Billie Holiday: Lady Sings The Blues (Clef, 1956).

Billie Holiday, 1947 Foto: William Gottlieb

Billie Holiday, 1947
Foto: William Gottlieb

Billie Holiday, die als eine der Begründerinnen des modernen Jazz-Gesangs bezeichnet wird, zeigte mit dem Album Lady Sings The Blues einmal mehr, warum ihr diese zentrale Rolle in der Geschichte des Jazz zukommt.

Nach dem Auftakt des durch sie eigens komponierten Songs Lady Sings The Blues führt die Stimmung langsam zum essentiellen und unausweichlichen Moment des Albums zu „Strange Fruit“:

Der Song prangert im Kern die Missstände der Rassendiskrimierung an. Die Aussage des Textes ist jedoch nicht unbedingt von Beginn an transparent. Es geht um Früchte, Bäume, Pappeln, Landschaftsbilder,… Durch Billie Holiday werden diese Zeilen aber mit so viel Emotion und Hingabe regelrecht durchdrungen, dass es trotz möglichem Unwissen darüber, wovon dieses Lied tatsächlich handelt, die Hörer tief erschüttert. Besonders eindringlich wirkt das der Song, weil das Bild vom ländlichen, traditionellen Süden aufgegriffen wird und diese Idylle mit der harten Realität der Lynchjustiz konfrontiert wird. Seit seiner ersten Aufführung 1939 wurde es aufgrund seiner Thematik als Anti-Rassismus Hymne weltweit bekannt. Dieser Song sticht in diesem Album und wohl im ganzen Repertoire Holidays deutlich und auch beabsichtigt prägnant heraus, da sie selbst  sehr unter dieser Ungerechtigkeit gelitten hat.

Ein weiterer Höhepunkt des Albums ist das ebenfalls durch sie und Arthur Herzog Jr. komponierte God Bless The Child, bei dem ihr persönlicher Einfluss deutlich spürbar ist. Sie fühlt sich in diesem Lied eindeutig zuhause. Die weiteren Songs auf dem Album sind grösstenteils Standards, die in deutlicher Holiday-Manier interpretiert werden.

Sie hat ihr eigenes Tempo, lässt sich in ihr starkes Laid-Back nicht nehmen. Sie kann sich das leisten, da ihre grossartigen Musiker scheinbar unbeirrbar für den nötigen Groove und den Rhythmus sorgen, was dem Album den unentbehrliche Vorankommen verleiht.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Über Holidays Stimme auch nicht. Sie ist nicht eine der Soulröhren wie man sie zeitgleich beispielsweise bei Ella Fitzgerald bewundern konnte. Mag sein, dass ihr ausgesprochen nasaler Klang und ihr begrenzter Stimmumfang nach einigem Zuhören unerträglich scheint… Dann einfach CD wechseln und sich das nächste Mal wieder von diesem endlos expressiven Ausdruck und der emotionalen Mächtigkeit dieser Legende mitreissen lassen. (jo)

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