Jimi Hendrix: Electric Ladyland (1968)

Cover EL  Bild: 1001albums.ericdumas.com (abgerufen: 22.10.2013)

Cover EL [1]

EL ist zweifellos eines der bedeutendsten und einflussreichsten Alben in der Geschichte des Gitarrenrocks. Hendrix‘ letztes Studioalbum zu Lebzeiten überzeugt vor allem mit grosser stilistischer Vielseitigkeit, einer ausgiebigen Instrumentierung und dem virtuosen Gitarrenspiel des Autodidakten.
Als „Einstieg“ – besonders für Hörer, die mit dem Werk von Hendrix noch nicht vertraut sind – eignet sich Track 15: All Along the Watchtower. Es handelt sich um eine Coverversion eines Dylan-Klassikers. Das Stück bietet einen etwas mehr mainstream-orientierten Gesamteindruck als die zumeist eher psychedelisch- oder bluesrockartigen restlichen. Hendrix setzt Dylans Song aber so gekonnt in Szene, verziert ihn mit virtuosen Soli und verleiht ihm eine völlig neue Grösse, sodass Dylan selbst diese Version als beste Interpretation seines Stückes überhaupt beschreibt.
Ganz anders, nämlich in typischer Hendrix-Manier präsentiert sich Track 4: Voodoo Chile. Mit diesem über 15 minütigen Epos zeichnet Hendrix die Geschichte des Blues nach. Der Anfang klingt wie ein Delta Blues dann folgen Einflüsse des elektrischen Blues von Muddy Waters und John Lee Hooker, der B.B. King Stil und schliesslich Elemente der Jazz Legende John Coltrane. Durch die teils psychedelischen, teils mythischen Lyrics wird diese Erfahrung noch verstärkt, so beginnt das Stück mit: „Well the night I was born – lord I swear the moon turned a fire red“ …
Ein weiteres Highlight ist Track 11: 1983… (A Merman I Should Turn to Be). Er besticht nicht nur dank technisch innovativer Produktionsdetails – so wurden Bandschlaufen geloopt und verfremdet um eine Geräuschkulisse zu erstellen – sondern auch durch psychedelische Lyrics. Diese beschreiben eine Vision, in welcher er sich für ein Leben unter Wasser entschliesst, obwohl dies für unmöglich und gegen Gottes Wille gehalten wird.
Track 3: Crossstown Traffic hingegen präsentiert sich als fast schon poppiger und durchaus tanzbarer Song mit rhythmischen Gitarrenriffs und charakteristischen Hintergrundgesängen.
In wunderbar vielseitiger Weise finden sich auf Electric Ladyland sämtliche hendrixtypischen Stilelemente. Sei dies sein gekonntes Spiel mit Rückkopplungen, sein virtuos eingesetztes Wah-Wah Pedal oder der typische verzerrte Gitarrensound. Auch diverse technische Spielereien, welche damals mühsam manuell realisiert werden mussten, prägen den einzigartigen Sound dieses Albums.
EL ist das Meisterwerk von Jimi Hendrix und der Höhepunkt seines Studioschaffens. Noch heute dient es zahllosen Gitarristen als Lehrstück und Musikfans aller Couleur als Referenzwerk in der Sammlung.
(MR)

 

[1] Bildquelle: 1001albums.ericdumas.com (Abgerufen 22.10.2013)