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Anzeige aller Musikzimmer Rezensionen von 2011 geordnet nach Monat

Rezensionen Oktober 2011

Tim Hecker [x>] [D]: Dropped Pianos [F] [P]

CoverLabel: Kranky krank 161
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 10 10
Genre: Electronica - Postelectronica - Neo-Klassik

Dies ist ein Nebenwerk von Ravedeath, 1972, eine abgedunkelte Darkambient-Version, will man dem Cover glauben, das identisch mit dem Hauptwerk ist, nur viel grauer. Solo Klavier in einem weiten Kirchenraum aufgenommen plus einige produktionstechnische Gimmicks.
Die Instrumentaltracks von Ravedeath, 1972 wurden zuerst auf einem Piano eingespielt. Dann wechselte Tim Hecker auf eine Kirchenorgel. Jetzt hat er die ersten Aufnahmen wieder ausgegraben und bringt sie als eigenständiges Album heraus. Dies gewährt uns einen Blick hinter die Kulissen eines hoch prozessierten elektronischen Albums - und Überraschung: Dahinter stehen erstaunlich musikalische Klänge. Nicht so atemberaubend wie Ravedeath, 1972, aber sehr auf der Höhe unserer Zeit mit ihren Neo-Klassik-Veröffentlichungen. (veröffentlicht: 2011 10 25)

Trackliste:

1. Sketch 1 - 7:09 2. Sketch 2 - 3:57 3. Sketch 3 - 1:20 4. Sketch 4 - 2:56 5. Sketch 5 - 4:58 6. Sketch 6 - 1:24 7. Sketch 7 - 3:26 8. Sketch 8 - 1:43 9. Sketch 9 - 5:32
Alle Tracks: Tim Hecker.

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Rezensionen Juli 2011

Machinedrum [x>] [D]: Room(s) [F] [P]

CoverLabel: Planet Mu ZIQ 307
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 07 11
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Footwork

Machinedrum (oder Machine Drum) ist der New Yorker Produzent Travis Stewart. Er ist schon seit einigen Jahren als IDM- und Folktronica-Produzent unterwegs. Sein neues Album Room(s) macht einen Neuanfang und vereint, wie der Boomkat-Rezensent treffend schreibt, alle Subgenres (Stile), in die sich Dubstep in letzter Zeit aufgesplittet hat. Als Bezüge lassen sich vor allem Futuregarage, Dub-House und britischer Wonky (Rustie, Hudson Mohawke, auf dessen neues Album wir alle gespannt warten) nennen. Dieses Album ist nicht nur für Freunde der Clubmusik geeignet: Room(s) ist ein grossartiges Popalbum! (veröffentlicht: 2011 08 03)

Trackliste:

1. She Died There - 4:06 2. Now U Know The Deal 4 Real - 3:51 3. Sacred Frequency - 4:28 4. U Don't Survive - 4:44 5. Come1 - 6:44 6. Youniverse - 3:17 7. GBYE - 4:26 8. The Statue - 3:55 9. Lay Me Down - 3:57 10. Door(s) - 5:21 11. Where Did We Go Wrong? - 4:20
Alle Tracks: Travis Stewart.

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Rezensionen Juni 2011

Battles [x>] [D]: Gloss Drop [F] [P]

CoverLabel: Warp 212
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 06 06
Genre: Postrock - Mathrock, Alternativerock - Neo-Progressiverock - Mathrock, Alternativerock - Electronicrock

