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Anzeige aller Musikzimmer Rezensionen von 2010 geordnet nach Monat

Rezensionen Dezember 2010

Grauzone [x>] [D]: Grauzone 1980-1982 [2 CD Act-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: mital-U U-7C0-A9
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 12 01 (Ed.), 1982-80 (Rec.)
Genre: Postpunk - Continental-NewWave - SwissWave, Postpunk - Electronic-Postpunk - Darkwave

Grauzone waren (neben Liliput und Mittageisen) einer der wesentlichen Beiträge der Schweiz zu Postpunk und zur neuen Deutschen Welle. Die kurzlebige Band war das Karriere-Sprungbrett für Stephan Eicher, der kein festes Bandmitglied war und die Gruppe seines Bruders Martin lediglich zeitweise unterstützte.
Nun ist das geremasterte Gesamtwerk der Gruppe auf zwei CDs verfügbar. Der Release zeigt: Grauzone lassen sich nicht auf Eisbär reduzieren.
1977 war ein Neuanfang in der Musikgeschichte. Punk. Die nächste Generation von Musikerinnen und Musikern meldete sich lautstark und mit drei Akkorden bewaffnet zu Wort. Auch Bern hatte seine Punk-Bands, unter anderen die Glueams, in der Marco Repetto und G.T. spielten und zu der später zeitweise Martin Eicher stiess. Nach deren Auflösung gründeten Repeto, G.T. und Eicher Grauzone und die Neugründung ging mit einem neuen Musikstil einher. Dieser baute die Songs nicht mehr aus wütenden Gitarrenakkorden, sondern aus auf Synthies flächig gespielten Akkorden und simplen Einfingermelodien. Auf der Bühne trugen Super-8-Filme zur düsteren Atmosphäre der neuen synthetischen Musik bei. Die Themen der Songtexte, wenn es welche gab, sprachen in einer kindlich-naiven Sprache von Entfremdung und Isolation. Romantik und Liebe, wenn sie Thema wurden, wurden als verdächtig und falsch entlarvt. Das war Postpunk bzw. Neue Deutsche Welle (die so hiess, weil die Vertreter des Genres in deutscher Sprache sangen).
Es ist angesichts der Bekanntheit von Eisbär schier unglaublich, was in der Wikipedia steht, nämlich dass Grauzone nicht einmal zehn Konzerte gegeben haben. Umso wichtiger ist es, dass diese Doppel-CD die Musik verfügbar hält. Und nicht nur das: Sie schenkt uns sechs bisher unveröffentlichte Songs bzw. Versionen.
Tipp zum Weiterhören: Mital-U brachte im Dezember 2008 auch Mittageisen neu heraus. (veröffentlicht: 2011 02 02)

Trackliste:

CD 1 1. Eisbaer (Martin Eicher) - 4:46 2. Raum (Martin Eicher) - 3:57 3. Moskau (Martin Eicher) - 4:05 4. Ein Tanz Mit Dem Tod (Marco Repetto) - 2:11 5. Ich Lieb Sie (Martin Eicher) - 3:17 6. Film 1 (Martin Eicher, Stephan Eicher) - 3:07 7. Film 2 (Martin Eicher, Stephan Eicher) - 3:34 8. Hinter Den Bergen (Martin Eicher, Stephan Eicher, Angela Schleitzer) - 2:26 9. Maikäfer Flieg (Trad.) 3:56 10. Marmelade Und Himbeereis (Marco Repetto, Martin Eicher, Stephan Eicher) - 3:17
CD 2 1. Wütendes Glas (Marco Repetto, Martin Eicher, Stephan Eicher) - 3:19 2. Kälte Kriecht (Marco Repetto, Martin Eicher, Stephan Eicher) - 3:17 3. Kunstgewerbe (Martin Eicher, Stephan Eicher) - 1:05 4. Der Weg Zu Zweit (Martin Eicher, Stephan Eicher) - 3:21 5. In Der Nacht (Martin Eicher, Stephan Eicher) - 4:54 6. Tanzbär (Martin Eicher) - 1:15 7. Träume Mit Mir (Martin Eicher, Stephan Eicher) - 3:59 8. Ich Und Du (Martin Eicher, Stephan Eiche) - 3:36 9. Wütendes Glas (12-Version) (Marco Repetto, Stephan Eicher, Martin Eicher) - 3:20 10. Polar Bear (Martin Eicher) - 4:14 11. Plastikherz (Live) (Martin Eicher) - 3:18

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Rezensionen Novemeber 2010

Bruce Springsteen [x>] [D]: The Promise [2 CD Act-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Columbia 88697 76525
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 11 16
Genre: Rock - Folkrock - Heartlandrock, Rock - Folkrock - Singer-Songwriter

Zwischen seinen Alben Born To Run (1975) und Darkness On The Edge Of Town (1978) war Bruce Springsteen in einen juristischen Kampf mit seinem früheren Manager und Produzent Mike Appel verwickelt. Dieser hielt ihn davon ab, ein weiteres Album einzuspielen, obwohl Springsteen in diesen Jahren vor Schaffenskraft strotzte. Die entstandenen Songs kommen jetzt (erst) als Box mit Videomaterial heraus und machen einmal mehr klar, dass Springsteen eine der wesentlichen Kräfte im Rock der Siebziger Jahre war.
Dieses Box Set ist keine der üblichen Wiederauflagen klassischer Alben: Remastering plus eine handvoll Outtakes oder Livetracks aus der Zeit. Diese Tracks hätten eigentlich ein Nachfolgealbum für Born To Run ergeben. Sie wurden aufgenommen, aber die genannten Rechtsstreitigkeiten und vielleicht der Megaerfolg von Born To Run machten, dass diese Songs mehr als dreissig Jahre lang nicht ans Licht der Öffentlichkeit kamen. Die Tracks erscheinen nun in der Deluxe Box mit der geremasterten Ausgabe von Darkness On The Edge Of Town, sind aber zuvor entstanden und werden künftig nicht als Appendix zu diesem Album wahrgenommen werden müssen, sondern als eigenständiges Werk.
Nun, ich weiss ja nicht, wie du es mit Springsteen hältst. Er ist einer der erfolgreichsten Musiker, die auf unserem Planeten leben. Seine Musik hat ihn reich gemacht; er hat aber dabei seine Glaubwürdigkeit nie verloren. Man mag ihn als Altfurz abtun, aber das ist ungerecht. Springsteen ist einer der ganz grossen Songwriter der Rockgeschichte. Da kommt er gerade nach Dylan. Noch mehr als Dylan verstand er es, Songs zu schreiben, die den kleinen Leuten aus dem Herzen sprachen. Da spielte nie auch nur der kleinste Hauch von Anbiederung mit. Sein Thema war und ist das Scheitern des amerikanischen Traums. Seine Figuren sind ich, du und er. Sie heissen, Frank, Johnny und Mary. Springsteen gehört in die Reihe der grossen Existenzialisten – als Amerikaner kommen die Themen und Figuren bei ihm natürlich anders als bei Camus und Sartre. Amerikanischer. Mit mehr Pathos. Dafür mit grösster Solidarität mit dem Leben derer, die an den Amerikanischen Traum geglaubt haben oder immer noch glauben, auch wenn dieser sich als eine Art nichtexistierende Gottheit herausstellt.
Die Songs auf The Promise sind in einer der fruchtbarsten Schaffensphasen in Springsteens langer Karriere entstanden. Einige von ihnen werden kanonisch werden oder sind es bereits geworden, weil er in diesen Jahren viel Material an andere Acts weitergegeben hat, unter anderem an Patti Smith (Because The Night) oder an die Pointer Sisters (Fire). Weitere Anspieltipps sind: der Opener Racing in The Street, eine Version des Songs, der die Verbindung zu Darkness On The Edge Of Town schafft und der Springsteens Antwort an Dancing In The Streets von Martha And The Vandellas darstellt, dann natürlich der Titeltrack The Promise, den es auch auf Youtube zu sehen gibt, schliesslich Gotta Get That Feeling und Wrong Side Of The Street. (veröffentlicht: 2010 12 03)

Trackliste:

CD 1 1. Racing In the Street ['78] - 6:50 2. Gotta Get That Feeling - 3:19 3. Outside Looking In - 2:18 4. Someday (We'll Be Together) - 5:38 5. One Way Street - 4:20 6. Because the Night (Smith, Springsteen) - 3:25 7. Wrong Side of the Street - 3:36 8. The Brokenhearted - 5:19 9. Rendezvous (Cameron, Springsteen) - 2:39 10. Candy's Boy - 4:39
CD 2 1. Save My Love - 2:38 2. Ain't Good Enough For You - 4:03 3. Fire - 4:09 4. Spanish Eyes - 3:50 5. It's a Shame - 3:16 6. Come On (Let's Go Tonight) - 2:20 7. Talk To Me - 4:21 8. The Little Things (My Baby Does) - 3:18 9. Breakaway - 5:32 10. The Promise - 5:54 11. a) City of Night, b) The Way (hidden track) - 7:07
Alle Tracks: Bruce Springsteen, ausser wo anders vermerkt.

