

Cowboy Junkies [>] [x>]: The Nomad Series, Volume 1: Renmin Park [R] [F] [P]
Label: Latent Recordings
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 06 15
Genre: Alternativerock - Alternativecountry, ThemealbumRenminpark
heisst Volkspark. Jede Stadt in China hat einen Renminpark
. Es sei der Ort, wo das öffentliche Leben statt findet, wo Gerüchte entstehen und Liebende sich treffen, erklärt die Website der Cowboy Junkies. Renmin Park
ist der erste Teil einer Tetralogie von Alben der Junkies, die in den nächsten anderthalb Jahren auf den Markt kommen und die unter dem Titel The Nomad Series
stehen. Ich liebe dieses Album heiss.
Ich hatte die Cowboy Junkies
, eine alte Herzensangelegenheit von mir, eigentlich abgeschrieben; hättest du mich vor eine Woche gefragt, sie für ein Auslaufmodell gehalten. Sie sind seit den späten 80er Jahren im Geschäft, haben ihren kargen und gefälligen Alternative-Country-Sound drauf, den sie nicht verlassen können, weil sie dann nicht mehr sie selbst wären. Trotz dieser Stilsignatur empfand ich die Gruppe erst in den letzten Jahren etwas fad, bis in die Neunziger Jahre hinein verstanden sie es, immer wieder, hervorragende Alben vorzulegen. Die besten davon hatten jeweils einen stilistischen Schwerpunkt: Whites Off Earth Now!! klang nach Blues, die Trinity Sessions nach Gospel, Lay It Down nach Rock. Renmin Park
nun ist noch einmal so ein Album, das in das Junkies-Universum aus Slow Sad Waltzes
(dieser Ausdruck ging in den Titel ihres Raritäten-Albums ein) ein neues Element induziert: Es ist kein bestimmter musikalischer Stil dieses Mal, sondern ein Thema. Michael Timmins, der musikalische Kopf der Gruppe, machte mit seiner Familie eine Chinareise, um seinen Töchtern, die seine Frau und er aus China adoptierten, etwas von ihrer biologischen Herkunft zu vermitteln. Zurück in Toronto wurden Michael Timmins' Reiseeindrücke zu diesem neuen Junkies-Album verdichtet. Es enthält eine Coverversion eines chinesischen Popsongs, Zuoxiao Zuzhous I Cannot Sit Sadly By Your Side
, einen Song in chinesischer Sprache, Xu Wies My Fall
. Die meisten der Songs arbeiten mit Tonaufnahmen von der Reise. Diese prägen einzelne Tracks und verleihen ihnen stellenweise etwas Experimentelles. Umwerfend in dieser Hinsicht ist der Loop aus der Aufnahme eines Badminton-Spiels, der die Grundlage für Sir Francis Bacon at the Net
bildet.
Du kannst das Album übrigens als Stream auf der Webseite der Band anhören. Zudem ist im American Songwriter ein lesenswertes Interview mit Michael Timmins erschienen, in dem er über Renmin Park und ein nächstes Album voller Vic Chesnutt Covers spricht. (veröffentlicht: 2010 08 02)
Trackliste:
1. Intro) - 1:09 2. Renmin Park (Timmins) - 3:59 3. Sir Francis Bacon at the Net (Anton, Baker, Timmins) - 3:59 4. Stranger Here (Timmins) - 3:17 5. A Few Bags of Grain (Anton, Baker, Timmins) - 3:40 6. I Cannot Sit Sadly by Your Side (Zuoxiao Zuzhou) - 4:59 7. (You've Got to Get) A Good Heart (Anton, Baker, Timmins) - 4:27 8. Cicadas (Anton, Baker, Timmins) - 5:17 9. Interlude - 0:48 10. My Fall (Wie) - 4:37 11. Little Dark Heart (Timmins) - 4:08 12. A Walk in the Park (Anton, Baker, Zuoxiao Zuzhou) - 5:51 13. Renmin Park (Revisited) (Timmins) - 3:16 14. Coda - 0:54
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Autechre [>] [x>]: Move Of Ten [EP] [R] [F] [P]
Label: Warp WAP 505
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 06 14 (Netaudio), 2010 07 12 (CD)
Genre: Electronica - GlitchAutechre
kommen bereits mit dem zweiten Release in diesem Jahr. Move Of Ten
ist als EP katalogisiert, hat aber die Spieldauer eines Albums. Oversteps, der erste Release in diesem Jahr, fiel durch eine handvoll Beat-lose Ambienttracks auf. Move Of Ten
nun kann man als einen Antipoden dazu sehen, als Album, das die Beats betont (Ausnahmetrack iris was a pupil
. Im Gegensatz zu früher halten sich die Rhythmen durch den ganzen Track durch, die Variation liegt im Beiwerk. Das ist Autechres Verneigung vor dem Wonky-Genre. Tolles Album.
