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Anzeige aller Musikzimmer Rezensionen von 2015 geordnet nach Monat

Rezensionen Dezember 2015

Deantoni Parks [x>] [D]: Technoself [F] [P]

CoverLabel: Leaving LR 065
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2015 12 11
Genre: Post-Millennial-Music - Digital-Underground

Deantoni Parks ist ein Drummer, der schon mit Bands wie Mars Volta gespielt hat. Nicht schlecht also, nicht irgendwer! Hier auf seinem ersten Soloalbum spielt er die Drums mit einer Hand und mit der anderen bedient er Sampler oder Pads. Die Beats, die dabei entstehen, sind an Ghettotech-Stilen geschult und nichts weniger als atemberaubend.

Trackliste:

1. Black Axioms - 6:14 2. Our Shadows - 2:42 3. Down - 2:54 4. Graphite - 2:58 5. Ashes - 4:21 6. Methodist - 4:29 7. Automatic - 2:33 8. Pebble - 3:10 9. Fosse In The Grass - 4:46 10. Bombay - 3:28 11. Orbis Magnus - 4:26
Alle Tracks: Deantoni Parks.

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Rezensionen Novemeber 2015

V. A. (Ministry of Sound) [x>] [D]: The Sound Of Rinse FM [3 CD, Mix] [F] [P]

CoverLabel: Ministry of Sound MOSCD 427
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2015 11 13 (Ed.)
Genre: Electronica - Breakbeat - UK-Bass, Post-Millennial-Music - Trap, Post-Millennial-Music - Digital-Underground - Grime

Am 3. Oktober 2015 war Rinse FM, die Londoner Radiostation mit der urbansten aller urbanen Musik, im Ministry Of Sound Club zu Gast (siehe Webseite). Der Anlass war der 20. geburtstag des Senders. Ein Monat später erschien beim Ministry-Of-Sound-Label diese 3-fach Compilation/Mix-CD. Die drei CDs enthalten je eine stilistische Variante von Urbaner postmillennialer gegenwartsmusik: CD 1 Grime und Digital-Underground, CD 2 UK Funky und Trap, CD 3 House. Es sind so viele Killertracks hier drauf zu finden, dass The Sound Of Rinse FM mit Leichtigkeit die beste Compilation des Jahres 2015 ist.

Trackliste:

CD 1-3 Continous Mixes 1. Continuous Mix CD 1 2. Continuous Mix CD 2 3. Continuous Mix CD 3
CD 1 1. AR15 Presents Section Boyz: Trapping Ain't Dead 2. Jamie xx Feat. Young Thug & Popcaan: I Know There's Gonna Be (Good Times) 3. Krept & Konan (Feat. Jeremih): Freak Of The Week 4. MoStack & J Hus: So Paranoid 5. Nines: Can't Blame Me 6. Stormzy: Know Me From 7. Skepta: Shutdown 8. Novelist: Endz 9. Bonkaz: We Run The Block 10. Bugzy Malone: Watch Your Mouth 11. Plastician (Feat. Jammz): London Living 12. Mumdance (Feat. Novelist): Take Time 13. Solo 45: Feed Em To The Lions 14. J Spades (Feat. MoStack, Swift (Section Boyz), J Hus & Grizzy): Nobody 15. Wiley: Chasing The Art 16. Lethal Bizzle (Feat. Diztortion): Faster Skank 17. Naira Marley (Feat. Max Twigz): Marry Juana 18. Maxsta, Boothroyd & Maniac: 100 Problems 19. The Heavytrackerz (Feat. Section Boyz): Say It Ain't That 20. P Money: Pepper Riddim
CD 2 1. FKA Twigs: Two Weeks 2. Jungle: Time 3. Major Lazer (Feat. MØ & DJ Snake): Lean On 4. Skrillex & Diplo With Justin Bieber: Where Are Ü Now 5. Cashmere Cat: With Me 6. Hudson Mohawke (Feat. Irfane): Very First Breath 7. Travis Scott: Antidote 8. Kelela: Rewind 9. Faze Miyake (Feat. Little Simz): The Nest 10. Hannah Diamond: Every Night 11. Future Brown Feat. Tink: Room 302 12. Alessia Cara: Here 13. Hot Chip: Need You Now 14. Kali Uchis: Rush 15. The Internet: Special Affair 16. Shura: Indecision (Jungle Remix) 17. Zak Abel: These Are The Days 18. Sunless 97 & Palmistry: aia 19. Jessy Lanza, DJ Spinn & Taso: You Never Show Your Love 20. Tei Shi: Go Slow
CD 3 1. Catz 'N Dogz Feat. Tanika: Get It Right 2. Format:B: Chunky 3. Eats Everything (Feat. Tiga & Audion): Danging (Again!) 4. Julio Bashmore (Feat. Sam Dew): Holding On 5. KDA (Feat. Tinie Tempah & Katy B): Turn The Music Louder (Rumble) 6. Hot Natured: Off World Lover 7. Serge Devant & Damiano (Feat. Camille Safiya): Fearing Love 8. David Zowie: House Every Weekend 9. DJ S.K.T (Feat. Rae): Take Me Away 10. Denney: Low Frequency 11. Sonny Fodera & Cervendos (Feat. Lauren Faith): High 12. Martin Solveig & GTA: Intoxicated 13. Billon: Slave To The Vibe 14. Steve Lawler: House Record 15. Tazer X Tink: Wet Dollars (Redlight Remix) 16. Tough Love (Feat. Ginuwine): Pony (Jump On It) 17. DJ Haus: Higher 18. Huxley: I Want You 19. Jonas Rathsman: Wolfsbane 20. The Acid: Ghost (Maya Jane Coles Mix)

