Werkbeschreibung: Grease (Musical)

Olivia Newton-John and John Travolta

Olivia Newton-John and John Travolta

„I don’t care what people say, Rock’n’Roll is here to stay!“ Mit diesem Statement macht das Musical Grease bei seiner Erstaufführung im Jahre 1973 unverblümt seinen Standpunkt deutlich1. Wenige Jahre vorher hatten sich die Autoren Jim Jacobs und Warren Casey in Chicago, Illinois, getroffen, hörten sich alte Schallplatten an, schwelgten gemeinsam in alten Erinnerungen und sinnierten zu The Flamingos und Little Richard darüber, wie es wäre, in eben jenem Stil ein Stück zu schreiben, das den Zeitgeist dieser vergangenen Ära auf die Bühne bringen könnte2. Was in einer Fantasterei begann, feierte drei Jahre später am Eden Theatre am Broadway in New York Premiere.

Schon der Name ist Programm, denn Grease steht Englisch für „Schmiere“, womit die Pomade bezeichnet wurde, die in den 1950er Jahren benutzt wurde, um die aufwändigen Frisuren in Form zu halten3. Damit wird ebenfalls bereits eine gewisse Ironie des Werks vermittelt, da die Elemente der klassischen High-School-Liebesgeschichte aus der Zeit des Rock’n’Roll auf sehr überspitzte und humorvolle Weise parodiert werden. Alles dreht sich um die brave Sandy und den coolen Danny, die sich während der Sommerferien verliebt haben und sich dann auf der Schule wieder begegnen. Während Danny als Anführer der Gang T-Birds sein Ansehen hüten muss, findet Sandy erst allmählich Anschluss und wird nach einem unverhofften Wandel zur sexy und selbstbewussten Frau zum Mitglied der Mädchengang Pink Ladies. Dieser Tabubruch verhilft ihr schliesslich zum Happy End mit Danny, der sich mit dieser neuen, aufbegehrenden Frau dann doch einlassen kann.

Nichts desto trotz schafft es das Stück durch seine Musik, die stark durch die Band Sha Na Na beeinflusst wurde4, ein energetisches und dynamisches Revival des Rock’n’Roll zur Aufführung zu bringen, das von einer enormen Leichtigkeit geprägt ist. (jo)

  1. Simon Reynolds (2011): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber. S. 277.
  2. Entstehungsgeschichte: http://www.musical-grease.de (Abgerufen: 26. Oktober 2013)
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Grease_%28Musical%29#Urauff.C3.BChrung (Abgerufen:  26. Oktober 2013)
  4. Simon Reynolds (2011): Retromania. Pop Culture’s Addiction To its Own Past. Faber & Faber. S. 294.

‚The Twist’ aus Quentin Tarantinos PULP FICTION (US 1994)


„Ladies and gentlemen, now the moment you’ve all been waiting for, the world-famous Jackrabbit Slim’s twist contest.

…Now let’s meet our first contestants here this evening. Young lady, what is your name?“

„Missus Mia Wallace.“

„And, uh, how `bout your fella here?“

„Vincent Vega.“

„All right, let’s see what you can do. Take it away!“

Quentin Tarantinos im Kunstuniversum angesiedeltes Meisterwerk PULP FICTION wagt schon gar nicht den Versuch glaubwürdig zu wirken. Der brutale und gleichzeitig urkomische Gangsterfilm spielt mit Konventionen, Mythen und mit der Geschichte selbst. Genrecodes und historische Markierungen werden bunt zusammengemischt und überall stecken Verweise auf die Vorbilder und Idole aus der Vergangenheit.

Die berühmte Tanzszene, in welcher sich Mia Wallace (Uma Thurman) und Vincent Vega (John Travolta) einem Tanzduett widmen, findet in dem Fünfzigerjahre-Revival-Lokal Jackrabitt Slim’s statt. Der Ort, die Stimmung, und die Personen darin sind alles stilgerechte Elemente, sorgfältig abgestimmt und offensichtliche Verweise auf die Anknüpfung und Ideologisierung der 50er Jahre. Filmposter der 50er zieren die Diner-Wände und die Kellner und Kellnerinnen fungieren als Kopien der Stars dieser vergangenen Ära: Marilyn Monroe, James Dean, Jayne Mansfield, Zorro, Donna Reed, Buddy Holly, Martin and Lewis und The Philip Morris Midget. Die Twist-Szene zu Chuck Berrys ‚You Never Can Tell’  sprüht förmlich vor Intensität. Uma Thurman treibt ihre weiblichen Reize während dem Tanz auf die Spitze und John Travolta fällt in dieser Szene nochmals in seine Paraderolle als Discokönig aus SATURDAY NIGHT FEVER (US 1977, John Badham) zurück: er ist in der Szene der Inbegriff von Coolness. Die Musikauswahl ist in Tarantinos Filmen immer von zentraler Bedeutung und trägt auch meistens auffallend viel zur Dramaturgie bei.

‚You Never Can Tell’ ist ein Musterbeispiel für Rock’n’Roll der 50er und 60er. Chuck Berry verfasste den Song während seiner Zeit im Gefängnis und brachte ihn schlussendlich 1964 auf den Markt. Chuck Berry war 1986 das erste Mitglied der Rock’n’Roll Hall of Fame.

Im Film wird kein Hehl daraus gemacht, dass das, was uns präsentiert wird, wenig mit Realität zu tun hat. Die Mythen und Klischees der Populärkultur werden aber dennoch genussvoll gefeiert. PULP FICTION gilt als einflussreichster Film aller Zeiten und wird auch heute noch als Kult-Klassiker gelobt. Die Tanzszene kann man zweifellos als eine der besten der Filmgeschichte zählen und die Hommage an Chuck Berrys ‚You Never Can Tell’ führt uns vor Augen, dass der Rock’n’Roll nach wie vor lebt und gebührend gefeiert wird. (pl)

 

Quellen:

– Christen, Thomas und Robert Blanchet: Einführung in die Filmgeschichte. New Hollywood bis Dogma 95. Marburg: Schüren Verlag GmbH, 2008.

– Reynolds, Simon: Retromania. Pop Culture’s Addiction to its Own Past. London: Faber and Faber, 2011.

– Schneider, Steven Jay: 1001 Filme die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist. Zürich: Edition Olms AG, 2011.

– Tarantino, Quentin: Pulp Fiction. London: Faber and Faber, 1994.

http://www.rollingstone.com/movies/pictures/the-30-greatest-rock-roll-movie-moments-20130221/8-chuck-berry-you-never-can-tell-in-pulp-fiction-1994-0219971

http://en.wikipedia.org/wiki/You_Never_Can_Tell_(song)

http://en.wikipedia.org/wiki/Pulp_Fiction