Man kann natürlich argumentieren, dass Autechre
immer noch wie sie selbst klingen und dass es fragwürdig ist, ob man diese neuen Releases auch noch anhören muss, nachdem ältere Alben wie Amber, Tri Ripeatae oder Confield die Spannweite dieses Electronica-Projekts im Prinzip aufgezeigt haben. Dennoch: Heute sind nicht mehr viele Electronica-Acts aus den 90er-Jahren noch dermassen glaubwürdig unterwegs. Ich habe Autechre
dieses Jahr live in Zürich erlebt und sie sind noch immer kompromisslos. Auch wenn man den Sound im Ohr hat und einen Track von ihnen sofort als soclchen erkennt – ich finde, man muss noch immer respektvoll grüssen, wenn ein neuer Release von ihnen vorbei kommt. Beide diesjährigen Alben, Oversteps und Move Of Ten
sind Alben, die die IDM-Anfänge mit der Gegenwart – eben mit Wonky-Genre – verknüpfen. So gesehen sind beide Autechre
Releases urenglische Techno-Alben. Englischer Techno war in der Regel Breakbeat. Bei einem Track wie M62
klingt der frühe Aphex Twin durch. Cep puiqMX
kann es mit einem Flying Lotus Track aufnehmen. Was ich damit sagen möchte: Move Of Ten
ist state of the art
der heutigen Breakbeat Musik. (veröffentlicht: 2010 07 19)
Trackliste:
1. Etchogon-S - 4:54
2. y7 - 5:09
3. pce freeze 28i - 5:13
4. rew(1) - 6:18
5. nth Dafuseder.b - 5:18
6. iris was a pupil - 3:40
7. no border - 3:31
8. M62 - 6:09
9. ylm0 - 3:29
10. Cep puiqMX - 4:10
Alle Tracks: Sean Booth & Rob Brown.
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Jamie Lidell [>] [x>]: Compass [R] [F] [P]
Label: Warp 192
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 05 18
Genre: Electronica - Breakbeat - Wonky, Electronica - Funktronica
Der Albumtitel Compass
verweist auf Neuorientierung, Suche, Experiment. Eingespielt worden ist dieses Album in Los Angeles, New York und Canada mit einer Traumcrew von verschiedenen Produzenten und Musikern: Beck, Leslie Feist, Gonzales, Pat Sansone von Wilco) und Chris Taylor von Grizzly Bear. Komponiert hat Jamie Lidell
die Tracks in weniger als einem Monat. Wer meint, dass Compass
deshalb ein flüchtig hingeworfenes Werk ist, täuscht sich gewaltig. Jamie Lidell
legt hier sein bisher bestes Soloalbum vor. Darauf habe ich zehn Jahre lang gewartet.
Auf seinem ersten Album Muddlin Gear, das noch ein fast instrumental eingespieltes Electronica-Album und dem damaligen Warp-IDM Sound verpflichtet war, fand sich ein Stück, das als Song heraus stach: Dady's Car
. Der Track war das grosse Versprechen, dass dieser Mann der Prince der gerade angebrochenen Dekade werden könnte. Dann kam Super_Collider, die Kollaboration mit Cristian Vogel. Das war schon mal der Himmel auf Erden und Jamie Lidell
entfaltete in diesem Projekt seine Soulstimme, die er ins Zentrum seiner nächsten Soloreleases stellte. Das klang nach Al Green, nach Curtis Mayfield und anderen Klassikern; er hatte teilweise grossen Erfolg damit, diese Platten waren mir aber fad. Da höre ich mir lieber gleich das Original an. Im Pitchfork-Interview zu Compass
hat Jamie Lidell
davon gesprochen, dass er bei diesen Soulalben die Produktion zu sehr seinem Produzenten Mocky überlassen habe: I was getting into too much of a comfort zone. The last two albums I constructed largely with Mocky in Berlin; he was my thinking and writing aide. Whether it was conscious or not, it was like, ''Oh, it doesn't matter-- once I give it to Mocky, it'll be good.'' So I put less of myself in it than I could have done.
Und so hat Jamie Lidell
mit diesem neuen Album ästhetisch von Motown zu Stax gewechselt: Dieses Album klingt experimentell, ist roh und reif zugleich, es lotet seine klanglichen Möglichkeiten aus, ist spannend und abwechslungsreich. (veröffentlicht: 2010 05 24)
Trackliste:
1. Completely Exposed - 3:24
2. Your Sweet Boom - 3:13
3. She Needs Me - 5:55
4. I Wanna Be Your Telephone (Lidell, Snax) - 3:29
5. Enough's Enough - 2:55
6. The Ring - 3:44
7. You Are Waking - 3:42
8. I Can Love Again - 2:10
9. It's a Kiss - 3:47
10. Compass - 5:33
11. Gypsy Blood - 2:16
12. Coma Chameleon (Hansen, Lidell) - 3:20
13. Big Drift (Beck, Feist, Lidell) - 4:45
14. You Are My Light - 2:09
Alle Tracks: Jamie Lidell, ausser wo anders vermerkt.
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Ellen Allien [>] [x>]: Dust [R] [F] [P]
Label: Bpitch Control BPC 217
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 05 17
Genre: Electronica - Minimaltechhouse
Die neue Ellen Allien
ist ein Meisterwerk des minimalen Mainstreemtechnos. Erhebende Partymusik, die dich auch zu Hause nicht still sitzen lässt. Diese Musik mit ihren verhältnismässig geraden und funktionalen Beats (ausser beim ambientmässigen Partybeendungstrack Should We Go Home?
