siehe Impressum

Dem Denken auf der Spur – Backup von Google+ Thread

Herfried Münkler: Wann kippt der Stolz auf das eigene Land in die Angst, das Eigene zu verlieren?. NZZ, 26.1.19.
Wer selbstbewusst ist, kann anderen souverän begegnen. Das gilt für Individuen und Staaten gleichermassen. Wessen Selbstbewusstsein jedoch schwächelt, klammert sich an Selbstbehauptung. Es ist die typische Position von Verlierern.

Alleine sitzt der Rabe, die Möwen kreisen im Schwarm – die Frage nach der Heimat bringt auch das Problem des Kollektivs. (Bild: Goran Basic / NZZ)

Alleine sitzt der Rabe, die Möwen kreisen im Schwarm – die Frage nach der Heimat bringt auch das Problem des Kollektivs. (Bild: Goran Basic / NZZ)

Christoph Eisenring: Ist Deutsch dem Wohlstand zuträglicher als Italienisch?. NZZ, 10.1.19

Sprachstrulturen prägen das Denken und die Kultur – Benjamin Lee Whorf reloaded!

Kinder, die eine Sprache sprechen, die die Zukunft im Präsens formulieren kann („Es regnet morgen“ vs. „Es wird morgen regnen“) seien zukunftsorientierter als andere. Im zweisprachigen Meran haben Forscher Belege für diesen Zusammenhang gefunden.

Roman Bucheli: Die Welt darf getrost noch etwas unübersichtlicher werden. NZZ, 12.9.2017
Man mag das alte Lied schon gar nicht mehr hören, dass wir in komplexen, beschleunigten Zeiten leben und darum zu bedauern sind. Das Gegenteil ist der Fall. Wir müssten uns darüber freuen.

Stellen Sie sich vor, sie sollen das Ziel 10 erreichen, statt wie bisher 8. Das werden Sie nie schaffen, wenn Sie sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, 20 zu erreichen oder 50.

Guter Gedanke – statt auf Philosophen zu hören, die die (post-)moderne Welt als beschleunigte und unübersichtliche analysieren, drehen wir die Sache doch mal um: die Welt kann noch viel unübersichtlicher werden. Denken Sie doch einmal daran, eine Stufe zuzulegen. Wenn Ansprüche an Sie gelangen, diese nicht abzuwehren, sondern zu übertreffen. Drücken Sie mal aufs Gas!

Slavoj Žižek: Die Revolution findet doch statt, nur anders. NZZ, 26.6.2017
Trotz blinden Flecken im Auge des Philosophen: Auch Linke sollten die Werke des Philosophen von Karlsruhe lesen.

Der Philosoph Slavoj Žižek in einer Aufnahme aus dem Jahr 2014. (Bild: Andy Miah)

Der Philosoph Slavoj Žižek in einer Aufnahme aus dem Jahr 2014. (Bild: Andy Miah)


Über Peter Sloterdijks «Zorn und Zeit», diese interessante Verkehrung des gewohnten Denkens, dass es neben dem Begehren auch einen Stolz gibt.
Der Stolz, will nicht haben, sondern geben, aber wenn er verletzt wird wird er zornig. Der Zorn lebte in der griechischen Mythologie und in alten Religionen noch in vollen Zügen: die Mächtigen, die Titanen, die Götter waren zornig mit Blitz und Donner! Im Christentum wurde der Zorn dann sublimiert, aufgeschoben bis zum jüngsten Gericht. bei linken Parteien und Gruppierungen wird der Zorn der Benachteiligten verwaltet. Man nennt das auch Agitation. Der Zorn der Frustrierten und Gedemütigten wird geschürt und in Richtung der unterdrückenden Machthaber gelenkt. der Zorn wird für die Revolution instrumentalisiert. Doch heute ist nicht mehr klar, wer diese Träger der Revolution sein sollen – die Migrantinnen und Migranten etwa?

