Omar Souleyman – Wenu Wenu

Es gibt viele Gründe, weshalb wir ab und zu unseren musikalischen Wohlfühlbereich verlassen und uns auf unbekanntes Sound-Terrain begeben sollten. Der syrische Künstler „Omar Souleyman“ reicht uns mit seinem neuen Studioalbum „Wenu Wenu“ zu diesem Schritt praktisch die Hand. Der Klang arabischer Musik, charakterisiert durch Instrumente wie die Bouzouki,1 ist in einer globalisierten Gesellschaft dank dem Distanzen und kulturellen Schranken überwindenden Internet für westliche Ohren schon längst keine musikalische Sonderbarkeit mehr.2 Dass arabische Rhythmen in Europa und Amerika sogar grossen Anklang finden, stellte das Plattenlabel „Sublime Frequencies“ bereits 2004 unter Beweis. Die „Sound-Anthropologen“ aus Seattle brachten Souleymans Tanzmusik von syrischen Hochzeitsfesten direkt auf die Bühnen und Tanzflächen der angesagtesten Clubs und Musikfestivals der Welt.3 Souleyman, so darf man also annehmen, kann richtig Stimmung machen. Ein kurzes Reinhören in „Wenu Wenu“ bestätigt diese Annahme in wenigen Takten – nicht umsonst bezeichnet Ian Maleney auf Residentadvisor Souleymans Stil als „high energy party music“.4 „High energy“ ist in der Tat ein Element, welches sich durch das ganze Album zieht. Sein Publikum bringt Souleyman mit einer geballten Mischung aus syrischem Dabke, bzw. orientalischer Reihzanz-Musik5, irakischem Choubi und türkisch-kurdischen Rythmen zum Beben,6 verstärkt, verzerrt und elektrifiziert durch Drum Machines, Keyboards und Synthesizers.7 Das energetische Spiel zwischen Tradition und Neuinterpretation ist auch für ungeübte Ohren herauszuhören. So geben beispielsweise in „Ya Yumma“ traditionelle arabische Instrumente den Ton an, zwischendurch aber lassen Synthi-Melodien den Track westlich angehaucht erklingen. Das für die arabische Musik charakteristische Element des „call-and-response“ ist besonders schön in „Nahy“ zu hören.8 Es scheint hier fast, als würde Souleyman einen rythmisch-gesanglichen Dialog mit der durch Instrumente erzeugten Melodie führen.

Wie bereits gesagt, existieren viele Gründe, die für das Erkunden neuartiger Beats und Klänge sprechen. Einer davon liefert uns der Musikjournalist von „The Quietus“, Tristan Bath. Er spricht „Wenu Wenu“ eine wichtige Rolle im Durchbrechen der westlichen Musikhegemonie zu – ein Bruch, welcher viel zur Erschaffung einer multizentrischen Welt beitragen würde.9 Wir befinden uns, so Bath, auf dem richtigen Weg.

Eine Hörprobe von „Wenu Wenu“ gibt es hier auf Youtube.

 

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