Rezension: Lorde – Pure Heroine

LORDE – PURE HEROINE

Liest man ohne jegliche Vorkenntnisse den Titel des Albums und den Namen der Interpretin, würde man wohl nicht davon ausgehen, dass sich dahinter ein gerade einmal 17-jähriges Mädchen versteckt. Erklingen dann die ersten Töne des Songs „Tennis Court“ findet man noch weniger Gründe dafür anzunehmen, dass die Sängerin wirklich noch ein Mädchen ist.

Lorde, die in Neuseeland unter dem Namen Ella Yelich-O’Connor geborene Sängerin, ist wohl eine der ungewöhnlichsten Newcomerinnen des Jahres 2013. Ihre poppigen, von Elektro und Rap angehauchten Songs, die mit ihrer rauchigen, fast schon lustlos klingenden Stimme gesungen sind, erinnern direkt an Lana Del Rey, ohne dass sie deswegen ein Abklatsch wäre. Bekannt wurde sie übers Internet mit dem Song „Royals“. Ein einfacher Beat und ihre spezielle Stimme lassen dieses Lied direkt ins Ohr gehen.

Schon allein die Tatsache, dass die junge Frau alle Songs auf dem Album selbst geschrieben hat, beweist ihr großes Potenzial. Lorde will eine Botschaft vermitteln.
Achtet man auf die Texte, so offenbaren sich für ein so junges Mädchen sehr ernste gesellschaftskritische Töne.
Sie singt Lorde vor allem über die neue Pop-Generation – sich selbst eingeschlossen -, die nach Ruhm und Anerkennung strebt und deren Träume doch zu häufig zerplatzen. Doch gleichzeitig distanziert sich die Sängerin vom Mainstream und betont mehrmals, dass sie einfach nur gelangweilt sei.

„Don’t you think that it’s boring how people talk
Making smart with their words again, well I’m bored“
lauten die ersten Zeilen des Albums.

Es ist mutig von einer 17-jährigen, solche „Wahrheiten“ so unverblümt auszudrücken und dahinter zu stehen. Die nüchternen und teilweise sehr kalten Klänge des Albums werden zu Grundbausteinen für Erzählungen aus Lordes Teenagerzeit.
Sie steht musikalisch auf der gegenüberliegenden Seite von Teenstars wie Justin Bieber. So erzählt der Song „White Teeth Teens“ von Jugendlichen, die mit ihren weißen Zähnen für Perfektion in der medialen Öffentlichkeit stehen und einfach nur glatt gebügelt sind. So möchte Lorde nicht sein und das kaufen ihr ihre Fans in jeder Sekunde ab.

Dennoch ist zu vermerken, dass man in jedem Song des Albums ähnliche musikalische sowie lyrische Komponenten entdeckt. Trotz dem sehr reifen und rebellischen Unterton, welcher sich durch das gesamte Werk zieht, bleibt ein teilweise oberflächlicher und fader Nachgeschmack.

(Lh)

Ciccone Youth – The Whitey Album

Das siebte Album von Sonic Youth ist in vielerlei Hinsicht eine Collage verschiedener Ideen und Elemente. An der Oberfläche verweist die Benennung des Albums unmittelbar auf das „The BEATLES“ bzw. „The White Album“, das 1968 erschienen war. Ursprünglich hätte das Konzept der Gruppe darin bestanden, eines Tages eine Coverversion eben jenes Albums zu veröffentlichen. [1] Dieses Vorhaben schlägt sich dann aber nicht wirklich im Endprodukt nieder, da das Album gleichzeitig ein (ziemlich augenzwinkerndes) Tribut an Madonna und an den Pop der 80er-Jahre darstellen sollte [2]. Dies zeigt sich zunächst in der Namensgebung, da die Band für diese Veröffentlichung kurzerhand ein Pseudonym adaptierte und zwar Ciccone Youth, denn Madonna wurde im richtigen Leben auf Madonna Louise Veronica Ciccone getauft. Ausserdem ist ihr Gesicht in übergrosser Nahaufnahme als Frontseite des Albums zu sehen. Musikalisch wird die Imitation besonders in Into The Groovey offensichtlich, welches eine Coverversion von Madonnas Into The Groove darstellt und welches auch Samples aus dem Original verwendet [3].

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=gHZKaiuOvE0[/youtube]

Mit diesem Stil schliesst die Band an einen Trend der späten 80er-Jahre an, der aus ironischer Nachahmung, Covers und einem ausgeprägten Einsatz von Samplings bestand. In „The Whitey Album“ prallen die denkbar unterschiedlichsten Musikstile der 80er-Jahre aufeinander: der Punk-Untergrund und der Mainstream-Pop [4].

 

[1] SonicYouth. In: http://www.sonicyouth.com/mustang/lp/lp7.html (Abgerufen: 17.11.2013).

[2] Wikipedia. The Whitey Album. In: http://en.wikipedia.org/wiki/The_Whitey_Album (Abgerufen: 17.11.2013).

[3] Allmusic. In: http://www.allmusic.com/album/the-whitey-album-mw0000199600 (Abgerufen: 17.11.2013).

[4] Simon Reynolds (2011): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber, S. 147ff.