Battles aus Brooklyn haben 2004 als Post-Hardcore und Mathrock-Band angefangen. Die Mitglieder haben bei Helmet gespielt (John Stanier), bei Don Caballero (Ian Williams) und anderen namhaften Bands. Vor oder während der Produktion ihres neuen Albums ist der Sänger und Gitarrist Tyonday Braxton, Sohn von Anthony Braxton, ausgestiegen, weil er den Stress einer weiteren Tournee nicht auf sich nehmen wollte. Die verbliebenen drei Bandmitglieder, Stanier, Williams und Dave Konopka standen vor der Entscheidung aufzugeben oder weiterzumachen und sich neu zu erfinden. Aus dieser Not ist ein grossartiges Album geboren.
Gloss Drop ist entweder Schlusspunkt und Ende einer interessanten Formation unserer Zeit oder der Anfang der eigentlichen Karriere dieser Band, die schliesslich zu sich selbst und ihrem Sound gefunden hat. Dieser Sound besteht aus komplexen motorischen Beats. Daher versorgt man sie noch immer gerne in der Mathrock-Schublade. Live spielt die Band aber mit dem Gegensatz von Präsenz und Absenz dieser Beats und baut so eine Spannung auf, die vergleichbar mit der Arbeit eines Techno-DJs ist. Ein markantes Merkmal sind die Synthiesounds von Konopka, die vor allem Live wie billiger Schrott klingen, wie nichts das ich kenne. Live spielt er seine Keyboards ohne visuelle Kontrolle der Finger: zwei Keyboards stehen links und rechts neben ihm, seitlich von ihm weggewandt. Die Gitarren sind prozessiert und werden geloopt. Schlagzeuger Stanier sitzt fast auf dem Boden, aber hat seine Cymbal auffallend hoch über ihm aufgestellt. Es gibt wenig, das an eine herkömmliche Rockband erinnert. Und das Problem des fehlenden Sängers hat die Band kurzerhand mit Gastsängerinnen und -sängern gelöst. Es singen unter anderem Gary Numan auf My Machines und Yamantaka Eye von den Boredoms auf Sundome. Fazit: Gloss Drop ist ein Neo-Prog-Album für das noch frische neue Jahrzehnt. (2011 09 21)

Trackliste:

1. Africastle - 5:45 2. Ice Cream (feat. Matias Aguayo) - 4:37 3. Futura - 6:17 4. Inchworm - 4:52 5. Wall Street - 5:25 6. My Machines (feat. Gary Numan) - 3:55 7. Dominican Fade - 1:48 8. Sweetie & Shag (feat. Kazu Makino) - 3:50 9. Toddler - 1:11 10. Rolls Bayce - 2:06 11. White Electric - 6:14 12. Sundome (feat. Yamantaka Eye) - 7:47
Alle Tracks: Battles.

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Rezensionen Mai 2011

Gang Gang Dance [x>] [D]: Eye Contact [F] [P]

CoverLabel: 4AD CAD 3107
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 05 09
Genre: Newpop - Artpop

Brooklyn hat seit Jahren die grösste Dichte an interessanten Bands. Allerdings kann man nicht von einer Szene sprechen, denn dafür sind die Bands zu disparat. Eine Stilrichtung, die aus Brooklyn kommt und die ich mir aus keiner anderen Ecke dieser Welt vorstellen kann, bezeichne ich mal tentativ als psychedelischen Artpop. Gruppen wie Grizzly Bear oder Gang Gang Dance sind Bands, deren Sound je mehr sie in die Zukunft schreiten, elektronisch geprägt ist. Eye Contact enthält schimmernd sequenzierte halbtransparente Sequencerschichten, meist tribalen Rhythmen und - markant, markant - die Mickey-Mouse-Stimme der Sängerin Lizzi Bougatsos. Der Track, den man gehört haben sollte, ist das elfminütige Glass Jar. Hier werden die sequenzierten Klangschichten nur zögernd aufeinander aufgetürmt. Die Gestalt des Tracks wird während diesen einleitenden Minuten zurückgehalten um dann wie in einem Feuerwerk zu explodieren. Futuristisches Zeug! (veröffentlicht: 2011 12 06)

Trackliste:

1. Glass Jar - 11:21 2. 8 - 1:03 3. Adult Goth - 6:15 4. Chinese High - 5:12 5. MindKilla - 5:16 6. 8 8 - 1:34 7. Romance Layers - 4:25 8. Sacer - 5:39 9. 8 8 8 - 1:25 10. Thru and Thru - 5:40

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Rezensionen April 2011

Jennifer Castle [x>] [D]: Castlemusic [F] [P]

CoverLabel: Flemish Eye, No Quarter NOQ 029
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 04 26, 2012 03 06
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Psychfolk

Jennifer Castle st eine junge Singer-Songwriterin aus Toronto, ihr Album Castlemusic ein kleines Juwel, das ich allen ans Herz legen möchte, die es ruhig, besinnlich, gar etwas ernst mögen. Am besten kommt diese persönliche Musik über Kopfhörer, wie Jesse Skinner vom Toromagazine bemerkt. Ziehen Sie sich ein paar Kopfhörer über und versinken Sie in Castles zeitlosem Psychfolk.
Das Zeitlose an diesen Songs kommt daher, dass Castle klassische Spielweisen aus Country und Folk in ein dezentes und unaufdringliches Psych-/Freakfolk-Gewand kleidet. Die Stimme von Jennifer Castle wirkt fein, sanft und klar. Sie wurde schon von anderen kanadischen Bands und Musiker/-innen engagiert, unter anderem von Fucked Up und Doug Paisley. Die Instrumente (vorab Gitarre, aber auch Piano, Vibrafon, Orgel, Trommeln, Flöte und Bass) sind wunderbar arrangiert. Immer bleibt die Musik leise und von einem phantasievollen Gitarrenspiel dominiert.

(veröffentlicht: 2012 04 16)

Trackliste:

1. Summer [For P.L.C.] - 3:16 2. Neverride - 2:51 3. Powers - 4:28 4. Way of the Crow - 3:22 5. You Don't Have To Be - 4:14 6. Misguided - 2:13 7. Remembering - 4:05 8. Poor As Him - 4:44 9. The Friend - 2:00
Alle Tracks: Jennifer Castle.

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Cass McCombs [x>] [D]: Wit's End [F] [P]

CoverLabel: Domino WIGCD 296
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 04 12
Genre: Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Singer-Songwriter

Dieses Album solltest du dir nur anhören, wenn du dich in die Langsamkeit eines einsamen Beobachters unserer schnellen Zeit einlassen kannst. Höre es mit viel Ruhe, lass dich von der tiefen Melancholie berühren aber nicht ergreifen. Der Dusted-Rezensent sieht es mit Humor: Es sei grossartige Musik, um Einzahlungen zu machen. Bei traurigen Liedern kommt mir Leonard Cohen in den Sinn. Er hat sich als Singer-Songwriter inszeniert, der seine Songs wie spät Nachts aus einem einsamen Hotelzimmer gesungen hat. Bei McCombs kann ich mir keine vergleichbare Szene vorstellen. Mir ist es, als sänge der Barde aus dem Nicht-Ort seiner Gedanken, oder, wie der Tiny-Mix-Tape-Rezensent schreibt, aus dem Grab: On his new album, Wit’s End, Cass McCombs sings, almost literally, from the grave. He pushes the entire singer-songwriter tradition to its gorgeous bitter end, making music that can barely sustain its own emotional burden. Zum Einstieg empfehle ich das Video zu County Line(veröffentlicht: 2011 06 03)

Trackliste:

1. County Line - 5:37 2. The Lonely Doll - 5:37 3. Buried Alive - 5:37 4. Saturday Song - 5:12 5. Memory's Stain - 7:23 6. Hermit's Cave - 4:19 7. Pleasant Shadow Song - 4:11 8. A Knock Upon the Door 9:23
Alle Tracks: Cass McCombs.

