Juana Molina – Wed 21: Schräg aber schön

Juana Molina - Wed 21

Juana Molina – Wed 21

Das neue Album von Juana Molina, Wed 21, kommt gut an. Das Online-Musikmagazin Pop Matters US schrieb zum Beispiel:  „If one adjective sums up Juana Molina’s recent work, it is ‚dreamlike’… like other great popular music musicians who toe the avant-garde line—Tom Waits comes to mind, as does Radiohead—there is a vision here“.1 Das sind hohe Töne, in denen hier gesprochen wird. Doch was liegt dahinter? Um das herauszufinden gibt es nur eins: Auf den Weg durch ihr neuestes Werk!

Zuerst stellt sich die Frage: Was bedeutet eigentlich Wed 21? Ist damit Mittwoch der 21. gemeint? Tatsächlich wurde das zweite Lied, welches auch wed 21 heisst, am 21. Nov. 2011 aufgenommen. Seither habe sich der Name nicht mehr gerändert.2 Und wie klingt das Lied? Schräge Töne und schöne Melodien vermischen sich, Keys werden verzerrt, Gitarre und Hintergrundgesang in Loops versetzt und darüber schwingt Juana Molinas ruhige und sanfte Stimme, teilweise verträumt. Eingängige Rhythmen und Bassline geben der ganzen Atmosphäre eine prägnante Kontur. Mit diesen Beats und ohne Gesang könnte die Musik genauso gut einem Remake eines 8-bit Spieles aus den 80 Jahren entnommen sein, nur schöner und runder. Aber der Effekt könnte der gleiche sein: Trance-artiges mitschwingen, tanzen und geniessen (oder eben mit Ansporn und tranceartiger Musik das nächste Level spielen). Das ganze Album kommt in seiner Art sehr natürlich herüber, als wäre es ein altbekanntes, und doch überrascht es mit einer Ästhetik die nichts dem Zufall überlässt. Molina experimentiert mit neuen Sounds; es ist, als würde sie die eine Hand auf die Tasten fallen lassen und mit der anderen Effekte ausprobieren. Dabei fällt alles dorthin, wo es soll. Es klingt harmonisch, trotz Disharmonien, richtig und eingeübt, als hätte jeder Ton und jeder Effekt seinen Platz gefunden; das Ausprobieren treibt den Zufall aus den Melodien. Die Musik scheint unauffällig und dezent, und doch trommeln die Rhythmen: „Geh weiter!“

Und wo lässt sich die argentinische Singer-Songwriterin einordnen? Tendiert die Musik zu Folk oder doch zu Elektro? Aber da sind ja auch noch die Latin-Elemente. Und nicht zu vergessen die teilweise ungeraden und abgeschnittenen Rhythmen, also doch Math-Rock? „Avantgarde“ und „Vision“ erfassen es vielleicht am ehesten. Sie singt auf Spanisch, meistens jedenfalls, was bei nicht spanischsprechenden aber nicht weiter ins Gewicht fällt, denn die erschaffene Stimmung spricht für sich selbst. Und wenn sie auf Englisch singt, ist die Aussage klar: “Come, come quickly” und höre diese zauberhafte Musik. (mj)

[youtube]http://youtu.be/Cl7h3KDMJFU[/youtube]

Juana Molina: Wed 21 (2013).