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Anzeige aller Musikzimmer Rezensionen von 2008 geordnet nach Monat

Rezensionen Dezember 2008

Murcof [x>] [D]: The Versailles Sessions [F] [P]

CoverLabel: Leaf BAY 067
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 12 01
Genre: Electronica - Postelectronica, Electronica - Soundart

Fernando Corona (Murcof) wurde nach Versailles in den Garten des königlichen Schlosses eingeladen, wo jährlich Les Grandes Eaux Nocturnes stattfinden – ein Festival, bei dem die Brunnen des Schlosses von Künstlern beleuchtet werden und die Wasserspiele mit Musik untermalen werden. Die sechs Stücke kommen nun auf CD heraus.
The Versailles Sessions sind eher ein Nebenwerk im Katalog von Murcof, fallen aber durch die nicht kaschierte Verwendung klassischer Werke aus dem 17. Jahrhundert auf: Jean-Baptiste Lully, Fran?ois Couperin zum Beispiel. Diese wurden auf Originalinstrumenten (Cembalo, Viola da gamba, Flöte, Violine und Gesang) eingespielt und von Murcof prozessiert. Die teilweise exotisch klingende Musik ist sehr atmosphärisch, aber auf CD fehlt natürlich das Ambiente mit den beleuchteten Brunnen.

Trackliste:

1. Welcome To Versailles (11:30) 2. Louis XIV's Demons (4:58) 3. A Lesson For The Future, Farewell To The Old Ways (7:54) 4. Death Of A Forest (6:44) 5. Spring In The Artificial Gardens (12:10) 6. Lully's 'Turquerie' As Interpreted By An Advanced Script (6:42)

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Robert Henke [x>] [D]: Atom / Document [F] [P]

CoverLabel: Imbalance Computer Music ICM 07
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 12
Genre: Electronica - Soundart

Diese Musik wurde von Robert Henke (Monolake) für eine Ausstellung bzw. Installation von Christopher Bauden komponiert. Die Installation besteht aus Luftballonen, die mit Leuchtdioden im Innern beleuchtet sind (siehe Coverbild). Die Ballone sollen einen Eindruck von molekularer Bewegung vermitteln – daher der Titel Atom / Document.
Zu Beginn der CD geht es sehr minimalistisch zu und her: Dronesounds und Mikrophonaufnahmen prägen [_flicker]. [quad_planar] arbeitet mit dem Ticen von Uhren bei leicht unterschiedlichen Taktmassen. [shift_register] und [first_contact] sind Stücke für präpariertes Piano, sehr perkussiv gespielt. [_convex] besteht aus Wellen konkreter Aufnahmen, die zu einem artifiziellen urbanen (Klang-)Raum arrangiert sind. Du hörst das urtiefe Grollen der Grossstadt. Bei drei Tracks ([metropol], [diagonal] und [crossing]) kommen Beats ins Spiel. Hier wird die Musik technoid wie für den Dancefloor gemacht, funkig klickende Beats mit konkreten Aufnahmen zu einem im Ganzen abstrakt wirkenden Technofunk verarbeitet. Der Release funktioniert als CD-Release sehr gut. Die in der Machart verschiedenen Tracks sind in einer Reihenfolge auf die CD gebracht worden, die dich als Hörer/-in auf eine Reise mitnehmen.

Trackliste:

1. [_flicker] - 4:52 2. [quad_planar] - 3:31 3. [shift_register] - 6:54 4. [_convex] - 3:50 5. [metropol] - 5:07 6. [first_contact] - 8:14 7. [diagonal] - 6:28 8. [crossing] - 6:38 9. [_exit] - 7:52
Alle Tracks: Robert Henke.

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Rezensionen Novemeber 2008

Brian Eno & David Byrne [x>] [D]: Everything That Happens Will Happen Today [F] [P]

CoverLabel: Todomundo TODO 002
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 11 25
Genre: Newpop - Artpop, Alternativerock - Electronicrock

1981 haben Brian Eno und David Byrne My Life in The Bush Of Ghosts, eines der experimentellsten Alben der Rockgeschichte herausgegeben. Jetzt kommen sie mit einem Popalbum, das mit Soundexperimenten und Innovation nur wenig zu tun hat. Dennoch sind hier hörbar zwei Meister am Werk, die unter dem Titel Everything That Happens Will Happen Today ein Album mit elf Songs geschaffen haben, die dir auf der Zunge zergehen.
David Byrnes Songs sind eine seltsame Mischung aus Folk und Country – Grossstadtamericana, falls es so etwas gibt. Ich sehe ihn als urbanen New Yorker mit Cowboyhut in einem offenen Wagen auf einem Highway fahren. Das Bild stammt aus dem Film True Stories. Laut All Music Guide sprechen Eno/Byrne von ihrer neuen Musik als folk-electronic-gospel. Somit ist Gospel das Bindeglied zwischen My Life in The Bush Of Ghosts und dem neuen Album. Bush Of Ghosts war voller Prediger-Stimmen, erinnerst du dich?
Home, My Big Nurse oder Life Is Long sind melodische Folksongs, an denen beim genaueren Hinhören auffällt, wie konstruiert sie sind. Das ist Enos Beigabe. Produktionstechnisch ist dieses Album erste Sahne. Alle Sounds sind transparent in Szene gesetzt. Der Kontrast zwischen Byrnes süsslich anmutenden Songs und der elektronischen Konstruiertheit der Musik vermag durch das ganze Album hindurch eine Spannung zu halten. Der dritte Track I Feel My Stuff, voll und ganz ein Eno Song mit viel Elektronik, schlägt dann eine andere Gangart ein. Ich liebe dessen eiskaltes Piano, das da und dort mit einem wahnsinnigen Blick durchscheint. Der Titeltrack klingt nach Daniel Lanois – elektronischer Gospel fürwahr. Poor Boy kommt am ehesten wie ein Track auf Bush Of Ghosts an. Schon während dem ersten Hören des Albums stellt sich eine Begeisterung bei mir ein, die Begeisterung darüber, dass Eno/Byrne es gewagt haben, etwas anders als in Bush Of Ghosts zu machen. Wenn ich die Rezensionen überfliege, die das Album bisher erhalten hat, nerve ich mich ob den vielen Kritiker/-innen, die nicht über den Schatten ihrer enttäuschten Erwartung springen konnten. Das ist doch gerade die hohe Kunst der beiden Meister, authentische Musik zu machen, statt das Rad der Zeit um 25 Jahre zurück zu drehen. Everything That Happens Will Happen Today ist Musik, die in die kommenden Festtage passt aber auch länger zu bleiben vermag.

Trackliste:

1. Home-5:06 2. My Big Nurse-3:21 3. I Feel My Stuff-6:25 4. Everything That Happens-3:46 5. Life Is Long-3:45 6. The River-2:30 7. Strange Overtones (Byrne, Eno, Leo Abrahams)-4:17 8. Wanted for Life-5:06 9. One Fine Day-4:55 10. Poor Boy-4:19 11. The Lighthouse-3:46
Alle Tracks: Byrne (Lyrics) und Eno (Instrumentation), ausser wo anders vermerkt.

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Fennesz [x>] [D]: Black Sea [F] [P]

CoverLabel: Touch TO:76
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 11 24
Genre: Electronica - IDM - Glitch-IDM, Electronica - DSP

In den ersten Sekunden des neuen Fennesz-Albums hörst du den Strand des Schwarzen Meeres. Eine Mikrophonaufnahme. Verkehrslärm im Hintergrund und kreischende Möven. Dann ist es plötzlich als ob die Möven explodierten und als ob diese Explosion im Himmel als Gewitter wiederschallte. Dann setzt – Schicht für Schicht – die Wall of Sound ein, die Signatur des Fenneszsounds. Erst metallisch, dann wie ein dichter Luftstrom. Sofort bist du in einer unvergleichlichen Klangreise, die düsterer ausgefallen ist als auf den Vorgängeralben. Aus Venedig ist Odessa geworden, aus der Adria das Schwarze Meer, aus Herbst und November (siehe die Rezension zu Venice, dem letzten Soloalbum Fenneszs) kalter Winter.
Die Tracks sind länger geworden. Dafür haben sie mehr Binnenbewegung, scheint mir. Die Sounds stammen nicht mehr ausschliesslich von der Gitarre. Es ist da und dort das präparierte Klavier von Anthony Pateras auszumachen. Im de:bug-Interview spricht Fennesz davon, dass sein Album ein Statement haben soll. Das ist eine interessante (wenn auch nicht verwunderliche) künstlerische Aussage in einer Zeit, in der das Gejammer der Musiklabels und -vertriebe über die Verschiebung vom Trägermedium CD hin zu digitalen Formaten viele Leute dazu bewegen zu glauben, dass das Album als künstlerische Form aussterben wird. Das ist natürlich Blödsinn, weil Künstler/-innen das Album als Ausdruck ihres Schaffens in einem selbst gesetzten Zeitabschnitt so nötig haben wie die Luft zum atmen: Alben müssen immer ein Statement haben, und das war in den letzten Jahren einfach nicht so. Ich gehe immer wieder durch den gleichen Prozess, verwerfe Tracks komplett und fange neue an. Am Schluss bleibt dann die Essenz der Arbeit der letzten Jahre übrig, sagt Fennesz im de-bug-Artikel (Nr. 129, S. 55). Und wir, die Hörerinnen und Hörer, freuen uns an den gelungenen Werken, wir freuen uns an Black Sea.

Trackliste:

1. Black Sea - 10:11 2. The Colour of Three (Anthony Pateras) - 8:06 3. Perfume For Winter - 4:35 4. Grey Scale - 4:09 5. Glide (Rosy Parlane) - 9:22 6. Vacuum - 3:58 7. Glass Ceiling - 5:49 8. Saffron Revolution - 5:52
Alle Tracks: Christian Fennesz, ausser wo anders vermerkt.

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The Fireman [x>] [D]: Electric Arguments [F] [P]

CoverLabel: ATO Records ATO 0063
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 11 17
Genre: Alternativerock - Electronicrock, Rock

1993 – just als Electronica aufkamen – hat sich Beatle Paul McCartney mit Youth von Fireman ein Ambienthouse-Album zu machen. 1998 kam eine zweite sehr ähnliche CD heraus der beiden heraus. Beide Veröffentlichungen waren werder in Rock- noch in Electronica-Kreisen breit rezipiert worden und führten eher ein Schattendasein. Nicht ganz zu unrecht – über eine interessante Fussnote zu beiden genannten Traditionen kam diese Musik nicht hinaus. Nun sind zehn Jahre verstrichen und The Fireman wartet mit einem dritten Release auf, einem Album, das ganz anders klingt als die beiden Vorgänger. Die beiden Musiker haben in dreizehn Tagen dreizehn neue Tracks eingespielt, einen pro Tag. Diese Tracks entstanden dieses Mal nicht am Mischpult, sondern wurden mit Instrumenten eingespielt. Weil das zum einen in unsere postelektronische Zeit passt und weil McCartneys kreative Ader, die er mit seinen letzten Soloalben unter Beweis gestellt hat, auch hier nicht versiegt, haben wir es hier mit einem hervorragenden Album zu tun.
Nothing Too Much Just Out Of Sight klingt wie eine Zusammenarbeit mit White Stripes. Dieser Track wischt sofort jede Erwartung weg, dass dieses Album klingt, wie eines seiner beiden Vorgänger. Zep meeting Beefheart, full of mealy-mouthed blues harp and Helter Skelter raging, steht in der BBC-Rezension. Two Magpies ist ein verjazztes Blackbird. Sing The Changes ist bester Powerpop und erinnert mich wie auch Sun Is Shining an Travelling Light ist ein underwater sea shanty (Wired Magazine), das sehr stimmungsvoll produziert ist. Zum ersten Mal hörst du nun Youths Beteiligung deutlich, später auch in Lifelong Passion, Is This Love? und Don't Stop Running. Highway ist ein typischer McCartney-Rocker Light From Your Lighthouse ist vielleicht der grösste Ohrwurm auf diesem Album. Neo-Americana vom Besten – der Song beruht auf einem Gospel-Template. Dance ?Till We?re High ist ein herrliches kleines Phil Spector-Tribut. Bei Lovers In A Dream haben wir zum ersten Mal einen elektronischen Track, komplett mit Housebeat. Auch Universal Here, Everlasting Now ist elektronisch. Er führt vor, wie House rockig gespielt werden kann. Leider ist der Track etwas zu kurz geraten.
Dieses Album gehört mit Band on The Run und London Town zu den besten, die McCartney nach den Beatles gemacht hat.