) , den leicht synkopischen Arrangements, die den Tracks eine edle Funkyness verleihen, die interessanten Klänge der Samples, die Instrumentalpassage mit Klarinette gespielt von Andreas Ernst in My Tree
, die Gitarre von Tom Krimi in Sun The Rain
, ein Track der fast nach Indietronica klingt, nach Lalipuna für den Dancefloor, der fast allgegenwärtige Gesang der Poetess Antye Greie (AGF und Laub) ist absolute Herzensangelegenheit. Ich liebe diesen Release, er läuft heavyrotationmässig, ich bin ihm verfallen.
(veröffentlicht: 2010 05 18)
Trackliste:
1. Ourutopie - 4:11 2. Flashy Flash - 4:24 3. My Tree - 3:38 4. Sun The Rain - 4:27 5. Should We Go Home - 6:54 6. Ever - 6:11 7. You - 2:50 8. Dream - 4:28 9. Huibuh - 4:34 10. Schlum! - 4:11
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CocoRosie [>] [x>]: Grey Oceans [R] [F] [P]
Label: Sub Pop SPCD 880
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 05 03 (EU), 2010 05 11 (US)
Genre: Folk - Freakfolk
Wie lange hält die Erfolgswelle für CocoRosie
an, fragte ich mich, leise daran zweifelnd, ob dieses vierte Album die Qualitätsmarke weiterhin hoch halten kann oder ob sich wohl Ermüdungseffekte einstellen. Ich bin froh, ich kann nur Positives über Grey Oceans
schreiben. CocoRosie tragen ihren Erfolg ins neue Jahrzehnt.
Mit Grey Oceans
, das bei Sub Pop und nicht mehr bei Touch & Go erschienen ist, kommt dieses Mal ein eher ruhiger, verhältnismässig introvertierter Release. Die Toyinstrumente sind weitgehend verschwunden, die Human-Beatbox ist weg. Das Piano von Gaël Rakotondrabe prägt den Sound an manchen Stellen, Synthies sorgen noch immer für fremde und exotischen Momente in der Musik der beiden Schwestern. Viele Rezensionen beklagen das eigentümlich kitschige Titelbild. Ich finde es mutig, dass CocoRosie daran festhalten, Beiträge an den Genderdiskurs zu liefern. Die Songs klingen klassisch, das wird mit dem letzten Track Here I Come
noch einmal klar, der melodisch an Amazing Grace angelehnt ist. Himmlisch! (veröffentlicht: 2010 06 12)
Trackliste:
1. Trinity's Crying - 4:40 2. Smokey Taboo - 4:48 3. Hopscotch - 3:08 4. Undertaker - 3:52 5. Grey Oceans - 4:32 6. R.I.P. Burn Face - 4:38 7. The Moon Asked The Crow - 3:50 8. Lemonade - 5:14 9. Gallows - 4:25 10. Fairy Paradise - 4:10 11. Here I Come - 3:28
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Superterz [>] [x>]: Insomnia [2 CD] [R] [F] [P]
Label: Unit Records UTR 4259
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 04 09
Genre: Electronica, Improvisation
Ein Prog-Electronica-Album der Zürcher Gruppe Superterz
. Auf Prog (Progressive) kommt man, weil dieser Doppel-CD offensichtlich das Konzept einer schlaflosen Nacht zugrundeliegt: Die Tracks tragen den Namen jeder Stunde einer Nacht und erzählen demnach deren Geschichte oder – psychologisch gewendet – sie sind die Erzählung eines schlaflosen Schläfers, die Dokumentation der Bewusstseinszustände, in die du gerätst, wenn Schlaf und Traum die Eindrücke des Tages nicht aufräumen können. Diese türmen sich dann nämlich zu einem hirnspinstigen Wachtraum auf. Die Realität wird mit den Gespinsten angereichert und von ihnen überlagert, bis du jeden Bezug zu ihr verlierst. Das geht, bis der Wahnsinn an deine Türe klopft …
Bestand der letzte Release der Gruppe aus Fragmenten an der Bruchstelle zwischen Song und Track, so wirkt dieser Release wie ein einziger langer Track mit Pausen, deren Stille durchaus zum Fluss der Dinge gehört. Die Pausen sind die Momente, wo dir als Schlaflosem das Einschlafen für einen kurzen Moment gelingt, um gleich wieder aufzuschrecken und von neuen Wachtraumbildern verfolgt zu werden. Auf Insomnia
gibt es nichts Skizzenhaftes mehr wie auf Standards, sondern einen langen Strom aus Sounds und Beats. Die Tracks neigen zur Länge wie die Stunden der insomnischen Nacht. Was du hörst ist geträumt. Die Musik gibt es so gar nicht. Der Bezug zu einem Ort und zu einer Zeit verschwindet im Strom des Hörens. Die Musik wird so mehr und mehr zu einem Traumkonstrukt: Passiert sie, so wie du sie hörst, oder träumst du sie?