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Rezensionen September 2015

Savant [x>] [D]: Artificial Dance [2 x 12'' Vinyl LP, Act-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Rvng Intl. ReRVNG 07
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2015 09 04 (Ed.)
Genre: Postpunk, Electronica

Das Rvng Intl.-Label gibt die Musik von Kerry Leimer neu heraus, einem bis vor kurzem unbekannten Postpunker aus Seattle. Beim Anhören stellt sich die Frage: Sind das Obskuritäten oder vergessen gegangene Meisterwerke? Beides zugleich? Seattle war bisher nicht wie New York, London, Manchester, Atlanta, Boston oder Cleveland als Punk- und Postpunk-Zentrum bekannt. Trotzdem hat dort dieser Kerry Leimer eine Musik gemacht, die von Brian Eno oder David Byrne stammen könnte. Fans von Postpunk müssen dieses fantastisch gute Album von Savant - Kerry Leimers Band - gehört haben!
Über die Musik von Savant und ihrer Ähnlichkeiten zum restlichen Postpunk-Kanon (vor allem Byrne & Eno aber auch Material muss man nennen) wird in den gängigen Rezensionen viel geschrieben. Ich möchte hier einige Überlegungen zum Titel des Albums, Artificial Dance, anstellen, den ich sehr gelungen finde. Dieser Titel, könnte als Chiffre herhalten für die wesentliche Innovation, die das Postpunk-Genre gebracht hat: Artificial Dance. Postpunk ist nicht primär Musik zum Tanzen, aber dennoch wirkt jede Musik auf den Körper. Es lässt sich immer fragen, wie eine Musik getanzt werden muss bzw. wie Körper sich zu einer bestimmten Musik bewegen können. Und hier ist Postpunk eine der wohl irritierendsten Innovationen in der Geschichte der Populären Musik gelungen: Postpunk hat zu einem «Artificial Dance» eingeladen, es hat die Körper unorganisch tanzen lassen, zappeln vielmehr. Sie kennen das von keinem besser als von David Byrne im Konzertfilm Stop Making Sense. Seine Bewegungen sind staksig, vom Rhythmus herausgefordert, überfordert. Sie sind diskret geworden - im Mathematischen Sinne diskret, also nicht «verschwiegen»/«taktvoll», sondern «in einer anderen mit der herkömmlichen unvereinbaren Logik oder Dimension». Gut, falls Sie über diese Definition stolpern. genau darum geht es! Es wurde immer wieder geschrieben, dass David Byrnes nervöse Bewegungen die Kapitulation des weissen Menschen vor dem afroamerikanischen Körpergefühl sei. Abgesehen davon, dass das Argument ein umgekehrt rassistisches ist, finde ich es interessanter, in den hektisch zappelnden Postpunk-Körper diese Diskretheit zu sehen. Funk war eine Musik, die entdeckte, dass in Breaks der Rhythmussektion eine Musik mit Spannung aufgeladen werden kann, was sich ausgezeichnet tanzen liess. Der Whitefunk aus der Postpunk-Zeit hingegen war über-spannt. Die durch die Rhythmen provozierten Bewegungen waren nicht mehr linear, organisch, weil die Zeit nicht mehr linear war. Musikalisch entsteht die nicht-lineare Zeit unter anderem dadurch, dass Musik teils an der Bandmaschine aus disparaten Elementen zusammengeschnitten wurde (zum Beispiel im Bush Of Ghosts). Die Tradition diskreter Rhythmen setzte sich über Hip-Hop fort bis zur zeitgenössischen Breakbeat-Musik (Kode9 oder Skepta). Bands wie Savant haben uns gelernt, auf so etwas zu hören und es grossartig zu finden, nur leider ist Savant damals nicht zu uns gelangt und wir müssen das Hörerlebnis jetzt nachholen. (veröffentlicht: 2015 09 12)