Die Kunst des guten Lebens: Wir Hasardeure. NZZ, 17.6.2017 – online nicht mehr verfügbar
Würfel, Postleitzahl und Überstunden

Ilija Trojanow: Einladung zur Weltliteratur: Runter vom Montblanc. NZZ, 26.5.2017
Er lese, um überrascht, herausgefordert und geschockt zu werden, schreibt der Schriftsteller Ilija Trojanow. Er plädiert für mehr Neugier und Leidenschaft im Umgang mit Literatur aus aller Welt.

Ein Artikel über Aufmerksamkeitsdefizite und Wahrnehmungsverzerrungen bei der Kanonisierung von Literatur. Dasselbe passiert in der Musik oder der Wissenschaft (und vermutlich in anderen Kunstarten). Der Mensch zeigt borniert oder ungewollt Tendenzen zum Chauvinismus.

Florian Aigner: Glaube nicht alles was du denkst!. Futurezone, 16.05.2017
Die 68er-Bewegung hat uns beigebracht, Autoritäten zu hinterfragen. Das ist schön, nützt aber wenig, wenn es dazu führt, dass sich alle selbst für unfehlbar halten.

Rolf Dobelli: Wir Meinenden. NZZ, 27.5.2017
Alle von uns haben zu allem und jedem sogleich eine klare Ansicht. Warum bloss? Meinungslosigkeit ist kein Zeichen von Dummheit, sondern von Intelligenz. Und sie macht glücklich.

Bild: El Bocho

Bild: El Bocho


«Aber Sie müssen doch eine Meinung haben!» «Nein, muss ich nicht. Das Thema liegt in meinem ‹zu kompliziert›-Eimer.»

Ich wage zu behaupten, dass 99 Prozent Ihrer Meinungen schlicht überflüssig sind.

Erst wenn Sie selbst Ihre Gegenposition ebenso eloquent vertreten können, haben Sie sich Ihre Meinung wirklich verdient.

Fazit: Je weniger vorschnelle Meinungen Sie haben, desto besser wird Ihr Leben sein.

Band vs. DJ

Wir schätzen es, wenn auf der Bühne eine Band steht, wenn wir diesen Menschen beim Spielen ihrer Instrumente zusehen können. Vor fünfzehn Jahren hatten wir es ziemlich satt, Bedroom-Produzenten auf der Bühne zu sehen, die an den Knöpfen ihres Laptops oder Equipments drehten.
Doch der Widerspruch wurde im elektronischen Indiepop nie wirklich produktiv gelöst. Es reicht ein Rechner plus Software, um prima Musik zu machen. Wenn jetzt aber eine Electronicpop-Band auf der Bühne steht, die Musik spielt, die auch ein DJ laufen lassen könnte, dann langweilt mich das auch. Warum der Aufwand? Eine Band muss etwas zu bieten haben, was erkennbar über Laptopmusik hinausgeht. Das kann instrumentale Virtuosität sein, kann aber auch in der Interaktion zwischen den Bandmitgliedern bestehen. Wo diese/solche Elemente fehlen, gehört die Musik zurück in den Laptop und weg von der Bühne.

Wissen und Raum

Musikzimmer erhält ein Wissenssystem, das Cabinet. Deshalb mache ich mir immer wieder Gedanken zur Frage: «Was ist Wissen?» Das ist eine alte Frage, die mich, seit ich qualifiziert zu denken begonnen habe, begleitet.

Wissen als Feld – ist natürlich eine Metapher. Sie zeigt an, dass wir das, was wir «Wissen» nennen, gerne verräumlichen. Durch die Verräumlichung scheint es handhabbar zu werden: vorstellbar, denkbar, kommunizierbar, darstellbar. Aber Wissen ist ein komplexer, ein philosophischer Gegenstand.

Metapher «Feld». Das Feld des Wissens wird kartografiert. Hat zwei Dimensionen mit x- und y-Koordinaten. Oder es hat ein Zentrum und von ihm aus sind verschiedene Orte radial und über ihre Distanz zum Zentrum bestimmbar.