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Rezensionen März 2011

Anne-James Chaton [x>] [D]: Evenements 09 [F] [P]

CoverLabel: Raster-Noton R-N 128
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 03 21
Genre: Electronica - IDM - Glitch-IDM

Sehr interessanter Release von Anne-James Chaton, weil es selten ist, dass jemand Tracks aus lauter Sprach-Samples zusammen strickt. Die Samples bestehen aus der immer selben männlichen Sprechstimme, die Nachrichtentexte verliest. Die Samples so editiert, dass sie zwar keine Sätze, aber doch Sinneinheiten bilden: The King of Pop is Dead, Taliban, Pina Bausch, 12. Le Printemps De T?h?ran – und vieles mehr. Sehr rhythmisch arrangiert, ganz in der Sound-Philosophie des Raster-Noton-Labels. So noch nie gehört. Aber ?
Die Träcks zu lang. Nach der Hälfte der Zeit nerven sie, weil nichts Neues mehr entsteht. Auch wird durch den oft politischen Content der Samples mehr angedeutet als tatsächlich ist. Man kann auch nicht von einem Versuch sprechen, die Nachrichten, mit denen wir täglich konfrontiert werden, zu dekonstruieren. Dafür fehlt es dem Release an Witz, Humor und Spielfreude. Schade, die Erwartung, die der Release in den ersten Minuten aufbaut, leider enttäuscht. (veröffentlicht: 2011 04 08)

Trackliste:

1. Événement N° 20 Jeudi 22 Janvier 2009 - 4:37 2. Événement N° 21 Jeudi 19 Mars 2009 - 1:37 3. Événement N° 22 Vendredi 12 Juin 2009 - 3:51 4. Événement N° 23 Vendredi 26 Juin 2009 - 4:08 5. Événement N° 24 Mardi 30 Juin 2009 - 3:17 6. Événement N° 25 Mercredi 1 Juillet 2009 - 4:24 7. Événement N° 26 Mardi 28 Juillet 2009 - 3:54 8. Événement N° 27 Vendredi 21 Aout 2009 - 4:52 9. Événement N° 28 Jeudi 24 Septembre 2009 - 3:17 10. Barack Obama - 0:15 11. Sème Le Trouble - 0:14 12. Le Printemps De Téhéran - 0:14 13. Pop is Dead - 0:15 14. De L'empire - 0:15 15. Pina Bausch - 0:16 16. Avoir Peur - 0:15 17. Taliban - 0:16 18. Sommet De Pittsburgh - 0:16

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Rezensionen Februar 2011

Nicolas Jaar [x>] [D]: Space Is Only Noise [F] [P]

CoverLabel: Circus Company CCCD 009
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 02 14
Genre: Post-Millennial-Music - Digital-Underground

Nicolas Jaar, ein 21 Jahre junger New Yorker mit amerikanisch-chilenischen Wurzeln, macht elektronische Musik in der Tradition der Konkreten Musik (musique concrète). Space Is Only Noise ist eine Art imaginierter Soundtrack, eine assoziative Folge von Geräuschen und Sprachsamples (vermutlich aus Filmen), aus der popige, soulige oder funkige Tracks hervorgehen und in die sie wieder verschwinden. Das Zwischen der Tracks ist der Space aus dem Titel und eben der besteht aus Geräuschen. Die Rezensionen gehen auseinander, ob dieser Erstling pretentiös oder genau das Gegenteil ist. Bild dir selbst eine Meinung! (veröffentlicht: 2011 06 07)

Trackliste:

1. Être (Intro) - 4:49 2. Colomb - 3:23 3. Sunflower - 0:49 4. Too Many Kids Finding Rain In The Dust - 3:28 5. Keep Me There - 5:22 6. I Got A Woman - 4:09 7. Problems With The Sun - 3:52 8. Space Is Only Noise If You Can See - 5:42 9. Almost Fell - 2:32 10. Balance Her In Between Your Eyes - 3:46 11. Specters Of The Future - 1:59 12. Trace - 0:23 13. Variations - 3:21 14. &dach;Tre - 2:57
Alle Tracks: Nicolas Jaar.

