Zum Unterschied von Retro und Revival in analytischer Hinsicht

Das Metropolitan Museum of Art veranstaltet gegenwärtig eine Ausstellung zu Punk: Chaos to Couture. Für die Ausstellung wurden die Sex Boutique von Vivienne Westwood und Malcolm McLarren sowie das Klo des CBGB’s nachgebaut. Die Hakenkreuze fehlen offenbar und wurden durch Totenköpfe ersetzt.

Der Unterschied von Retro und Revival in analytischer Hinsicht ist folgender: Revival revitalisiert, macht (wieder) lebendig, was nicht mehr lebendig ist, Retro hingegen geht zurück nimmt alte Formen und Ideen wieder auf, weil die frühere Zeit, die diese Ideen hervorgebracht hat, eine bessere Zeit war.

Wenn nun also die Ausstellung im MET Räume der Punk-Zeit ins Museum stellen bzw. nachbauen, dann ist das ein Beispiel für Retro statt Revival. Ihr fehlt wie Andrea Köhler in der NZZ feststellt, die Imaginationskraft. Ein Revival wäre hingegen eine Angelegenheit der Fantasie und der Einbildungskraft.

Jetzt kann man sagen, ein Museum sei nicht da, um neue Kunst zu schaffen, sondern um die Kunst, die früher entstanden ist, wahrheitsgetreu zu dokumentieren. Dann müssten aber auch die Hakenkreuze gezeigt werden, statt sie zu tabuisieren.

Beide, Retro und Revival, greifen dort an, wo die Bedeutung kultureller Zeichen allmählich verblasst, wie das immer dar Fall ist. Wenn die Löcher in der Kleidung oder die Sicherheitsnadeln als eine unter vielen Jeansvarianten angeboten werden, wissen die Käuferinnen und Käufer schon heute, fast 40 Jahre nach Punk nicht mehr, woher das kommt und was es bedeutete. Dieser natürliche Prozess kann als Sinnverfall beklagt werden (und wird es auch oft). Retro und Revival können diesem Verfall entgegen arbeiten, wobei Retro wieder in analytischer Hinsicht konservativ bewahrend und Revival kreativ erneuernd wirken.

zum Weiterlesen: Artikel in der NZZ von Andrea Köhler (3. Juni 2013)

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