Trackliste:

Seite A 1. Using Words - 7:11 2. Indifference - 4:29 3. The Neo-Realist - 7:18
Seite B 1. Shadow In Deceit - 5:36 2. The Shining Hour - 3:36 3. Knowledge And Action - 6:56 4. Heart Of Stillness - 7:19
Seite C 1. Stationary Dance - 4:15 2. Sensible Music - 4:15 3. Deceit In Passion - 2:18 4. The Radio - 2:52
Seite D 1. Facility - 3:56 2. Falling At Two Speeds - 4:16 3. Fault Index - 4:23
Alle Tracks: Kerry Leimer.

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Rezensionen Juni 2015

V. A. (Legacy Recrdings) [x>] [D]: Dylan, Cash, and the Nashville Cats: A New Music City [2 CD, Ort-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Legacy Recrdings 88875066552
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2015 06 12 (Ed.)
Genre: Country - Countryrock, Country - Bluegrass - Progressive-Bluegrass, Rock - Folkrock, Rock - Poprock, Rock - Countryrock, Rock - Neo-Americana, Rock - Rhythm'n'Blues, Rock'n'Roll - Mainstream

Diese Compilation versammelt Stücke aus der Zeit, als viele internationale Top-Act aus dem Feld der Rockmusik nach Nashville gingen, um aufzunehmen. Nashville hatte erstklassige Studiomusiker, die diese Acts anzogen und die der Stadt einen bestimmten Sound verliehen. Das begann in den 50er-Jahren mit dem von Chet Atkins produzierten Nashville-Sound, der sich im schlimmsten Fall einfach am kitschigsten Easylistening orientierte. In den späteren 60er-Jahren etablierte Nashvilles Studiomusiker-Szene die Stadt als «Music City». Das ist ein weit universellerer Anspruch als lediglich die Hauptstadt der Country Music zu sein. Nun kamen grosse Namen nach Nashville, die nicht mit Country assoziiert waren. Sie kamen nicht nur, weil es «hip» war, sondern weil Nashville Qualität garantierte. Ein wichtiger Katalysator für diese Entwicklung war die Freundschaft zwischen Johnny Cash und Bob Dylan, weshalb diese beiden Namen explizit im Titel genannt werden (siehe: Buch mit dem selben Titel der Country Music Foundation / Country Hall Of Fame). (veröffentlicht: 2015 06 26)

Trackliste:

CD 1 1. Bob Dylan: Asolutely Sweet Marie - 2. Charlie McCoy And The Escorts: Harpoon Man - 3. Johnny Cash: It Ain't Me, Babe - 4. Flatt & Scruggs: Down In The Flood - 5. Gordon Lightfoot: The Way I Feel - 6. Bob Dylan: I'll Be Your Baby Tonight - 7. Byrds: You Ain't Going Nowhere - 8. Ian & Sylvia: This Wheel's On Fire - 9. John Hartford: Gentle On My Mind - 10. Monkees: Some Of Shelly's Blues - 11. Beau Brummels: Turn Around - 12. Tracy Nelson: I'm So Lonesome I Could Cry - 13. Kris Kristofferson: If You Don't Like Hank Williams (1968 Demo) - 14. Leonard Cohen: Bird On The Wire - 15. Byrds: Hickory Wind - 16. Country Joe McDonald: Blowing Down That Dusty Road - 17. Simon & Garfunkel: The Boxer - 18. Area Code 615: Stone Fox Chase - 19. Byrds: Radio Ad For The Byrds Sweetheart Of The Rodeo -
CD 2 1. Bob Dylan With Johnny Cash: Girl From The North Country - 2. Jerry Jeff Walker: Driftin' Way Of Life - 3. George Harrison: Behind That Locked Door - 4. Ringo Starr: Beaucoup Of Blues - 5. Steve Miller Band: Going To The Country - 6. Joan Baez: The Night They Drove Old Dixie Down - 7. Steve Goodman: City Of New Orleans - 8. Eric Andersen: Blue River - 9. Neil Young: Heart Of Gold - 10. Bob Dylan: If Not For You (Previously Unreleased) - 11. J.J. Cale: Crazy Mama - 12. Steve Young: Seven Bridges Road - 13. Nitty Gritty Dirt Band: Will The Circle Be Unbroken - 14. Earl Scruggs With Linda Ronstadt: Silver Wings - 15. Leon Russell As Hank Wilson: A Six Pack To Go - 16. Paul McCartney & Wings: Sally G - 17. Derek & The Dominos With Johnny Cash And Carl Perkins: Matchbox (Live On The Johnny Cash Show) -