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Seefeel [x>] [D]: Seefeel [F] [P]

CoverLabel: Warp 205
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 02 07
Genre: Electronica - Dubtronica, Postrock - Dubrock

Seefeel haben ihr erstes Album nach fast 15 Jahren eingespielt und wiederum beim Warp-Label veröffentlicht, wo schon ein Teil ihrer früheren Releases heraus kamen. Die neue Musik von Seefeel in teils neuer Besetzung schliesst da an, wo die Band vor Jahren die Maschinen auf Stop gestelt haben. Sie ist ein Fest von zu elektronischer Musik prozessierten Gitarrensounds, hypnotisch und stets atmosphärisch. Sicherlich keine billige Wohlfühl-Musik.
Seefeel wurden in den frühen Neunzigerrn gegründet von Mark Clifford, Sarah Peacock, Justin Fletcher und Mark Van Hoen, der relativ rasch von Daren Seymour ersetzt worden ist. Die Band setzte bei My Bloody Valentine ein, um diesen Sound noch einen Schritt weiter zu bringen. Aber ging das überhaupt? Inzwischen war Techno Cutting-edge-Musik und IDM, elektronische Musik fürs Wohnzimmer (statt für den Club), der Hype der Stunde. Nach vier EPs und einem Album für Too Pure, dem legendären britischen Label der Zeit, wechselte die Band zu Warp, dem britischen Electronica-Label der Stunde. Dieser Schritt machte klar, dass Seefeel mindestens ebenso ein Electronica-Act wie eine Band war. Hierin lag der Fortschritt gegenüber My Bloody Valentine. Gitarren spielten weniger und weniger eine Rolle im Seefeel-Sound, der geprägt war von ambientmässigen, teilweise verdubbten Texturen, immer mal wieder untermalt von polternden Beats. Gesang wurde auch reduziert und kam nur geloopt vor. Es gab dann mitte der 90er noch einen weiteren Labelwechsel zu Rephlex, bevor die Band sich verabschiedete. Die Mitglieder ohne Clifford gründeten Scala, Clifford betätigte sich als Produzent und veröffentlichte als Disjecta weiteres Material bei Warp.
Für die neuen Aufnahmen der Band musste zwei neue Musiker rekrutiert werden, weil Seymour und Fletcher nicht wieder einsteigen wollten. Es sind die Japaner Iida Kazuhisa (E-Da) die Ex-Schlagzeugerin von den Boredoms und Shigeru Ishihara. Die Musik schliesst nahtlos an das frühere Werk an und das ist kein schlechtes Zeichen. Die Band ist nicht stehen geblieben, sie schliesst an ihre wegbereitenden Sounds von früher an und übernimmt stellenweise ein paar Tricks vom zeitgenössischen Dubstep. Höre diese Tracks unbedingt wiederholt an. Die Texturen gewinnen mit jedem Hördurchgang an neuer Tiefe. Das ist keine Ambientmusik zur Entspannung, sondern Musik, die gehört werden will. (veröffentlicht: 2010 02 01)

Trackliste:

1. O-On One - 1:03 2. Dead Guitars - 6:25 3. Step Up - 1:03 4. Faults - 5:45 5. Gzaug - 2:47 6. Rip-Run - 7:01 7. Making - 5:53 8. Step Down - 0:52 9. Airless - 5:41 10. Aug30 - 5:47 11. Sway - 9:17
Alle Tracks: Mark Clifford

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James Blake [x>] [D]: James Blake [F] [P]

CoverLabel: Atlas 02
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 02 07
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Dubstep, Post-Millennial-Music - Digital-Underground - Futuregarage