Wissenskarten: Quelle meyerbuch.com

Wissenskarten: Quelle meyerbuch.com

Das Feld kann auch dreidimensional sein. Wir müssen, wie in guten geografischen Karten üblich, Höhenlinien einzeichnen.

Aber was bedeuten diese Dimensionen im Fall des Wissens? Und wie viele Dimensionen hat Wissen? Eine, zwei, drei, vier, n?

Eindimensional sind Listen. Mnemotechniken, die mit Zahlen funktionieren und Zahl-Bilder. Man kann sich so eine Geschichte merken. «Das, dann das, dann das, dann das und schliesslich das.»

Zahl-bilder: Quelle: http://www.zmija.de/mnemotechnik

Zahl-bilder: Quelle: http://www.zmija.de/mnemotechnik

Zweidimensional sind die allenthalben beliebten Tabellen und Matrizen:

Marketing-/Marktstrategien, Quelle: produktmanager.biz

Marketing-/Marktstrategien, Quelle: produktmanager.biz

Bei Niklas Luhmann in der Wissenssoziologie gibt es die drei Wissens-Dimensionen: zeitlich, sachlich und sozial. Seine Vorstellung war, dass Wissen kommuniziert sein muss, um zu existieren. Das ist heute wohl common sense, wenngleich man ergänzt, das es ein know-how gibt, ein Wissen, wie man etwas tut, ohne dass man über dieses Tun einen wissenschaftlichen Report schreibt. Wissen ist Kommuniziert und als Kommunikation kann man es

  • in einem bestimmten sozialen Feld festmachen (in bestimmten Institutionen wie der Wissenschaft, in bestimmten Organen wie einer Zeitschrift usw. – wieder die Feldmetapher, sie stammt hier von mir),
  • zu einer bestimmten Zeit feststellen (nach und vor anderen Kommunikationen) und
  • als Kommunikation zu einer bestimmten Sache identifizieren.

Wenn Wissen sich in einem Text als einem Kommunikat manifestiert, dann sind Textstrukturen vielleicht eine Art Karte des Wissens – ein  Template, eine leere Struktur.

Superstruktur der Textgattung «News»/«Nachricht»

Superstruktur der Textgattung «News»/«Nachricht» – Quelle: journals.tdl.org

 

Den praktikabelsten, simpelsten, weil eindimensionalen Ansatz, das Wissen zu verräumlichen, haben Bibliotheken mit ihren Ablagesystematiken geschaffen; Stichwort: Bibliotheksklassifikation.

Klassifikation, Quelle: hu-berlin

Klassifikation, Quelle: hu-berlin

Bibliotheksklassifikationen sind wie das Inhaltsverzeichnis eins Buches, nur existieren sie eine Ebene höher, weil sie Bücher klassifizieren und damit eine Ordnung des Wissens schaffen, wo Inhaltsverzeichnisse das Gegenstandsfeld einer wissenschaftlichen/thematischen Arbeit klassifizieren und damit Ordnung in diesem Feld schaffen (und im Kopf des Autors und seiner geneigten Leserschaft). Eines ist klar: Es existiert eine Vielzahl solcher Klassifikationssysteme. Spätestens seit Foucault weiss man, dass solche Klassifikationen beliebig/arbiträr sind, aber auch struturelle Macht ausüben, wenn sie zu ernst genommen werden, ja schon wenn sie institutionalisiert werden. Im schlechten Fall bringen sie sogar gesellschaftliche Missstände und Ungerechtigkeiten hervor. Einteilungen wie roh/gekocht, Mann/Frau, Herr/Knecht, Kopf/Hand sorgen für Stoffe unzähliger Seminare.

Dennoch. Die Welt einzuteilen, macht Lust. Genau wie das Sammeln der Vielfalt dieser Welt. Sammeln, kennen, wissen! Und so ist ein Kategorienbaum der Populären Musik entstanden, der hier verzeichnet ist. Zu den einzelnen Kategorien werden mit der Zeit Stichworteinträge entstehen und zu den Stichworten wird es Playlisten, Sammlungen und Literaturlisten geben. Ein Beispiel ist der Eintrag zur Kategorie «Songwriter-Produzent», der eine Erklärung des Begriffs und verlinkte Vertreter dieses Musikertyps enthält.