Das Material für Insomnia
wurde in improvisierten Live-Sessions eingespielt und danach so lange und minutiös editiert, dass man schon fast von Komposition
sprechen kann. So ist das Spannungsfeld, in dem dieses Album entstanden ist, nicht mehr das zwischen Song und Track (wie noch auf Standards), sondern das zwischen Improvisation und Komposition. Entstanden ist ein Doppelalbum voller Strom – Strom als Fluss von Beats und Sounds, Strom als Bewusstseinsstrom, Strom als elektrische Bewegung. Dieser Strom trägt dich zuweilen mit ihm fort, wirbelt dich umher bis du nicht mehr weisst, wo oben und unten ist. Insomnia
ist keine Ambientmusik bei der du dich entspannst und mit der du einschlafen kannst. (veröffentlicht: 2010 04 25)
Trackliste:
CD 1
1. 08:00 pm - 13:11
2. 09:00 pm - 12:58
3. 10:00 pm - 9:27
4. 11:00 pm - 24:40
5. 00:00 pm - 14:19
CD 2
1. 01:00 am - 4:13
2. 02:00 am - 11:53
3. 03:00 am - 7:45
4. 04:00 am - 5:33
5. 05:00 am - 21:48
6. 06:00 am - 7:51
7. 07:00 am - 12:33
8. 08:00 am - 13:38
Alle Tracks: Superterz.
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The Sight Below [>] [x>]: It All Falls Apart [R] [F] [P]
Label: Ghostly International GI 102
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 04 06
Genre: Electronica - Ambient
Vergleichsweise abwechslungsreiches Electronic-Ambient Album, das das Genre durchdekliniert: Zuweilen klingen die Tracks nach Ambient vom Kranky-Label, zuweilen, wenn ein gerader, dumpfer Beat unter den Klangflächen erscheint, nach Gas. Ein guter Punkt, um in diese Art von Musik einzusteigen.
Trackliste:
1. Shimmer - 6:14 2. Fervent - 5:09 3. Through The Gaps In The Land - 9:22 4. Burn Me Out From The Inside - 6:07 5. It All Falls Apart (Simon Scott, Sight Below) - 4:37 6. New Dawn Fades - 5:18 7. Stagger - 13:14
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GonjaSufi [>] [x>]: A Sufi And A Killer [R] [F] [P]
Label: Warp 172
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 03 08
Genre: Electronica - Breakbeat - Turntablism, Electronica - Psychtronica, Electronica - Breakbeat - Wonky
Ein Sufi und ein Killer. Der Sufi ist GonjaSufi, bürgerlich Sumach Ecks, der Killer ist Gaslamp Killer, bürgerlich William Benjamin Bensussen. Beide entstammen der südkalifornischen Hip-Hop-Szene von San Diego. Der Sufi ist eigentlich ein Yogi, dieses Album der Killer. Die Musik, die die beiden machen verbiegt alle Genres von Wonky über Lo-Fi zu Folktronica. Dieses Album ist das Werk von gottverdammten Freaks!
GonjaSufi erhielt seinen Deal mit Warp, nachdem er für Flying Lotus auf dessen Album Los Angeles sang (Testament
). Schon damals beschäftigte mich diese Stimme, die gleichzeitig so whysky-kaputt und erhaben klang, wie diejenige von Billie Holiday auf den Album Lady In Satin. Wo Holidays Stimme von ihrer Biografie gezeichnet war, ist die Stimme GonjSufis inszeniert. Erinnerst du dich, wie vor ein paar Jahren Boards Of Canada Instrumentalmusik auf Tonband zerknüllten, um den Sounds etwas Abgetragenes, Ausgemergeltes, Ausgebleichtes zu geben? So kommt mir diese Stimme hier vor, die viel mit der Ort zu tun hat, wo die Musiker leben: San Diego ist eine Hightech-Industrie-Stadt an der Peripherie Amerikas, am Rand einer grossen Wüste und an der Grenze zu Mexico. Hightech ist diese Musik, auch wenn sie auf's erste Hören nicht so klingt. An den Sounds wurde viel herumgefeilt, hör genau hin! Dann werden Weltmusik-Samples verwendet, nicht zuletzt solche aus dem islamischen Raum. So etwas kann ich mir nur aus der Peripherie der Vereinigten Staaten kommend vorstellen. Und eben die Sound klingen nach Wüste, weil sie dermassen von der Sonne ausgemergelt sind.
Ich habe mal zusammengetragen, was verschiedene meiner Leiblings-Rezensenten zu einzelnen Tracks schreiben: Brooding, bad-trip laments (Kobwebz
, eine diffus wabernde Downbeat-Nummer, deren brütend heißen, meditierenden Charme man sich kaum entziehen kann), a doo-wop number punctuated by spacey twang (Duet
), a warping of the blues (Ageing
), heavy soul of Change
, the bar-jazz tension of Advice
, and the woozy Kowboys & Indians
, worin siedende Wüstenhitze zu spüren sei, schweisstreibende Funky-Sounds gibt es auf Candylane
zu hören. Ungeahnte Elevationsgefühle entfaltet das hitverdächtige She Gone
. Der smoothe Soul von Change
bringt Entschleunigung und bietet eine dankbare Gelegenheit für eine kurze Atempause, während mit Suzie Q
kurze Zeit zuvor eine richtig dreckige Punkorgie für vollkommene Orientierungslosigkeit beim Hörer sorgt. Ein Satz noch: Eine gewisse Stillosigkeit, die an der Grenze zur Überladung alle Korsette sprengt, wird es Schubladendenkern schwer machen, seine Musik in vorgefertigte Genre-Kategorien zu pressen. Archaisch anmutende, mystische Klänge verbindet er in einer zauberhaften Melange mit Elementen von verschleppten Electro-Hop-Beats, Psychedelic Folk, Weirdo-Pop, Verve-Dub-Jazz, Soul, Funk, übersteuerten Desert-Blues und afrikanischen Ritualgesängen. Angereichert wird dieser Mix mit mythischen Ethno-Motiven und Soundtrackfragmenten aus 60er-Jahre-Filmen.