Nach seinen drei herausragenden EPs von letztem Jahr war die gesamte Blogsphäre und die Musikzeitschriften ässerst gespannt auf den ersten Longplayer von James Blake. Blake ist wie Burial vor ein paar Jahren ein junger englischer Dubstep Producer, der keine Genregrenzen kennt und Musik abliefert, die etwas ganz Eigenes hat. Ein neuer Electronica-Auteur ist geboren! Sein Album geht direkt in die Ewigbestenliste hinein.
Am meisten überrascht, dass die Tracks auf James Blake Lieder sind, was sich auf den drei bisherigen EPs nicht angekündigt hat. The Bells Sketch war ein athmosphärisches Wonky Album. CMYK verwendete gelayerte und prozessierte (zumeist hoch- und tief-gepitchte) Vocal Samples, war aber nicht im strengen Sinn gesungen. Klavierwerke war am ehesten ein Dubstep-Album und verbreitete mit seinen umgekehrten Samples und trickreichen elektronischen Spielereien eine düstere, fast unheimliche Stimmung, ähnlich wie Die alten bösen Lieder von Vindicatrix. Nach all dem hat niemand erwartet, dass Blake auf dem Album singen wird und es ging ein Raunen durch die Gemeinde als man die ersten Tracks und bald auch das gesamte Album weit vor dem Release-Datum im Netz hören konnte. James Blake ist so etwas wie ein Soultronica-Album. Der Soul ist ein zur Zeitlupenhaftigkeit verlangsamter, weisser Soul. Die Musik ist wie bereits auf den EPs vielfach gelayert. Schau dir das Video zu The Wilhelm Scream an. Da wird dir vorgeführt, wie diese Musik funktioniert: Nebelhaft verschleierte Andeutungen werden übereinander geschichtet, bis sich aus ihnen fast wie mit Zauberei so etwas wie Musik bildet. Sie führt Systembildung aus dem Chaos vor, das, wofür viele aus Ungläubigkeit Gott ins Spiel bringen. Wenn Vindicatrix ein wichtiger musikalische Verläufer dieser Musik ist, dann muss man auch Jamie Lidell nennen, dessen Soultronica-Hybriden ein offen hörbarer Einfluss darstellen.
James Blake schreibt mit diesem Album Musikgeschichte. (veröffentlicht: 2011 02 07)

Trackliste:

1. Unluck - 3:04 2. The Wilhelm Scream - 4:36 3. I Never Learnt to Share - 4:52 4. Lindisfarne I - 2:43 5. Lindisfarne II (Rob McAndrews) - 2:59 6. Limit to Your Love (Feist, Gonzales) - 4:40 7. Give Me My Month - 1:54 8. To Care (Like You) - 3:54 9. Why Don't You Call Me - 1:36 10. I Mind - 3:35 11. Measurements - 4:21
Alle Tracks: James Blake, ausser wo anders vermerkt.

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Rezensionen Januar 2011

Dirtbombs [x>] [D]: Party Store [F] [P]

CoverLabel: In The Red ITR 200
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 01 31
Genre: Post-Millennial-Music - Garagerock-Revival - Detroit-Garagerock-Revival, Post-Millennial-Music - Garagerock-Revival - Garagepunk

Essentiell an diesem Release ist seine Genre und Hautfarbe übergreifende Qualität. Was wir hier hören ist eine Garagerock Band aus Chicago, die einen schwarzen Frontmann hat und die auf ihrem neuen Album die seltene Mischung aus Garagerock und schwarzer elektronischer Musik (Detroit-Techno) spielt. Chicago ist notabene die traditionsreiche Stadt, in der schwarzer Techno miterfunden worden ist und in der Garagerock einige der interessantesten Vertreter hervorgebracht hat. Toller Release!
Die Dirtbombs spielen auf Party Store Garagerock-Versionen unter anderem von Cybotron (Cosmic Cars), A Number Of Names (Sharevari – ein früher Italo-Disco-Track, der genau so wichtig für die Entwicklung von Techno war wie Kraftwerk), Carl Craig / Innerzone Orchestra (Bug In the Bass Bin), Inner City (Good Life), Rhythim Is Rhythim (Strings of Life). Der Name des Albums, Party Store, bringt die disparaten Genres auf einen Nenner: Bei beiden handelt es sich um Partymusik. Und die Tradition der Stadt ist der Laden, in dem die Dirtbombs einkaufen. (veröffentlicht: 2011 02 07)

