Porcupine Tree

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=mENmbZ5Ikto[/youtube] Nun, Porcupine Tree… bei so vielen Einflüssen, Stilrichtungen, Experimenten, Menschen, Wendungen – wo soll man da anfangen? Am besten bei der Geschichte des Mannes, der diese Band gegründet hat und der sie zunächst auch gewissermassen als Einzelperson verkörperte: Steven Wilson. Angefangen hat seine Karriere mit einer kleinen aber feinen Lüge über die Beschaffenheit seiner inexistenten Band, gebildet aus vier Jungs, die sich angeblichen bei einem längeren Gefängnisaufenthalt kennengelernt haben sollen. Ja, diese Geschichte sollte erfolgreich dazu dienen, den Labels seine im Alleingang produzierten Mixtapes schmackhaft zu machen. Beflügelt durch die Erkenntnis, dass es schwierig werden könnte, seine Musik als Solokünstler bühnentauglich zu machen, tat sich Steven Wilson erstmals mit realen Bandkollegen zusammen und zwar Richard Barbieri, Colin Edwin und Chris Maitland – die klassische Besetzung von Porcupine Tree war geboren, doch Steven Wilson fungierte unbestritten als Zentrum der Band. Er entwickelte nach wie vor alle Werke, die von der Band ausgearbeitet wurden. Ein weiterer Protagonist in der Laufbahn von Porcupine Tree kam 2002 hinzu, der Drummer Gavin Harrison, der bis anhin vorwiegend als beliebter Studiodrummer tätig war und mittlerweile mehrfach zum best progressive drummer gewählt wurde. Eine Anfrage an Steven Wilson des Frontsängers der schwedischen Metalband Opeth für ein Mastering einerseits, und die Neubesetzung der Drums andererseits, verhalfen der Band schliesslich zum Durchbruch. Bezüglich des Stils haben Porcupine Tree eine vorher unbekannte Synthese geschaffen. Wo besonders in den Anfängen ihrer Laufbahn noch grosse Einflüsse von King Crimson und Pink Floyd (Phase: „Dark Side Of The Moon“) offenkundig zu hören sind, kristallisiert sich im Laufe der Zeit immer mehr die bestechende Eigenart der Band heraus. Nachdem sich Metal langsam aus dem Untergrund bewegt hatte, bestand deren Intention nämlich zunächst darin, die harten Elemente des Metals  mit der Komplexität von Progressive-Rock zu vermischen, immerzu realisiert durch Steven Wilsons eigene Stimme, die sich eher durch sanftere Nuancen kennzeichnet. Daraus entstanden die ersten bedeutenden Alben Absentia und Deadwing. Obwohl der Qualitätsanspruch bezüglich der Texte im Progressive-Rock generell sehr hoch ist, wird dies im darauffolgenden Konzeptalbum Fear Of A Blank Planet noch ausgereifter, da sich die Lyrics von tiefsinniger Melancholie mehr und mehr hin zu gesellschaftskritischen Äusserungen bewegen. In diesem Fall wird die Thematik der Perspektiven von Jugendlichen in der heutigen Welt behandelt. Hinzu kommt dabei in der Musik im Gegensatz zu ihrem vorherigen Schaffen bereits eine verträumte, liebliche Komponente, die teilweise aus der Popmusik und aus dem Jazz stammt. Diese Orientierung ist beispielsweise in Lazarus zu hören. Ein weiteres neues Element findet sich ausserdem im jüngsten Album von Porcupine Tree The Incident. Nebst dem bisherigen Spektrum an Spielarten integriert Steven Wilson dort zusätzlich einige elektronische Trip-Hop-Elemente, was jedoch in einigen Kreisen auf Skepsis stiess. Doch wo ist die Band heute? Nach eigener Aussage der Musiker offensichtlich auf Eis gelegt, ein Projekt on hold, bei dem unklar ist ob und wann eine neue Inkarnation das Licht der Welt erblickt. So oder so ist jeder dieser hochkarätigen Musiker in unzählige Projekte involviert, das jedes für sich neue und andere Ausdrucksformen vereint. Jener grenzenlose intra- und intersubjektive Reichtum an Ideen und Stilen prägte  Porcupine Tree deutlich. Hoffentlich auch bei einer künftigen Wiederbelebung der Band. Dieser kurze Abriss des bisherigen Werdegangs von Steven Wilson und Porcupine Tree zeigt die enorme Vielfalt, die in dieser Musik verarbeitet wird. Wesentlich ist dabei nicht die Nachahmung oder die Reproduktion eines bestimmten Stils oder Künstlers, wesentlich ist die bewusste Zusammensetzung verschiedener Rohstoffe, um diese zu einem Ganzen zu vereinen.1

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