2014 in Music

Obwohl viele Experten den baldigen Tod des Albums voraussagen1 beobachte ich eine Schwemme von herausragenden Alben gerade aus den Sparten, wo man es am wenigsten erwarten würde: Electropop und R’n’B: Beyoncé (aus dem Dezember 2013 aber in vielen Jahresbestenlisten als Album dieses Jahres behandelt), Taylor Swift, Sia, Jenny Lewis, Mary J. Blige, Nicki Minaj und die Shooting Stars Tinashe und FKA Twigs. Erstaunlich, aber mit der Rückkehr des Vinyls hätten die Experten auch nicht gerechnet.

Numetal hat mehr interessante und glaubwürdig alternative Musik herausgebracht als das Alternativerock-Genre. Zwei Metal-Listen sind:
– Treblezine: Top 10 Metal Albums of 2014 und
– PopMatters: The Best Metal of 2014
In diesem Zusammenhang möchte ich auf das Album aus der Schweiz hinweisen, das es zurecht in beide dieser Listen geschafft hat: Melana Chasmata von Triptykon.

Hip-Hop: Nach Macklemore And Ryan Lewis haben wir 2014 wieder ein Jahr, in dem ein weisser Rap-Act die Grammies abräumt: Iggy Azalea. Underground-Hip-Hop hat bei Indiehörer/-innen Erfolg: Run The Jewels ist top auf vielen Jahresbestenlisten. Das Album klingt für mich nicht wirklich wie ein Manifest unserer Zeit, ich ziehe die experimentelleren clipping. bei weitem vor.

Sam Smith räumt auch Grammies ab. Ist sein Soul-Gesang retro oder vorwärtsweisend? Die Frage konnte man bei Adele oder Jessie Ware schon stellen. Die Sache mit diesen UK-Soul-Acts ist, dass sie bisher nicht nachhaltig sind. Adele schweigt. Von Jessie Wares zweitem Album war ich enttäuscht. Was passiert mit Sam Smith? Erwartet tatsächlich jemand ein hervorragendes zweites Album von ihm? Wahrscheinlicher ist doch, das die Fackel nächstes Jahr an einen neue Sängerin oder einen neuen Sänger übergeben wird – oder erlischt.

Das Jahr fühlte sich für mich an, als würde die Retromania sich langsam auflösen – nein, nicht auflösen, sondern es wird ihr von jungen Produzent/-innen etwas entgegengesetzt. Es gibt neue Genres, neue Sounds. Zuvorderst Bubblegum-Bass, Traprap, R’n’B (PBR&B).

2014 ist das Jahr, in dem ich signifikant weniger Indie und viel mehr Electropop gehört habe. Das geschah einfach. Electropop ist der Ort, an dem elektronische Musik auf hohem Niveau weiterlebt.

zum Weiterlesen: Joseph Burnett’s 2014 year-end essay (Dusted Magazine, 1. Januar 2015)

Notes:

  1. Artikel, die das Thema behandeln, sind beispielsweise:
    Daniel Sander: What Is Going To Save The Music Industry (Hypebot, 26. Novemeber 2014)
    Hannah Ellis-Petersen: Album spins closer towards its final track as a viable format (The Guardian,29. Juli 2014)

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