Rezension: Bob Dylan – Blonde on Blonde

Künstler: Bob Dylan

Album: Blonde on Blonde

Cover 'Blonde on Blonde'

Cover ‚Blonde on Blonde‘

Besetzung: Bob Dylan/ Gitarre, Gesang, Mundharmonika, Klavier, Keyboard; Al Kooper/ Gitarre, elektronische Orgel, Flügelhorn, Keyboard; Robbie Robertson/ Gitarre, Gesang; Joe South/ Gitarre; Rick Danko/ E-Bass, elektrische Violine, Gesang; Bill Atkins/ Keyboard; Wayne Butler/ Posaune; Kenneth A. Buttrey/ Schlagzeug; Paul Griffin/ Klavier; Garth Hudson/ Keyboard, Saxophon; Jerry Kennedy/ Gitarre; Sanford Konikoff/ Schlagzeug; Richard Manuel/ Schlagzeug, Keyboard, Gesang; Wayne Moss/ Gitarre, Gesang; Hargus „Pig“ Robbins/ Klavier, Keyboard; Henry Strzelecki/ E-Bass; Charlie McCoy/ E-Bass, Gitarre, Mundharmonika, Trompete

Produktion: Bob Johnston

Label: Columbia Records

Veröffentlichung: 16. Mai 1966

Spieldauer: 71 m 40 s

Stil: Folk-Rock

Medium:  Vinyl

Trackside 1: 1. Rainy Day Women # 12 & 35 (4:33) 2. Pledging My Time (3:42) 3. Visions of Johanna (7:27) 4. One of Us Must Know (Sooner or Later) (4:53)

Trackside 2: 1. I Want You (3:06) 2. Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues Again (7:04) 3. Leopard-Skin Pill-Box Hat (3:50) 4. Just Like a Woman (4:39)

Trackside 3: 1. Most Likely You Go Your Way and I’ll Go Mine (3:22) 2. Temporary Like Achilles (5:03) 3. Absolutely Sweet Marie (4:46) 4. 4th Time Around (4:26) 5. Obviously 5 Believers (3:30)

Trackside 4: 1. Sad Eyed Lady oft he Lowlands (11:19)

 

Mit seinem 7. Studioalbum ‚Blonde on Blonde’, einer Doppel-LP, knüpft Dylan klar an die vorhergehenden Alben ‚Highway 61’ und ‚Bringing It All Back Home’ an; nur ist der elektrische Sound noch stärker, die Texte philosophischer und die Melodien noch harmonischer. Mit dem Übergang zur E-Gitarre beim Newport Folk Festival im Jahre 1965 (ein Statement, welches vielen Fans als Verrat gleichkam) distanziert sich Bob Dylan aktiv von der Folkmusik und Woody Guthries Einflüssen auf seine Musik. Blonde on Blonde bringt diesen Wandel deutlich zur Geltung und gipfelt in einer Eigenständigkeit, die wir so von Dylan noch nie gesehen haben. Die enttäuschten Fans können die Brillanz dieses Stilwechsels nicht mehr leugnen.

Robbie Robertson an der Gitarre und Al Kooper an der elektrischen Orgel bringen die Einzigartigkeit dieser Platte auf den Punkt. Das Herausragende an diesem Werk ist, dass es Dylan gelingt, auf verschiedenen Ebenen anzusetzen. Der Einstieg mit ‚Rainy Day Women # 12 & 35’ vermittelt eine Leichtigkeit und gleichzeitig eine Komplexität, dessen fruchtbaren Widerspruch man kaum in Worte fassen kann. Der Humor des Liedes wird durch den Einsatz von Tamburin, Mundharmonika, Menschenrufen und Geklatsche ergänzt, beziehungsweise unterstützt. Gleichzeitig gelingt es Dylan mit ‚Visions of Johanna’, ‚I Want You’ oder ‚Just Like A Woman’ eine unglaubliche Ernsthaftigkeit und Intensität zu vermitteln. Die Lyrics sind von einer überragenden Tiefe, welche ein ‚normaler Hörer’ kaum aufnehmen mag. ‚Stuck Inside of Mobile with the Memphis Blues again’ regt durch komplexe und teilweise verwirrende Textpassagen an: „ […]Now the rainman gave me two cures, then he said, “Jump right in”, the one was Texas medicine, the other was just railroad gin[…]“.

Dylan zeigt uns aufs Neue, und dies nicht in einer diskreten Art und Weise, dass er ein Poet ist. Er überfährt den Hörenden mit einer Kraft und einer offensiven Provokation, und lässt ihn dann am Boden liegen. Die etlichen Spielereien, die sich Dylan in diesem Projekt erlaubt, machen die LP als Gesamtwerk spannend und abwechslungsreich. Die meisten Songs überschreiten 5 Minuten Länge – und doch werden diese Songs auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig. Dylan lässt auch auf dieser Platte mit seinen Liedern vieles im Dunkeln; das Rätselhafte wird von ihm stets aufrechterhalten. Genau darin liegt aber auch die unglaubliche Faszination seiner Musik und seines Wesens selbst.

Blonde on Blonde ist ein herausragendes Musikwerk, dass auch heute noch von zentraler Bedeutung ist. Das Album ist in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung: für MusikliebhaberInnen und für die Musikgeschichte.

Danke Bob Dylan, für diesen Meilenstein!