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Brian Eno & Jon Hopkins & Leo Abrahams [x>] [D]: Small Craft On A Milk Sea [F] [P]

CoverLabel: Warp 207
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 11 02
Genre: Electronica - Ambient

Small Craft On A Milk Sea ist ein sehr gutes Album. Brian Eno macht gute Alben im Schlaf. Weil die Erwartung an eine neues Eno-Album, das erst noch beim Warp-Label erscheint, ausserordentlich hoch geschraubt sind, findest du eine Menge enttäuschter Kritiker und reservierte Rezensionen. Zu unrecht. Die Zeit wird es zeigen, meine ich.
Sehr amüsant ist das Dick Flash Video als Promotion des Albums. Ein Interview, das Eno mit sich selbst führt. Er ist so gut als Musikjournalist verkleidet, ich kanns heute noch nicht glauben, dass dieser Dick Flash er selbst ist. Überhaupt ist das Marketing dieser CD interessant (So macht man das heute in den Zeiten des Internets!). Der Release war Monate vor der Veröffentlichung angekündigt (Brian Eno macht ein Album für Warp!), kurz vor dem Termin wurden Audiofiles zum Stream angeboten. Auf Soundcloud war dann bald das ganze Album zum Stream bereit. Gekauft wird das Album dann nur noch von den absoluten Eno-Fans, zum Beispiel von mir. Hat sich der Kauf gelohnt? Das lässt sich vielleicht beantworten, wenn man den Stellenwert einschätzt, den Small Craft On A Milk Sea in Enos Gesamtwerk innehaben wird. Klar, es handelt sich um ein Spät- bzw. Alterswerk. Die Konzepte sind nicht mehr neu: Die CD wird von Klängen eröffnet, die dich wie in ein riesiges Kissen einsinken lassen. Wenn du aber meinst das gehe so weiter, dann hast du dich mächtig getäuscht. Bei Track vier Flint March geht der Bär los. Von jetzt an klingt die Musik wie auf Another Green World, jedoch klanglich auf der Höhe heutiger Produktionstechnik. Also wie schon festgestellt, nicht viel Neues, aber wie Pitchfork schreibt: As Small Craft on a Milk Sea oscillates between [..] familiar poles of serenity and disarray, it becomes evident that the Warp connection isn't indicative of any drastic modernization of Eno's sound. Es ist dennoch sehr gute elektronische Musik. TheMilkFactory spricht von der neuen Songsammlung als einer: somewhat colourful and varied collection of small vignettes und TinyMixTapes stellt richtig fest: The last thing Brian Eno needs to do is cement his place in music. With Small Craft on a Milk Sea, he doesn't bother trying. There's no radical reinvention here, and there hardly needs to be, but there is a surprising jolt of vitality. (veröffentlicht: 2011 02 02)

Trackliste:

1. Emerald and Lime - 3:02 2. Complex Heaven - 3:05 3. Small Craft on a Milk Sea - 1:49 4. Flint March - 1:56 5. Horse - 3:02 6. 2 Forms of Anger - 3:15 7. Bone Jump - 2:22 8. Dust Shuffle - 1:54 9. Paleosonic - 4:25 10. Slow Ice, Old Moon - 3:25 11. Lesser Heaven - 3:21 12. Calcium Needles - 3:25 13. Emerald and Stone - 2:12 14. Written, Forgotten - 3:55 15. Late Anthropocene - 8:09
Bonustrack (J) 1. Invisible - 5:10
Alle Tracks: Leo Abrahams, Jon Hopkins und Brian Eno.

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Rezensionen Oktober 2010

Warpaint [x>] [D]: The Fool [F] [P]

CoverLabel: Rough Trade TRADCD 580, Rough Trade RTRADCDX 580
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 10 25, 2011 09 26 (Deluxe)
Genre: Post-Millennial-Music - Psychedelia

Warpaint ist die vierköpfige Frauenband von Emily Kokal, Theresa Wayman, Jenny Lee Lindberg und Stella Mozgawa aus Los Angeles. The Fool ist ihr ausgezeichnetes Debutalbum, das nun nach der aufregenden vorletztjährigen EP Exquisite Corpse erschienen ist. Nachdem die Band mit einigen der besten Gegenwartsbands (zum Beispiel XX, Walkmen, Yeasayer, Vampire Weekend oder Band Of Horses) auf Tournee waren, scheint ihr Erfolg vorausbestimmt.
Warpaint spielen lange, dunkle Tracks mit grossem Popappeal wie damals The Cure zur Zeit von Disintegration. Ihre Musik klingt zeitweise unheimlich (The name of the band is Warpaint), aber stets atmosphärisch; die Tracks sind skeletal-durchsichtig arrangiert, mit einem Bass, der mit der Leadgitarre mitspricht, mit einem Newpop-/Girlgroup-Gesang, der sich in den Ohren einschmeicheln kann, mit klugen Tempowechseln, die den songs Tiefe verleihen. Composure klingt wie die Slits auf Downern. Der andere Anspieltipp ist Baby. Süss und verletzlich singt, ja säuselt es: Nenn niemand anders als mich Baby. Das kommt nicht als Bitte, das kommt als Drohung! Grossartig, einzigartig, einsame Spitze! (veröffentlicht: 2010 12 31)

Trackliste:

1. Set Your Arms Down - 5:05 2. Warpaint - 5:54 3. Undertow - 5:53 4. Bees - 4:25 5. Shadows - 4:08 6. Composure - 4:58 7. Baby - 5:03 8. Majesty - 6:35 9. Lissie's Heart Murmur - 5:12
CD 2 der Deluxe Ausgabe von 2011: Exquisite Corpse EP 1. Stars 2. Elephants 3. Billie Holiday 4. Beetles 5. Burgundy 6. Krimson 7. Billie Holiday (Steve Mackey Radio Edit)
Alle Tracks: Warpaint.

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Rezensionen September 2010

Black Mountain [x>] [D]: Wilderness Heart [F] [P]

CoverLabel: Jagjaguwar JAG 175
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 09 14
Genre: Alternativerock - Neo-Hardrock, Metal - Numetal

Kanada hat eine ässerst lebendige Musikszene. Aus dem Osten kommen alle diese urbanen Artrock und Postrock Bands. Aus Vancouver kommen Black Mountain, die uns mit Neo-Hardrock beglücken. Klar kannst du sagen, dass haben wir alles in den 70ern gehabt und gehört. Dennoch sind Black Mountain mehr als eine Revivalband: Sie haben das gewisse Etwas, das eine gute Band ausmacht. Der AMG-Kritiker schreibt, dass die Band ihre klassischen Rock-Einflüsse zu einem Vehikel zusammengefügt haben, das mehr ihr eigenes Tierchen sei als das von jemand anderem.
Wilderness Heart ist abwechslungsreich und führt uns duch Metal (Let Spirits Ride), Power-Balladen (Radiant Hearts, The Space Of Your Mind), Folk-Metal (Sadie). Mit dabei ist eine Prise Led Zeppelin (die Gitarre in The Hair Song), Deep Purple (Die Orgel in Old Fangs) und Black Sabbath (Rollercoaster). Erwähnenswert sind noch die beiden Produzenten Randall Dunn, bekannt für ihre Arbeit mit den Darkmetal-Bands Boris und Sunn O))) und D. Sardy, der f?r NIN, Oasis oder die Stones gearbeitet hat. (veröffentlicht: 2010 09 25)

Trackliste:

1. The Hair Song - 3:54 2. Old Fangs - 4:01 3. Radiant Hearts - 3:52 4. Rollercoaster - 5:15 5. Let Spirits Ride - 4:20 6. Buried by the Blues - 4:02 7. The Way to Gone - 4:02 8. Wilderness Heart - 3:57 9. The Space of Your Mind - 4:14 10. Sadie - 5:10
Alle Tracks: Stephen McBean.

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Grinderman [x>] [D]: Grinderman 2 [F] [P]

CoverLabel: Mute STUMM 299, Anti- 87125
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 09 13
Genre: Alternativerock - Singer-Songwriter, Post-Millennial-Music - Garagerock-Revival

Das Cover des zweiten Grinderman-Releases zeigt einen Wolf – eine Rezension nannte ihn einen Avatar – in einem Interieur, das ich auf den ersten Blick als Plüsch-Interieur wahrgenommen habe. Dieser erste (Fehl-)Eindruck ist aber ein Schlüssel zur Musik auf Grinderman 2. Mit dem Noiserock von Grinderman und seinen lasziven Texten erschafft Nick Cave eine wilde Songsammlung, die unsere und vielleicht seine heile Welt etwas erschüttern möchte.
Nick Cave wollte ein Bruch nachdem zuerst Blixa Bargeld, Busenfreund und männliche Muse, dann Mick Harvey, musikalischer Kopf der Band, die Bad Seeds verlassen hatten. Der Bruch war gar nicht ein so grosser, denn alle Bandmitgleider von Grinderman waren zuvor Musiker bei den Bad Seeds. Der neue Bandname (erstaunlicherweise ohne den Namen Nick Caves) stand f¨r den Unwillen, die alten Lieder wieder und wieder zu spielen, und die Lust auf einen neuen, lärmigeren Sound, der sich aber in den letzten Bad Seeds Alben bereits angekündigt hatte. Vielleicht gab es auch vertragliche Gründe, den alten Namen ohne Harvey nicht mehr verwenden zu dürfen, wer weiss? Jedenfalls ist Grinderman nun das Vehikel, um die Sogs von Nick Cave, zweifellos einer der grössten lebenden Songwriter, zu transportieren. Die neue männliche Muse ist Warren Ellis, der Hipster-Gnom, der diese Rolle von Blixa Bargeld übernommen hat. Einzig Harvey scheint nicht ersetzt worden zu sein: Cave und Ellis sorgen selbst für die musikalische Regie. Live kommt der lärmige Sound vorwiegend ab Band (das hat mich am sonst grossartigen Konzert etwas enttäuscht, muss ich sagen), Cave tut zuweilen so als spiele er die Lead-Gitarre, die Mitmusiker wirken teilweise wie Statisten der eingespielten Sounds, Statisten, die Ornamente beitragen, dies allerdings mit einem Maximum an Effekt. Cave hat natürlich die Energie, die er immer hat. Ellis haut wild auf auf einem Hi-Hat herum unt maltraitiert seine Violine als ginge es darum, Tod und Teufel fern zu halten.
Die neuen Songs haben nicht ganz das Profil derjenigen auf der ersten CD. Es handelt sich bei vielen um Liebeslieder, die die Leidenschaft als animalische Kraft darstellen. Sie tritt als Vampir, Wolf oder als Comicfigur auf. Die Musik klingt elektronisch konstruiert, ist aber keineswegs klinisch. Da ist ein anerkennendes Nicken zu neueren Formen von Metal herauszuhören. Warren Ellis hat sie in einem Interview beschrieben als stoner rock meets Sly Stone via Amon D??l. Aha, Stonerkrautfunk! (veröffentlicht: 2010 10 06)

Trackliste:

1. Mickey Mouse and the Goodbye Man - 5:42 2. Worm Tamer - 3:14 3. Heathen Child - 5:01 4. When My Baby Comes - 6:50 5. What I Know - 3:21 6. Evil - 2:57 7. Kitchenette - 5:19 8. Palaces of Montezuma - 3:34 9. Bellringer Blues - 5:32
Alle Tracks: Nick Cave.

