Tyler Ward: „Hello. Love. Heartbreak.“ (2012)

 

„Hello. Love. Heartbreak.“ ist das erste vollumfänglich selbständig geschriebene und produzierte EP-Album des Amerikanischen 24-jährigen Independent Singer, Songwriter und Produzenten Tyler Ward.

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Es erreichte innert 12 Stunden nach der Veröffentlichung Platz 1 der iTunes U.S. Singer/Songwriter Charts und etwas später sogar Platz 1 auf 15 weiteren internationalen Charts derselben Kategorie. Tyler Ward, der sonst nicht als Chartstürmer bekannt ist, hat sich auf YouTube einen Namen als New-Media-Phänomen gemacht. Seine Covers und eigenen Songs wurden weltweit von über 303 Millionen YouTube Usern angeklickt und er hat mittlerweile 1.2 Millionen Abonnenten.

Die sechs Songs des Debut-Albums überzeugen mit den Tugenden des Singer-Songwriter-Genres: mit Direktheit und Einfachheit. „Raise Up“ knüpft am bewährten akustisch angelehnten Stil an, den er auch für seine Coverversionen anwendet. Mit viel Gitarren- und Schlagzeugsound im Refrain und viel Gefühl in Strophen, vermag Tyler selbst bei ernsteren Songtexten gute Laune zu transportieren. „Raise Up“ erinnert spontan an eine Mischung aus Kings of Lion und Maroon5. Für diesen Track nutzte der New-Media-Star gekonnt die Möglichkeiten der Technik und liess seine Fans zuhause ein paar „woohoos“ aufnehmen, die er später für die Platte zu einem Chor zu prominentem Schlagzeug abmischte. „Dashes“ und „The Way We Are“ sind Aushängeschilder wie seine Musik funktioniert und was Tyler als Künstler repräsentiert. „Maybe I’m walking to a place I don’t know / `Cause dreams in this town get cold / You’ll miss your chances if you’re marching in time / Even if I go alone, The least you can give me are dashes on the road“1 – man nehme diese paar Zeilen, mische sie mit akustisch angelehntem Orchestersound, mit Gitarren-, Klavier- und Geigeneinlagen, Schlagzeug sowie Backvocals und es ergibt sich einen Stil, den die Fans ehrlich und sympathisch nennen: „Bei Tyler bekommt man, was man sieht und hört: keine mit Autotune verstellte Stimme, kein fremdbestimmter Star.“2

Keeping Secrets“ ist stark gitarrenlastig, mit einem frechen Sound und Backvocals – ein Song, der einen Spritzer Rock auf die Platte bringt und der zudem zu Tylers Elvis-Tolle passt. „Fortget to Say No ist ein kraftvoller Popsong mit eingänglicher Melodie und energiegeladenen Gitarrenklängen. Bei „I Don’t Wanna Miss Anything“ war Tyler sich nicht sicher, welche der sechs aufgenommenen Versionen auf die Platte soll und liess kurzerhand die Fans per YouTube-Likes selber entscheiden. Geschafft hat es die Version mit meistem Garageband-Charakter mit akustischer Gitarre, Vocals und sanfter Perkussion. Zum Dank drehte er das Video im Sepia-Look zu „I Don’t Wanna Miss Anything“ auf seiner Europa-Tournee 2012 im verregneten Paris, das die verträumte Stimmung des Songs wunderbar einfängt.

Tyler Ward hat sich einen ganz eigenen Platz in der Musikindustrie erarbeitet und weiss, wie er die Neuen Medien einzusetzen hat, um Fans zu erreichen und sich neben den grossen Plattenfirmen zu behaupten. Der Begriff Independent Singer/Songwriter erhält eine neue Dimension, denn neben Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier spielen und singen und rappen gleichermassen, gehört zu seinem Job auch die vollumfängliche Selbstproduktion der Songs mit Musikvideodrehs und Selbstvermarktung. Sein Können hat er auf seinem ersten EP-Album unter Beweis gestellt und klar gemacht, er kann mehr, als nur covern. Unverkennbar ist seine Handschrift, die hauptsächlich durch das Zusammenspiel von Gitarre, Orchester, Gesang und Schlagzeug den Songs eine einzigartige Stimmung verleiht.

Künstler: Tyler Ward

Album: Hello. Love. Heartbreak. – EP

Tracks: 1. Raise Up (3:58), 2. The Way We Are (2:52), 3. Dashes (3:54), 4. Keeping Secrets (2:47), 5. Forget to Say No (3:02), 6. I Don’t Wanna Miss This (2:51)

Medium: Digitaler Download

Stil: Pop

Label: Tyler Ward Music

Spieldauer: 19:24

Erschienen: 25. September 2012

(el)


Literaturhinweise:

  1. aNewRisingDesign: Album Review. Hello, Love, Heartbreak. Tyler Ward. http://www.anewrisingmusic.net/2013/03/album-review-hello-love-heartbreak.html (Abgerufen: 26.10.13)
  2. Hemenway, Troy: Tyler Ward: Hello. Love. Heartbreak. – EP. http://completelymainstream.wordpress.com/2013/03/23/tyler-ward-hello-love-heartbreak-ep-review/ (Abgerufen: 26.10.13)
  3. Lanning, Carly: Tyler Ward. Musician & Producer. http://newmediarockstars.com/2013/02/tyler-ward-musician/ (Abgerufen: 26.10.13)
  4. TuneCore: Tyler Ward. I’ve learned that a great song is invaluable. http://blog.tunecore.com/2012/10/tyler-ward-ive-learned-that-a-great-song-is-invaluable.html (Abgerufen: 26.10.13)
  5. Wikipedia: Tyler Ward. http://en.wikipedia.org/wiki/Tyler_Ward (Abgerufen: 26.10.13)

Fussnoten:

Ben Howard: The Burgh Island EP (Universal-Island, 2012).

