HAIM und Fleetwood Mac

Wer hat damit angefangen?

HAIM, der Sister-Act aus Los Angeles, der diesen Sommer verdientermassen in aller Munde ist, wird immer wieder mit Bands verglichen, die am Ende der 70er Jahre sehr erfolgreich waren, mit den Eagles oder Fleetwood Mac. Wer hat damit angefangen?

Diese Woche wurde der neue Track The Wire bei Stereogum wie folgt beschrieben:

Cali sisters HAIM have yet to release an LP, but when they do, the thing is gonna be an absolute destroyer. The band’s singles just get better and bigger with each subsequent release, and “The Wire” — which premiered today on Zane Lowe’s BBC show — is their most robust and confident track to date: It has the lushness of Fleetwood Mac and the swagger of the Pretenders over a drum track borrowed from Gary Glitter or T. Rex, with a studio-enhanced density of sound that stands up next to Ke$ha’s most frenetic and ambitious material. It’s a fucking great, great song. Listen. – Quelle: Stereogum (29. Juli 2013)

Dann kam der Track bei Stereogum in die fünf besten Songs der Woche und wurde wie folgt beschrieben:

It’s hard to talk about “The Wire” without throwing out a bunch of comparisons that make HAIM sound fussily retro-minded: Fleetwood Mac, the Pretenders, and (as was pointed out to me) the Eagles. And yeah, all those comparisons are earned and accurate. But “The Wire” never feels old or overly reverent; instead, it’s one of the freshest, funnest things to be released this summer: all head-bobbing handclaps, lite bass drops, funk guitar wah, string stabs, and vocal mini-runs over an infectious melody. Sisters Danielle, Alaina, and Este Haim trade vox on the verses like tag-team wrestlers, and come together in a rush of harmony on the bridge. It’s pure energy, really, pure joy. – Quelle: Stereogum (Autor: Michael, 2. August 2013)

Nun aber zu meinem Problem: Ich höre weder Fleetwood Mac noch die Egales (höchstens das Schlagzeug aus Heartache Tonight, aber das ist weit her gezogen). Es regt sich mir der Verdacht, dass hier bei einem Act, dem der Erfolg des ersten Albums jetzt schon sicher ist, der Megaerfolg herbeigeredet wird. Fleetwood Mac und die Eagles meinen hier nur «höchste Verkaufszahlen in der Rock-Geschichte» – oder hören Sie den Zusammenhang vom HAIM-Sound und Fleetwood Mac?

Die Eagles-Connection wurde dem Autor offenbar zugeflüstert «(as was pointed out to me)». Der Text vermerkt es: Es handelt sich um Rumours. Bei Fleetwood Mac soll der Zusammenhang in der Üppigkeit des Sounds bestehen («the lushness of Fleetwood Mac»). Sorry, das spricht immer noch nicht zu mir und irritiert weiter. Was wird da herbeigeredet? 40 Millionen verkaufte Tonträger? Was sollen die drei Schwestern da für Wunder bewirken?

Lese ich doch diese Woche auch, dass die Schallplattenverkäufe in den USA ein Rekordtief erreichten: Zum ersten Mal seit 1991 (das ist seit Nielson SoundScan die verkäufe sondiert), d.h. wahrscheinlich seit viel, viel früher, fielen die Verkäufe in fünf aufeinander folgenden Wochen auf unter 5 Millionen Stück (siehe: U.S. Album Sales Hit Record Lows, Hypebot, 2. August 2013).

Konklusion: Den Zusammenhang zwischen der immer noch krankenden Musikindustrie und den Pressetexten über HAIM (falls das die Quelle ist) halte ich für grösser als der Zusammenhang zwischen HAIM- und Fleetwood-Mac-Sound.

Nachbemerkung: Wenn ich eine der HAIM-Schwestern wäre, dann wäre ich beleidigt, dass meine frische Musik so tief in der Musikgeschichte verwurzelt wird. Ich würde drauf bestehen wollen, dass das neu ist, was ich mache. Aber die Zeiten wollen von einem Act, der ein Megaseller wird, dass er Retro oder Revival ist, wie zum Beispiel Adele. Auch wenn die Sache neu klingt, muss sie an der Geschichte angeknüpft und in einem möglichst goldenen Zeitalter verortet werden. Auf Teufel komm raus.

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