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Rezensionen August 2010

Chief [x>] [D]: Modern Rituals [F] [P]

CoverLabel: Domino WIGCD w248
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 08 17
Genre: Alternativerock - Neo-Westcoast

Chief ist eine Band für Freunde des klassischen kalifornischen Folkrocks und von Freakfolk-Bands wie den Fleet Foxes, Band Of Horses oder Bon Iver. Auf Modern Rituals findet sich Musik mit Ohrwurmqualität. Alle Stücke sind von der Band selbst geschrieben. Für die Produktion verantwortlich war Emery Dobyns, der schon Travis, Antony And The Johnsons oder Patti Smith produziert hat. Die Instrumente sind in dieser bemerkenswerten Produktion wunderschön und dicht in den Raum gesetzt. Für meine Ohren geht dieser Sound runter wie Sirup. Die Stücke haben die unbekümmerte Leichtigkeit eines südkalifornischen Sonnenuntergangs. Ich liebe Night And Day (besonders das Video) und höre den Song regelmässig – seit Wochen! Sonstige Anspieltipps: Breaking Walls, The Minute I Saw It, ? (veröffentlicht: 2010 09 25)

Trackliste:

1. The Minute I Saw It - 3:46 2. Nothing's Wrong - 4:40 3. Wait for You - 3:42 4. This Land - 4:02 5. Breaking Walls - 4:33 6. In the Valley - 4:23 7. Stealing - 3:34 8. You Tell Me - 3:28 9. Summer's Day - 4:00 10. Irish Song - 3:35 11. Night & Day - 3:46
Alle Tracks: Chief.

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Rezensionen Juli 2010

Prince [x>] [D]: 20Ten [F] [P]

CoverLabel: Warner Bros., NPG Records UP20TEN 001
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 07 10
Genre: Afroamericana - Funk - Synthfunk

Prince vertreibt seine neuste CD über eine englische Zeitschrift – als Gratisbeilage. Die Musik ist kocht den Synthfunk, den ihn berühmt gemacht hat noch einmal auf. Das ist gut gemacht, aber wohl bekannt. Die Songs sind leider völlig belanglos. Prince leidet unter dem Louis-Armstrong-Syndrom: Ein ehemals wegweisender Musiker verharrt stur und selbstgefällig in einem kreativen Hiatus. Unnötiger Release! (veröffentlicht: 2010 09 24)

Trackliste:

1. Compassion - 3:57 2. Beginning Endlessly - 5:27 3. Future Soul Song - 5:08 4. Sticky Like Glue - 4:46 5. Lavaux - 3:03 6. Act of God - 3:13 7. Walk in Sand - 3:29 8. Sea of Everything - 3:49 9. Everybody Loves Me - 4:08 10. Laydown - 3:07 (hidden track, following silent tracks 10-76
Alle Tracks: Prince.

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Rezensionen Juni 2010

Cowboy Junkies [x>] [D]: The Nomad Series, Volume 1: Renmin Park [F] [P]

CoverLabel: Latent Recordings
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 06 15
Genre: Alternativerock - Alternativecountry

Renminpark heisst Volkspark. Jede Stadt in China hat einen Renminpark. Es sei der Ort, wo das öffentliche Leben statt findet, wo Gerüchte entstehen und Liebende sich treffen, erklärt die Website der Cowboy Junkies. Renmin Park ist der erste Teil einer Tetralogie von Alben der Junkies, die in den nächsten anderthalb Jahren auf den Markt kommen und die unter dem Titel The Nomad Series stehen. Ich liebe dieses Album heiss.
Ich hatte die Cowboy Junkies, eine alte Herzensangelegenheit von mir, eigentlich abgeschrieben; hättest du mich vor eine Woche gefragt, sie für ein Auslaufmodell gehalten. Sie sind seit den späten 80er Jahren im Geschäft, haben ihren kargen und gefälligen Alternative-Country-Sound drauf, den sie nicht verlassen können, weil sie dann nicht mehr sie selbst wären. Trotz dieser Stilsignatur empfand ich die Gruppe erst in den letzten Jahren etwas fad, bis in die Neunziger Jahre hinein verstanden sie es, immer wieder, hervorragende Alben vorzulegen. Die besten davon hatten jeweils einen stilistischen Schwerpunkt: Whites Off Earth Now!! klang nach Blues, die Trinity Sessions nach Gospel, Lay It Down nach Rock. Renmin Park nun ist noch einmal so ein Album, das in das Junkies-Universum aus Slow Sad Waltzes (dieser Ausdruck ging in den Titel ihres Raritäten-Albums ein) ein neues Element induziert: Es ist kein bestimmter musikalischer Stil dieses Mal, sondern ein Thema. Michael Timmins, der musikalische Kopf der Gruppe, machte mit seiner Familie eine Chinareise, um seinen Töchtern, die seine Frau und er aus China adoptierten, etwas von ihrer biologischen Herkunft zu vermitteln. Zurück in Toronto wurden Michael Timmins' Reiseeindrücke zu diesem neuen Junkies-Album verdichtet. Es enthält eine Coverversion eines chinesischen Popsongs, Zuoxiao Zuzhous I Cannot Sit Sadly By Your Side, einen Song in chinesischer Sprache, Xu Wies My Fall. Die meisten der Songs arbeiten mit Tonaufnahmen von der Reise. Diese prägen einzelne Tracks und verleihen ihnen stellenweise etwas Experimentelles. Umwerfend in dieser Hinsicht ist der Loop aus der Aufnahme eines Badminton-Spiels, der die Grundlage für Sir Francis Bacon at the Net bildet.
Du kannst das Album übrigens als Stream auf der Webseite der Band anhören. Zudem ist im American Songwriter ein lesenswertes Interview mit Michael Timmins erschienen, in dem er über Renmin Park und ein nächstes Album voller Vic Chesnutt Covers spricht. (veröffentlicht: 2010 08 02)

Trackliste:

1. Intro) - 1:09 2. Renmin Park (Timmins) - 3:59 3. Sir Francis Bacon at the Net (Anton, Baker, Timmins) - 3:59 4. Stranger Here (Timmins) - 3:17 5. A Few Bags of Grain (Anton, Baker, Timmins) - 3:40 6. I Cannot Sit Sadly by Your Side (Zuoxiao Zuzhou) - 4:59 7. (You've Got to Get) A Good Heart (Anton, Baker, Timmins) - 4:27 8. Cicadas (Anton, Baker, Timmins) - 5:17 9. Interlude - 0:48 10. My Fall (Wie) - 4:37 11. Little Dark Heart (Timmins) - 4:08 12. A Walk in the Park (Anton, Baker, Zuoxiao Zuzhou) - 5:51 13. Renmin Park (Revisited) (Timmins) - 3:16 14. Coda - 0:54

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Autechre [x>] [D]: Move Of Ten [EP] [F] [P]

CoverLabel: Warp WAP 505
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 06 14 (Netaudio), 2010 07 12 (CD)
Genre: Electronica - IDM - Glitch-IDM

Autechre kommen bereits mit dem zweiten Release in diesem Jahr. Move Of Ten ist als EP katalogisiert, hat aber die Spieldauer eines Albums. Oversteps, der erste Release in diesem Jahr, fiel durch eine handvoll Beat-lose Ambienttracks auf. Move Of Ten nun kann man als einen Antipoden dazu sehen, als Album, das die Beats betont (Ausnahmetrack iris was a pupil. Im Gegensatz zu früher halten sich die Rhythmen durch den ganzen Track durch, die Variation liegt im Beiwerk. Das ist Autechres Verneigung vor dem Wonky-Genre. Tolles Album.
Man kann natürlich argumentieren, dass Autechre immer noch wie sie selbst klingen und dass es fragwürdig ist, ob man diese neuen Releases auch noch anhören muss, nachdem ältere Alben wie Amber, Tri Ripeatae oder Confield die Spannweite dieses Electronica-Projekts im Prinzip aufgezeigt haben. Dennoch: Heute sind nicht mehr viele Electronica-Acts aus den 90er-Jahren noch dermassen glaubwürdig unterwegs. Ich habe Autechre dieses Jahr live in Zürich erlebt und sie sind noch immer kompromisslos. Auch wenn man den Sound im Ohr hat und einen Track von ihnen sofort als soclchen erkennt – ich finde, man muss noch immer respektvoll grüssen, wenn ein neuer Release von ihnen vorbei kommt. Beide diesjährigen Alben, Oversteps und Move Of Ten sind Alben, die die IDM-Anfänge mit der Gegenwart – eben mit Wonky-Genre – verknüpfen. So gesehen sind beide Autechre Releases urenglische Techno-Alben. Englischer Techno war in der Regel Breakbeat. Bei einem Track wie M62 klingt der frühe Aphex Twin durch. Cep puiqMXkann es mit einem Flying Lotus Track aufnehmen. Was ich damit sagen möchte: Move Of Ten ist state of the art der heutigen Breakbeat Musik. (veröffentlicht: 2010 07 19)

Trackliste:

1. Etchogon-S - 4:54 2. y7 - 5:09 3. pce freeze 28i - 5:13 4. rew(1) - 6:18 5. nth Dafuseder.b - 5:18 6. iris was a pupil - 3:40 7. no border - 3:31 8. M62 - 6:09 9. ylm0 - 3:29 10. Cep puiqMX - 4:10
Alle Tracks: Sean Booth & Rob Brown.