Trackliste:

1. Nothing Too Much Just out of Sight - 4:55 2. Two Magpies - 2:12 3. Sing the Changes - 3:44 4. Travelling Light - 5:06 5. Highway - 4:17 6. Light From Your Lighthouse - 2:31 7. Sun is Shining - 5:12 8. Dance 'Til We're High - 3:37 9. Lifelong Passion - 4:49 10. Is this Love? - 5:52 11. Lovers in a Dream - 5:22 12. Universal Here, Everlasting Now - 5:05 13. a) Don't Stop Running - 10:31, b) Untitled 13 at 7:57
Alle Tracks: Paul McCartney.

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Level [x>] [D]: Opale [F] [P]

CoverLabel: Spekk KK 016
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 11
Genre: Electronica - Ambient

Barry G. Nichols hat als Level mit der Vorgänger-CD Cycla eines der schönsten Ambient-Electronic-Alben geschaffen. Der Nachfolger Opale arbeitet mit Piano-Motiven, die von Linden Hale und Keith Berry eingespielt wurden. Die Piano-Klänge auf diesem Album sind ein einziges grosses melancholisches Schimmern im Echoraum. Leider klingt dieses Schimmern etwas zu verwaschen ?

Trackliste:

1. Opale 1 (Jeux) (2:57) 2. Opale 2 (Ae Ist) (6:30) 3. Opale 3 (Braide) (8:13) 4. Opale 4 (Mobilus) (5:42) 5. Opale 5 (Eastre) (7:18) 6. Opale 6 (Oriente) (6:11) 7. Opale 7 (A Frozen Moment) (7:41) 8. Opale 8 (Il Alp) (3:00)

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Rezensionen Oktober 2008

Ezekiel Honig [x>] [D]: Surfaces Of A Broken Marching Band [F] [P]

CoverLabel: Anticipate 006
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 10 27
Genre: Electronica - Ambient, Electronica - IDM

Kaum zu glauben, dass dieser Name kein Moniker ist, kein Künstlername. Ezekiel Honig ist der Betreiber des Anticipate-Labels, das dich in den letzten zwei Jahren mit einer Handvoll grossartigen Electronica Alben verwöhnt hat. Surfaces Of A Broken Marching Band weckt Erinnerungen an die grossen Zeiten von Listening-Electronica.
Du hast es hier mit Surfaces Of A Broken Marching Band in de:bug Musik, die in ihrer eigenen Welt des Klassizismus angekommen ist, und dabei dennoch allem trotzt, was monumental sein könnte..

Trackliste:

1. Porchside Prologue - 1:19 2. Broken Marching Band - 5:04 3. A Brief Visual Pattern - 5:06 4. Seaside Pastures part 2 - 5:57 5. Displacement - 3:35 6. Porchside Economics - 5:29 7. Material Instrument 1 - 5:27 8. Material Instrument 2 - 4:25 9. Past Tense Kitchen Movement - 4:40 10. Epilogue - 3:29

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Zomby [x>] [D]: Where Were U In '92? [F] [P]

CoverLabel: Werk Discs WERK 006
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 10 24
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Wonky, Electronica - Breakbeat - Neo-Jungle

Dieser Release kommt von einem der angesagtesten englischen Breakbeat-Produzenten: Zomby. Der Titel verrät aber schon, dass es sich hier um eine Scheibe handelt, die dich um siebzehn Jahre zurückversetzt ins Jahr 92, zu Jungle und Ardcore. Damals spaltete sich das Breakbeat-Genre gerade von Techno ab. Es war der Point Zero der zutiefst britischen Musiktradition, die uns Jungle, Drum'n'Bass, Techstep, Grime, Dubstep und neuerdings Wonky geschenkt hat. Trotz des Retroansatzes kling dieses Album dank den ultratiefen Dubstep-Bässen frisch und grossartig! Es ist schon sehr treffend, was im Pressematerial steht und vom AMG zitiert wird: Dieses Album ist the rave album that was never made in the early '90s.
Die verwendeten Samples tragen die Signatur früher Ardcore Musik (vergleiche Shut Up And Dance oder die frühen 4Hero). Die skurile Acid-Welle war zu Ende, was blieb waren die hochgepitchten Stimmen, Sirenen, Spät80er-Jahre-Synthi-Akkordfolgen, die Techno und House damals prägten. Neu waren die Breakbeats und der Dancehall-Hintergrund der Musik. Zombys vierzehn Tracks sind nicht gemixt, nicht Track für Track auf CD gebracht, sondern recht wild aneinander geschnitten, wie auf einem Bootleg-Radio-Tape aus goldenen Tagen. Where Were U In '92? Ist eine emotionale Sache. Das Album nimmt dich mit auf eine Zeitreise die in die Vergangenheit und die Zukunft zugleich geht. Mann, ich platze vor Spannung auf den nächsten Zomby-Release!

Trackliste:

1. Fuck Mixing, Let's Dance - 3:00 2. Euphoria - 3:27 3. We Got The Sound - 1:57 4. Daft Punk Rave - 1:02 5. Tears In The Rain - 4:34 6. Get Sorted - 2:18 7. G.T.i - 1:26 8. Float - 3:19 9. Need Ur Lovin' - 2:24 10. Pillz - 4:21 11. Hench - 2:24 12. B With Me - 3:52 13. Where Were U In '92? - 2:04 14. U Are My Fantasy (Street Fighter II Theme RMX) - 2:03
Alle Tracks: Justin Moulds.

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Bonnie 'Prince' Billy & Harem Scarem & Alex Neilson [x>] [D]: Is It The Sea? [Live] [F] [P]

CoverLabel: Domino WIGCD 213
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 10 20
Genre: Alternativerock - Sadcore - Singer-Songwriter

Ein Live Album von einem der atemberaubensten Performenrn unserer Zeit: Will Oldham, der sich einen grossen Teil seiner Fangemeinschaft auf der Bühne ersungen hat. Is It The Sea? wurde in Edinburgh aufgenommen. Der Anlass war ein Konzert Oldhams für die BBC.
Traurige Melodien herrschen vor. Absolut ätherische Begleitstimmen und machmal Anleihen an den Britischen Folk zum Beispiel bei Bed Is For Sleeping. Das kommt daher, dass Will Oldham von Harem Scarem begleitet wird, einer Schottischen Folkgruppe. Oldham wechselt wild zwischen seinen verschiedenen Namen/Monikern und sucht sich immer wieder neue Begleitmusiker. Und so tritt dieser Proteus in immer neuen Kleidern auf, während seine Musik lebendig bleibt wie am ersten Tag.

Trackliste:

1. Minor Place 4:41 2. Love Comes To Me 4:19 3. Bed Is For Sleeping 3:52 4. Arise Therefore 3:25 5. Wolf Among Wolves 4:45 6. Ain't You Wealthy? Ain't You Wise? 4:46 7. Cursed Sleep (including 'Thanks to The Green Badger') 7:51 8. Molly Bawn 7:33 9. Birch Ballad 4:45 10. New Partner 4:39 11. Is It The Sea? 6:31 12. My Home Is The Sea 7:30 13. Master And Everyone 3:30
Bonustracks der Vinyl Ausgabe 1. I See A Darkness 6:32 2. Love In The Hot Afternoon 4:43

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Windy And Carl [x>] [D]: Songs For The Broken Hearted [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 125
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 10 13
Genre: Postrock, Alternativerock - Neo-Psychedelicrock - Neo-Spacerock

Windy And Carl sind die Bassistin Windy Weber und der Gitarist Carl Hultgren aus Michigan. Sie haben oder hatten einen Schallplattenladen und machen seit einigen Jahren ihre eigene Musik, die aus spacigen Gitarren-Loops und -Dronen besteht. Das hört sich an wie die folkige Ausgabe von My Bloody Valentine. Songs For The Broken Hearted ist ein Themealbum, ein Album, deren Stücke thematisch zusammenhängen. Es geht um Liebe und Verlust, um das alte Thema des gebrochenen Herzens.
Die Musik von Windy And Carl besteht aus an- und abschwellenden Gitarrendronen, die mit viel akustischem Raum übereinander geschichtet werden und sich in der Zeit entfalten und verändern. Zuweilen sind Songstruturen auszumachen. beispielsweise in Forever oder My Love. Die meisten Tracks fliessen während mindestens sechs Minuten dahin. Die Wahrnehmung der Musik schwankt zwischen voller Aufmerksamkeit (Rein in die Schönheit der Tracks und ihrer klanglichen Details!) und passiver Aufmerksamkeit, bei der die Musik zum Hintergrund, zur Tapete wird. Es ist ganz wichtig für diese Musik, dass sie zwischen diesen beiden Polen mäandert. Songs For The Broken Hearted ist Musik für Melancholiker wie mich – trippy und wunderschön.

Trackliste:

1. Btwn You + Me (6:19) 2. La Douleur (12:39) 3. My Love (5:23) 4. Forever (5:07) 5. Rhodes (9:55) 6. Champion (6:10) 7. When We Were (11:00) 8. Snow Covers Everything (3:47) 9. Interlude (2:21) 10. The Same Moon And Stars (8:53)

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Sophie Hunger [x>] [D]: Monday's Ghost [F] [P]

CoverLabel: Two Gentlemen Records TWOGTL 001
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 10 10
Genre: Post-Millennial-Music - Indiefolk - Singer-Songwriter, Europeana - Chanson

Die neue CD von Sophie Hunger ist da, mit 14 Songs, von denen etliche schon aus Konzerten und aus dem Internet bekannt sind. Kommt mit dieser CD nach dem selbst verlegten Erstling Sketches On Sea nun der kommerzielle Durchbruch? Musik für die Massen ist es nicht. Aber Begabung setzt sich immer durch. Scheibe rein und du bist Alice im Hungerland.
Dein Name ist Niemand. Dir werden die Lieder geschenkt: Niemand, ich habe Geschenke für Dich - Was wär ich geworden, gäb es Dich nicht - Meine gesammelten Werke, bitte sehr - Alles gehört nur Dir verlautet der Walzer für Niemand. Niemand bist du, der die Leider mag, das Publikum, Niemand ist Frau Hungers Begabung, Niemand sind die Einflüsse aus Literatur und Musik, niemand ist der imaginäre Ort im Zentrum, die Arena, der Kriegsschauplatz, der Ort des Traums, Niemand bist du, bin ich, sind alle und selbstverständlich ist Niemand niemand. Zu den musikalischen Einflüssen, die Sophie Hunger im NZZ Interview nennt, zählen Nina Simone, Bob Dylan, Jeff Buckley, Radiohead oder Kashmir. Sie höre immer die selben sechs oder so Platten, lasse sich mehr von Literatur inspirieren. Niemand lässt sich durch das ganze Album verfolgen, lässt sich im Lied A Protest Song ausmachen. Dort heisst es: You are the answer - you never talk, You're my disgrace, my self-made war und You were made for me by mistake. In Rise and Fall kommt Niemand als Marschkappelle daher. Eine Menge versammelt sich. Ein Umzug findet statt: Marching band's parading - Perfume floods the streets - Everyone is standing - The crowd inside of me. Hier ist Niemand eine Menge, ein Publikum, ein Jederman. Faszinierend an diesem Song das hämmernde Echo des Schweizer Volkslied S'Vreneli ab em Guggisberg, das Stephan Eicher vor Jahren gesungen hat, Eicher, der auch als Gastsänger im letzten Lied Spiegelbild auftritt. In diesem Lied nimmt Niemand die Gestalt des Du an, des Geliebten, des Alteregos. Und wenn es das gäbe, heisst es, dann wären wir immer gleich und (einen Refrain später) wären wir immer allein. Und weil es das, so wie es ist, gibt, sind wir immer gleich und bleiben mit Niemand allein.
Empfohlen sei noch, die Deluxe-Edition dieser CD anzuschaffen, weil diese die DVD mit dem Kurzfilm Citylights enthält, der die Musik von Sophie Hunger passend inszeniert. Die Songs kommen in diesen Bildern noch besser, stimmiger als auf CD. Und natürlich: Verpass die anstehenden Konzerte nicht, sofern du noch Tickets kriegen kannst.