Für diesen Kategorienbaum habe ich eine durchaus pragmatische Dreiteilung gewählt in Grundlagen (beliebt an erster Stelle im Baum des Wissens – siehe Illustration oben), Geschichte und Systematik (diese Unterteilung in Einzelwissenschaften sehr beliebt – ich koche mit Wasser).

Natürlich fühlt sich die Einteilung vorläufig an, aber sie kommt nicht aus Nichts. Sporadisch habe ich mich im Zeitraum von mehr als einem Jahr damit auseinandergesetzt. Ich wollte die Themen aller mir verfügbaren Lehrbücher noch berücksichtigen und einbauen, habe das aber aus ökonomischen gründen wieder fallen gelassen. Einen sachlichen Grund gibt es auch: die Lehrbücher sind meist Geschichten der Pop- oder Rockmusik, d.h. in sich historisch und nicht systematisch geordnet. Hier muss man Diedrich Diederichsen nennen, der mit seinem Buch «Über Pop-Musik» eine der wenigen sowohl neueren als auch umfassenden Versuche vorgelegt hat, Popmusik zu systematisieren (Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2014).

Meine Klassifikation hat Eigenheiten: zum Beispiel das Gewicht das ich der Generationentheorie gebe, weil sie für mich in sozialer Hinsicht Geschichte konstituiert (wie die Ästhetik in sachlicher Hinsicht).

Rock und Pop

Wie die beiden Begriffe «Rock Music» und «Pop Music» im «Corpus of Historical American English» repräsentiert sind (klicken Sie auf die Bilder in der Gallerie):

Falls die jeweils etwa 150 Verwendungsnachweise genügen, um aussagekräftige Schlüsse zu ziehen, dann würde ich sagen:
Rock wird erst ab den 70er Jahren thematisiert – die wenigen Verwendungen in den 50ern stehen vermutlich als Kurzbezeichnung für Rock ’n‘ Roll. Von den 70ern bis zu den 90ern wurde häufig von Rock gesprochen, dann nimmt es wieder ab. Diese drei Jahrzehnte sind die Zeit, in der dieses Musikgenre blühte. Man müsste allerdings noch neuere Zahlen haben, um definitive Schlüsse zu ziehen.

Bei der Popmusik ist es anders. Sie wird seit den 50ern thematisiert, wird aber seit den 90ern am häufigsten verwendet. Die 60er Jahre galten als Pop-Jahrzehnt, aber damals war Pop nicht so ein Thema im öffentlichen Diskurs. Dann natürlich die 80er. Eine klassische Popdekade, die in die 90er hinein anhält (wegen Britpop). Die neueren Verwendungsnachweise sind vermutlich so zahlreich, weil Pop zum öffentlichen Thema wurde. Ich nehme an, die Zahlen steigen in den 10er Jahren noch mehr an.

Musikerbiografie fürs Schulbuch

Roger McGuinn Gründungs- und Langzeitmitglied  bei den Byrds sagt in einem Interview, das Mojo Magazine in der April-Ausgabe 2017 abdruckt: «I didn’t pay much attention to music until I heard Heartbreak Hotel. The transistor radio had just come out and I’d ride my bike around Chicago and listen to it. It was the drama of the song – and that really fabulous echo. I asked for a guitar after I heard it and got one.» (p. 44).