(Amazon Rezensent)
Genug der Worte. Das ist eines der Alben des Jahres, damit musst du leben!
Trackliste:
1. Untitled - 0:55
2. Kobwebz - 2:13
3. Ancestors - 2:36
4. Sheep - 4:03
5. She Gone - 2:45
6. SuzieQ - 1:44
7. Stardustin' - 1:04
8. Kowboyz&Indians - 2:43
9. Change - 2:04
10. Duet - 3:06
11. Candylane - 2:07
12. Holidays - 3:57
13. Love of Reign - 2:39
14. Advice - 2:45
15. Klowds - 3:28
16. Ageing - 2:42
17. DedNd - 3:38
18. I've Given - 3:35
19. Made - 10:45
Alle Tracks: GonjaSufi
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Loscil [>] [x>]: Endless Falls [R] [F] [P]
Label: Kranky krank 141
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 03 01
Genre: Electronica - Ambient
Die Szene ist irgendwo auf dem Land. Du liegst auf dem Bett und schaust an die Decke. Draussen fällt ein dichter Sommerregen. Sein Klang regt deine Gedanken an, du denkst an dies und das, du schläfst nicht ein …
Die Ambient Mussik von Loscil
ist nicht einfach nur nett (das ist sie auch), aber sie hat eine Tiefe, die fasziniert.
Die Klänge, die Scott Morgan verwendet, haben stellenweise mit Neo-Klassik Releases der Gegenwart zu tun, vor allem im ersten Track, wo zwei Violinen verwendet werden. Die Musik auf Endless Falls
ist vielschichtig, wirkt aufgerämt, ja edel. Sie stellt für mich eine perfekte Verbindung zwischen Intellekt und Emotion her. Wer Klimek liebt, wird diesen Release willkommen heissen.
Interessant ist das letzte Stück der CD: The Making Of Grief Point
. Hier spricht ein Musikerkollege von Morgan, Daniel Bejar, über seine ganz persönliche Krise mit dem Musikmachen. Das Stück erinnert mich sehr an den Briten Robin Rimbaud (Scanner), der zum Beispiel auf The Garden Is Full Of Metal mit Interviewaufnahmen vom Filmemacher und Künstler Derek Jarman arbeitet. In beiden Fällen erzeugen die Klänge der Ambientmusik eine intime Werkstattatmosphäre. Du hast den Eindruck, dem Sprecher im Kopf zu sitzen oder sein Tagebuch zu sein, in das er gerade schreibt.
Trackliste:
1. Endless Falls - 7:55
2. Estuarine - 8:20
3. Shallow Water Blackout - 7:07
4. Dub For Cascadia - 6:06
5. Fern And Robin - 7:11
6. Lake Orchard - 7:40
7. Showers Of Ink - 8:43
8. The Making Of Grief Point - 8:54
Alle Tracks: Scott Morgan.
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Efterklang [>] [x>]: Magic Chairs [R] [F] [P]
Label: 4AD CAD 3X01
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 02 23
Genre: Newpop - Artpop
Die dänische Band Efterklang
hat im vergangenen Herbst bei 4AD unterschrieben. Das neue Album ist seit einiger Zeit in den unoffiziellen Kannälen des Netzes und nun im Verkauf. Das ist Musik aus Europa, die an dem Teil hat, was in den USA gerade passiert: Die Musik kommuniziert mit den innovativen Sounds von Bands wie Grizzly Bear und Animal Collective. Als Fan der ersten Stunde hoffe ich, die Band wird mit Magic Chairs
einen Riesenerfolg landen. Die Musik hat das Zeug dazu.
Die dänische Band Efterklang
hat innerhalb von sechs Jahren drei (herausragende!) Alben eingespielt, Tripper, Parades und nun Magic Chairs
– neben einer Hand voll EPs und Singles. Zwischen den drei Alben liegen vielfältige Tätigkeiten wie Touren, Hochziehen eines eigenen Labels Rumraket und Arbeit an der eigenen Internetpräsenz. Der Sound der Band hat sich in diesen Jahren enorm verändert. War Tripper noch eine Postrock-Electronica-Hybride ist nun Magic Chairs
im Artpop unserer Zeit angekommen. Kein Wunder auch, der Produzent Gareth Jones hat das Veckatimest Album von Grizzly Bear abgemischt. Was den vielfältigen Output der Band zusammenhält ist eine unwiderstehlich charmante Oppulenz in der Instrumentierung. Piano, Synthies, Bläser, Orchester – nichts lassen Sie aus und man vermutet, am liebsten würden sie alles aufs Mal verwenden. Die Gruppe ging im letzten Album Parades durchaus auch als Neo-Progfolkband durch, doch nun mit Magic Chairs
fand sie einen eingängig poppigen Stil. Ich fand Rezensionen im Web, deren Schreiber erschrocken feststellten, dass Efterklang
nun Popmusik mache. Ich möchte hingegen betonen, wie sehr Efterklang
nun zu einem – zu ihrem Stil gefunden haben, der international anschlussfähig ist und trotzdem zu ihnen, zu ihren reichen Kammerarrangements, passt.