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Rezensionen Mai 2010

Emeralds [x>] [D]: Does It Look Like I'm Here? [F] [P]

CoverLabel: Mego eMEGO 101
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 05 24
Genre: Post-Millennial-Music - Digital-Underground - Neo-Kosmische-Musik

Sequenzierte und dicht übereinander geschichtete Analogsynthie-Linien machen den Sound der Emeralds aus. Mit ihrem neuen, bei Mego erschienen Album gelingt ihnen die eingängigste und gefällistge Dronemusik, die ich mir in meiner Begeisterung gerade denken kann. Does It Look Like I'm here? gehört zu den besten experimentellen Releases in diesem Jahr.
Die Emeralds sind Mark McGuire, Steve Hauschildt und John Elliott aus Cleveland, Ohio. Wie viele zeitgenössische Bands haben sie viele und komplexe Bezüge zur Geschichte der modernen Musik: Sie machen analogelektronische Musik wie Oneohtrix Point Never, Dronetronica wie Sunn O))) oder Grouper, inspiriert sind sie von Kraut-/Space-Rock, Ambient bzw. Kosmischer Musik (Vergleiche, die zitiert werden, sind: Cluster, Klaus Schulze, Tangerine Dream, Ash Ra Tempel). Ein kräftiger Schuss Terry Riley ist noch dabei und das Ganze entsteht in Improvisationen. Die Sounds erweisen dem Bandnamen alle Ehre: Die Tracks sind wie funkelnde farbige Edelsteine. (veröffentlicht: 2010 10 26)

Trackliste:

1. Candy Shoppe - 4:45 2. The Cycle Of Abuse - 4:59 3. Double Helix - 3:03 4. Science Center - 4:39 5. Genetic - 12:08 6. Goes By - 4:11 7. Does It Look Like I'm Here? - 7:29 8. Summerdata - 4:49 9. Shade - 4:27 10. It Doesn't Arrive - 3:35 11. Now You See Me - 3:40 12. Access Granted - 4:04

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Jamie Lidell [x>] [D]: Compass [F] [P]

CoverLabel: Warp 192, Warp 192X (2 CD Ausgabe)
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 05 18
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Wonky, Electronica - Funktronica

Der Albumtitel Compass verweist auf Neuorientierung, Suche, Experiment. Eingespielt worden ist dieses Album in Los Angeles, New York und Canada mit einer Traumcrew von verschiedenen Produzenten und Musikern: Beck, Leslie Feist, Gonzales, Pat Sansone von Wilco und Chris Taylor von Grizzly Bear. Komponiert hat Jamie Lidell die Tracks in weniger als einem Monat. Wer meint, dass Compass deshalb ein flüchtig hingeworfenes Werk ist, täuscht sich gewaltig. Jamie Lidell legt hier sein bisher bestes Soloalbum vor. Darauf habe ich zehn Jahre lang gewartet.
Auf seinem ersten Album Muddlin Gear, das noch ein fast instrumental eingespieltes Electronica-Album und dem damaligen Warp-IDM Sound verpflichtet war, fand sich ein Stück, das als Song heraus stach: Dady's Car. Der Track war das grosse Versprechen, dass dieser Mann der Prince der gerade angebrochenen Dekade werden könnte. Dann kam Super_Collider, die Kollaboration mit Cristian Vogel. Das war schon mal der Himmel auf Erden und Jamie Lidell entfaltete in diesem Projekt seine Soulstimme, die er ins Zentrum seiner nächsten Soloreleases stellte. Das klang nach Al Green, nach Curtis Mayfield und anderen Klassikern; er hatte teilweise grossen Erfolg damit, diese Platten waren mir aber fad. Da höre ich mir lieber gleich das Original an. Im Pitchfork-Interview zu Compass hat Jamie Lidell davon gesprochen, dass er bei diesen Soulalben die Produktion zu sehr seinem Produzenten Mocky überlassen habe: I was getting into too much of a comfort zone. The last two albums I constructed largely with Mocky in Berlin; he was my thinking and writing aide. Whether it was conscious or not, it was like, ''Oh, it doesn't matter-- once I give it to Mocky, it'll be good.'' So I put less of myself in it than I could have done. Und so hat Jamie Lidell mit diesem neuen Album ästhetisch von Motown zu Stax gewechselt: Dieses Album klingt experimentell, ist roh und reif zugleich, es lotet seine klanglichen Möglichkeiten aus, ist spannend und abwechslungsreich. (veröffentlicht: 2010 05 24)

Trackliste:

1. Completely Exposed - 3:24 2. Your Sweet Boom - 3:13 3. She Needs Me - 5:55 4. I Wanna Be Your Telephone (Lidell, Snax) - 3:29 5. Enough's Enough - 2:55 6. The Ring - 3:44 7. You Are Waking - 3:42 8. I Can Love Again - 2:10 9. It's a Kiss - 3:47 10. Compass - 5:33 11. Gypsy Blood - 2:16 12. Coma Chameleon (Hansen, Lidell) - 3:20 13. Big Drift (Beck, Feist, Lidell) - 4:45 14. You Are My Light - 2:09
Bonustracks der Bonusdisc 1. I Turn It Around - 2:48 2. Lies Inside - 2:51 3. Your Sweet Boom Dub - 7:52 4. Pat's Compass - 1:06 5. Lies Inside Cold Dub - 9:58
Video 1. Compass - Making Of The Album - 14:29
Alle Tracks: Jamie Lidell, ausser wo anders vermerkt.

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Ellen Allien [x>] [D]: Dust [F] [P]

CoverLabel: Bpitch Control BPC 217
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 05 17
Genre: Electronica - Minimaltechhouse

Die neue Ellen Allien ist ein Meisterwerk des minimalen Mainstreemtechnos. Erhebende Partymusik, die dich auch zu Hause nicht still sitzen l?sst. Diese Musik mit ihren verh?ltnism?ssig geraden und funktionalen Beats (ausser beim ambientm?ssigen Partybeendungstrack Should We Go Home?) , den leicht synkopischen Arrangements, die den Tracks eine edle Funkyness verleihen, die interessanten Kl?nge der Samples, die Instrumentalpassage mit Klarinette gespielt von Andreas Ernst in My Tree, die Gitarre von Tom Krimi in Sun The Rain, ein Track der fast nach Indietronica klingt, nach Lali Puna f?r den Dancefloor, der fast allgegenw?rtige Gesang der Poetess Antye Greie (AGF und Laub) ist absolute Herzensangelegenheit. Ich liebe diesen Release, er l?uft heavyrotationm?ssig, ich bin ihm verfallen. (veröffentlicht: 2010 05 18)

Trackliste:

1. Ourutopie - 4:11 2. Flashy Flash - 4:24 3. My Tree - 3:38 4. Sun The Rain - 4:27 5. Should We Go Home - 6:54 6. Ever - 6:11 7. You - 2:50 8. Dream - 4:28 9. Huibuh - 4:34 10. Schlum! - 4:11

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Foals [x>] [D]: Total Life Forever [F] [P]

CoverLabel: Sub Pop SP 0875
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 05 10 (UK), 2010 05 11 (US)
Genre: Post-Millennial-Music - Postpunk-Revival

Die Foals haben sich seit ihrem Erstling Antidotes extrem entwickelt; du glaubst nicht die selbe Band zu hören. Jenes Antidotes war ein trockenes Mathrock-Album, zehrte schwer von Interpol. Total Life Forever ist ein melodisches Artrock-Album. Seine Songs haben teilweise epischen Charakter. Sie kommen mir vor als wären sie in der gerade noch sonnendurchfluteten Unterwasserwelt eingespielt worden, de auf dem Cover abgebildet ist. Vielleicht habe ich zu lange drauf geschaut.
Am Anfang macht die Band allerdings den Eindruck als würde sie die Labelkollegen Fleet Foxes (Blue Blood), später die Band Of Horses (Alabaster) imitieren. Das ist gefällige Musik, ob sie aber Bestand haben wird, wage ich zu bezweifeln. Das hängt mit von der Band ab, ob sie sich irgendwo hin entwickelt, oder ob sie soundmässig herummäandern wird.
Anspieltipp: Spanish Sahara, das still beginnt und sich Zeit lässt bis das Soundbrett wieder auf maximalen Druck anwächst. (veröffentlicht: 2010 09 29)

Trackliste:

1. Blue Blood - 5:17 2. Miami - 3:42 3. Total Life Forever - 3:18 4. Black Gold - 6:26 5. Spanish Sahara - 6:53 6. This Orient - 4:06 7. Fugue - 0:49 8. After Glow - 6:09 9. Alabaster - 4:00 10. 2 Trees - 5:11 11. What Remains - 4:37
Alle Tracks: Foals.

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Rusko [x>] [D]: O.M.G.! [F] [P]

CoverLabel: Mad Decent MAD 110
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 05 04
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Dubstep

Rusko kommt nicht aus Südlondon, sondern aus Leeds, er ist kein Autodidakt, sondern hat einen Hochschul-Abschluss als Produzent. Das mögen Gründe sein, warum er in der Dubstep-Szene offenbar nicht so beliebt ist. Lies mal Rezensionen von O.M.G., die von Kritikern oder Fans des Tempa- oder Hyperdub-Dubsteps geschrieben werden. Diese CD wird entweder gar nicht erst rezensiert oder kommt schlecht davon. Das Ganze ist nicht nachvollziehbar, denn O.M.G. ist eine gute Scheibe. Etwas vom Besseren aus der Dubstep-Ecke jedenfalls. Klar, das ist für den kommerziellen Markt produzierte Musik. Diese ist so dicht, dass sie so gut wie keine Dynamik hat: eine typische Radioproduktion eben.
Rusko ist bereits vom Fabric Release 37 mit Caspa und als Produzent von M.I.A.'s neuem Album bekannt. Er macht vorwärtsweisenden Dubstep – und damit verkörpert er als Musiker den zentralen Wert britischer Breakbeat-Musik. (veröffentlicht: 2010 10 08)

Trackliste:

1. Woo Boost - 4:09 2. Hold On (Furler, Mercer) - 4:34 3. Rubadub Shakedown (Craig, Mercer) - 3:39 4. Dial My Number - 5:08 5. I Love You - 3:04 6. Kumon Kumon - 3:26 7. Scarewear (Mercer, Pescod) - 4:43 8. Raver's Spesh - 4:37 9. Feels So Real (Mercer, Pescod, Westbeech) - 3:30 10. You're On My Mind Baby - 4:02 11. Got Da Groove (Davis, Mercer) - 3:12 12. Oy (Barbaglia, Fratangelo, Mercer) - 3:57 13. My Mouth - 4:25 14. District Line - 4:34
Alle Tracks: Christopher Mercer,.