Trackliste:

1. Shape - 3:32 2. The Boat Is Full - Das Boot Ist Voll - 3:02 3. A Protest Song - 3:24 4. Walzer Für Niemand - 2:25 5. Birth-Day (Sophie Hunger, Marcel Vaid) - 3:20 6. Sophie Hunger Blues - 5:14 7. Round And Round - 3:28 8. The Tourist - 3:49 9. Teenage Spirit - 3:48 10. Rise And Fall - 5:31 11. Drainpipes - 3:39 12. Monday's Ghost - 4:50 13. House Of Gods - 3:47 14. Spiegelbild (feat. Stephan Eicher) - 4:51
DVD der Deluxe Edition 1. Citylights
Alle Tracks: Sophie Hunger, ausser wo anders vermerkt.

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Department Of Eagles [x>] [D]: In Ear Park [F] [P]

CoverLabel: 4AD CAD 2818
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 10 06
Genre: Newpop - Artpop

Departement Of Eagles ist ein Seitenprojekt der Band Grizzly Bear. Der Kern der Band besteht aus Fred Nicolaus und Daniel Rossen. Unterstützt wurden die beiden von weiteren Grizzly Bear-Musikern. Departement Of Eagles klingen ein wenig wie die Labelkollegen TV On The Radio, sind aber eher Folk- als Rockband, gehören für mich mehr in die New-Sincerity-Bewegung. Mathfolk ist eine treffende Bezeichnung für diese Musik.

Trackliste:

1. In Ear Park - 4:02 2. No One Does It Like You - 3:56 3. Phantom Other - 4:40 4. Teenagers - 3:06 5. Around The Bay - 5:07 6. Herringbone - 3:18 7. Classical Records - 2:49 8. Waves of Rye - 4:24 9. Therapy Car Noise - 1:50 10. Floating On The Lehigh - 6:06 11. Balmy Night - 2:54
Alle Tracks: Daniel Rossen und Daniel Nicolaus.

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Rezensionen September 2008

Mercury Rev [x>] [D]: Snowflake Midnight [F] [P]

CoverLabel: Yep Roc YEP 2191
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 09 29
Genre: Alternativerock - Neo-Psychedelicrock - Neo-Spacerock, Alternativerock - Electronicrock, Newpop - Artpop - Dreampop

Mercury Rev haben mit Deserter's Songs und All Is Dream ein paar der schönsten Rock-Alben der späten 90er- und frühen 2000er-Jahre gemacht – zwei neopsychedelische Alben, die vor überschwänglicher Romantik nur so strotzten, Romantik im Kleid von wunderschönen Melodien und Harmonien. Nun kommen die Alben im Drei- bis Vierjahresabstand, was natürlich ein Zeichen von Ermüdung ist, von älter werden. Ich war gespannt, ob dieses neue Album noch etwas zu den beiden genannten kanonischen Werken hinzusetzen vermag und befand: ja!
Snowflake Midnight ist eigentlich ein elektronisches Album, entstanden am Computer. Die Musiker leben an verschiedenen Orten und so hat sich ihnen diese Produktionsweise wohl aufgedrängt. Das Cover bildet Schmusetiere ab, ein Hase und eine Katze, was für die Musik sehr passend ist. Was mich frappiert ist, dass die Band nun ein wenig nach Animal Collective klingt, wie eine sehr kommerzielle Version davon. Es sind neun Songs auf diesem Album zu finden, alle wunderschön und ausdrucksstark, spannende Klangwelten im Kontrast zu Donahues Kopfstimme. Sehr gutes Album, das ein neues Kapitel in der Geschichte über Mercury Rev eröffnen könnte. Bin gespannt wie es weitergeht..

Trackliste:

1. Snowflake in a Hot World - 3:58 2. Butterfly's Wings - 4:06 3. Senses on Fire - 3:30 4. People are So Unpredictable (There's No Bliss Like Home) - 6:40 5. October Sunshine - 2:12 6. Runaway Raindrop - 5:55 7. Dream of a Young Girl as a Flower - 7:55 8. Faraway for Cars - 3:19 9. A Squirrel and I (Holding On...and Then Letting Go) - 3:54
Alle Tracks: Jonathan Donahue, Sean 'Grasshopper' Mackowiak und Jeff Mercel.

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Hauschka [x>] [D]: Ferndorf [F] [P]

CoverLabel: 130701 13-08
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 09 09
Genre: Electronica - Postelectronica - Neo-Klassik

Hauschka ist Volker Bertelmann, ein klassisch ausgebildeter Pianist, spezialisiert auf präpariertes Klavier. Seine ersten Veröffentlichungen kamen beim Karaoke Kalk Label heraus. Die Alben Room To Expand und Ferndorf nun bei 130701, einem Sublabel von Fat Cat, das auch Max Richter veröffentlicht. Bei seinen früheren Alben spielte Hauschka solo. Dann kam ein Cello dazu und mit Ferndorf kommt er nun bei einer farbigen und lebendigen Kammermusik an.
Als Musik eines Akademikers mag Ferndorf relativ leichtgewichtig sein. Popmusik aus klassischen Instrumenten, gemacht mit technischen Mitteln, die vor allem von Musikern verwendet werden, die zeitgenässische Electronica- und Postelectronica produzieren. Die zwölf Stücke des Albums kreisen thematisch um den Heimatort des Komponisten und Musikers Bertelmann. Imprssionistische Träumereien und Erinnerungen an eine Jugend auf dem Lande. Nicht das Thema, das mich anzieht. Und doch höre ich die CD wieder und wieder, weil sie mir verhältnismässig frisch, leichtfüssig und unverbraucht vorkommt.

Trackliste:

1. Blue Bicycle (5:37) 2. Morgenrot (3:29) 3. Rode Null (4:01) 4. Freibad (4:30) 5. Barfuss Durch Gras (4:19) 6. Heimat (3:40) 7. Nadelwald (3:34) 8. Schönes Mädchen (3:40) 9. Eltern (4:21) 10. Alma (2:40) 11. Neuschnee (3:42) 12. Weeks Of Rain (2:38)
Alle Tracks: Volker Bertelmann.

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Iso68 [x>] [D]: Space Frames [F] [P]

CoverLabel: Pingipung 15
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 09 05
Genre: Postrock - Indietronica, Postrock

Am Anfang denke ich: Habe ich auch schon gehört, mit der Zeit gewinnt die CD aber und erspielt sich meine genauere Aufmerksamkeit. Die Sound kommen fast ausnahmslos von Instrumenten und werden von den Produzenten Leboeg und Zimmer zu elektroakustischer Kammermusik hocheditiert.
Noops groovet ganz toll im Downtempo-Bereich, Snaut ist ganz schön verfrickelt, Autistic Insect klingt nach präpariertem Klavier, darüber ein verstimmtes Klavier - klingt irgendwie krank, dann setzt ein Streicher-Arrangement ein und ich kriege Mitleid mit der Nummer, Zuletzt der bewgte Track The Great Punster. Er ist mit vielen Freejazz / Improvisations-Elementen versetzt, was Space Frames gelungen enden lässt.

Trackliste:

1. Parabel (5:17) 2. Strange Strum (3:30) 3. Forestrain (5:38) 4. Noops (4:49) 5. Snaut (6:49) 6. Autistic Insect (2:54) 7. Plano Piloto (5:48) 8. The Great Punster (5:27)

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Rezensionen August 2008

Max Richter [x>] [D]: 24 Postcards In Full Colour [F] [P]

CoverLabel: 130701 13-07
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 08 25
Genre: Electronica - Postelectronica - Neo-Klassik

Max Richter ist ein akademisch ausgebildeter Musiker. Er studierte unter anderem bei Luciano Berio. Für einige Jahre spielte Richter in einem Ensemble (Piano Circus), das zeitgenössische Klassik interpretierte. Es sah alles nach einer Karriere als klassischer Musiker aus, doch 1996 arbeitete er mit The Future Sound Of London an ihrem Album Dead Cities mit. Der Track Max, den Richter mitkomponierte, zeugt von dieser Kollaboration. Auch zu Lucky Pressure von Roni Size (auf In the Mode) schrieb er ein Streicherarrangement- So rutschte Max Richter sukzessive in die Popmusik hinein,.arbeitete mittlerweile als Produzent mit Vashti Bunyan oder Kelli Ali zusammen und hat mit Postcards nun das vierte Album veröffentlicht.
Die 24 Stücke der CD sind impressionistische Miniaturen aus Piano-, Streicher- und elektronischen Klängen. Schau dir das Coverbild an: Es ist ein stimmungsvoller Hinweis, was für verwaschene bzw. vom Nebel verschleierte Postkarten Max Richter aus verschiedenen Orten versendet, die du der Trackliste ablesen kannst: Berlin, Tokyo, Prag, New York, Tartu usw. Produziert wurden diese Miniaturen als Klingeltöne für Mobiltelefone. Die Postkarte als Konzept leuchtet mir mehr ein als der Klingelton. Klingeltöne haben bei mir funktionale Klänge zu sein, nicht ästhetische. Es geht nichts über ein stinknormales Läuten oder Piepsen. Klingeltöne gehören zu den überfüssigsten Dingen auf der Welt. Sie sind wie Desktopbilder, Skins und andere Personalisierungsstrategien viel zu sehr mit Individualität-auf-Teufel-komm-raus überladen. Das grenzt in der Regel ans Disfunktionale: Die Desktopbilder sind so grell, dass man die Objekte darauf kaum erkennt; Klingeltöne verkommen zu penetrantem Umweltlärm. Jede Minute, die man mit diesen Dingen verbringt, ist vertane Lebenszeit. Ein anderes in funktionaler Hinsicht gescheitertes Album mit ästetischen Klingeltönen war Ringtones vom Touchlabel. Ich finde es interessant, das Richter diese Idee wieder ausgräbt. Aber klar, die Qualität der Telefone hat sich stark verbessert. Nur ist mein Vorbehalt gegen Klingeltöne ein prinzipieller und keine Sache der Qualität von Mobiles. Zum Glück aber hat das Album noch sein anderes Konzept mit den Postkarten, das immerhin titelgebend war. Als Postkarten mit Impressionen aus fremden Orten von Freunden, die unterwegs sind, funktioniert dieses Album bestens.