Zu erwähnen ist unbedingt noch das wunderschöne Cover der führenden Kopenhagener Designer Hvass&Hannibal
. Du stehst als Betrachter in einer postmodern wirkenden neoklassischen Architektur (das Thorvaldsens Museum?), die einen offenen Lichthof bildet, der buntfarbige Fahnen in der Form von langen Bändern enthält, die leicht und spielerisch in der Luft schweben. Das sagt viel über die Musik auf Magic Chairs
aus.
Trackliste:
1. Modern Drift - 4:53 2. Alike - 4:11 3. I Was Playing Drums - 5:13 4. Raincoats - 4:20 5. Harmonics - 4:05 6. Full Moon - 3:49 7. The Soft Beating - 4:13 8. Scandinavian Love - 3:53 9. Mirror Mirror - 5:44 10. Natural Tune - 3:26
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Eleh [>] [x>]: Location Momentum [R] [F] [P]
Label: Touch TO:80
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 02 22
Genre: Electronica - Soundart
Der erste CD Release von Eleh
. Bisher kam Elehs
Musik auf Vinylraritäten heraus: karge Dronetronica aus Analogsynthies, Musik in der Traditionslinie von La Monte Young, Eliane Radigue und Pauline Oliveros. Elektronische Drones wirken meist akademisch, distanziert, kühl, unnahbar, vielleicht selbstverliebt. Location Momentum aber hat dieses gewisse Etwas. Das ist nicht eine Fussnote zur Geschichte akademischer Musik von vor 40 Jahren. Diese CD ist wunderschön, weil die Drones tief und warm strömen als wären sie Sonnenstrahlen. Das ist der warme Sound modularer Vintage-Synthies.
Der erste Track (Heleneleh
, der Name ein Palindrom) ist mit 20.5 Minuten Laufzeit der längste des Albums. Gegen sein Ende wird der Grundton der Drone in einem geradezu dramatischen Höhepunkt drei Mal eine Oktave runter und dann wieder hoch verschoben, dann kommt noch eine Oktave plus ne Terz dazu, bevor die Drone schliesslich im Nichts verschwindet. Im Nichts? Der de:bug Rezensent schreibt superschön: Eine ruhige, kraftvolle Klangpräsenz, danach sind die Ohren sauber
. Ich lese diesen Satz als Hinweis auf die Hörerfahrung mit Dronemusik, die ich immer wieder zu vermitteln versuche: Wenn die Drohne verschwindet, ob ausgeblendet oder jäh abgestellt, dann kommt noch etwas, ein Negativeindruck verbleibt in den Ohren, wie ein helles Bild, das sich in deinem Bildschirm eingebrannt hat. Da ist wie ein Loch in dem die Musik weitergeht, nachdem sie verstummt ist. Halte die CD an. Press Pause
! Das verbleibende Loch, die Leere, der Negativeindruck entspricht dem Konzept, mit dem Eleh
auftritt. Der oder die Menschen hinter dem Namen ziehen es vor, die Musik für sich selbst sprechen zu lassen (so die Antwort an The Wire, wo in Ausgabe 314 ein Artikel erschien). Sie bleiben also verborgen, es sind keine Namen bekannt, was dem Act etwas Geheimnisvolles verleiht. Der zweite Track (Linear To Circular/Vertical Axis
) ist mit 2.5 Minuten Laufzeit bedeutend kürzer: ein Sägezahn, der invertiert klingt als würde ein Tape rückwärts laufen. Einige Parameter werden dabei verstellt. Der dritte Track (Circle One: Summer Transcience
) ein sinusartiger hoher Grundton, zu dem sich langsam ein tiefer etwas wummernder Grundton gesellt, der dann rhythmisch zu pulsieren beginnt. Von hier aus könnte der Track durchaus in Richtung Glitchfunk gehen, stattdessen verfolgt Eleh die eigene Strategie: Das ist ein Flirt mit etwas Genrefremdem, eben das gewisse Etwas, das nie bieder wird, aber andeutet, ich könnte hier auch Popmusik machen. Doch dann verfolgt es konsequent das eigene Interesse am Spiel zwischen hohen und tiefen Drohnen, am Ausloten des Klangraums durch zwei miteinander spielende Extreme. Die tiefe und die hohe Drohne, die sich wie Ying und Yang umspielen, die miteinander tanzen, sich gegenseitig ergänzen. So funktionieren die drei letzten Tracks der CD, die wieder über zehn Minuten Laufzeit haben.