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CocoRosie [x>] [D]: Grey Oceans [F] [P]

CoverLabel: Sub Pop SP 0880
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 05 03 (EU), 2010 05 11 (US)
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk

Wie lange hält die Erfolgswelle für CocoRosie an, fragte ich mich, leise daran zweifelnd, ob dieses vierte Album die Qualitätsmarke weiterhin hoch halten kann oder ob sich wohl Ermüdungseffekte einstellen. Ich bin froh, ich kann nur Positives über Grey Oceans schreiben. CocoRosie tragen ihren Erfolg ins neue Jahrzehnt.
Mit Grey Oceans, das bei Sub Pop und nicht mehr bei Touch & Go erschienen ist, kommt dieses Mal ein eher ruhiger, verhältnismässig introvertierter Release. Die Toyinstrumente sind weitgehend verschwunden, die Human-Beatbox ist weg. Das Piano von Ga?l Rakotondrabe prägt den Sound an manchen Stellen, Synthies sorgen noch immer für fremde und exotischen Momente in der Musik der beiden Schwestern. Viele Rezensionen beklagen das eigentümlich kitschige Titelbild. Ich finde es mutig, dass CocoRosie daran festhalten, Beiträge an den Genderdiskurs zu liefern. Die Songs klingen klassisch, das wird mit dem letzten Track Here I Come noch einmal klar, der melodisch an Amazing Grace angelehnt ist. Himmlisch! (veröffentlicht: 2010 06 12)

Trackliste:

1. Trinity's Crying - 4:40 2. Smokey Taboo - 4:48 3. Hopscotch - 3:08 4. Undertaker - 3:52 5. Grey Oceans - 4:32 6. R.I.P. Burn Face - 4:38 7. The Moon Asked The Crow - 3:50 8. Lemonade - 5:14 9. Gallows - 4:25 10. Fairy Paradise - 4:10 11. Here I Come - 3:28

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Rezensionen April 2010

Superterz [x>] [D]: Insomnia [2 CD] [F] [P]

CoverLabel: Unit Records UTR 4259
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 04 09
Genre: Electronica - Jazztronica - Futurejazz, Improvisation

Ein Prog-Electronica-Album der Zürcher Gruppe Superterz. Auf Prog (Progressive) kommt man, weil dieser Doppel-CD offensichtlich das Konzept einer schlaflosen Nacht zugrundeliegt: Die Tracks tragen den Namen jeder Stunde einer Nacht und erzählen demnach deren Geschichte oder – psychologisch gewendet – sie sind die Erzählung eines schlaflosen Schläfers, die Dokumentation der Bewusstseinszustände, in die du gerätst, wenn Schlaf und Traum die Eindrücke des Tages nicht aufräumen können. Diese türmen sich dann nämlich zu einem hirnspinstigen Wachtraum auf. Die Realität wird mit den Gespinsten angereichert und von ihnen überlagert, bis du jeden Bezug zu ihr verlierst. Das geht, bis der Wahnsinn an deine Türe klopft ?
Bestand der letzte Release der Gruppe aus Fragmenten an der Bruchstelle zwischen Song und Track, so wirkt dieser Release wie ein einziger langer Track mit Pausen, deren Stille durchaus zum Fluss der Dinge gehört. Die Pausen sind die Momente, wo dir als Schlaflosem das Einschlafen für einen kurzen Moment gelingt, um gleich wieder aufzuschrecken und von neuen Wachtraumbildern verfolgt zu werden. Auf Insomnia gibt es nichts Skizzenhaftes mehr wie auf Standards, sondern einen langen Strom aus Sounds und Beats. Die Tracks neigen zur Länge wie die Stunden der insomnischen Nacht. Was du hörst ist geträumt. Die Musik gibt es so gar nicht. Der Bezug zu einem Ort und zu einer Zeit verschwindet im Strom des Hörens. Die Musik wird so mehr und mehr zu einem Traumkonstrukt: Passiert sie, so wie du sie hörst, oder träumst du sie?
Das Material für Insomnia wurde in improvisierten Live-Sessions eingespielt und danach so lange und minutiös editiert, dass man schon fast von Komposition sprechen kann. So ist das Spannungsfeld, in dem dieses Album entstanden ist, nicht mehr das zwischen Song und Track (wie noch auf Standards), sondern das zwischen Improvisation und Komposition. Entstanden ist ein Doppelalbum voller Strom – Strom als Fluss von Beats und Sounds, Strom als Bewusstseinsstrom, Strom als elektrische Bewegung. Dieser Strom trägt dich zuweilen mit ihm fort, wirbelt dich umher bis du nicht mehr weisst, wo oben und unten ist.
Insomnia ist keine Ambientmusik bei der du dich entspannst und mit der du einschlafen kannst. (veröffentlicht: 2010 04 25)

Trackliste:

CD 1 1. 08:00 pm - 13:11 2. 09:00 pm - 12:58 3. 10:00 pm - 9:27 4. 11:00 pm - 24:40 5. 00:00 pm - 14:19
CD 2 1. 01:00 am - 4:13 2. 02:00 am - 11:53 3. 03:00 am - 7:45 4. 04:00 am - 5:33 5. 05:00 am - 21:48 6. 06:00 am - 7:51 7. 07:00 am - 12:33 8. 08:00 am - 13:38
Alle Tracks: Superterz.

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The Sight Below [x>] [D]: It All Falls Apart [F] [P]

CoverLabel: Ghostly International GI 102
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 04 06
Genre: Electronica - Ambient, Electronica - Postelectronica - Darkambient

Vergleichsweise abwechslungsreiches Electronic-Ambient Album, das das Genre durchdekliniert: Zuweilen klingen die Tracks nach Ambient vom Kranky-Label, wenn ein gerader, dumpfer Beat unter den Klangflächen erscheint, nach Gas. Ein guter Punkt, um in diese Art von Musik einzusteigen.

Trackliste:

1. Shimmer - 6:14 2. Fervent - 5:09 3. Through The Gaps In The Land - 9:22 4. Burn Me Out From The Inside - 6:07 5. It All Falls Apart (Simon Scott, Sight Below) - 4:37 6. New Dawn Fades - 5:18 7. Stagger - 13:14
Alle Tracks: Rafael Anton Irisarri.

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Rezensionen März 2010

GonjaSufi [x>] [D]: A Sufi And A Killer [F] [P]

CoverLabel: Warp 172
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 03 08
Genre: Electronica - Breakbeat - Turntablism, Electronica - Psychtronica, Post-Millennial-Music - Trap - Wonky

Ein Sufi und ein Killer. Der Sufi ist GonjaSufi, bürgerlich Sumach Ecks, der Killer ist Gaslamp Killer, bürgerlich William Benjamin Bensussen. Beide entstammen der südkalifornischen Hip-Hop-Szene von San Diego. Der Sufi ist eigentlich ein Yogi, dieses Album der Killer. Die Musik, die die beiden machen verbiegt alle Genres von Wonky über Lo-Fi zu Folktronica. Dieses Album ist das Werk von gottverdammten Freaks!
GonjaSufi erhielt seinen Deal mit Warp, nachdem er für Flying Lotus auf dessen Album Los Angeles sang (Testament). Schon damals beschäftigte mich diese Stimme, die gleichzeitig so whysky-kaputt und erhaben klang, wie diejenige von Billie Holiday auf den Album Lady In Satin. Wo Holidays Stimme von ihrer Biografie gezeichnet war, ist die Stimme GonjSufis inszeniert. Erinnerst du dich, wie vor ein paar Jahren Boards Of Canada Instrumentalmusik auf Tonband zerknüllten, um den Sounds etwas Abgetragenes, Ausgemergeltes, Ausgebleichtes zu geben? So kommt mir diese Stimme hier vor, die viel mit der Ort zu tun hat, wo die Musiker leben: San Diego ist eine Hightech-Industrie-Stadt an der Peripherie Amerikas, am Rand einer grossen Wüste und an der Grenze zu Mexico. Hightech ist diese Musik, auch wenn sie auf's erste Hören nicht so klingt. An den Sounds wurde viel herumgefeilt, hör genau hin! Dann werden Weltmusik-Samples verwendet, nicht zuletzt solche aus dem islamischen Raum. So etwas kann ich mir nur aus der Peripherie der Vereinigten Staaten kommend vorstellen. Und eben die Sound klingen nach Wüste, weil sie dermassen von der Sonne ausgemergelt sind.
Ich habe mal zusammengetragen, was verschiedene meiner Leiblings-Rezensenten zu einzelnen Tracks schreiben: Brooding, bad-trip laments (Kobwebz, eine diffus wabernde Downbeat-Nummer, deren br?tend hei?en, meditierenden Charme man sich kaum entziehen kann), a doo-wop number punctuated by spacey twang (Duet), a warping of the blues (Ageing), heavy soul of Change, the bar-jazz tension of Advice, and the woozy Kowboys & Indians, worin siedende Wüstenhitze zu spüren sei, schweisstreibende Funky-Sounds gibt es auf Candylane zu hören. Ungeahnte Elevationsgefühle entfaltet das hitverdächtige She Gone. Der smoothe Soul von Change bringt Entschleunigung und bietet eine dankbare Gelegenheit f?r eine kurze Atempause, während mit Suzie Q kurze Zeit zuvor eine richtig dreckige Punkorgie f?r vollkommene Orientierungslosigkeit beim Hörer sorgt. Ein Satz noch: Eine gewisse Stillosigkeit, die an der Grenze zur Überladung alle Korsette sprengt, wird es Schubladendenkern schwer machen, seine Musik in vorgefertigte Genre-Kategorien zu pressen. Archaisch anmutende, mystische Klänge verbindet er in einer zauberhaften Melange mit Elementen von verschleppten Electro-Hop-Beats, Psychedelic Folk, Weirdo-Pop, Verve-Dub-Jazz, Soul, Funk, übersteuerten Desert-Blues und afrikanischen Ritualgesängen. Angereichert wird dieser Mix mit mythischen Ethno-Motiven und Soundtrackfragmenten aus 60er-Jahre-Filmen. (Amazon Rezensent)
Genug der Worte. Das ist eines der Alben des Jahres, damit musst du leben!

