, begann die Band ihre Musik als Skandal zu inszenieren. Es folgten Konzertabsagen, ein selbst-veröffentlichtes zweites Album mit Penis-Cover („No Love Deep Web“) trotz eines laufenden Vertrags mit dem Label Epic, der Rausschmiss bei Epic, öffentliche Gehässigkeiten gegen das Label.

deathgrips

Vielleicht mit Recht mutmasst Spin-Rezensent Grayson Currin, dass brave Death Grips inzwischen noch immer einen Vertrag bei Epic hätten, aber ihnen ständig die Kündigung drohte weil ihre Musik nicht besonders gut zu vermarkten („not especially marketable“) sei.3. Durch die Inszenierung als Skandal aber, wurde auch ihrem dritten Album Government Plates grosse Aufmerksamkeit zuteil.

Und die Musik?

„Music without a past about a present with no future“ sei es, schreibt Pitchfork-Rezensent Ian Cohen4, Musik ohne narrativen Kontext, ohne Referenzen, ohne Ideal. „Fuck your idols suck my dick“ singt die Band selbst zur Bestätigung in „Two Heavens“. Und tatsächlich fällt es schwer, die merkwürdig zerstückelten Tracks, einzuordnen. Es sind Collagen aus nervös-radikalem Rap, amorphen Klangfetzen und dissonantem Noise, die manchmal geradezu hässlich und hörerfeindlich anmuten5. Darin aber liegt auch der Reiz dieser einzigartigen neuen Musik, die sich allen Vorbildern und Genrezuweisungen bisher erfolgreich zu entziehen versucht.


Rezension: Lorde – Pure Heroine

LORDE – PURE HEROINE

Liest man ohne jegliche Vorkenntnisse den Titel des Albums und den Namen der Interpretin, würde man wohl nicht davon ausgehen, dass sich dahinter ein gerade einmal 17-jähriges Mädchen versteckt. Erklingen dann die ersten Töne des Songs „Tennis Court“ findet man noch weniger Gründe dafür anzunehmen, dass die Sängerin wirklich noch ein Mädchen ist.

Lorde, die in Neuseeland unter dem Namen Ella Yelich-O’Connor geborene Sängerin, ist wohl eine der ungewöhnlichsten Newcomerinnen des Jahres 2013. Ihre poppigen, von Elektro und Rap angehauchten Songs, die mit ihrer rauchigen, fast schon lustlos klingenden Stimme gesungen sind, erinnern direkt an Lana Del Rey, ohne dass sie deswegen ein Abklatsch wäre. Bekannt wurde sie übers Internet mit dem Song „Royals“. Ein einfacher Beat und ihre spezielle Stimme lassen dieses Lied direkt ins Ohr gehen.

Schon allein die Tatsache, dass die junge Frau alle Songs auf dem Album selbst geschrieben hat, beweist ihr großes Potenzial. Lorde will eine Botschaft vermitteln.
Achtet man auf die Texte, so offenbaren sich für ein so junges Mädchen sehr ernste gesellschaftskritische Töne.
Sie singt Lorde vor allem über die neue Pop-Generation – sich selbst eingeschlossen -, die nach Ruhm und Anerkennung strebt und deren Träume doch zu häufig zerplatzen. Doch gleichzeitig distanziert sich die Sängerin vom Mainstream und betont mehrmals, dass sie einfach nur gelangweilt sei.

„Don’t you think that it’s boring how people talk
Making smart with their words again, well I’m bored“
lauten die ersten Zeilen des Albums.

Es ist mutig von einer 17-jährigen, solche „Wahrheiten“ so unverblümt auszudrücken und dahinter zu stehen. Die nüchternen und teilweise sehr kalten Klänge des Albums werden zu Grundbausteinen für Erzählungen aus Lordes Teenagerzeit.
Sie steht musikalisch auf der gegenüberliegenden Seite von Teenstars wie Justin Bieber. So erzählt der Song „White Teeth Teens“ von Jugendlichen, die mit ihren weißen Zähnen für Perfektion in der medialen Öffentlichkeit stehen und einfach nur glatt gebügelt sind. So möchte Lorde nicht sein und das kaufen ihr ihre Fans in jeder Sekunde ab.

Dennoch ist zu vermerken, dass man in jedem Song des Albums ähnliche musikalische sowie lyrische Komponenten entdeckt. Trotz dem sehr reifen und rebellischen Unterton, welcher sich durch das gesamte Werk zieht, bleibt ein teilweise oberflächlicher und fader Nachgeschmack.

(Lh)