Trackliste:

1. The Road Is A Grey Tape (1:01) 2. H In New England (1:50) 3. This Picture Of Us. P. (1:36) 4. Lullaby From The Westcoast Sleepers (2:02) 5. When The Northern Lights / Jasper And Louise (1:00) 6. Circles From The Rue Simon - Crubellier (1:04) 7. Cascade NW By W (1:12) 8. A Sudden Manhattan Of The Mind (2:51) 9. In Louisville At 7 (1:03) 10. Cathodes (1:01) 11. I Was Just Thinking (0:59) 12. A Song For H / Far Away (2:08) 13. Return To Prague (1:02) 14. Broken Symmetries For Y (1:00) 15. Berlin By Overnight (1:27) 16. Cradle Song For A (Interstate B3) (2:11) 17. Kierling / Doubt (0:50) 18. From 553 W Elm Street, Logan Illinois (Snow) (0:57) 19. Tokyo Riddle Song (1:00) 20. The Tartu Piano (2:05) 21. Cold Fusion For G (0:35) 22. 32 Via San Nicolo (1:23) 23. Found Song For P. (2:24) 24. H Thinks A Journey (0:57)
Alle Tracks: Max Richter.

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Lindstrøm [x>] [D]: Where You Go I Go Too [F] [P]

CoverLabel: Smalltown Supersound STS 153
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 08 19
Genre: Post-Millennial-Music - New-Rave - Spacedisco-Revival, Electronica - House - Leftfieldhouse

Mit dem Titel Where You Go I Go Too, stelle ich mir vor, spricht Hans-Peter Lindstr?m Acts wie LCD Soundsystem an. Was ihr mit Kraftwerk auf 45:33 macht, das kann ich auch. Ich mach's mit Eurodisco, statt mit Electro.
Dieses Album mit seinen drei langen Tracks ist das Resultat. Es nimmt europäische Discomusik (die grossen Ceronne kommen mir in den Sinn) und treibt diese Art von Musik dahin, wo ein zeitgenössisches Album wie das bereits genannte 45:33 steht. Kommt mir warm und entspannt rein.

Trackliste:

1. Where You Go I Go Too (28:58) 2. Grand Ideas (10:11) 3. The Long Way Home (15:58)
Alle Tracks: Hans-Peter Lindstrøm.

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The Faint [x>] [D]: Fascination [F] [P]

CoverLabel: blank.wav WAV 01
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 08 05
Genre: Post-Millennial-Music - Postpunk-Revival - Dancepunk, Alternativerock - Electronicrock

Diese Band habe ich durch eine Ähnlichkeitsbeziehung bei Youtube entdeckt. Ihr Album Wet from Birth hörte ich letztes Jahr rauf und runter. Ich war erstaunt, dass es bereits 2004 heraus kam. Das Besondere an der Musik von The Faint ist, dass sie die Signatur von britischen Postpunk-Revival Bands wie den Arctic Mionkeys trägt aber New-Rave-Elemente in den Sound eingarbeitet hat. Diese Mixtur verfolgt die Band auch mit dem neuen Album Fascination. Warum es nie einen Hype um The Faint gab, verstehe ich bis heute nicht.
Die Band besteht bereits seit zehn Jahren, kommt aus Nebraska und nicht aus London. Stell dir vor, dass Hot Chip wirklich kicken und rocken, dann hast du den Sound von The Faint getroffen. Die Stimme des Sängers Todd Fink ist verzerrt und wirkt synthetisch, fast wie ein Vocoder. Die Keyboards beherrschen den Klangvordergrund, sind auf zugespitzte Elektro-Riffs reduziert, die brutal reinhauen und rocken. Das ist das eine Erfolgsrezept der Band. Das andere besteht darin, dass sie kluge Texte schreiben. Fascination ist wie schon Wet from Birth der Alternativerocksound der Gegenwart.

Trackliste:

1. Get Seduced - 4:22 2. The Geeks Were Right - 2:56 3. Machine in the Ghost - 3:20 4. Fulcrum and Lever - 3:22 5. Psycho - 2:51 6. Mirror Error - 3:43 7. I Treat You Wrong - 3:20 8. Forever Growing Centipedes - 3:54 9. Fish in a Womb - 3:16 10. A Battle Hymn for Children - 3:58

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AGF [x>] [D]: Dancefloor Drachen [Netaudio] [F] [P]

CoverLabel: AGF Producktion AGF PRO 009
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 08
Genre: Electronica - DSP, Electronica - Soundart - Konkrete-Poesie

Der Titel Dance Floor Drachen lässt erwarten, dass du zur neuen Musik von Antye Greie tanzen kannst. In der Tat haben einige der neun Stücke einen 4/4-Takt – four to the floor. Nur so einfach ist das natürlich mit Musik von AGF nicht: Da die Stücke Drachen sind, kommt es auf dein Verhältnis zu diesen an. Fürchtest du dich vor ihnen oder bist du jemand, der oder die mit Drachen kämpft?
Dance Floor Drachen enthält neben neuen Tracks einige Überbleibsel, Remixes und Remakes aus den letzten Jahren. Die Tracks kommen als Netrelease und werden dir geschenkt! Zuerst musst du allerdings den Drachen vertreiben! Hinter den Links siehst du eine Zahl, die angibt, wie viel Mal der Link von Besuchern aktiviert worden ist. Dadurch wird das Verhältnis von Downloads und freiwilligen Donnatoren ersichtlich. Siehe selbst!
CD-Titel mit Dance Floor am Anfang heissen Dance Floor Hits oder Dance Floor Classics. Dance Floor Drachen ist überraschend unkonventionell. Das Artwork zum Release zeigt dir eine Rorschachfigur, in den du den Drachen und D?monen deiner Phantasie hinein projizieren kannst. Nur zu: Siehst du auch den Vogel mit dem gefährlich zum Stachel geformten Schnabel? Oder die Killerfledermaus? Ähnlich offen für die Wahrnehmung ist auch AGFs Musik. Wirklich grandios daran ist: Sie hat eine Methode gefunden, elektronische Musik mit Gesang zu produzieren, die auf beiden Ebenen (Musik und Gesang) funktioniert. Erinnerst du dich an die zahlreichen IDM- und Glitch-Releases zwischen 1995 und 2002? Das klang alles ganz neu und interessant, war aber vorwiegend Instrumentalmusik. Dann hat man das als Mangel empfunden, die Genres haben sich erschöpft, Musiker griffen zu akustischen Instrumenten und packten das Songformat wieder aus. Auftraten: Folktronica, Indietronica und Poptronica und damit eine regressive Phase der elektronischen Musik. Nichts gegen diese Sachen, aber sie waren und sind doch vergleichsweise konservativ, was die ?sthetik betrifft. Zurückgegriffen wurde stets auf schon lange etablierte musikalische Templates. Nimm Jamie Lidell, einen der wirklich radikale elektronische Musik gemacht hat und mit Super_Collider das Rezept in den Händen hielt, wie elektronische Musik mit Gesang klingen könnte. Dieser begann Soul zu singen und klingt seither wie Al Green und andere Soulgrössen. Antye Greie hingegen hat ihre Methode gefunden, auch Gesang und Sprache elektronisch zu prozessieren und ohne ein Rückgriff auf bestehende Templates ein Ganzes zu schaffen. Die Sprache bzw. ein Text wird in seine Bestandteile zerlegt, neu zusammengesetzt, gelayert und rhythmisiert. Es sind die selben poetischen Prinzipien wie beim Schreiben eines Gedichts am Werk. Das Dichten findet bei Greie im Soundeditor statt, nicht auf Papier. Und dabei entsteht etwas vom Besten, was die Gegenwartsmusik zu bieten hat.

Trackliste:

1. If You - 5:04 2. Consider - 4:13 3. Than Reconsider - 6:27 4. Ripping This Track - 3:08 5. For Free - 3:35 6. You Might - 4:29 7. Slowly - 4:25 8. Turn Impotent - 6:23 9. (Because) This Is - 3:39 10. Reduced Beauty - 4:00 11. From A Nazi Stalinist Successor - 3:30
Alle Tracks: Antye Greie.

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Rezensionen Juli 2008

Tricky [x>] [D]: Knowle West Boy [F] [P]

CoverLabel: Domino WIGCD 195
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 07 07
Genre: Electronica - Breakbeat - Triphop

Nachdem uns im April bereits Portishead eine der Platten des Jahres geschenkt haben, kam im Juli Tricky mit einem grossen Album aus Bristol.
Tricky ist zurück in Bristol, nachdem er in Amerika versucht hatte, in der Hip-Hop-Szene Fuss zu fassen. Knowle West ist der Name des Viertels in Bristol, in dem Tricky aufgewachsen ist. Das neue Album läutet Trickys dritte Schaffensphase ein und macht seine Musik zum einen Teil mit dem zeitgenössischen Grime-Sound kompatibel, teils schliesst es an die Ästhetik der frühen Alben an, versteht es dabei aber deren Sperrigkeit zugunsten einer kräftigen Prise Pop-Appeal zu vermeiden. Knowle West Boy geht einen wesentlichen Schritt weiter in Richtung Pop als Vulnerable von 2003! Die Anspieltipps sind: das aggressive Council Estate, das zärtliche Past Mistake oder das indiepopige School Gates.

Trackliste:

1. Puppy Toy - 3:34 2. Bacative - 3:51 3. Joseph - 2:29 4. Veronika - 3:00 (Tricky, Veronika Coassolo) 5. C'mon Baby - 3:04 6. Council Estate - 2:39 7. Past Mistake - 5:07 8. Coalition - 3:59 9. Cross to Bear - 3:45 10. Slow - 3:22 (Kylie Minogue, Mr. Dan, Emilíana Torrini) 11. Baligaga - 3:42 12. Far Away - 3:39 (Tricky, Veronika Coassolo) 13. School Gates - 3:47

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Rezensionen Juni 2008

Coldplay [x>] [D]: Viva La Vida Or Death And All His Friends [F] [P]

CoverLabel: Parlophone 50999 212114 0 9, Parlophone 2647112
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 06 12, 2008 11 24 (Reed.)
Genre: Indiepop, Alternativerock - Poprock - Pianorock