Trackliste:

1. Untitled - 0:55 2. Kobwebz - 2:13 3. Ancestors - 2:36 4. Sheep - 4:03 5. She Gone - 2:45 6. SuzieQ - 1:44 7. Stardustin' - 1:04 8. Kowboyz&Indians - 2:43 9. Change - 2:04 10. Duet - 3:06 11. Candylane - 2:07 12. Holidays - 3:57 13. Love of Reign - 2:39 14. Advice - 2:45 15. Klowds - 3:28 16. Ageing - 2:42 17. DedNd - 3:38 18. I've Given - 3:35 19. Made - 10:45
Alle Tracks: GonjaSufi

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Loscil [x>] [D]: Endless Falls [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 141
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 03 01
Genre: Electronica - Ambient

Die Szene ist irgendwo auf dem Land. Du liegst auf dem Bett und schaust an die Decke. Draussen fällt ein dichter Sommerregen. Sein Klang regt deine Gedanken an, du denkst an dies und das, du schläfst nicht ein ?
Die Ambient Mussik von Loscil ist nicht einfach nur nett (das ist sie auch), aber sie hat eine Tiefe, die fasziniert.
Die Klänge, die Scott Morgan verwendet, haben stellenweise mit Neo-Klassik Releases der Gegenwart zu tun, vor allem im ersten Track, wo zwei Violinen verwendet werden. Die Musik auf Endless Falls ist vielschichtig, wirkt aufgerämt, ja edel. Sie stellt für mich eine perfekte Verbindung zwischen Intellekt und Emotion her. Wer Klimek liebt, wird diesen Release willkommen heissen.
Interessant ist das letzte Stück der CD: The Making Of Grief Point. Hier spricht ein Musikerkollege von Morgan, Daniel Bejar, über seine ganz persönliche Krise mit dem Musikmachen. Das Stück erinnert mich sehr an den Briten Robin Rimbaud (Scanner), der zum Beispiel auf The Garden Is Full Of Metal mit Interviewaufnahmen vom Filmemacher und Künstler Derek Jarman arbeitet. In beiden Fällen erzeugen die Klänge der Ambientmusik eine intime Werkstattatmosphäre. Du hast den Eindruck, dem Sprecher im Kopf zu sitzen oder sein Tagebuch zu sein, in das er gerade schreibt.

Trackliste:

1. Endless Falls - 7:55 2. Estuarine - 8:20 3. Shallow Water Blackout - 7:07 4. Dub For Cascadia - 6:06 5. Fern And Robin - 7:11 6. Lake Orchard - 7:40 7. Showers Of Ink - 8:43 8. The Making Of Grief Point - 8:54
Alle Tracks: Scott Morgan.

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Rezensionen Februar 2010

Die Antwoord [x>] [D]: $O$ [F] [P]

CoverLabel: Selbstrelease, Cherrytree
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 02, 2010 10 12 (Reed.)
Genre: Electronica - Breakbeat, Hip-Hop

Die Antwoord aus Kapstadt ist der beste Hip-Hop-Act seit Langem. Ninja, Yo-Landi Vi$$er und DJ Hi-Tek füren vor, dass Hip-Hop auch heute noch Relevanz und Dringlichkeit haben kann. Ihre Musik ist mit dem US-Gangstarap verwandt. Die Texte in Englisch und Afrikaans sind Ausdruck dessen, was die Musiker Zef nennen, ursprünglich ein abwertender Slangausdruck für Menschen zweiter Klasse. Es geht um sozialen Aufstieg, um Stil, um Verwendung von teils trashigen Stilelementen zu etwas Neuem. Watkin Tudor Jones, der Rapper der Gruppe, der sich Ninja nennt, hat eine ebenso erfrischend wie erschreckend schnelle Zunge. Er und die anderen Bandmitglieder waren oder sind offenbar auch TV-Stars. Im Fernsehen treten sie als Komiker auf. Das erstaunt nicht, denn telegen sind sie: Ihren internationalen Durchbruch haben sie über das auf Youtube gepostete Video Enter the Ninja von Regisseur Rob Malpage geschafft. Diese CD kam im Februar 2010 als Selbstrelease raus und nun im Oktober erfährt sie einen offiziellen Release. Muss man gehö,rt und die Videos dazu gesehen haben! (veröffentlicht: 2010 10 07)

Trackliste:

1. Whatever Man - 0:34 2. Wat Kyk Jy - 4:36 3. Enter The Ninja - 5:07 4. Wat Pomp - 4:08 5. Wie Maak Die Jol Vol - 5:08 6. Rich Bitch - 3:32 7. I Don't Need You - 3:57 8. Very Fancy - 2:52 9. Dagga Puff - 4:39 10. My Best Friend - 1:19 11. Liewe Maatjies - 3:42 12. $copie - 3:12 13. Beat Boy - 8:20 14. Super Evil (Killer Prawn Remix) - 4:00 15. Doos Dronk - 3:51 16. $0$ - 4:00

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Efterklang [x>] [D]: Magic Chairs [F] [P]

CoverLabel: 4AD CAD 3X01
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 02 23
Genre: Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Artpop

Die dänische Band Efterklang hat im vergangenen Herbst bei 4AD unterschrieben. Das neue Album ist seit einiger Zeit in den unoffiziellen Kannälen des Netzes und nun im Verkauf. Das ist Musik aus Europa, die an dem Teil hat, was in den USA gerade passiert: Die Musik kommuniziert mit den innovativen Sounds von Bands wie Grizzly Bear und Animal Collective. Als Fan der ersten Stunde hoffe ich, die Band wird mit Magic Chairs einen Riesenerfolg landen. Die Musik hat das Zeug dazu.
Die dänische Band Efterklang hat innerhalb von sechs Jahren drei (herausragende!) Alben eingespielt, Tripper, Parades und nun Magic Chairs – neben einer Hand voll EPs und Singles. Zwischen den drei Alben liegen vielfältige Tätigkeiten wie Touren, Hochziehen eines eigenen Labels Rumraket und Arbeit an der eigenen Internetpräsenz. Der Sound der Band hat sich in diesen Jahren enorm verändert. War Tripper noch eine Postrock-Electronica-Hybride ist nun Magic Chairs im Artpop unserer Zeit angekommen. Kein Wunder auch, der Produzent Gareth Jones hat das Veckatimest Album von Grizzly Bear abgemischt. Was den vielfältigen Output der Band zusammenhält ist eine unwiderstehlich charmante Oppulenz in der Instrumentierung. Piano, Synthies, Bläser, Orchester – nichts lassen Sie aus und man vermutet, am liebsten würden sie alles aufs Mal verwenden. Die Gruppe ging im letzten Album Parades durchaus auch als Neo-Progfolkband durch, doch nun mit Magic Chairs fand sie einen eingängig poppigen Stil. Ich fand Rezensionen im Web, deren Schreiber erschrocken feststellten, dass Efterklang nun Popmusik mache. Ich möchte hingegen betonen, wie sehr Efterklang nun zu einem – zu ihrem Stil gefunden haben, der international anschlussfähig ist und trotzdem zu ihnen, zu ihren reichen Kammerarrangements, passt.
Zu erwähnen ist unbedingt noch das wunderschöne Cover der führenden Kopenhagener Designer Hvass&Hannibal. Du stehst als Betrachter in einer postmodern wirkenden neoklassischen Architektur (das Thorvaldsens Museum?), die einen offenen Lichthof bildet, der buntfarbige Fahnen in der Form von langen Bändern enthält, die leicht und spielerisch in der Luft schweben. Das sagt viel über die Musik auf Magic Chairs aus.

Trackliste:

1. Modern Drift (Mads Brauer, Casper Clausen, Rune Fonseca Mølgaard) - 4:53 2. Alike - 4:11 3. I Was Playing Drums - 5:13 4. Raincoats - 4:20 5. Harmonics - 4:05 6. Full Moon - 3:49 7. The Soft Beating - 4:13 8. Scandinavian Love - 3:53 9. Mirror Mirror (Mads Brauer, Casper Clausen, Rune Fonseca Mølgaard) - 5:44 10. Natural Tune - 3:26
Alle Tracks: Casper Clausen, Mads Brauer, ausser wo anders vermerkt.

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Eleh [x>] [D]: Location Momentum [F] [P]

CoverLabel: Touch TO:80
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 02 22
Genre: Electronica - Soundart

Der erste CD Release von Eleh. Bisher kam Elehs Musik auf Vinylraritäten heraus: karge Dronetronica aus Analogsynthies, Musik in der Traditionslinie von La Monte Young, Eliane Radigue und Pauline Oliveros. Elektronische Drones wirken meist akademisch, distanziert, kühl, unnahbar, vielleicht selbstverliebt. Location Momentum aber hat dieses gewisse Etwas. Das ist nicht eine Fussnote zur Geschichte akademischer Musik von vor 40 Jahren. Diese CD ist wunderschön, weil die Drones tief und warm strömen als wären sie Sonnenstrahlen. Das ist der warme Sound modularer Vintage-Synthies.
Der erste Track (Heleneleh, der Name ein Palindrom) ist mit 20.5 Minuten Laufzeit der längste des Albums. Gegen sein Ende wird der Grundton der Drone in einem geradezu dramatischen Höhepunkt drei Mal eine Oktave runter und dann wieder hoch verschoben, dann kommt noch eine Oktave plus ne Terz dazu, bevor die Drone schliesslich im Nichts verschwindet. Im Nichts? Der de:bug Rezensent schreibt superschön: Eine ruhige, kraftvolle Klangpräsenz, danach sind die Ohren sauber. Ich lese diesen Satz als Hinweis auf die Hörerfahrung mit Dronemusik, die ich immer wieder zu vermitteln versuche: Wenn die Drohne verschwindet, ob ausgeblendet oder jäh abgestellt, dann kommt noch etwas, ein Negativeindruck verbleibt in den Ohren, wie ein helles Bild, das sich in deinem Bildschirm eingebrannt hat. Da ist wie ein Loch in dem die Musik weitergeht, nachdem sie verstummt ist. Halte die CD an. Press Pause! Das verbleibende Loch, die Leere, der Negativeindruck entspricht dem Konzept, mit dem Eleh auftritt. Der oder die Menschen hinter dem Namen ziehen es vor, die Musik für sich selbst sprechen zu lassen (so die Antwort an The Wire, wo in Ausgabe 314 ein Artikel erschien). Sie bleiben also verborgen, es sind keine Namen bekannt, was dem Act etwas Geheimnisvolles verleiht. Der zweite Track (Linear To Circular/Vertical Axis) ist mit 2.5 Minuten Laufzeit bedeutend kürzer: ein Sägezahn, der invertiert klingt als würde ein Tape rückwärts laufen. Einige Parameter werden dabei verstellt. Der dritte Track (Circle One: Summer Transcience) ein sinusartiger hoher Grundton, zu dem sich langsam ein tiefer etwas wummernder Grundton gesellt, der dann rhythmisch zu pulsieren beginnt. Von hier aus könnte der Track durchaus in Richtung Glitchfunk gehen, stattdessen verfolgt Eleh die eigene Strategie: Das ist ein Flirt mit etwas Genrefremdem, eben das gewisse Etwas, das nie bieder wird, aber andeutet, ich könnte hier auch Popmusik machen. Doch dann verfolgt es konsequent das eigene Interesse am Spiel zwischen hohen und tiefen Drohnen, am Ausloten des Klangraums durch zwei miteinander spielende Extreme. Die tiefe und die hohe Drohne, die sich wie Ying und Yang umspielen, die miteinander tanzen, sich gegenseitig ergänzen. So funktionieren die drei letzten Tracks der CD, die wieder über zehn Minuten Laufzeit haben.
Diese CD ist etwas ganz Besonderes. Touch-Releases sind immer etwas ganz Besonderes, doch Eleh topt diesen Standard noch – und zwar mit Leichtigkeit. Ich war noch nie von Dronetronica so angetan wie von Location Momentum. (veröffentlicht: 2010 06 25)