Es klingen gleich mehrere Themen in dieser Aussage an, die aus dem Geschichtsbuch zur Populären Musik, dem Kapitel «Rock ’n‘ Roll» stammen könnten:

  1. Von Elvis Presley geht eine magnetische Kraft aus: Wer ihn als junger Mensch hört, wird mitgerissen. Einige greifen selbst zu einer Gitarre und aus diesen Jungs rekrutieren sich die Rock-Musiker der nächsten Generation.
  2. Man hört Rock ’n‘ Roll im Transistorradio. Dieses neue Gadget gibt Teenagern ein eigenes Medium (während die Familie vor dem TV versammelt ist) und dieses ist mobil, d.h. es kann im Auto und unter der Bettdecke gehört werden, an Orten, die entweder ganz privat sind oder an denen Jugendliche unter sich sind.
  3. Das Echo von Heartbreak Hotel war ein Sound-Merkmal, das viele Rock-’n‘-Roll-Stücke gemeinsam hatten. Slapback-Echo, erzeugt durch eine zweite Tonbandmaschine oder das Echo aus dem Echo-Raum des Aufnahmestudios, ergaben einen «Signature Sound» von Rock ’n‘ Roll.

Vielfalt abfeiern, auf der Suche nach dem Menschen, dem Nichts, dem Alles

Aller Vielfalt und aller scheinbaren Ungeordnetheit [unterliegt] ein verborgenes System […], dass der, der richtig schaute, diese Ordnung erkennen und nutzen konnte und dass der, der gelernt hatte, sie zu nutzen, sich die fließenden Übergänge zwischen den Zuständen undElementen gefügig machen konnte. Dies war die Grundidee einer Disziplin, die grosse Verwandtschaft mit der Welt der Wunderkammern hatte: die Alchemie. (P. Blom, S. 65)

Mein Musikraten vom 6. März 2017 steht Unter dem Motto: «Vielfalt abfeiern, auf der Suche nach dem Menschen, dem Nichts, dem Alles». Dieser Titel kommt mit einem Augenzwinkern daher, aber birgt wie jeder Humor ein Stück Ernsthaftigkeit: Als Sammler bin ich unheilbar an Musik interessiert. Nun gibt es aber verschiedene Arten von Sammlern. Leute, die alles von den Beatles haben wollen, alles von Kate Bush. Dagegen bin ich jemand, der an der musikalischen Vielfalt interessiert ist: alte populäre Musik (Traditionalpop) und auch Gegenwartsmusik (urbane Genres wie Trap, Gqom, Footwork), Musik zum Zuhören aber auch Musik zum Tanzen, Vokalmusik aber auch Instrumentalmusik – das ganze Feld. Als enzyklopädischer Sammler glaube ich, dass die Vielfalt meiner Sammlung ein «Ganzes» ergibt. Dieses «Ganze» bleibt immer unvollständig aber auf es habe ich es abgesehen. Es ist das Ganze der Möglichkeiten des menschlichen Ausdrucks im Feld der populären Musik.

Philipp Blom: «Sammelwunder Sammelwahn. Szenen aus der Geschichte einer Leidenschaft»

Philipp Blom: «Sammelwunder Sammelwahn. Szenen aus der Geschichte einer Leidenschaft…. Deutsche Ausgabe von 2014, dtv

Ich habe auf der Suche nach Selbstvergewisserung und als Vorbereitung auf ein Podiumsgespräch im vergangenen Herbst ein Buch über das Sammeln gelesen, das ich empfehlen kann: Philipp Blom «Sammelwunder, Sammelwahn». Darin legt der Autor dar, wie Menschen in verschiedenen Zeiten gesammelt haben. Im Mittelalter haben nur die Kirche und die Könige/Fürsten gesammelt. Ihre Sammlungen hatten in der Regel mit dem christlichen Glauben zu tun, der im Mittelalter eine wichtige Rolle im leben der Menschen spielte: Reliquien wurden angehäuft, Kunst, die allegorisch auf Gott verwies: Heiligenbilder, Illustrationen von Bibelszenen. In der Renaissance begannen Menschen sich als Wissenschaftler zu betätigen. Sie sammelten Dinge, die sie in der Natur fanden. Steine, Pflanzen, Tiere usw. Sie lernten diese vergänglichen Dinge zu präparieren, um sie dem natürlichen Zerfall zu entziehen. So sammelten sie zunächst kuriose Objekte (vermeintliche Drachen), seltene und exotische Objekte, die nur auf abenteuerlichen Entdeckungsfahrten in anderen Weltgegenden zu finden waren (Flora und Fauna aus aller Welt). Aus der Tätigkeit einiger besessener Sammlerinnen und Sammler (man muss allerdings feststellen, dass es meist Männer sind) sind Museen, Bibliotheken, botanische und zoologische Gärten und Archive entstanden.

Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Logiken, wie man sammeln kann: Eine Sammlung kann eine Enumeration, eine Aufzählung sein. Das Wesentliche an dieser Logik ist, dass Stücke dazukommen: und noch eins und noch eins, bei gewaltigen Sammlungen noch hundert und noch tausend. Eine ganz andere Logik ist Sammlungen. Man sammelt partitiv. Jedes neue Stück in der Sammlung ist ein weiterer Teil des Ganzen.
Sammlungen haben es in letzter Konsequenz immer auf das Ganze abgesehen. Jedes Sammelstück ist ein Teil eines freilich unbekannten Ganzen: Gott, der Mensch, das All, das Universum, der Kosmos, die Natur. Das unbekannte und unfassbare Ganze wird angestrebt, ohne dass man es je erreichen könnte, es wird mitgedacht, ohne dass es deutlich begriffen wird. Ein einzelnes Sammlungsstück ist ein Teil dieses Ganzen, es ist ein Individuum (kann nicht weiter geteilt werden) aber ist selbst ein Teil des Ganzen. Das Individuum genügt sich selbst in vielfacher Hinsicht nicht: Es kann nur im Zusammenhang mit anderen Individuen wahrgenommen oder verstanden werden und letztlich nur vor dem Hintergrund des Ganzen: Dies ist ein Cover von dem. Dies ist ein Song, der von dem und dem komponiert worden ist, der auch das und das komponiert hat. Ein feingliedriges Netz von Zusammenhängen spinnt sich durch die Sammlung (und durch die Welt). Das Netz ist die beste Beschreibung des Ganzen, die ich geben kann. Es ist dieses Alles oder das Nichts, das ich als Sammler suche und das im Titel des nächsten Musikratens nenne.

The Difficulties Of Preserving Digital Music – MTT – Music Think Tank

BY: DAN SARATH

media, as we are all aware, is becoming increasingly rare in the digital age. In the first half of 2015, sales of CDs dropped once again, this time by over 30%, while the number of Spotify subscribers topped 20 million. The gap between people who stream or download music online and those who continue to buy actual CDs is enormous, and for a great many reasons too. Among them are the fact that streaming an album is ultimately less expensive, it can allow music to be easily synced with your other devices, and it allows you to manage a vast music collection without taking up any space.

Source: The Difficulties Of Preserving Digital Music – MTT – Music Think Tank

Offener Brief von Bill Goldsmith an David Byrne

Radio Paradise Betreiber Bill Goldsmith bittet David Byrne in einem offenen Brief um Unterstützung für Webcaster, die wegen einer Entscheidung des CRB unter lebensbedrohenden finanziellen Druck geraten.

Das Copyright Royalty Board setzt in den USA Lizenzen fest, die zum Beispiel Radiobetreiber zu zahlen haben (siehe: Wikipedia-Artikel). Das Board hat die Royalties (Lizenzabgaben) für Webcasters wie das weltweit beliebte Radio Paradise oder das renommierte WMFU aus New York wieder einmal erhöht, was solchen unabhängigen Radiosendern den Schnauf nimmt. Webcasts bieten für unabhängige Radiostationen die Möglichkeit nicht nur lokal sondern weltweit zu operieren. Radio Paradise finanziert sich durch Hörerbeiträge und ist mit viel Passion gemacht. Es ist nicht anzunehmen, dass die Macher, das Ehepaar Goldsmith dabei reich werden. Solche Radiostationen stehen in der Tradition freier Radios und College-Stationen. Diese sind die einzigen weitgehend formatfreien Radios abseits vom Einheitsbrei, den man normalerweise bei kommerziell betriebenen Radiostationen findet, und eine wichtige Plattform für Indie-, Alternative- oder Underground-Bands, am Radio gespielt zu werden und so ihre Hörerschaft zu erweitern.