Coldplay machen den besten Job der Welt, wenn es darum geht, die Massen mit Indiepop-Bombast zu versorgen, mit dem, wo U2 stehen geblieben sind und was Radiohead verlassen haben, um sich weiter zu entwickeln und um grosse Teile ihres Publikums zu enttäschen. Es gibt genug Gründe, um ein Coldplay Album zu verabscheuen. Zum Beispiel der, dass jedes von ihnen gleich klingt oder dass die Band furchtbar bieder ist. Nun für das neue Opus haben Coldplay sich mit Brian Eno als Produzent zusammen getan. Damit steigen die Erwartungen und ein Richtungswechsel wäre angesagt. Doch dieser ist erstaunlich subtil ausgefallen. Coldplay bleibt Coldplay, aber mir scheint, die Dichte der Ohrwürmer ist nun nahezu auf 100% gestiegen und so ist Viva La Vida … doch ein bemerkenswertes Album!
Auch das Titelbild von Eugene Delacroix verspricht die Revolution. Doch diese fand ihn Frankreich und nicht in England statt, wie wir alle wissen. Und so sind Coldplay trotz Eno sich selbst geblieben. Der NME fragt, warum nur jede grosse britische Band sich in U2 verwandeln müsse. Die Antwort kenne auch ich nicht. Nun müssen wir Coldplay nehmen, wie Coldplay ist: etwas bieder aber verlässlich. Wie versessen suche ich nach den Spuren Enos: Life In Technicolor fängt mit einer Soundscape an, die dessen Signatur trägt. Der Track bleibt ein Instrumental. Auch im zweiten Stück Cemeteries Of London ist eine enosche Soundscape auszumachen, die aber bald vom sich in der Klangdichte steigernden Song zugedeckt wird. Schamlos klingt die Gitarre nach U2. Thematisch geht es ungewohnt düster und barock zu: Nachtspaziergang in Friedhöfen, Hexen, Zauber, Geister und Gott selbst treten auf. Auch Lost! hat einen schweren Unterton, enthält aber die herrlichen Zeilen You might be a big fish – In a little pond – Doesn't mean you've won – 'Cause along may come – A bigger one. 42 scheint wie eine Montage von zwei Songfragmenten zu sein oder hat zwei Refraine. Entstehen solche Montagen nicht vorzugsweise dort, wo jemand sich vornimmt, ein Konzept zu verfolgen und damit scheitert? Den Beatles ist dies auf Sgt. Pepper und auf Abbey Road passiert. Die Themen Tod, Scheitern bleiben. Der Höhepunkt des Albums ist das Titelstück Viva La Vida. Dieser Song über das Verlassenwerden strahlt in barocker Üppigkeit. Der Abgang der Geliebten wird mit Triumph und Fall des Königs verglichen. Der Hidden Track schliesslich The Escapist ist ein Wiederhall aus dem schon erwähnten Abbey Road Album der Beatles. And in the end – We lie awake – And we dream of making our escape. Am Ende träumen wir davon, dem Tod und dem Scheitern zu entkommen. Und das ist das, woraus des Leben besteht? Nun, am Ende bleibt der Eindruck, dass Brian Eno an Coldplay vor allem die Strategien appliziert, die er bei U2 gewonnen und erprobt hat. Der Guardian stellt am Ende der Rezension fest, dass dieses Album die interessante Frage stellt, ob eine Band cool oder experimentell sein muss, wenn die Songs, die sie schreibt, auch für reservierte Hörer/innen dermassen mitreissend sind. Was geschieht mit mir? Nach dem zweiten Mal hören liegen mir die Songs im Ohr. Niemand macht den Job, die wichtigste englische Band zu sein besser als Coldplay.

Trackliste:

1. Life In Technicolor - 2:29 2. Cemeteries Of London - 3:21 3. Lost! - 3:55 4. 42 - 3:57 5. Lovers In Japan / Reign Of Love - 6:51 6. a) Yes - 4:04, b) Chinese Sleep Chant - 3:01 7. Viva La Vida - 4:04 8. Violet Hill - 3:50 9. Strawberry Swing - 4:08 10. a) Death And All His Friends - 3:30, b) The Escapist - 2:46
Bonustracks der CD Ausgabe von 2008: Prospekt's March EP 1. Life in Technicolor II - 4:05 2. Postcards From Far Away - 0:48 3. Glass of Water - 4:44 4. Rainy Day - 3:26 5. Prospekt's March / Poppyfields - 3:39 6. Lost+ [feat. Jay-Z] - 4:19 7. Lovers in Japan (Osaka Sun Mix) - 3:58 8. Now My Feet Won't Touch the Ground - 2:29
Bonustracks (iTunes + Japan + B-Seite) 1. Lost (Acoustic Version) - 3:40 2. Lovers In Japan (Acoustic Version) - 3:48 3. A Spell A Rebel Yell (B-Side) - 2:40
Alle Tracks: Guy Berryman, Jon Buckland, Will Champion und Chris Martin.

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Flying Lotus [x>] [D]: Los Angeles [F] [P]

CoverLabel: Warp 165
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 06 09
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Wonky

Flying Lotus ist Steven Ellison. Der wiederum ist der Grossneffe von Alice Coltrane – und verpasst nicht, das zu erwähnen und Abstammungs-Kapital zu schlagen. Vielleicht soll damit er bzw. seine Musik von der Marketing-Maschinerie geadelt werden. Vielleicht setzt das aber auch die Messlatte für sein Album entsprechend hoch. Ich neige der zweiten Strategie zu und komme trotz der hohen Marke der Messlatte zum Schluss, dass Los Angeles das interessanteste Electronica-Album dieses Sommers ist.
Los Angeles klingt neu, alles ist komplex: die Breakbeats sind vertrackt, die Musik kommt wie aus einem Schredder und ist entsprechend kubistisch und vieldimensional. Jedesmal wenn ich das Album einlege, höre ich es anders. Zum Beispiel auf dem Fahrrad durch die Stadt, die Ohrhörer auf Maximallautstärke macht es mir die Fahrt zur Hölle: Von allen Seiten schiessen Lastwagen und Offroader daher und ich muss diesen virtuellen Angreifern ausweichen. Es ist wie in einem Game, findet aber auf realen Strassen statt und ist somit nicht zur Nachahmung zu empfehlen (es gibt die Offroader wirklich, Leute). Am nächsten kommt diesen Downtempo-Sounds die Musik von Prefuse 73, deshalb passt das Album auch gut in den Warp-Katalog. Und in der Tat kann man sich das Album auch als Background- und Lounge-Musik vorstellen. Los Angeles hat also so etwas wie Gebrauchs-Valenzen, was wiederum für es spricht. Ich bleibe dabei: Los Angeles ist das interessanteste Electronica-Album dieses Sommers.

Trackliste:

1. Brainfeeder - 1:32 2. Breathe.Something/Stellar STar - 3:21 3. Beginners Falafel - 2:28 4. Camel - 2:23 5. Melt! - 1:45 6. Comet Course - 3:02 7. Orbit 405 - 0:44 8. Golden Diva - 4:02 9. Riot - 4:02 10. GNG BNG - 3:39 11. Parisian Goldfish - 3:01 12. Sleepy Dinosaur - 1:56 13. RobertaFlack (feat. Dolly) - 3:08 14. SexSlaveShip - 2:14 15. Auntie's Harp - 0:56 16. Testament (feat. Gonja Sufi) - 2:29 17. Auntie's Lock/Infinitum (feat. Laura Darlington) - 2:45
Alle Tracks: Steven Ellison.

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Fleet Foxes [x>] [D]: Fleet Foxes [F] [P]

CoverLabel: Sub Pop SP 0777, Bella Union BELLACD 175 (EU, 2 CD)
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 06 03, 2008 08 08 (Reed.)
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk, Post-Millennial-Music - Indiefolk

Fleet Foxes ist eine der wichtigsten und bleibenden CDs von 2008. Der von Phil Ek produzierte Erstling der Fleet Foxes ist ein eindrückliches und unvergessliches Hörerlebnis. Das Freakfolk Genre hat grossartige neue Exponenten.
Die Alben, die Phil Ek in letzter Zeit für das SST-Label produziert sind absolute Herzensangelegenheiten von mir – die Cease To Begin von der Band Of Horses und nun die Fleet Foxes.Die Band aus Seattle besteht aus fünf Musikern, die man sich mit gut und gerne mit Rauschebärten vorstellt, auch wenn einige von ihnen keine tragen. Die magisch pastorale Musik kommt mit spärlicher Instrumentierung aus. Ein komplexer Harmoniegesang prägt die Songs. Gitarren sind die wichtigsten Instrumente, Keyboards und Schlagzeug nehmen sich stets zurück. Die Melodien bleiben einem im Kopf, die CD ist nach zwei Mal anhören eine alte Bekannte. Viele Kritiken vergleichen die Band wegen mit den Beach Boys und Crosby, Stills, And Nash. So viele Bands gibt es in der Geschichte der modernen Musik nicht, die mit mehr als zwei Stimmen arbeiten.

Trackliste:

1. Sun It Rises - 3:11 2. White Winter Hymnal - 2:27 (mp3 from Subpop) 3. Ragged Wood - 5:07 4. Tiger Mountain Peasant Song - 3:28 5. Quiet Houses - 3:32 6. He Doesn't Know Why - 3:20 7. Heard Them Stirring - 3:02 8. Your Protector - 4:09 9. Meadowlarks - 3:11 10. Blue Ridge Mountains - 4:25 11. Oliver James - 3:23
Bonustracks der Special Edition von 2008: Tracks der Sun Giant EP 1. Sun Giant - 2:14 2. Drops in the River - 4:13 3. English House - 4:41 4. Mykonos - 4:35 5. Innocent Son - 3:07
Alle Tracks: Robin Pecknold.

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Rezensionen Mai 2008

Elephant9 [x>] [D]: Dodovoodoo [F] [P]

CoverLabel: Rune Grammofon RCD 2075
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 05 26
Genre: Jazz - Fusion, Electronica - Jazztronica - Futurejazz

Was ist an dieser Fusion-Musik anders als an Fusion aus den 70ern? Sie klingt über weite Strecken dicht, schwer, sie steht mit beiden Füssen fest auf dem Boden. So, als wäre Metal und dessen Vorläufer (z.B. Deep Purple) das, was die Jazzer am Rock fasziniert. Deep Purple statt Hendrix, sozusagen, purple statt haze.
Ståle Storløkken von Supersilent spielt bei Elephant9 mit. Deshalb mache ich die Ohren weit auf. Dann höre ich aber auch sein typisches psychedelisches Keyboardspiel. Mit Dodovoodoo macht er wie bisher mit keinem anderen Release klar, woher er in stilistischer Hinsicht kommt: St?le runs the Dodovoodoo down!

Trackliste:

1. Dodovoodoo (5:12) 2. I Cover The Mountain Top (9:01) 3. Skink (5:38) 4. Hymne (5:30) 5. Misdirection (2:26) 6. Doctor Honoris Causa (13:01) 7. Directions (7:39)

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Ellen Allien [x>] [D]: Sool [F] [P]

CoverLabel: BPitch Control BPC 175
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 05 26
Genre: Electronica - Techno - Minimaltechhouse

Der Mix als Fahrt durch die Grossstadt. Einsteigen, bitte, iPod an, Stöpsel rein, Lautstärke aufdrehen. Die Synästhesie zwischen Fahrtbewegung und Musik erleben. Das ist der wahre Puls der Stadt. Berlin, wie du es lebst.
Ellen Alliens Musik ist eine Mischung zwischen Minimaltechhouse und Downtempo, immer sehr stimmungsvoll, immer mit einem Blick auf die Popmusik (höre Frieda). Zuletzt hat Andrea Parker an dieser Schnittstelle gearbeitet. Höre den Track Its und du meinst Parker zu hören. Beim neuen Album Sool hat Antye Greie als Produzentin mitgearbeitet. Das kannst du zuweilen an kurzen Samples hören, die ihre Signatur tragen. Sool ist eines jener Alben, die Techno am Leben erhalten.

Trackliste:

1. Einsteigen - 3:08 2. Caress - 4:30 3. Bim - 5:29 4. Sprung - 4:49 5. Elphine (Ellen Allien) - 4:48 6. Zauber (Ellen Allien) - 4:45 7. Its - 6:44 8. Ondu - 4:26 9. Frieda (Ellen Allien) - 4:29 10. Mm - 4:51 11. Out - 4:44
Alle Tracks: Ellen Allien und Antye Greie, ausser wo anders vermerkt.

