Garagerock- und Postpunk-Revival anders gedacht

In der (Alternative-)Rock-Musik gibt es in den Noughties, den Nullerjahren, zwei Retro- oder Revival-Megatrends: Garagerock-Revival und Postpunk-Revival. Beide trugen zum Beispiel dazu bei, dass Alternativerock wieder von grossstädtischen Hipsters gehört wurde, wo diese ein paar Jahre zuvor noch in der elektronischen Tanz- und Listening-Musik «immerdiert» waren (es gibt dieses Wort natürlich nicht, es müsste es geben, weil ich «völlig in etwas eingetaucht-sein» sagen will). Man lebte in einer Clubkultur und in den Clubs lief in den 90er Jahren ausschliesslich elektronische Musik.

Vielfach werden die beiden Revival-Megatrends als Retro-Phänomen wahrgenommen, als konservativer Backlash einer neuen Generation, die nur noch mit den Ideen hausierten, die Ihre Eltern haben mochten als sie noch jung waren, anstatt etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

Doch vielleicht kann man das anders denken: Es gab eine Sehnsucht nach Leuten, die ein Instrument spielen, statt wie die DJs nur an ein paar Knöpfen drehen (und dazu manchmal mit ihren Gesten Zauberlehrling-gleich vorgaben, sie kontrollieren Musik und tanzende Masse zugleich). Vielleicht waren die beiden Revivalgenres mehr ein Neuanfang als eine Wiedergeburt.

Vielleicht ist die Namensgebung für diese Genres missglückt. Vielleicht ist die Namensgebung mehr an den radikal neuen medialen Bedingungen orientiert als and er Beschreibung der Musik! Ich meine, dass «Revival» ja die Tatsache bezeichnen könnte, dass jetzt Archive da waren (damals noch private Archive, die im Rahmen von Mailinglisten und Filesharing gewachsen sind), in deren Kraftfeld die neue Musik entstanden ist. Wenn das nämlich so wäre, dann wären die neuen Genres keine Rückwärts-Wendungen, wie es Rückwärtswendungen früher gab, von Leuten in Szene gesetzt, die der Überzeugung waren, dass die früheren Zeiten und ihre Musik besser waren als die Gegenwart und die Gegenwartsmusik. Aus solcher Nostalgie kamen Rockabilly-, Ska-, Mod- und frühere Garagerock-Revivals zustande.

Man müsste diese Hypothese untersuchen, man müsste in Bandinterviews, bei Auftritten schauen, ob da Nostalgie als Motiv genannt wird, ob Inszenierungen vorliegen, die als nostalgisch bezeichnet werden müssen usw.

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