Iron and Wine: „Around the Well“ (2009)

Ein Mann. Ein Bart. Ein Farmhaus in Texas. Fünf Kinder. Und eine Platte, wäre sie eine Tageszeit, müsste sie an einem freundlichen Nachmittag beginnen und mit der feuerroten Sonne am Horizont die letzten Melodien verklingen lassen – das ist Iron and Wine.

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„Around the Well“ ist eine 2009 erschienene Kompilation aus bisher unveröffentlichtem Material aus dem Katalog des Messias des Folksongs, Sam Beam. Als Anhänger des Freak Folk ist er knietief in den späten 60ern und frühen 70ern verwurzelt. Diese Bewegung eifert den damaligen akustischen Gegebenheiten nach und redupliziert mit zeitgerechten Instrumenten den Vintage Sound. Auch die im Freak Folk beliebten bodenlangen Kleider und wuchernden Bärte sind Teil dieses Fetischs, der die Vergangenheit als eine Art Zeitreise direkt in die Gegenwart holt.1 „Around the Well“ erzählt auf zwei Platten den Werdegang von Sam Beam. Die erste CD fesselt durch intime LoFi-Heimaufnahmen und einer Metaphorik der Südstaaten, die von Bougainville-Samen über Schlangen im Bachbett reicht. Die zweite CD mischt Dub, Funk und Krautrock und die Arrangements sind stets wohl ausgewogen und zunehmend komplex. Vielleicht auf seinen Hintergrund als Filmdozent zurückzuführen, fühlen sich seine Songs in Fusion mit dem Visuellen an wie ein Schaukelstuhl auf einer texanischen Veranda. Deswegen reissen sich US-Serien und Blockbuster wie „Twilight“ um Beams Musik. „Around the Well“ ist Zeugnis dessen, wie Iron and Wine seinen Status als eigenständige Stimme im Musikbusiness erspielt hat und nun als einer der Grossen sein Archiv ausräumen darf.2 Auch ist die Platte ein Statement von Beam, der das Credo der Hippie-Ästhetik vertritt: „As a listener, I want to push myself. At the end of the day, I know that ever since the Beatles brought in musique concrète, I’m not going to flip anyone’s lid [but] you push yourself to do something you haven’t done.“3 Dennoch hat Freak Folk sich dem Rezyklieren der besagten Zeit verschrieben. Doch in seiner Zeitkapsel ist das Album „Around the Well“ in unserem Zeitalter, in dem Raritäten gar nicht mehr so rar sind, eine lohnenswerte Zeitreise. (el)

 


Literaturhinweise:

  1. Fiander, Matthew: Iron & Wine: Around the Well.  http://www.popmatters.com/review/92888-iron-and-wine-around-the-well/ (Abgerufen 15.06.2014).
  2. Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture′s Addiction To Its Own Past. London: Faber and Faber Ltd, 2011, 409-11.
  3. Wikipedia.com: http://de.wikipedia.org/wiki/Iron_%26_Wine (Abgerufen: 15.06.2014).
  1. Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture′s Addiction To Its Own Past. London: Faber and Faber Ltd, 2011, xxxii-xxxv.
  2. http://www.plattentests.de/rezi.php?show=6664 (Abgerufen: 05.12.2013).
  3. http://pitchfork.com/features/articles/7911-iron-wine/ (Abgerufen 15.06.2014).

Josephine Foster – I’m a Dreamer (2013)

[youtube width=“530″ height=“315″]http://www.youtube.com/watch?v=NfdBZUFWHFs[/youtube]

Das Intro des Songs ähnelt einer Szene aus einem Schwarzweissfilm.  Mit wenigen Worten singt die verträumte weibliche Stimme von der romantischen Gemächlichkeit des Seins. Die Frau singt behaglich mit einer mütterlichen Art von ihren Träumen und ihrer Liebe. Während die lauschigen Klänge wie von einem Grammophon erklingen, versinkt man unweigerlich in süsser Nostalgie. In einer Kritik von Sam Sheperd meint er zum gleichnamigen Album: „This is an album that appears to have been written, recorded and performed in an entirely different era.“1
Josephine Foster trägt die nostalgische Schwere von welcher sie singt gleichsam mit selbstverständlicher Leichtigkeit. Durch ihren bescheidenen und gemächlichen Stil fällt es einem nicht schwer, das Lied mehrere Male nacheinander zu hören. Die abwechselnde harmonische Begleitung von Klavier, Bass, sanfter Perkussion und teils mit der Mundharmonika unterstützen das wohlige Gefühl, das sich beim Zuhören einstellt.
Die Musik Josephine Fosters überzeugt durch ihre authentische Schlichtheit, welche sich selbst genügt: Das Lied besteht hauptsächlich aus leichten Nuancierungen der Worte „I’m a Dreamer“, und veranschaulicht eine warme Einfachheit, welche sich selbst genügt. „[The album] is never going to set the world alight with innovative new sounds, but these songs are perfect little gems that possess a timeless quality. A great song is a great song after all, and Josephine Foster has great songs in abundance.“2

Der musikalische Werdegang Josephine Fosters ist erstaunlich vielseitig: Zu Beginn spielte sie an Hochzeiten und Beerdigungen, nahm im Jahr 2000 ihr erstes Album („There are Eyes Above“) auf, welches hauptsächlich Ukulele-Lieder beinhaltete, gab 2001 ein Kinderlied-Album („Little Life“) heraus, und veröffentlichte bis heute neun weitere Alben3, welche von Einflüssen aus Psychedelia, Flamenco oder amerikanischem Folk geprägt sind.4
Neben der Musik malt Josephine Foster, schreibt Gedichte und unterrichtet Gesang.
In einem Interview mit Harmonic Rooms meint sie dazu: „When there is variety in the Nature: it stimulates the Nature.“ (10:00)

Auch in den anderen Songs auf dem Album „I’m a Dreamer“ erzählt Josephine mit warmer Stimme Geschichten von Begegnungen, Schönheit und Erinnerungen.
Die geerdete Musik sorgt für eine Entschleunigung im alltäglichen Leben und zaubert mit süsser Melancholie ein (vielleicht vergessenes) Lächeln leise zurück auf die Lippen.

Drei ihrer frühen Alben können hier gehört werden.
Ihre Diskographie ist hier einsehbar.

(mwu)