 

Konzert im X-tra in Zürich vom 9. Dezember 2012. Bild: Jeannine Alice Schmid

Ben Howard am Konzert im X-tra in Zürich vom 9. Dezember 2012. Bild: Jeannine Alice Schmid

EP Cover: Ben Howard - The Burgh Island

EP Cover: Ben Howard – The Burgh Island

Wer ist Ben Howard? Vor fünf Jahren konnten wohl nur Wenige diese Frage beantworten. Die Bekanntheit des britischen Singer-Songwriters beschränkte sich damals auf die britischen Counties Cornwall und Devon, wo Ben Howard im Rahmen zwar kleiner, aber bis auf den letzten Platz ausverkauften Konzerte für Furore sorgte. Von dort aus schwappte seine Bekanntheit allmählich auf das ganze Vereinigte Königreich über. So wurde auch das Plattenlabel Island Records auf den Künstler aufmerksam, bei dem Ben Howard einen Vertrag unterzeichnete. Darauf legte er sein Journalismus Studium auf Eis und katapultierte sich mit Schwung in die Welt der Musik hinaus. Diesen Sommer spielte Ben Howard unter anderem zusammen mit „Mumford and Sons“und „The Vaccines auf dem Phoenix Park Festival in Dublin. Konzerte in den USA, Kanada und Australien waren innerhalb von 30 Minuten ausverkauft.1 Heute, fünf Jahre später, können wohl schon einige mehr eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage, wer Ben Howard sei, geben. Doch trotz des Erfolges, den die beiden von Ben Howard gewonnenen BRIT Awards für British Breakthrough Act und British Solo Male Artist bezeugen, ist der Künstler ein Geheimtipp geblieben.2

Ben Howards Debütalbum „Every Kingdom“, veröffentlicht im Jahr 2011, ist eine Komposition von Klängen der verschiedensten Instrumente, die – geleitet von seiner Stimme und Gitarre – auf unterschiedlichen Ebenen eigenständig funktionieren, aneinander vorbeistreifen, sich kreuzen und schliesslich als Ganzheit in einem Feuerwerk explodieren. Die Texte seiner Lieder sind philosophisch und gesellschaftskritisch („Everything“), es sind Oden an die Trauer oder die Liebe („Gracious“ respektive „Only Love“). Gemeinsam haben alle seine Songs, dass sie sich demjenigen, der gewillt ist aufmerksam zu Lauschen, ins Gedächtnis und ins Herz brennen und dort für immer bleiben.

Während auf dem Album „Every Kingdom“ teils auch herzhaft-fröhliche Lieder wie „The Wolves“ ihren Platz finden, ist die im Jahr 2012 veröffentlichte EP „The Burgh Island“ bedeutend melancholischer und dunkler, was daran liegen mag, dass Ben Howard seine Songs mit einer elektrischen Gitarre zum Leben erweckt. Für „Every Kingdom“ nahm Ben Howard noch meist die traditionelle akustische Gitarre in die Hand. Die vier Lieder auf dieser Platte besitzen eine Intensität, die bis in die Seele eindringt. Sie nehmen einen mit auf eine Reise mit den unterschiedlichsten Zielen: „To be Alone“ führt einen in die Tiefen der Einsamkeit, „Oats in the Water“ in unbekannte Gewässer, „Burgh Island“ nach Hause und „Esmerelda“ zu verlorener Liebe. Die Songs auf dem EP „The Burgh Island“ fesseln das Ohr genauso, wie der Videoclip zu „Esmerelda das Auge. Kurios, beeindruckend und voller Wucht preschen die (Schall-)Wellen auf den Körper und die Klippen ein. Ein rückwärts-laufendes graphisches Meisterwerk, das Ben Howard’s Musik widerspiegelt und ins Maximum verstärkt. Diese Intensität mag von einigen nur mit Mühe zu ertragen oder zu verstehen sein. So können die oft kritischen, traurigen und düsteren Texte und Klänge als depressiv empfunden werden. Vielleicht ist dies mit ein Grund, weshalb Ben Howard noch immer eine Art von Insidertipp ist. Doch auf die Kritik, er mache depressive Musik, meinte Ben Howard an seinem Konzert in Zürich am 9. Dezember 2012 nur mit einem Lächeln: „You know, in my eyes depressing music can sometimes be quite uplifting.“

Weiteres Lesen: www.benhowardmusic.co.ukwww.facebook.com/benhowardmusic

Weiteres Hören: „Every Kingdom“ (2011)

Quellen:

  1. http://www.benhowardmusic.co.uk/news/ <21.10.13> 
  2. http://en.wikipedia.org/wiki/Ben_Howard <21.10.13>