Diese CD ist etwas ganz Besonderes. Touch-Releases sind immer etwas ganz Besonderes, doch Eleh
topt diesen Standard noch – und zwar mit Leichtigkeit. Ich war noch nie von Dronetronica so angetan wie von Location Momentum
. (veröffentlicht: 2010 06 25)
Trackliste:
1. Heleneleh - 20:28 2. Linear To Circular/Vertical Axis - 2:33 3. Circle One: Summer Transcience - 13:33 4. Observation Wheel - 11:33 5. Rotational Change For Windmill - 12:17
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Pantha Du Prince [>] [x>]: Black Noise [R] [F] [P]
Label: Rough Trade RT 544
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 02 09
Genre: Electronica - Minimaltechhouse
Mit Black Noise
ist u.a. Schall gemeint, der fürs menschliche Ohr unhörbar ist, in der Natur aber Wirkungen entfalten kann: beispielsweise Erdbeben oder Erdrutsche auslösen. Diesen schwarzem Lärm oder das schwarze Rauschen, das Pantha Du Prince
in den schweizer Bergen aufgenommen hat (vielleicht in Goldau, wo 1806 der Rossberg drei Dörfer und eine riesige Fläche Land verschüttete), möchte er mit diesem Album hörbar machen. Black Noise
ist wie sein Vorgänger The Bliss ein herausragendes Album.
Mit dem Berliner und Pariser Produzenten Hendrik Weber ist ein neuer Minimaltechhouse Auteur erwachsen, vergleichbar mit Ricardo Villalobos. Sein drittes Album als Pantha Du Prince
kommt bem klassischen Indielabeli Rough Trade heraus. Das will was heissen, wenn ein Electronica-Album dort veröffentlicht wird. Man rechnet mit Hörer/-innen, die nicht vor allem Electronica kaufen. Und es hagelt tolle Kritiken zuhauf: Black Noise
sei ein Triumph minimalistischer und fragiler Soundscapes, schreibt das SlantMagazine. Laut.de ergänzt das Album sei ein avantgardistischen Glanzstück.
Angesiedelt zwischen dem Tanzformat, dass diese Tracks voll erfüllen, und (Dark-)Ambient würde das Album hervorragend in den Kompakt Katalog passen. Die verwendeten Sounds entfalten eine hoch-impressionistische Wirkung, die Tiefen rumpeln teils düster, die Mitten und Höhen schimmern in der vom Coverbild evozierten Alpenlandschaft (Glocken, Naturgeräsche). Und in all dem liehgt so viel Raum. Wie wenn du an einem blauen Sommertag auf dem besagten Rossberg stehst und in die Tiefe des Tals hinunter schaust.
Trackliste:
1. Lay In a Shimmer - 6:38
2. Abglanz - 6:04
3. The Splendour - 6:00
4. Stick To My Side - 7:51
5. A Nomads Retreat - 6:41
6. Satellite Snyper - 5:29
7. Behind the Stars - 6:51
8. Bohemian Forest - 7:24
9. Welt Am Draht - 7:11
10. Im Bann - 3:23
11. Es Schneit - 6:46
Alle Tracks: Hendrik Weber.
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Chicago Underground Duo [>] [x>]: Boca Negra [R] [F] [P]
Label: Thrill Jockey thrill 228
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 01 26
Genre: Electronica - Jazztronica - FuturejazzChicago Underground Duo
, das sind Rob Mazurek am Kornett und Chad Taylor an den Drums, am Vibraphon und der Mbira. Die beiden spielen seit Jahren wunderbaren Futurejazz. Das neue Album lässt den Instrumenten mehr Raum, indem weniger Elektronik zu hören ist.
Trackliste:
1. Green Ants (Mazurek) - 7:07 2. Left Hand of Darkness (Mazurek) - 4:25 3. Broken Shadows (Coleman) - 7:24 4. Quantum Eye (Mazurek) - 4:40 5. Confliction (Taylor) - 6:23 6. Hermeto (Taylor) - 4:40 7. Spy on the Floor (Mazurek) - 6:39 8. Laughing with the Sun (Mazurek) - 5:24 9. Roots and Shooting Stars (Taylor) - 4:07 10. Vergence (Taylor) - 4:54
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Four Tet [>] [x>]: There Is Love In You [R] [F] [P]
Label: Domino WIGCD 254
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 01 25
Genre: Electronica - Folktronica
Musik, die auf Loops aufbaut, hat es schwer heute. Sie klingt abgestanden. Deshalb hat sich Four Tet
vor ein paar Jahren von Electronica auf Improvisation, Kolaboration (mit Steve Reid) verlegt. Wenn jetzt vom englischen Mastermind wieder ein Electronica Album erscheint, fragst du dich, ob das ein Rückgriff ist oder ob damit ein Weg für Electronica in der heutigen Zeit demonstriert wird. Nun, die Antwort für There Is Love In You
liegt in der Mitte ...Four Tet
hat sich vor Jahren einen Namen gemacht, als er aus seiner Postrockband Fridge ausgestiegen ist und ein paar eindrucksvolle Elekcronica Alben genacht hat, die sich unter anderem dadurch auszeichneten, dass die Samples hörbar geschnitten waren. Das war der Stil der Zeit – Prefuse 73 und Bibio teilen ihn – man nannte ihn Folktronica. Vor ein paar Jahren zog sich Four Tet zurück, nannte sich beim bürgerlichen Namen Kieran Hebden und spielte vor allem elektronischen Jazz mit dem Drummer Steve Reid. There Is Love In You
ist nun wieder ein Electronica Album und funktioniert im Homelistening-Kontext. Um den Sound organisch zu halten verwendet Four Tet
stellenweise Gitarren und Drums. Es gibt ein paar wunderschöne Tracks und Momente auf dieser CD, sie klingen wie ein Pop Ambient Album wie du es vom Kompakt Label kennst plus Beat. Aber diesem Album fehlt die Botschaft, das Statement. Four Tet
müsste sagen, hier bin ich wieder nach Jahren, stattdessen schmust er hier ein bisschen rum. Es ist wie der Milkfactory Rezensent schreibt: Es ist als könnte sich Hebden nicht entscheiden, ob er sein altes Ich ausführen oder ins kalte Wasser springen und etwas Knackiges anrüren will. Oft misslingt es den Tracks abzuheben, statdessen beisst sich Hebden dann in den eigenen Schwanz.