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The Chap [x>] [D]: Mega Breakfast [F] [P]

CoverLabel: Lo Recordings LCD 68, Ghostly International GI 072
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 05 19
Genre: Post-Millennial-Music - Postpunk-Revival - Dancepunk, Post-Millennial-Music - New-Rave

The Chap sind Keith Duncan, Panos Ghikas, Claire Hope, Berit Immig, Johannes von Weizs?cker, die in London leben und schaffen. In einer früheren Rezension habe ich geschrieben, sie seien die europäische Antwort auf LCD Soundsystem – zusammen mit Hot Chip natürlich. Letztere Band hat den grösseren Erfolg in puncto Bekanntheit und (ich nehme an) Verkaufszahlen. The Chap sind die, die von hinten aus dem Schatten springen und dich verblüffen. Mega Breakfast ist ein Superhit!
Die Webseite des amerikanischen Labels der Band (Ghostly International) beschreibt den Sound von The Chap als pop improv disco rock with strings, der Rezensent von Tyny Mix Tapes erfindet gar eine neue Genrebezeichnung: Sweat Pop. Legend?r, so sind sich alle Quellen einig, sei ihre Live Shows von letztem Jahr, an deren Ende Cellos explodierten. Auf Youtube gibt es einen Live-Mitschnitt von Fun And Interesting, der zeigt wie perfekt die Band live klingt. Auch im deutschen Sprachraum dürfen wir uns auf ein paar Konzerte im November diesen Jahres freuen: In München; Hamburg, Wien und Zürich. Bis dahin hören wir Mega Breakfast rauf und runter.

Trackliste:

1. They Have A Name (2:25) 2. Fun And Interesting (4:01) 3. Caution Me (4:46) 4. Carlos Walter Wendy Stanley (2:57) 5. Surgery (3:14) 6. Take It In The Face (3:08) 7. Ethnic Instrument (3:11) 8. Proper Rock (3:55) 9. The Health Of Nations (2:52) 10. Wuss Wuss (4:14) 11. I Saw Them (4:47)

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Matmos [x>] [D]: Supreme Balloon [F] [P]

CoverLabel: Matador OLE 799
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 05 06
Genre: Electronica - Synthtronica - Analogelectronica

Nach allen fulminanten Konzeptveröffentlichungen von Matmos nun eine karge Produktion mit Synthsounds. Das alles klingt nach einem Rückgriff auf die verschiedenen Switched-On (-Bach, -Mozart, -Beethoven) Platten der späten Sechziger. Der Release kommt als CD- und als Vinylversion mit einigen zusätzlichen Tracks..
Die Herren Schmidt und Daniel von Matmos sind bekannt dafür, dass sie mit Mikrophonen bewaffnet durch die Welt gehen und allerlei abstruse Klangwelten aufnehmen, um sich für ihre CD-Veröffentlichungen ein Klangarsenal zusammen zu stellen. A Chance To Cut Is A Chance To Cure hiess das eindrücklichste Album von ihnen, in dem sie mit Sounds aus der Chirurgie arbeiteten. Doch für Supreme Balloon verzichteten sie auf die bewährte Strategie und machten eine vergleichsweise beruhigte Platte voller synthetischer Musik, haarscharf an der Grenze zu Easy-Listening. Alles in allem klingt das Album klassisch, melodiös, etwas naiv fast. Ist dieser Wechsel ein Akt künstlerischer Laune oder ein Versuch, sich neu zu orientieren? Der nächste Release von Matmos wird es zeigen.

Trackliste:

1. Rainbow Flag (3:50) 2. Polychords (3:31) 3. Mister Mouth (3:47) 4. Exciter Lamp And The Variable Band (3:21) 5. Les Folies Françaises (2:24) 6. Supreme Balloon (24:08) 7. Cloudhoppers (2:58) 8. Untitled (15:15) 9. Untitled (0:08)
Doppel-LP Version
Seite A 1. Rainbow Flag (3:50) 2. Polychords (3:31) 3. Mister Mouth (3:47) 4. Exciter Lamp And The Variable Band (3:21)
Seite B 1. Zemoi (3:59) 2. Orban (5:12) 3. Les Folies Françaises (2:24) 4. Cloudhoppers (2:58)
Seite C 1. Hashish Master (7:51) 2. Staircase (4:40)
Seite D 1. Supreme Balloon (24:08)

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V. A. (Basic Channel) [x>] [D]: BCD-2 [F] [P]

CoverLabel: Basic Channel BCD 2
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 05
Genre: Electronica - Techno - Dubtechno

Nach vielen, um genau zu sein, nach dreizehn (!) Jahren kommt eine zweite Compilation der legendären Basic Channel Maxis heraus. Ich gebe drei Punkte für diese Musik, die nicht hoch genug geschätzt werden kann, aber nur zwei für den Release, der so spät dran ist, dass man nur verständnislos den Kopf schütteln kann.
Die Basic Channel Singles und EPs nicht auf CD herauszugeben, hatte in den Neunzigern den Sinn, die Musik als reines DJ-Produkt zu vermarkten und sie damit im Untergrund zu behalten. 1995 kam dann die erste Compilation mit elf Tracks, die auch für CD-Käufer zugänglich wurden. Wer die gesamte Basic Channel Discografie besitzen wollte, musste sie als MP3-File aus dem Internet besorgen. Nun, anno domini 2008, kommen weitere sechs Tracks auf CD heraus (sowie alle Tracks auf Netaudio-Files).
Jeder der sechs Tracks dauert zehn Minuten oder länger. Du findest auf dieser CD das abstrakte, acidgeschwängerte und hochrotierende Enforcement, das vergleichsweise scheue Inversion, das vielleicht als das Template für die Gas-Releases von Wolfgang Voigt fungierte, das perkussiv-schnittige Octagon mit seinen schweren aber unaufdringlichen Synth-Akkorden, ? Geliebte Tracks, ihr kommt besser spät als gar nie!

Trackliste:

1. Enforcement (13:13) 2. Phylyps Trak (9:58) 3. Inversion (17:45) 4. Octagon (12:58) 5. Octaedre (13:10) 6. Phylyps Trak II/II (12:52)

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Rezensionen April 2008

Portishead [x>] [D]: Third [F] [P]

CoverLabel: Island 1764013
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 04 28
Genre: Post-Millennial-Music - Digital-Underground - UK-Funky

Nach ca. zehn Jahren eine neue Portishead. Die Band gehört nicht zu denen, die für eine Tasche voll Pfund Ja zum Ausverkauf ihres Namens sagen. Ihre Stücke klangen stets so zwanghaft kontrolliert, das du bei diesem Comeback-Album mit etwas Spannendem, vielleicht Grossartigem rechnen musst.
Zusammen mit Tricky und Massive Attack haben sich Portishead in die Musikgescichte der 90er Jahre eingegeschrieben. Nach zwei Alben und einer atemberaubenden Live-CD waren sie müde verstummt, verzehrt vom den eigenen Ansprüchen ans perfekte Werk. So verletzlich wie Beth Gibbons klang, kam das nicht als Überraschung. Überrascht hat mich damals eher die Tatsache, dass Portishead ihr erstes Album mit einem zweiten haben toppen können. Dieser geschichtliche Hintergrund schraubt natürlich die Erwartungen an ein drittes Album der Band ins beinahe Unermessliche. Da kannst du leicht enttäuscht werden! Nun, wie stehen eigentlich die Zeichen der Zeit für ein neues Portishead-Album? Die Zeichen könnten doch eigentlich nicht besser stehen, meinst du nicht auch? Folk, Soul und Dubstep boomen. Da dürfte es für Portishead ein Leichtes sein, zur Zeitgeschichte ein paar eigene Bemerkungen hinzu zu schreiben. Für Folk sind sie durch Beth Gibbons gewappnet, gab sie doch vor fünf Jahren zusammenmit Rustin Man ein Folk-Album Out Of Season heraus. Soul hatte die Band schon immer und vielleicht sind sie im Stande, musikalisch auf Amy Winehouse zu antworten. Als Band aus Bristol standen Portishead schon immer in einer Reggae-Tradition. Von daher ist es sauspannend zu hören, ob sie auf das reagieren, was in der Zeit ihrer musikalischen Sendepause in London passiert ist.
In The Wire, wo Third eine umfangreiche Rezension erhalten hat, gibt es ein Bild der Band: Beth Gibbons, Geoff Barrow und Adrian Utley nebeneinander in einer verschneiten Waldlichtung, älter geworden, in warme Kleider gepackt, Beth den Blick gesenkt, Geoff und Adrian schauen mit einem Ausdruck in die Kamera, der sagt: Wir wollen es noch einmal wissen!
Nun, was ist mit Third? Wie gut ist das Album? Der erste Höreindruck lässt etwas vermissen, wofür die Band in den 90ern bekannt geworden ist, diese Leerstelle, die man Verzweiflung nennen mochte, von der ein Zauber ausgegangen ist. Aber das ist nicht wirklich schlimm, denn diese musikalische Sprache ist längst abgenutzt und past nicht mehr in unsere Zeit. Auch würde sich die Band nur wiederholen, klänge sie gleich wie damals. Insofern kann man getrost feststellen: Third ist besser als das! Dieses Album wird kein schlechtes Licht auf die Band werfen und das in den 90ern Erreichte wird nicht entwertet. Das ist das Wichtigste. Tausend mal danke! Und jetzt wo dies festgestellt ist, bist du vielleicht offen genug, Third anzuhören und dieses Album zu entdecken. Es gehört zum besten, was dieses Jahr bisher zu beiten hatte.

Trackliste:

1. Silence - 4:59 2. Hunter - 3:57 3. Nylon Smile - 3:16 4. The Rip - 4:30 5. Plastic - 3:27 6. We Carry On - 6:27 7. Deep Water - 1:30 8. Machine Gun (Barrow, Gibbons) - 4:43 9. Small - 6:45 10. Magic Doors (Barrow, Gibbons, Baggott) - 3:32 11. Threads - 5:47
Alle Tracks: Geoff Barrow, Beth Gibbons und Adrian Utley, ausser wo anders vermerkt.

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Kangding Ray [x>] [D]: Automne Fold [F] [P]

CoverLabel: Raster-Noton 094
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 04 23
Genre: Electronica - Postelectronica, Electronica - Soundart

Hervorragender Electronica Release, der stellenweise an Rechenzentrum erinnert. Kangding Ray ist der Moniker des Franzosen und Wahlberliners David Letellier. Letellier arbeitet an der Schnittstelle von Architektur, Design und Musik. Für einen Raster-Noton Release ist Automne Fold ein geradezu poppiger Release. Und, ja, er passt in diesen Herbst.
Das album klingt sehr organisch und musikalisch. Feldaufnahmen und elektronsich bearbeitete Instrumente werden in einen akustischen Raum gestellt, der sich in der Zeit entfaltet. Glitchige Pulse und verzerrtes Rauschen, die Signaturen eines Raster-Noton Releases, sind selbstverständlich auch da, werden aber sehr dezent ins Arrangement eingesetzt. So muss Musik heute, in der Zeit der digitalen Klangverarbeitung, klingen! Eine Achtsamkeit liegt auf jedem klanglichen Detail, so dass jedes der vierzehn Tracks eine Ohrenweide ist. Dieses Album musst du gehört haben!

Trackliste:

1. Konstruktiv (1:44) 2. Automne Fold (4:51) 3. Downshifters (2:40) 4. The Distance (4:26) 5. A Protest Song (3:56) 6. Apnée (2:27) 7. Idle (5:13) 8. Quarante (3:40) 9. Altiz (5:48) 10. Parallel (2:06) 11. World Within Words (4:50) 12. Époque (3:57) 13. Apnée. Part II (3:09) 14. Palisades (5:42)
Alle Tracks: Kangding Ray und David Letellier.