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Rezensionen März 2015

Jlin [x>] [D]: Dark Energy [F] [P]

CoverLabel: Planet Mu ZIQ 356
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2015 03 23
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Footwork, Post-Millennial-Music - Digital-Underground

Jlin ist Jerrilynn Patton. Ihre Footworkbeats sind eigen, so weit weg von den Standards des Formats, dass man sich fragen muss, ob diese Musik überhaupt noch Footwork sei. Dark Energy ist ein treffender Albumtitel, wie der RA-Rezensent, Angus Finlayson, darlegt. Erotik und der Drang der Libido sei ein Thema der Musik von Jerrilynn Patton, das andere sei die Dunkelheit. Beide kämen auf Dark Energy zusammen. Ein Tracktitel wie Unknown Tongues bringt zum Ausdruck, wie eigen diese aus wenigen überschaubaren Samples (Stimmen, Beats, Noises) bestehende und geschickt rhythmisierte Instrumentalmusik ist. Die Dringlichkeit und Dichte, die sie erreicht, ist nichts weniger als beeindruckend. (veröffentlicht: 2015 05 22)

Trackliste:

1. Black Ballet - 3:39 2. Unknown Tongues - 3:27 3. Guantanamo - 4:23 4. Erotic Heat - 4:24 5. Black Diamond - 2:07 6. Mansa Musa - 3:38 7. Infrared (Bagua) - 4:08 8. Ra - 3:07 9. Expand - 3:44 10. So High - 3:01 11. Abnormal Restriction - 3:24
Alle Tracks: Jerrilynn Patton.

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Rezensionen Februar 2015

Future Brown [x>] [D]: Future Brown [F] [P]

CoverLabel: Warp 262
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2015 02 24
Genre: Post-Millennial-Music - Digital-Underground - US-Funky, Post-Millennial-Music - Digital-Underground - US-Funky, Post-Millennial-Music - Electropop - Digital-Dancehall, Post-Millennial-Music - Electropop - Reggaeton