David Byrne ist einer der Vorsitzenden von SoundExchange, der Nonprofit-Organisation, die dafür verantwortlich ist, dass die Royalties an die Rechteinhaber (Labels) zurückfliessen und richtig verteilt werden (siehe: Wikipedia-Artikel)

Michael Fehr: Simeliberg

Interessante und anregende Rezension des aussergewöhnlichen Poesie-Krimis des Schweizer Autors Michael Fehr «Simeliberg» von Marino Ferri auf seinem Blog Bücherrezension. Blog für europäische Gegenwartsliteraturen.

Ich habe das Buch selbst gelesen. Es hinterlässt starke Bilder, die tatsächlich in Schwarz-Weiss gezeichnet sind, wie Marino feststellt. Definitiv kein easy-reading, aber eine herausragende Auseinandersetzung mit der Schweiz von heute und der Schweiz überhaupt.

Im Titel klingt einer der zwei Orte aus dem schönsten Schweizer Volkslied an. Der Text von Michael Fehr mit seiner auffälligen, zerhackten SMS- oder Vers-Form kann man als Musik hören wollen. Diese klingt, wie könnte es anders sein, auch nicht wie Easy-Listening.

Die Version des Lieds von Fräkmündt klingt jedenfalls schöner als das Buch sich liest:


Fräkmündt: Simelibärg (Musikvideo) 2013. https://www.youtube.com/watch?v=75P24rxdmUw (Abgerufen: 27. Januar 2016)

Die Fräkmündt-Version des Lieds enthält jedenfalls Kontraste und verstörende Elemente. Vielleicht gar nicht so abwegig diese Interpretation mit dem Buch von Fehr zu vergleichen.

Was am «Guggisberglied» auffällt und was seine textliche Schönheit ausmacht: dass es vieles ungesagt lässt,
wie dieser Text
und dass es (statt dem Fehrschen Schwarz-Weiss) ein Hier und Drüben gibt
Berge, die das hier vom drüben trennen
aber auch das Hier ein Berg und das Drüben ein Berg
und irgendwo eine Tiefe, in der das Rad des Lebens dreht,
so lang ES will
und dass es unergründlich ist,
warum es dreht
und warum nicht mehr.

Als SchweizerIn hält man das für traurig
Als SchweizerIn leidet man am Rad und an den Bergen
und wenn man den Bergen fern ist: la maladie Suisse

So steht es jedenfalls geschrieben und so wird es gesungen.

Why Fans Pay For Streaming Music And What Makes Them Convert From Free [STUDY] – hypebot

Eine Umfrage zeigt, warum Free-Trial-User von Streaming Services zu zahlenden Usern konvertieren .:

Why Fans Pay

Source: Why Fans Pay For Streaming Music And What Makes Them Convert From Free [STUDY] – hypebot

Was mich erstaunt: Werbefreiheit ist wichtiger als die Möglichkeit, die App auf Mobilgeräten zu benutzen. Dabei wird von der jungen Generation häufig gesagt und geschrieben, dass sie sich an die Vermengung von Werbung und Content gewöhnt habe. Offenbar sind doch fast ein Drittel der Leute für das Thema sensibel!

Schauen Sie sich den ersten Grund mal genau an! Er ist schwach. Man könnte fast vermuten, die Leute wissen nicht, warum sie zahlen. Das ist gefährlich, weil sie genau so leicht wieder abspringen können. Spotify et al. müssten hier vermutlich mehr kaufbestätigende Werbung machen. Verkäufertraining, Basiskurs! Sag dem Kunden, warum er eben das für ihn beste Produkt gekauft hat und warum er die Kaufentscheidung so getroffen hat.