Tracy Chapman: „Tracy Chapman“ (1988)

Dieses Bild einer Frau mit einer Gitarre hat etwas Zeitloses: es zeigt nicht nur eine Folk-Poetin, die die Welt mit ihrer Musik begeistert, sondern auch eine Frau, die die Kehrseite des American Dream beleuchtet – Tracy Chapman.

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„This album was made for the right reasons“1

1988 veröffentlichte sie ihr Debüt-Album und war wesentlich daran beteiligt, die Singer/Songwriter in den Achtzigern wieder ins Rampenlicht zu rücken. Nicht zuletzt wegen ihrem Auftritt an Nelson Mandelas siebzigstem Geburtstag erlangte sie kommerziellen Erfolg und mehrere internationale Platin-Auszeichnungen. Ihr Produzent, David Kershenbaum, sagte gegenüber dem „Rolling Stone“, dass „Tracy Chapman“ ein Album sei, das aus den richtigen Gründen geschrieben wurde, ein Album, das einen grossen Schritt in Richtung der Überwindung sozialer und kultureller Barrieren geleistet habe.

tracychapman-630-80Mit selbst komponierten und schlichten Folksong-Arrangements regen die Songs, nicht nur zum ausspannen und hinhören an, sondern auch zum nachdenken und philosophieren. Wie ein aufgeschlagenes Tagebuch der Achtziger singt Tracy Chapman über häusliche Gewalt, Rassismus, ungleiche gesellschaftliche Chancenverteilung, das Ringen um Anerkennung, Armut und Ausgrenzung, über unterschiedlichste Lasten des Alltags, aber auch über Verständnis und Zusammenhalt. Chapman verbindet ihre Lyrics, die bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben, mit der kraftvollen und zugleich samtenen Stimme und erzeugt eine intime Atmosphäre. Stilistisch bedient sich das Album des Neo-Folks, einer der vielen Retro-Stilen des Alternativerocks. Akustische Instrumentierung mit Gitarren, Trommeln, Flöten, aber auch Synthesizer-Klänge, sind charakteristisch für dieses Subgenre. Verdienterweise findet sich „Tracy Chapman“ nicht nur auf Platz 10 der 100 Besten Alben der 80er Jahre der „Rolling Stone“, sondern hat 1989 auch vier Grammys in den Kategorien ‚Best New Artist’, Best Female Pop Vocal Performance’ und ‚Best Contemporary Folk Recording’ gewonnen. Der Gegensatz von aktuellen, lebensnahen Themen und klassischer Singer-Songwriter Produktion ist, was dieses Album mit Ohrwurmcharakter ausmacht und zugleich die Traditionen mit einer ironiefreien Selbstverständlichkeit in die Gegenwart befördert. (el)

 


Literaturhinweise:

  1. Erlewine, Stephen Thomas: http://www.allmusic.com/album/tracy-chapman-mw0000199023 (Abgerufen: 15.06.2014).
  2. User, http://www.sputnikmusic.com/review/1380/Tracy-Chapman-Tracy-Chapman/ (Abgerufen: 15.06.2014)
  3. Wikipedia.com: http://en.wikipedia.org/wiki/Tracy_Chapman_(album) (Abgerufen: 15.06.2014).
  4. Wikipedia.com: http://en.wikipedia.org/wiki/Tracy_Chapman (Abgerufen: 15.06.2014).

Fussnoten:

Laibach: Across the Universe (1988).

 Das Lied „Across the Universe“ stammt ursprünglich von den Beatles und wurde auf deren Album „Let it be“ im Jahr 1970 veröffentlicht. Paul McCartney und John Lennon schrieben den Song zwei Jahre zuvor in Indien.1 Die Zeilen des Songs sind überaus poetisch und formen als Ganzes ein Gedicht: Fliessende Wörter, Wellen der Freude, Bilder gebrochenen Lichts und ruhelose Gedanken bewegen sich kreuz und quer durchs Universum. Unterbrochen wird der Fluss des Gedichts nur durch das Mantra „Jai Guru Deva (Om)“ einerseits, was mit „glory to the shining remover of darkness“2 übersetzt werden kann, was aus der Transzendentalen Meditation stammt und durch die Aussage „nothing’s gonna change my world“ andererseits. Der angefügte Videoclip zum Lied zeigt Aufnahmen von den Beatles im indischen Rishikesh, unter Anderem beim Guru Maharishi Mahesh Yogi,3 den die Band im Jahr 1967 kennen lernte4 [youtube width=“600″ height=“350″]http://www.youtube.com/watch?v=Tjq9LmSO1eI[/youtube]

Während der Songtext völlig unverändert bleibt, entfaltet die slowenische Band Laibach im Video zu ihrem Cover von „Across the Universe“ aus dem Jahr 1988 eine völlig andere Dimension: Im Zentrum des Clips stehen die Leadsängerin, gekleidet in ein rotes, ans Mittelalter erinnerndes Kleid, und ein vierköpfiger Knabenchor in grüner Militäruniform. Höhlenmalereien, Tonplastiken, projizierte Tierschatten und eine künstlerische Skifahrerszene bilden den ersten Teil des Videos. Danach folgt ein zweiter Teil, bei dem ein dahinhüpfender Frosch durch ein Stiefelpaar auf Metallspringfedern zerdrückt wird. Dann kommen an Silchfäden aufgehängte Tiefseefische vor einer Meereswellen- und später Sternenhimmelkulisse ins Bild um dann abgelöst zu werden von der Sängerin in rot, die zwischen Pfützen und Wasservögeln stehend ihre Vocals performt. Der dritte Abschnitt des Clips besteht aus einem Skispringer im Flug und einer sich drehende Weltkugel – alles in schwarz-weiss. Der krönende Schlussteil zeigt einen schwarz-rot gekleideten Ritter in Naziuniform, der knatternd den letzten Ton des Liedes („Om“) von sich gibt. Diese Bilder stehen in grösst möglichen Kontrast zu denjenigen aus dem Video der Beatles.

Laibach zeichnete sich von Anfang an durch ihre interdisziplinarische Gesamtkunstwerk-Praktik aus. Durch ihre Bezüge auf avant-garde, Nazis und sozialen Realismus innerhalb ihres Kunstschaffens, erzeugten sie Kontroversen, die starke Reaktionen seitens politischer und staatlicher Autoritäten provozierten. Zudem griffen sie mit ihren Auftritten in Uniform das Thema der De-Individualisierung im existierenden System auf. Laibach erfand und definierte auch den Begriff „retro-avant-garde“. Mit diesem hinterfragten sie Inbesitznahme, Zitieren und Copyright, was sie in ihrer ad absurdum geführten Coverversion von „Across the Universe“ galaktisch gut demonstrieren.5.

Quellen:

  1. http://en.wikipedia.org/wiki/Across_the_Universe <18.11.13>
  2. http://www.introtomeditation.com/jaigurudeva.html <18.11.13>
  3. http://en.wikipedia.org/wiki/Transcendental_Meditation <18.11.13>
  4. http://www.beatlesbible.com/songs/across-the-universe/ <18.11.13>
  5. http://www.laibach.org/bio/<18.11.13>