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Four Tet [x>] [D]: Ringer [EP] [F] [P]

CoverLabel: Domino RUG 295
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 04 21
Genre: Electronica - Folktronica, Electronica - IDM

Four Tets EP Ringer ist erstaunlich elektronisch bzw. synthetisch ausgefallen. Vielleicht zeigt dieser Sound eine neue Richtung in der Entwicklung der Four-Tet-Diskografie an, vielleicht ist diese EP ein einmaliges Experiment.
Die vier Tracks sind sparsam instrumentiert, es passiert nicht viel, ausser dass sich eine analog anmutende Schönheit breit macht. Dazu lässt sich jeder der vier Tracks genug Zeit. Kritiker suchen bei Four Tet gerne Krautrock-Bezüge und kommen bei diesem Release auf Tangerine Dream. Ich weiss nicht so recht ?
Das Sequencer-Pattern vom Titeltrack Ringer ist etwas aufsässig, der Track explodiert aber kurz vor Ende für ein paar Momente in einem perkussiven Wunder-Schwall. Es folgen zwei Tracks, die an IDM oder Analogelektronica erinnern, unter anderem das psychedlisch drohnenhafte Swimmer. Wing Body Wing ist verspielt, erinnert vage an eine karibische Steeldrum und hat den vertracktesten Rhythmus, der sich zu etwas fast Jazzigem steigert. Alles hervorragend gemacht. Die bisher beste kurze Scheibe dieses Jahres.

Trackliste:

1. Ringer - 9:58 2. Ribbons - 5:21 3. Swimmer - 8:43 4. Wing Body Wing - 7:27

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R.E.M. [x>] [D]: Accelerate [F] [P]

CoverLabel: Warner Bros. 440316
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 04 01
Genre: Alternativerock, Indiepop

Ein neues – 34,5 Minuten kurzes – Album von R. E. M.. Das beste seit vielen Jahren, aber natürlich nichts Neues. Geradlinige Songs, eingängige Melodien; das Hören macht Spass, wenn dir nach zur Abwechslung nach etwas Indiepop ist. Und mit jedem Hören fährt das Album mehr ein. Gut, dass es die Band entgegen jeder Erwartung noch gibt.
Im Klangbild und auf dem Cover sind die Blur-Effekte verschwunden, gottseidank! Nur Michael Stipes Stimme konnte Platten wie Reveal und Around The Sun retten. Die letztere muss ein schauriger Flopp gewesen sein und blieb in den Regalen der Läden stehen. Das war den drei Herren Grund genug, sich nicht lumpen zu lassen und den Rocker noch einmal rauszuhängen – höre den Opener Living Well Is the Best Revenge! Da heisst es Well I'm not one to sit and spin. R. E. M. haben schon einmal Gegensteuer gegeben und ein so rockendes Album gemacht, auch damals, um nicht auf allzu träumerische Songs festgeschrieben zu werden. Aber Accelerate ist viel, viel besser als jenes Monster. Ich bin echt von dieser CD überrascht.

Trackliste:

1. Living Well Is the Best Revenge - 3:11 2. Man-Sized Wreath - 2:31 3. Supernatural Superserious 4. Hollow Man - 2:39 5. Houston - 2:05 6. Accelerate - 3:33 7. Until the Day Is Done - 4:08 8. Mr. Richards - 3:46 9. Sing for the Submarine - 4:50 10. Horse to Water - 2:18 11. I'm Gonna DJ - 2:07

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Rezensionen März 2008

Raconteurs [x>] [D]: Consolers Of The Lonely [F] [P]

CoverLabel: Warner Bros. 456060
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 03 25
Genre: Post-Millennial-Music - Garagerock-Revival - Garageblues

Die Raconteurs sind unter anderen Jack White und Brendan Benson – also ein Seitenprojekt von den White Stripes. In den Reviews zu ihrem neuen Album hagelte es Vergleiche mit Led Zeppelin. Fest steht: die Raconteurs haben ein Album eingespielt, dessen 14 Songs jene Ohrwurmqualität haben, die ein Album in die Bestenlisten des Jahres katapultieren kann.
Zu den Anspieltipps gehören Top Yourself, Consoler of the Lonely und Carolina Drama. In Top Yourself könntest du nach der ersten Zeile meinen, Jack White spreche über das Problem, das jemand an der Spitze – er – haben kann, dass er mit niemandem mehr im Wettkampf steht und deshalb nicht mehr zu Höchstleistungen angespornt wird. Da heisst es: How are you going to top yourself / When there is nobody else / How are you gonna do it by yourself. Der Song kippt dann aber in eine sehr spezielle Liebeswerbung (How're you gonna rock yourself to sleep / When I give up my midnight creep girl / How're gonna get that deep / When your daddy ain't around here to do it to you). Im Titeltrack kämpfen zwei Bluesriffs in verschiedenen Tempi miteinander und in der Ballade Carolina Drama vernimmst du die Geschichte eines doppelten Mordes. I?m not sure if there?s a point to this story / But I?m going to tell it again / So many other people try to tell the tale / Not one of them knows the end. In den wenigen Zeilen der Ballade entspannt sich ein cineastisch anmutendes Drama, in dem geheimnisvoll jeder mit jedem verstrickt ist. Die Engel singen über der gewaltvollen Szene und es ist wie immer im Drama: Keiner der Figuren entrinnt seiner Verstrickung. Und es geschieht, was geschehen muss. Und es wird davon erzählt, was erzählt wird. Das wahre Ende der Geschichte kennt in diesem Fall der Milchmann.
Dieses Album kommt soundmässig aus dem südstaatlichen Amerika (höre die Bläser in Many Shades Of Black Lonely). Gross, wie alles von Jack White, aber auch unter all den andern grossen Alben, die es von ihm gibt, herausstechend.

Trackliste:

1. Consoler of the Lonely - 3:25 2. Salute Your Solution - 3:00 3. You Don't Understand Me - 4:53 4. Old Enough - 3:57 5. The Switch and the Spur - 4:25 6. Hold Up - 3:26 7. Top Yourself - 4:25 8. Many Shades of Black - 4:24 9. Five on the Five - 3:33 10. Attention - 3:40 11. Pull This Blanket Off - 1:59 12. Rich Kid Blues (Terry Reid) - 4:34 13. These Stones Will Shout - 3:54 14. Carolina Drama - 5:55
Alle Tracks: Brendan Benson und Jack White, ausser wo anders vermerkt.

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Ando [x>] [D]: Habitat [EP] [F] [P]

CoverLabel: BineMusic BINE 017
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 03 23
Genre: Electronica - Minimaltechhouse

Taylor Deupree beim BineMusic-Label mit einem neuen Moniker Ando. Habitat heisst diese EP mit vier Minimaltechno-Tracks. Habitat heisst Wohnort und kann als Titel einer EP zum Ausdruck bringen, dass der Produzent sich hier zu Hause fühlt.
Nun ist Minimaltechno genau das Genre, woher Taylor Deupree kommt, erinnert man sich an seine Kollaborationen mit Savvas Ysatis und an die ersten 12k Releases zurück. Von daher stellt dieser Release einen Rückgriff auf eine frühere Zeit dar. Auch als Genre ist Minimaltechno vorbei und so mag man sich fragen, weshalb ein Produzent, der für Arbeiten auf hohem Niveau zeitgemässer Produktionsverfahren bekannt ist, auf Minimlatechno zurückgreift. Das muss etwas mit Herkunft zu tun haben, das muss der Ort sein, wo er gelebt hat, bevor er ausgezogen ist, um die Welt zu entdecken. Nun ist er für ein paar Tage zur?ckgekehrt, um dann wieder weiter zu ziehen. Die vier Tracks muten spannend an und gehören zum besten, was Minimaltechno bieten kann. Alles läuft hier im 4/4-Takt und in Loops. Aber die verwendeten Elemente sind immer etwas disloziert, stehen an einer Stelle, wo du sie im ersten Augenblick nicht erwartest, so dass du überrascht bist, dann aber auch gleich wieder Gewissheit hast, dass hier jedes Element doch am richtigen Ort steht, da wo es hingehört, da wo es gewissermassen wohnt. In den kleinen Verschiebungen und Verwerfungen tut sich eine plastische Welt auf, die diese Tanzmusik auch Zuhause hörbar macht, und die den Körper auf der Tanzfläche in die nötige Spannung versetzt, die aus deinem Tanz etwas Erfülltes machen kann. Wenn die Musik zu spielen aufhöhrt, bemerkst du, dass du für kurze Zeit in dieser Musik gelebt und gewohnt hast – bevor du dann wieder den Sternen nach weiter ziehst.

Trackliste:

1. Cyte - 6:47 2. Spine - 6:53 3. Optal - 7:47 4. Templ - 5:08
Alle Tracks: Taylor Deupree.

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Bauhaus [x>] [D]: Go Away White [F] [P]

CoverLabel: Bauhaus Music 01, Cooking Vinyl COOK 455
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 03 03
Genre: Postpunk

Bauhaus waren nie ganz weg. Auch wenn dies das erste Studioalbum seit 25 Jahren ist – live gespielt hat die Band immer mal wieder. Vor etwa zehn Jahren war ich in München Zeuge eines ihrer grandiosen Auftritte. Go Away White ist das Album, das 1985 hätte erscheinen können, stilistisch und überhaupt – warum habt ihr nach nur vier grandiosen Alben aufgehört Jungs?
Go Away White ist ein grandioses Postpunk Album, das es mühelos mit allen Revival Bands aufnehmen kann. Es klingt frisch und energiegeladen, kein Gedanke kommt auf, dass hier eine alte Band noch einmal rasch etwas Geld verdienen möchte, solange sich der Name noch auf den Mark tragen lässt. Die Anspieltipps sind Too Much 21st Century, worin es um unsere Zeit geht, in der alles immer besser werden muss, und Mirror Remains, in dem die Vielgestaltigkeit und Qualität von Peter Murphys Stimme voll zur Geltung kommt. Es bleibt schwierig zu hören, ob dieses Album, das für sich genommen so grossartig ist, auch einen Reflex zu den zeitgenössischen Revival-Bands herzustellen vermag. Es beweist, dass Bauhaus durchaus mitspielen können – auf höchstem Niveau zudem – mehr aber nicht.

Trackliste:

1. Too Much 21st Century - 3:53 2. Adrenalin - 5:39 3. Undone - 4:46 4. International Bulletproof Talent - 4:02 5. Endless Summer of the Damned - 4:44 6. Saved - 6:27 7. Mirror Remains - 4:58 8. Black Stone Heart - 4:32 9. The Dog's a Vapour - 6:49 10. Zikir - 3:04

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Christina Carter [x>] [D]: Masque Femine [CD-R] [F] [P]

CoverLabel: Many Breaths 20
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 03
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Spacefolk

Christina Carter gehört zu den wichtigsten Musikerinnen der Gegenwart. Sie überrascht mit einer extrem auflagearmen CD-R (du musst sie als digitale Version aus dem Netz holen) –, einem Album, das über weite Strecken a capella aufgenommen ist. Masque Femine enthält siebzehn Fremdkompositionen. Spacefolk goes Inner-Space.
Ein paar Songs (Quiet Nights, Last Night When We Were Young, So Many Stars und You Will Be My Music begleitet sie mit der Gitarre. Carters helle Stimme ist mit wenigen Ausnahmen (Centerpoiece, Blues are Brewing,Last Night When We Were Young) ohne Hall aufgenommen, was ihr den üblichen Spacefolk-Charakter nimmt. Sie singt leise wie für sich selbst, immer nahe an dem Punkt, an dem die Stimme in ein Flüstern übergeht oder gar bricht, weil der Druck aus den Lungen fehlt. Die inszenierte Amateurhaftigkeit gibt dem Album seine charakteristische Authentizit?t. Es singt die Traurigkeit von jederman, deine, meine. Es singt die Mutter am Bett des Kinds. Es singt ein Mensch, der den ganzen Tag mit niemandem sprechen kann und beim Einschlafen einsam singt. Der Gesang als Selbstgespräch.