Trackliste:

1. Cosmic Cars (Juan Atkins, Richard Davis) - 4:08 2. Sharevari (Sterling Jones, Paul Lesley, Roderick Simpson, Keith Tucker) - 5:36 3. Good Life (Roy Holman, Shanna Jackson, Kevin Saunderson) - 5:26 4. Strings of Life (Michael James, Derrick May) - 6:18 5. Alleys of Your Mind (Juan Atkins, Richard Davis) - 3:49 6. Bug in the Bass Bin (Carl Craig) - 21:21 7. Jaguar (Mike Banks, Gerald Mitchell, Roland Rocha) - 5:26 8. Tear The Club Up (Craig Adams) - 1:43 9. [Untranslated] [Detoroito Mix] (Mick Collins) - 6:33

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Iron And Wine [x>] [D]: Kiss Each Other Clean [F] [P]

CoverLabel: Warner Bros. (US), 4AD
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 01 25
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk, Post-Millennial-Music - Indiefolk

Sehr stilles und poppiges Album von Iron And Wine. Es zeigt, was Freakfolkies machen, wenn die Zeiten sich ändern und die Musik-Welt extravertierter wird.
Mit seinem ersten Album The Creek Drank The Cradle landete Sam Beam ein Überraschungserfolg. Es war eines der prägendsten Alben der konservativen 00er Jahre: introvertierte an Folkexperimenten der späten 60er- und frühen 70er-Jahren orientierte Musik. Altcountry und Lo-Fi mutierten bzw. hybridisierten zu Freakfolk. Nun, wo die alternative (Rock-)Musik extravertierter wird, glamuröser, poppiger, da liegt ein sanfter Wechsel in die Richtung von Folkpop nahe. Sehr gefällig. (veröffentlicht: 2011 02 07)

Trackliste:

1. Walking Far from Home - 4:46 2. Me and Lazarus - 3:03 3. Tree by the River - 3:56 4. Monkeys Uptown - 3:48 5. Half Moon - 3:16 6. Rabbit Will Run - 5:32 7. Godless Brother in Love - 3:50 8. Big Burned Hand - 4:14 9. Glad Man Singing - 4:40 10. Your Fake Name Is Good Enough for Me - 7:01
Alle Tracks: Sam Beam.

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Destroyer [x>] [D]: Kaputt [F] [P]

CoverLabel: Merge MRG 369
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 01 25
Genre: Indiepop, Post-Millennial-Music - Indiefolk, Newpop - Artpop - Chamberpop, Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Electronicpop

Destroyer ist das Vehikel von Dan Béjar, der auch mit den New Pornographers unterwegs ist. Béjar hat seine Band für dieses Album von vier auf acht Musiker/-innen aufgestockt, was sich auf die Dichte des Sounds auswirkt. Kaputt ist ein Fest für Indiepop-Fans!
Die Stücke von Kaputt sind mit einer Wall of Sound produziert, wobei diese Wall für ein Mal nicht mit Synthis gespielt wird, sondern mit Sax und Trompete. Die Band hat ihre eigene Bläser-Section, was im Indiepop eine Seltenheit ist. Das muss hervorgehoben werden, weil es ein ökonomisches Wagnis darstellt: Diese sieben Musiker müssen mitfinanziert werden. Ich bin gespannt, wie lange der Erfolg von Destroyer diese Aufstellung halten kann.
Insgesamt klingt Kaputt sehr nach Prefab Sprout und anderem 80er Indiepop. Sehr schönes Album, Kritikerliebling des Januars (lies die Pitchfork Rezension, die dieses Album abfeiert und die PopMatters Rezension für einige kritischere Aspekte davon). Für meinen Geschmack deutlich zu viel Retro-Salz im bekömmlichen Süppchen. Aber dennoch ist Kaputt ein Tipp für die Freunde grosser 80er-Jahre-Popmusik. (veröffentlicht: 2011 07 01)