(meine Übersetzung). Aber mindestens die Tracks Angel Echoes
, Circling
(sic!) und Reversing
musst du gehört haben.
Trackliste:
1. Angel Echoes - 4:00 2. Love Cry - 9:13 3. Circling - 5:17 4. Pablo's Heart - :11 5. Sing - 6:48 6. This Unfolds - 7:55 7. Reversing - 2:40 8. Plastic People - 6:33 9. She Just Likes To Fight - 4:34
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Vampire Weekend [>] [x>]: Contra [R] [F] [P]
Label: XL Recordings XLCD 429
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 01 12
Genre: Newpop - Artpop
Wunderbares Album der New Yorker Vampire Weekend
. Wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, nach einem Überaschungserfolg des ersten Albums ein zweites zu machen, das überzeugt, dann muss man diese Band in alle Himmel hinauf loben. Denn überzeugen tut dieses Album voll und ganz. Die Band ist sich selbst geblieben (Indiepop mit schrägen Ska/Reggae/World-Texturen) und bleiben gleichzeitig mit der besten Musik der Gegenwart verbunden: Stellenweise nickt die Musik auf diesem Album derjenigen von Grizzly Bear zu (der komplexe Harmoniegesang im Opener Horchata
) oder der Musik von Panda Bear / Animal Collective (California English
). Contra und das neue Efterklang-Album, das im Februar raus kommt, sind erste Meilensteine des neuen Jahrzehnts. Dieses fängt wahrlich gut an …
Die Stimme von Ezra Koenig, dem Sänger der Band, klingt ein wenig nach Paul Simon, die Songs auf Contra, als würde Simon seinen World-Folk der späteren 80er in einem Baroquepop Arrangement vortragen: Sophisticated, geschliffen, klassisch im besten Sinn der Wortes, in perfekter Kontrolle aller Ideen (und das sind nicht wenige, die einen Vampire Weekend
Song ausmachen). Auch wenn die Texturen komplex und dicht werden verliert die Musik nie ihren Wohlklang und ihre Gefälligkeit.
Trackliste:
1. Horchata - 3:26
2. White Sky - 2:58
3. Holiday - 2:18
4. California English - 2:30
5. Taxi Cab (Batmanglu, Koenig) - 3:55
6. Run - 3:52
7. Cousins - 2:25
8. Giving Up The Gun - 4:46
9. Diplomat's Son - 6:01
10. I Think Ur A Contra (Batmanglu, Koenig) - 4:26
Alle Tracks: Baio, Batmanglu, Koenig, Tomson (Musik) und Ezra Koenig (Lyrics), ausser wo anders vermerkt.
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Ringo Starr [>] [x>]: Y Not [R] [F] [P]
Label: Hip-O, Universal B0013792
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 01 12
Genre: Rock - Mainstream
Gutes Album von Ringo
, toller Mainstreamrock, nichts Aussergewöhnliches aber doch bemerkenswerte zehn Songs. Verschiedene hochkarätige Mitmusiker und Songwriting-Partner machen das Album abwechslungsreich. Unter anderem auch der Ex-Beatles-Kollege Paul McCartney und virtuell im Songtext John Lennon (Peace Dream
). Eigenartig ist das schwarz-weisse Cover des Albums, das an Skarevival oder New-Wave erinnert, womit Y Not
natürlich nichts zu tun hat.
Natürlich – Ringo konnte nie gut singen und so sind die Songs umso stärker, wo er im Duet singt, beispielsweise in Who's Your Daddy
mit Joss Stone oder in Walk With You
mit Paul McCartney. Letzteres Lied hat Ringo zusammen mit Van Dyke Parks geschrieben. Alle Songs haben Ohrwurmqualität. Unverwüstlicher Mainstreamrock, der mit beiden Füssen fest auf dem Boden steht.
Trackliste:
1. Fill in the Blanks (Starkey, Walsh) - 3:14 2. Peace Dream (Nicholson, Starkey) - 3:34 3. The Other Side of Liverpool (Starkey, Stewart) - 3:23 4. Walk with You (Parks, Starkey) - 4:42 5. Time (Starkey, Stewart) - 3:49 6. Everyone Wins (Starkey, Warman) - 3:54 7. Mystery of the Night (Marx, Starkey) - 4:05 8. Can't Do It Wrong (Burr, Starkey) - 3:45 9. Y Not (Ballard, Starkey) - 3:49 10. Who's Your Daddy (Starkey, Stone) - 2:29
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