Das Future Brown Album der gleichnamigen Supergruppe ist der heisseste Shit unserer globalisierten Welt. Es ist die perfekte Fusion von Globalpop und Electronica und ein Wegweiser in Richtung Musik der Zukunft.
Die vier Leute, die sich zum Projekt Future Brown zusammen taten, sind die in Senegal geborene, in Kuwait als Diplomatentochter aufgewachsene, heute in New York und Berlin ansässige Fatima Al Qadiri, die für ihre futuristischen und cineastischen Vaporwave-Releases bekannt geworden ist, die die Welt im Sturm nahmen. Dann das Producer-Paar Daniel Pineda und Asma Maroof, die unter dem beinahe unaussprechbaren Namen Nguzunguzu atemberaubend kühlen Electronic-R'n'B veröffentlichten und schliesslich J-Cush, Produzent und Labelchef von Lit City Trax. Sie sind alle Vertreter/-innen des neuen digitalen Untergrunds (siehe: Adam Harpers Vortrag Indie Goes Hi-Tech: The End Of Analogue Warmth And Cosy Nostalgia).
Future Brown erhält aus mindestens drei Gründen grosse Aufmerksamkeit. Erstens kann man die Kategorie «Supergruppe» auf das Projekt anwenden (eine Band ist es nicht, die Mitglieder sind Produzenten, die auch als Act auftreten und veröffentlichen). Zweitens kommt das Album auf dem Label heraus, das immer wieder elektronische Musik von von Auteur-Produzenten einem breiten Publikum bekannt gemacht hat: Warp. Drittens sind als Gastsänger/-innen eine Armee von zeitgenössischen MCs mit von der Partie: Tink, Shawnna, DJ Victoriouz, Sicko Mobb, Timberlee, Maluca, Ian Isiah, Kelela, Riko Dan, Johnny May Cash, YB, King Rell, 3D Na'Tee, Tim Vocals, Roachee, Prince Rapid und Dirty Danger. Diese Frontleute sollten garantieren, dass der Nerd-Verdacht nicht greift. Future Brown ist nicht das Projekt von verstiegenen Produzenten, die sich im Studio gegenseitig übertrumpfen. Doch das sehen nicht alle so ...
Grosse Aufmerksamkeit heisst nun nicht automatisch frenetischer Applaus. Das Album hat in den vergangenen Tagen Kontroversen zwischen Musikritikern ausgelöst, in die nun auch Fatima Al Qadiri und somit die Band verwickelt ist. Al Qadiri hat sich auf Facebook gegen falsche Implikationen in Reviews von Meaghan Garvey von Pitchfork und Alex Macphearson auf einer Getränkehersteller-Seite gewehrt. Ihr Argument lautet, dass diese Kritiker Vorstellungen an die Band heran tragen, die nicht stimmen. Zum Beispiel, dass Future Brown ein Artschool-Projekt sei, das Musik mit Street-Credibility auf eine Weise kuratiere, dass diese Musik ihre Glaubwürdigkeit verliere. Al Qadiri schreibt darauf, dass diese Musikkritiker besser Future Brown interviewt hätten, um die Wahrheit über das Projekt herauszufinden, statt Theorien an die Gruppe heranzutragen, die keine treibende Kraft hinter Future Brown seien. Das letzte Wort in dieser Auseinandersetzung ist wohl noch nicht gesprochen. Wenn man den Artikel von Macphearson liest, stösst man auf den Ausdruck von Hostilität gegen die jüngere Generation (Generation Tumbler»): «it’s music that appeals to the worst habits of generation Tumblr, by scattering rappers and vocalists such as Jamaican dancehall queen Timberlee, London grime MC Riko Dan and Chicago rising star Tink inconsequently over otherworldly, future-hood beats» oder das Dissing des PC Music Labels: «Similarly linked to this scene is the London-based PC Music label, whose shtick is to justify their amateur takes on happy hardcore with derisory grad student blather about deconstructing pop with supposedly exaggeratedly synthetic effects». Abschätzige Töne einer älteren Generation gegenüber einer Musik, die in meinen Ohren neu klingt und das ist, worauf ich, Retromania-müde, Jahre gewartet habe. Nun, neue Musik gibt es jede Woche, aber wirklich neu ist sie dann, wenn es diese alte Generation gibt, die die junge Generation nicht mehr verstehen will und kann, die dann ausfällig wird und sich abschätzig äussert. Ein gutes Zeichen also für die Zukunft der Musik, für eine Musik, die für ihre Zeit stehen kann. Nicht wie die von Sam Smith, die an der ganzen Soul-Tradition geschult ist. Solche traditionsbewusste Musik ist in meinen Ohren akademisch und nicht Future Brown.
Zukunftsweisend ist das Projekt, weil es von den Mitgliedern, Sänger/-innen und MCs her global angelegt ist. Das Internet ist eine wesentliche Produktionsbedingung gegenwärtiger und zukünftiger Musik. Konzepte wie «Street Credibility» gehören einer alten Logik der Subkulturen an. Heute und in Zukunft geht es nicht um Mainstream vs. Subkultur, Majors vs. Indies, sondern global operierende und global vernetzte Agenten. Grime kommt nicht mehr notwendig aus Südost-London, Dancehall nicht notwendig aus Jamaica. So haben alle vier Mitglieder von Future Brown gemeinsam, dass sie Migrationsgeschichten mit sich herumtragen oder familiäre Wurzeln haben, die man nicht anders als global bezeichnen kann (siehe: Ruth Saxelby: Future Brown Makes Music For The World We Actually Live In (Fader, 4.12.14). Wir werden in ein paar Jahren sehen, ob sich diese global operierende Art des Musikmachens durchsetzen wird. Future Brown wird dann vielleicht Musikgeschichte geworden sein. (veröffentlicht: 2015 02 28)

Trackliste:

1. Room 302 (feat. Tink) - 2:59 2. Talkin Bandz (feat. Shawnna & DJ Victoriouz) - 3:59 3. Big Homie (feat. Sicko Mobb) - 3:15 4. No Apology (feat. Timberlee) - 3:22 5. Vernáculo (feat. Maluca) - 3:08 6. Dangerzone (feat. Kelela & Ian Isiah) - 3:45 7. Speng (feat. Riko Dan) - 3:02 8. Killing Time (feat. Johnny May Cash, YB, King Rell) - 3:33 9. MVP (feat. 3D Na'Tee & Tim Vocals) - 3:35 10. Asbestos (feat. Prince Rapid, Dirty Danger, Roachee) - 2:59 11. Wanna Party (feat. Tink) - 2:43
Alle Tracks: Future Brown.

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