Trackliste:

1. Chinatown - 3:49 2. Blue Eyes - 4:07 3. Savage Night at the Opera - 4:24 4. Suicide Demo for Kara Walker (Daniel Bejar, Destroyer, Kara Walker) - 8:26 5. Poor in Love - 3:26 6. Kaputt - 6:18 7. Downtown - 3:52 8. Song for America - 4:29 9. Bay of Pigs (Detail) - 11:18
Alle Tracks: Destroyer, ausser wo anders vermerkt.

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Sprung aus den Wolken [x>] [D]: Lust Last Liebe [F] [P]

CoverLabel: Faux Pas Communications
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 01 18
Genre: Postpunk - Continental-NewWave - NDW

Sprung aus den Wolken ist eine Berliner Band, die anfangs der 80er Jahre zum Kreis der Genialen Dilletanten gehörte, aus dem vor allem die Einstürzenden Neubauten mit grossem internationalem Erfolg hervorgegangen sind. Vor kurzem meldete sich Sprung aus den Wolken mit einem neuen Album zurück. Es heisst Lust Last Liebe.
Auf der Webseite der Band werden dir die zehn Tracks über Lust Last (und) Liebe gestreamt. evolution/revolution oder kalte liebe sind Minimal-Industrial-Tracks, in denen DAF mitklingen. Renault Schubert heisst der Keyboarder der Band, der seinen Instrumenten diesen teils kargen teils dreckigen (höre das hysterische keine disco an!) Industriefunk entlockt. Im letztgenannten Track singt schreit stöhnt sich Kiddy Citny die Seele aus dem Leib. Der Sänger der Band exploriert dabei den Raum zwischen Nonsense und Rausch. Noch weitere Anspieltipps: In ruhe/zeit klingt Wir bauen eine neue Stadt von Palais Schaumburg angenehm nach. Die beiden Stücke bedien dich und für immer für uns, (mit-)gesungen von Kirsten Hildisch, wirken sehr poetisch, das rauschhafte Element fehlt hier (wie auch bei im schoss). Diese Stücke erinnern mich an die Kunstlieder der bereits genannten Einstürzenden Neubauten, die sie seit den Neunzigerjahren mehrheitlich spielen. Lust Last Liebe mäandert zwischen zwei Polen hin und her, zwischen gepflegter Salon-Kunst und wilder Art-Brut. (veröffentlicht: 2011 05 02)

Trackliste:

1. evolution/revolution 2. keine disco 3. kalte liebe 4. love beach 5. im schoss 6. öffne die tür 7. bedien dich 8. ruhe / zeit 9. baba he 10. für immer für uns
Alle Tracks: Kiddy Citny und Renault Schubert.

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Wolfgang Voigt [x>] [D]: Du musst nichts sagen [12'' Vinyl Single] [F] [P]

CoverLabel: Profan PRO 034
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2011 01 17
Genre: Electronica - Techno - Koelntechno, Electronica - Postelectronica - Neo-Klassik

Der Track Rückverzauberung 2 auf Seite A ist ein Crackle-Track mit schmalbrüstigem Techhousebeat unterlegt. Das schliesst an die frühen experimentellen Releases z.B. M:1:5 an. Du Musst Nichts Sagen auf Seite B ist ein interessanter Neo-Klassik-Track. Um Welten spannender als das amorphe Freiland Klaviermusik von letztem Jahr. (veröffentlicht: 2010 02 06)

Trackliste:

Seite A 1. Rückverzauberung 2
Seite B 1. Du Musst Nichts Sagen
Alle Tracks: Wolfgang Voigt.

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