Trackliste:

1. Heleneleh - 20:28 2. Linear To Circular/Vertical Axis - 2:33 3. Circle One: Summer Transcience - 13:33 4. Observation Wheel - 11:33 5. Rotational Change For Windmill - 12:17

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Joanna Newsom [x>] [D]: Have One On Me [3 CD] [F] [P]

CoverLabel: Drag City DC 390
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 02 18
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk

Joanna Newsoms neues Album erschlägt mich fast; es ist mit drei CDs lang, sehr lang ausgefallen. Weniger wäre vielleicht mehr gewesen?
Und etwas hat mich an dieser Musik irritiert, so gut sie ist. Mir wird es erst heute klar, mehr als ein halbes Jahr nachdem ich das Album zum ersten Mal hörte, den Bericht von Ueli Bernays zum Zürcher Konzert von Joanna Newsom im September 2010 lesend (NZZ 2010/224, S. 16): In Newsoms ausladenden, oft sechs-, sieben- oder achtminütigen Songs fehlt es an einem tragenden Groove ebenso wie an einem klärenden Bass. Ich hätte es etwas vorsichtiger ausgedrückt: Groove ist missverständlich, aber Bernays hat recht, dass etwas Tiefes fehlt, eine Erdung, die noch bei Ys da war, Van Dyke Parks, der die Arrangements schrieb, sei dank. Ebenso war die EP Joanna Newsom And The Ys Street Band geerdet. Dort funktionierte das Zusammenspiel von Harfe, Gesang und Band, wo hier die Band zuweilen angeheuert und untermalend wirkt. Dort war die Musik spannungsreich, Himmel und Erde vereinigt. Auf Have One On Me ist Newsom vom Boden weg und in eine höhere Sphäre entrückt. Dort passt die Sängerin mit ihrem märchenhaft anmutenden Wesen und mit ihrer engelhaften Stimme vielleicht auch hin: Dieses Album ist so unglaublich beseelt, schon fast eine Mission. Die Rhapsodie-artigen Songs klingen geheimnisvoll und sie faszinieren. Wir müssen ja nicht annehmen, dass Newsom von nun an immer solche Musik macht. Sie ist noch jung und hat immenses Potential. (veröffentlicht: 2010 09 29)

Trackliste:

CD 1 1. Easy - 6:04 2. Have One On Me - 11:02 3. '81 - 3:52 4. Good Intentions Paving Company - 7:02 5. No Provenance - 6:25 6. Baby Birch - 9:30
CD 2 1. On A Good Day - 1:49 2. You And Me, Bess - 7:13 3. In California - 8:42 4. Jackrabbits - 4:23 5. Go Long - 8:03 6. Occident - 5:31
CD 3 1. Soft As Chalk - 6:29 2. Esme - 7:56 3. Autumn - 8:02 4. Ribbon Bows - 6:11 5. Kingfisher - 9:11 6. Does Not Suffice - 6:45

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Pantha Du Prince [x>] [D]: Black Noise [F] [P]

CoverLabel: Rough Trade RT 544
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 02 09
Genre: Electronica - Minimaltechhouse

Mit Black Noise ist u.a. Schall gemeint, der fürs menschliche Ohr unhörbar ist, in der Natur aber Wirkungen entfalten kann: beispielsweise Erdbeben oder Erdrutsche auslösen. Diesen schwarzem Lärm oder das schwarze Rauschen, das Pantha Du Prince in den schweizer Bergen aufgenommen hat (vielleicht in Goldau, wo 1806 der Rossberg drei Dörfer und eine riesige Fläche Land verschüttete), möchte er mit diesem Album hörbar machen. Black Noise ist wie sein Vorgänger The Bliss ein herausragendes Album.
Mit dem Berliner und Pariser Produzenten Hendrik Weber ist ein neuer Minimaltechhouse Auteur erwachsen, vergleichbar mit Ricardo Villalobos. Sein drittes Album als Pantha Du Prince kommt bem klassischen Indielabeli Rough Trade heraus. Das will was heissen, wenn ein Electronica-Album dort veröffentlicht wird. Man rechnet mit Hörer/-innen, die nicht vor allem Electronica kaufen. Und es hagelt tolle Kritiken zuhauf: Black Noise sei ein Triumph minimalistischer und fragiler Soundscapes, schreibt das SlantMagazine. Laut.de ergänzt das Album sei ein avantgardistischen Glanzstück.
Angesiedelt zwischen dem Tanzformat, dass diese Tracks voll erfüllen, und (Dark-)Ambient würde das Album hervorragend in den Kompakt Katalog passen. Die verwendeten Sounds entfalten eine hoch-impressionistische Wirkung, die Tiefen rumpeln teils düster, die Mitten und Höhen schimmern in der vom Coverbild evozierten Alpenlandschaft (Glocken, Naturgeräsche). Und in all dem liehgt so viel Raum. Wie wenn du an einem blauen Sommertag auf dem besagten Rossberg stehst und in die Tiefe des Tals hinunter schaust.

Trackliste:

1. Lay In a Shimmer - 6:38 2. Abglanz - 6:04 3. The Splendour - 6:00 4. Stick To My Side - 7:51 5. A Nomads Retreat - 6:41 6. Satellite Snyper - 5:29 7. Behind the Stars - 6:51 8. Bohemian Forest - 7:24 9. Welt Am Draht - 7:11 10. Im Bann - 3:23 11. Es Schneit - 6:46
Alle Tracks: Hendrik Weber.

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Yeasayer [x>] [D]: Odd Blood [F] [P]

CoverLabel: Mute CDSTUMM 321, Secretly Canadian SC 210
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 02 08 (EU), 2010 02 09 (US)
Genre: Post-Millennial-Music - Psychedelia - Psychedelicpop

Über die Artpop-Band Yeasayer aus Brooklyn wurde geschrieben, dass sie wie eine durch Animal Collective hindurchgeleitete manische Version von Genesis zur Zeit von Peter Gabriel klingen. Nun liefert die Band mit Odd Blood ihr zweites Album ab. Es ist auf elektronische Texturen gebaut und macht einen gewaltigen Spagat zwischen klassisch-melodischen Songs (Madder Red) und schwerer zugänglichen Experimenten (The Children). Dieses Album gehört zum Besten, was das Jahr 2010 zu bieten hat.
Zach Schonfeld von PopMatters schreibt zum Opener The Children: Es sei ein menacing headfuck of industrial beats and almost comically incomprehensible vocal perversion. Es ist wahr: Es ist gewagt, einen derart experimentellen Track an den Anfang eines Albums zu stellen. So etwas leistet sich nur eine Band, die sich ihrer Sache sehr, sehr sicher ist. The Children klingt wie die musikalische Repräsentation einer Fantasy-Figur aus einem Sci-Fi-Epos wie Star Wars. Die darauf folgenden Tracks sind eine Folge von Songs für die Ewigbestenlisten. Du siehst schnell ein: Die Band kann sich diesen experimentellen Opener leisten.
Madder Red ist ein Instant-Klassiker. Der Song will wie Jealous Guy von John Lennon einen Mann darstellen, der nach einen Fehltritt reuevoll und schwach vor seiner Partnerin steht.
Am besten klingt das Album mit guten Kopfhöhrern. Die elektronischen Texturen gewinnen so nahe am Ohr eine psychedelische Plastizität, die ich in den letzten Jahren selten gehört habe und die an Plaid oder an Freeform erinnert. Odd Blood ist tolle elektronische Musik. Sogar The Children klingt bei wiederholtem Hören spannend. Es ist interessant, wie fremd prozessierte Vocals in vielen Ohren noch immer klingen.
Yeasayer kommen absolut klassisch, sobald man sich an die verwendeten innovativen Texturen gewöhnt hat. Der Band könnte es gelingen, den elektronischen Artpop aus Amerika (MGMT, Animal Collective Ära Merriweather Post Pavilion) einem klassischen Pop-Publikum nahe zu bringen. Sie können Melodien und memorable Songs schreiben. Yeasayer sei wie Mathias Menzl in 78s schreibt: irgendwie nicht von dieser Welt, rhythmisch komplex und doch zugänglich, vertrackt, aber nicht verworren. Diese Musik klingt nicht nach Revival sondern nach Heute. Da ist alles dran, was an grossartiger gegenwärtiger Popmusik dran sein muss. (veröffentlicht: 2010 12 28)

Trackliste:

1. The Children - 3:12 2. Ambling Alp - 3:55 3. Madder Red - 4:03 4. I Remember - 4:23 5. O.N.E. - 5:23 6. Love Me Girl - 5:00 7. Rome - 3:48 8. Strange Reunions - 2:35 9. Mondegreen - 4:37 10. Grizelda - 2:40
Alle Tracks: Chris Keating, Ira Wolf Tuton und Anand Wilder.

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Gil Scott-Heron [x>] [D]: I'm New Here [F] [P]

CoverLabel: XL Recordings XLCD 471
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 02 08
Genre: Jazz - Souljazz - Jazzpoetry, Electronica

Gil Scott-Heron, der afroamerikanische Poet und Proto-Rapper, hat nach sechzehn Jahren ein neues Album gemacht, ein introvertiertes Alterswerk, das mit seinen 28 Minuten Laufzeit eher ein Minialbum ist. Aber was für eines!
Wenn du alle Alben von Scott-Heron vor Augen hältst, dann bildet dieses mit dem Erstling einen Rahmen: Beide sind besonders und nehmen sich aus der Reihe der anderen Alben aus. Beide sind nüchtern und trocken produziert, sie verwenden wenig Instrumente, überhaupt wenig Musik, mehr Hintergrundtextur, Untermalung – beide sind fast reine Spokenword-Alben. Small Talk At 125th And Lenox von 1970 arbeitete mit Congas und I'm New Here von 2010 mit oft elektronischen Samples. Mit seinen anderen Alben machte Gil Scott-Heron vor allem Souljazz mit sehr politischen Lyrics. Auf I'm New Here ist die Politik Ich-Themen und Rückschauen auf ein langes Leben gewichen. Es ist zweifelsohne ein Alterswerk. Richard Russell zeichnet sich für die herausragende Arbeit an seinen Sounds verantwortlich. Das klingt stellenweise wie Massive Attack.
Zu den Tracks: Den Rahmen bildet das Gedicht On Coming From A Broken Home, eine Homage an die Frauen in seinem Leben und vor allem an die Mutter. Me And The Devil ist der Robert Johnson-Blues, der hier für einmal sehr musikalisch als quälender-gequälter Hip-Hop-Track daher kommt. Der Titeltrack ist von Bill Callahan geschrieben, eine texturierte Lo-Fi-Folknummer. Der Kreis schliesst sich, wenn durch Your Soul And Mine das Echo eines Tracks aus dem erwähnten Small Talk-Album spukt. Sodann muss New York Is Killing Me erwähnt werden, ein düsterer Track, der ein Video von Chris Cunningham erhalten hat. Dieses musst du gesehen haben.
I'm New Here ist ein hypnotisches Album, das zu den besten in diesem Jahr gehört. Ich bin spellbound. (veröffentlicht: 2010 12 14)

Trackliste:

1. On Coming from a Broken Home (Part 1) (Gil Scott-Heron) - 2:20 2. Me and the Devil (Robert Johnson) - 3:33 3. I'm New Here (Bill Callahan) - 3:33 4. Your Soul and Mine (Richard Russell, Scott-Heron) - 2:02 5. Parents (Interlude) (Scott-Heron) - 0:18 6. I'll Take Care of You (Brook Benton) - 2:58 7. Being Blessed (Interlude) (Scott-Heron) - 0:12 8. Where Did the Night Go (Scott-Heron) - 1:14 9. I Was Guided (Interlude) (Scott-Heron) - 0:14 10. New York Is Killing Me (Scott-Heron) - 4:29 11. Certain Things (Interlude) (Scott-Heron) - 0:08 12. Running (Russell, Scott-Heron) - 2:00 13. The Crutch (Russell, Scott-Heron) - 2:44 14. I've Been Me (Interlude) (Scott-Heron) - 0:16 15. On Coming from a Broken Home (Part 2) (Scott-Heron) - 2:15

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Rezensionen Januar 2010

Chicago Underground Duo [x>] [D]: Boca Negra [F] [P]

CoverLabel: Thrill Jockey thrill 228
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 01 26
Genre: Electronica - Jazztronica - Futurejazz

Chicago Underground Duo, das sind Rob Mazurek am Kornett und Chad Taylor an den Drums, am Vibraphon und der Mbira. Die beiden spielen seit Jahren wunderbaren Futurejazz. Das neue Album l?sst den Instrumenten mehr Raum, indem weniger Elektronik zu hören ist.

Trackliste:

1. Green Ants (Mazurek) - 7:07 2. Left Hand of Darkness (Mazurek) - 4:25 3. Broken Shadows (Coleman) - 7:24 4. Quantum Eye (Mazurek) - 4:40 5. Confliction (Taylor) - 6:23 6. Hermeto (Taylor) - 4:40 7. Spy on the Floor (Mazurek) - 6:39 8. Laughing with the Sun (Mazurek) - 5:24 9. Roots and Shooting Stars (Taylor) - 4:07 10. Vergence (Taylor) - 4:54

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Four Tet [x>] [D]: There Is Love In You [F] [P]

CoverLabel: Domino WIGCD 254
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 01 25
Genre: Electronica - Folktronica

Musik, die auf Loops aufbaut, hat es schwer heute. Sie klingt abgestanden. Deshalb hat sich Four Tet vor ein paar Jahren von Electronica auf Improvisation, Kolaboration (mit Steve Reid) verlegt. Wenn jetzt vom englischen Mastermind wieder ein Electronica Album erscheint, fragst du dich, ob das ein Rückgriff ist oder ob damit ein Weg für Electronica in der heutigen Zeit demonstriert wird.
Four Tet hat sich vor Jahren einen Namen gemacht, als er aus seiner Postrockband Fridge ausgestiegen ist und ein paar eindrucksvolle Elekcronica Alben genacht hat, die sich unter anderem dadurch auszeichneten, dass die Samples hörbar geschnitten waren. Das war der Stil der Zeit - Prefuse 73 und Bibio teilen ihn - man nannte ihn Folktronica. Vor ein paar Jahren zog sich Four Tet zurück, nannte sich beim bürgerlichen Namen Kieran Hebden und spielte vor allem elektronischen Jazz mit dem Drummer Steve Reid.
There Is Love In You ist nun wieder ein Electronica Album und funktioniert im Homelistening-Kontext. Um den Sound organisch zu halten verwendet Four Tet stellenweise Gitarren und Drums. Es gibt ein paar wunderschöne Tracks und Momente auf dieser CD, sie klingen wie ein Pop Ambient Album wie du es vom Kompakt Label kennst plus Beat. Aber diesem Album fehlt die Botschaft, das Statement. Four Tet müsste sagen, hier bin ich wieder nach Jahren, stattdessen schmust er hier ein bisschen rum. Es ist wie der Milkfactory Rezensent schreibt: Es ist als könnte sich Hebden nicht entscheiden, ob er sein altes Ich ausführen oder ins kalte Wasser springen und etwas Knackiges anrüren will. Oft misslingt es den Tracks abzuheben, statdessen beisst sich Hebden dann in den eigenen Schwanz. (meine Übersetzung). Aber mindestens die Tracks Angel Echoes, Circling (sic!) und Reversing musst du gehört haben.

Trackliste:

1. Angel Echoes - 4:00 2. Love Cry - 9:13 3. Circling - 5:17 4. Pablo's Heart - :11 5. Sing - 6:48 6. This Unfolds - 7:55 7. Reversing - 2:40 8. Plastic People - 6:33 9. She Just Likes To Fight - 4:34

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Ringo Starr [x>] [D]: Y Not [F] [P]

CoverLabel: Hip-O, Universal B0013792
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 01 12
Genre: Rock

Gutes Album von Ringo, toller Mainstreamrock, nichts Aussergewöhnliches aber doch bemerkenswerte zehn Songs. Verschiedene hochkarätige Mitmusiker und Songwriting-Partner machen das Album abwechslungsreich. Unter anderem auch der Ex-Beatles-Kollege Paul McCartney und virtuell im Songtext John Lennon (Peace Dream). Eigenartig ist das schwarz-weisse Cover des Albums, das an Skarevival oder New-Wave erinnert, womit Y Not natürlich nichts zu tun hat.
Natürlich – Ringo konnte nie gut singen und so sind die Songs umso stärker, wo er im Duet singt, beispielsweise in Who's Your Daddy mit Joss Stone oder in Walk With You mit Paul McCartney. Letzteres Lied hat Ringo zusammen mit Van Dyke Parks geschrieben. Alle Songs haben Ohrwurmqualität. Unverwüstlicher Mainstreamrock, der mit beiden Füssen fest auf dem Boden steht.

Trackliste:

1. Fill in the Blanks (Starkey, Walsh) - 3:14 2. Peace Dream (Nicholson, Starkey) - 3:34 3. The Other Side of Liverpool (Starkey, Stewart) - 3:23 4. Walk with You (Parks, Starkey) - 4:42 5. Time (Starkey, Stewart) - 3:49 6. Everyone Wins (Starkey, Warman) - 3:54 7. Mystery of the Night (Marx, Starkey) - 4:05 8. Can't Do It Wrong (Burr, Starkey) - 3:45 9. Y Not (Ballard, Starkey) - 3:49 10. Who's Your Daddy (Starkey, Stone) - 2:29

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Vampire Weekend [x>] [D]: Contra [F] [P]

CoverLabel: XL Recordings XLCD 429
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2010 01 12
Genre: Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Artrock

Wunderbares Album der New Yorker Vampire Weekend. Wenn man bedenkt, wie schwierig es ist, nach einem Überaschungserfolg des ersten Albums ein zweites zu machen, das überzeugt, dann muss man diese Band in alle Himmel hinauf loben. Denn überzeugen tut dieses Album voll und ganz. Die Band ist sich selbst geblieben (Indiepop mit schrägen Ska/Reggae/World-Texturen) und bleiben gleichzeitig mit der besten Musik der Gegenwart verbunden: Stellenweise nickt die Musik auf diesem Album derjenigen von Grizzly Bear zu (der komplexe Harmoniegesang im Opener Horchata) oder der Musik von Panda Bear / Animal Collective (California English). Contra und das neue Efterklang-Album, das im Februar raus kommt, sind erste Meilensteine des neuen Jahrzehnts. Dieses fängt wahrlich gut an ?
Die Stimme von Ezra Koenig, dem Sänger der Band, klingt ein wenig nach Paul Simon, die Songs auf Contra, als würde Simon seinen World-Folk der späteren 80er in einem Baroquepop Arrangement vortragen: Sophisticated, geschliffen, klassisch im besten Sinn der Wortes, in perfekter Kontrolle aller Ideen (und das sind nicht wenige, die einen Vampire Weekend Song ausmachen). Auch wenn die Texturen komplex und dicht werden verliert die Musik nie ihren Wohlklang und ihre Gefälligkeit.

Trackliste:

1. Horchata - 3:26 2. White Sky - 2:58 3. Holiday - 2:18 4. California English - 2:30 5. Taxi Cab (Batmanglu, Koenig) - 3:55 6. Run - 3:52 7. Cousins - 2:25 8. Giving Up The Gun - 4:46 9. Diplomat's Son - 6:01 10. I Think Ur A Contra (Batmanglu, Koenig) - 4:26
Alle Tracks: Baio, Batmanglu, Koenig, Tomson (Musik) und Ezra Koenig (Lyrics), ausser wo anders vermerkt.

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