Trackliste:

1. All Alone (Berlin) - (1:59) 2. Ask Me Now (Hendricks) - (2:41) 3. Centerpiece (Hendricks) - (2:45) 4. Quiet Nights (Lees) - (3:43) 5. End Of A Love Affair (Redding) - (2:39) 6. Blues Are Brewing (Delange) - (3:00) 7. Honey Moon (Unknown) - (1:52) 8. Just Friends (Lewis) - (1:35) 9. Last Night When We Were Young (Harburg) - (2:09) 10. Looking Back (Otis) - (1:40) 11. Love Letters In The Sand (Kenny) - (0:35) 12. Memories Of You (Razaf) - (1:13) 13. I Fall In Love Too Easily (Cahn) - (1:35) 14. So Many Stars (Bergman) - (3:19) 15. Some Other Spring (Herzog) - (1:28) 16. Who Wants Love? (Kahn) - (1:44) 17. You Will Be My Music (Raposo) - (3:33)

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Autistic Daughters [x>] [D]: Uneasy Flowers [F] [P]

CoverLabel: Staubgold 081, Kranky KRANK 115
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 03
Genre: Postrock

Die zweite CD von Dean Roberts, Martin Brandlmayr und Werner Dafeldecker unter dem Namen Autistic Daughters. Ein dunkler Weg unter Bäumen ist auf dem Cover abgebildet, der in die Dunkelheit hinein führt. Willst du dort hinein oder nicht? So unheimlich ist es allerdings gar nicht, dir diese sieben Songs anzuhören.
Dean Roberts hat seine Songwriterqualitäten noch weiter entwickelt. Als er vor einem Jahrzehnt noch in der Noiseband Thela gespielt hat, lag der Akzent seines musikalischen Schaffens ganz beim Aufnehmen von Gitarren-Sounds. Die Fähigkeit, Klänge der Instrumente atemberaubend zu inszenieren hat er sich bis heute erhalten und mit Martin Brandlmayr und Werner Dafeldecker zwei verbrüderte Mitmusiker gefunden – zwei ausgewiesene Klangtüftler, die seit Jahren an der Schnittstelle von Improvisation und Electronica arbeiten. Die sieben Songs auf Uneasy Flowers klingen wie feingesponnene Folksongs. Der Sound der drei Musiker ist aber zu komplex, um als Folk durchzugehen. Da ist nichts naiv oder unschuldig dran. Das elektronische Soundprocessing, das hier eingesetzt wird, macht die Musik zu etwas anderem als Folk es ist. Die Klänge sind nicht eindimensional in den Raum gestellt, um eine Message zu transportieren. Die Vocals wirken in sich versunken, privat, ja scheu.
Für mich ist das Musik, die ich heute hören möchte: eine Mischung aus Folk (Lieder, bitte!) und mit sanftem Elektronik-Einsatz, damit wir auf der Höhe der Postelectronica-Zeit bleiben, statt in die Sechziger oder in noch ältere Zeiten zurückfallen.

Trackliste:

1. Rehana's Theme (5:35) - 2. Uneasy Flowers (5:30) 3. Liquid And Starch (4:32) 4. Gin Over Sour Milk (5:05) 5. Bird In The Curtain (3:06) 6. Richest Woman In The World (6:19) 7. Hotel Exeter Dining Room (6:02)

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Rezensionen Februar 2008

Thomas Brinkmann [x>] [D]: When Horses Die [F] [P]

CoverLabel: Max Ernst max.E. 16
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 02 25
Genre: Electronica

Ned Raggett vom All Music Guide stellt bei Thomas Brinkmann zurecht eine stilistische Entwicklung von Techno zu Industrial fest. Brinkmann geht damit historisch in die umgekehrte, retrograde Richtung, die Industrial-Musik Anfangs der 90er genommen hat, indem daraus Techno wurde – IDM, Dark-Ambient oder verwandte Stile. Die zehn Stücke klingen nun aber nicht einfach retro. Vom Minimalismus hat Brinkmann einige Elemente wie der gerade Beat oder die spartanischen Arrangements hinüber gerettet. Über seine Stimme und kann man allerdings geteilter Meinung sein. Anspieltipp: Uselessness. Diese CD könnte auch heissen: When Techno Dies.

Trackliste:

1. Words (Brinkmann, Tong) - 3:52 2. Spiral (Brinkmann, Smithson) - 4:01 3. Birth&Death (Brinkmann, T.B.) - 6:09 4. Meadow (Brinkmann, Brodsky) - 4:57 5. Souls (Brinkmann, Zwetajewa) - 4:34 6. 2Suns (Brinkmann, Zwetajewa) - 5:00 7. Uselessness (Brinkmann, T.B.) - 7:03 8. It's Just (Brinkmann, T.B.) - 4:03 9. When Horses Die... (Brinkmann, Brodsky) - 4:17 10. 40 (Brinkmann, T.B.) - 4:34

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Evangelista [x>] [D]: Hello, Voyager [F] [P]

CoverLabel: Constellation CST 050
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 02 25
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Post-Apocalypticfolk, Postrock

Der neue Release von Carla Bozulich. Seit Jahren ist die Kanadierin in verschiedenen Formationen unterwegs, spielt Musik an der Schnittstelle zwischen Alternative-Country, Newfolk und Improvisation. Die neue Formation heisst Evangelista wie ihr vorletztjähriges Album. Bozulichs Musik gehört zum Besten, was die Gegenwartsmusik zu bieten hat.
Ich habe vor zwei Jahren angefangen, Carla Bozulich zu hören, mein Einstieg war Red Headed Stranger, ein Alternative-Country-Album, ein Tribut an Willie Nelson. Dann kam Evangelista, das sie zusammen mit Efrim Menuck von Godspeed You Black Emperor eingspielt hat. Das Album klingt entsprechend. Hello, Voyager ist wiederum von Efrim Menuck produziert und beim Constellation-Label erschienen. Die Prämisse des Releases ist, so Bozulich im The Wire Interview, dass wir nicht überleben, dass alles kaputt ist, ohne dass man daran noch irgend was retten könnte. Es geht darum, was wir mit der restlichen Lebenszeit noch anfangen werden. Das klingt ziemlich schwarz. Die Musik hat aber eine Kraft, die dich als Hörer/-in nicht einfach fallen lässt. Wenn du Nick Cave magst, bist du darin erfahren, mit dieser Art von Nihilismus umzugehen. Die Musik trägt Züge von Postrock und Postpunk. Dafür, dass die Band von Carla Bozulich aus der Improvisations-Szene von Los Angeles kommt, klingt das Album überraschend strukturreich. Nur das Titelstück der CD und das ambienthafte The Frozen Dress sind strukturel offenere Songs. Der Titeltrack am Ende der CD ist zudem mein Anspieltipp: Das Losungswort für die Reisenden, die wir sind, lautet am Ende doch: Liebe.

Trackliste:

1. Winds of St. Anne (Barnes, Bozulich, Ismaily) - 4:05 2. Smooth Jazz (Bozulich) - 2:29 3. Lucky Lucky Luck (Barnes, Bozulich) - 3:27 4. For the l'Il Dudes (Bozulich) - 2:47 5. The Blue Room (Bozulich) - 4:53 6. Truth Is Dark Like Outer Space (Barnes, Bozulich) - 2:26 7. The Frozen Dress (Bozulich) - 6:27 8. Paper Kitten Claw (Barnes, Bozulich) - 5:14 9. Hello, Voyager! (Barnes, Bozulich) - 12:12

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AGF [x>] [D]: Words Are Missing [F] [P]

CoverLabel: AGF Producktion AGF PRO 008
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 02 25
Genre: Electronica - IDM - Glitch-IDM, Electronica - DSP, Electronica - Soundart - Konkrete-Poesie

Das erste Soloalbum von AGF seit 2004. Dazwischen waren Laub, die Lappetites und Zusammenarbeiten mit Zavaloka und Sue C. Words Are Missing gewinnt mit jedem Hören an Profil. So ist es mir mit Before The Libretto von den Lappetites bereits ergangen.
Antye Greie hat sich als Poetin des digital durchherrschten Alltags einen Namen gemacht – in der aktuellen CD geht es aber um Sprachlosigkeit bzw. um das Abhandensein des Sinns im Klang der Sprache, der hier das künstlerische Material darstellt.
Wenn ich das erste Stück Words Are Useless höre, kommt mir die Lorelei in den Sinn, die auf dem Felsen sitzt und das blonde Haar kämmt, mit ihrem Gesang Schiffer und Schiff in den Felsen hinein lockt. Schon der romantische Zauber ging mit Gesang und ohne Worte (Zaubersprüche). Der zweite Track Letters Make No Meaning klingt nach Heinrich Heine, der auf der Schreibmaschine rhythmisch ein Lautgedicht über die Lorelei verfasst. Er versteht nicht, was er da schreibt, auch wenn er im sechsten, achten und zehnten Track noch immer daran schreibt, aber die Buchstaben und der Klang der Schreibmaschine lassen ihn seine Melancholie, an der er leidet, vergessen. Food Combination Chart sowie verschiedene andere Tracks, beispielsweise Dread In Strangers Eyes, klingen wie die Liveschaltung aus dem Schiffsrumpf vor dem Aufprall auf den Felsen. Die Mikrophone sind direkt auf dem Rumpf des Schiffs montiert und übertragen dumpfen Körperschall von unter dem Wasser. Heine schlägt mittlerweile mit einer Eisenstange an die Reling des Schiffs – oder bist das du? – während das Schiff den Felsen, sein Ziel, im Nebel nicht findet. Der Kapitän ist froh, dass er auf der ganzen Fahrt noch kein Wort hat reden müssen. Denn diese CD kommt ganz ohne Worte aus, weil sie keine braucht und weil Worte hier fehlen dürfen. Es gibt nichts mehr zu sagen, weil eh schon zu viel gesagt worden ist und diese Sagen noch nachklingen. Vom Felsen schallen sie in den Nebel hinaus. Die Wellen, auf denen das Schiff fährt, sind diese alten Worte. Du surfst auf dem Klang dieser Worte und wenn du fällst, ertrinkst du in ihnen und wenn du zu nahe an den Felsen gerätst, zerschellt dein Schiff daran. Und wenn du zu sehr an ihr blondes Haar denkst, sowieso. Deshalb versuchst du nicht daran zu denken, indem du ein Lied singst, von dem du nicht wei?t, was es bedeutet. Der Klang der Wellen begleitet deinen Gesang. Diese Musik ist mächtig. Du wei?t, dass sie in alten Zeiten einmal Sinn zu tragen vermochte. Aber dieser Sinn ist lägst abhanden gekommen und du sings nur noch aus Gewohnheit. Dafür singst du etwas lauter als sonst. Du fühlst dich ohnmächtig, ohnmächtig, aber bewegt. Bewegt von ihr. Und von ihrem goldenen Haar.
Die CD endet nach über 50 Minuten Unter Wasser. Was passieren musste, ist doch geschehen. Die alten Geschichten haben immer recht, auch wenn niemand versteht, warum. Und Ruhe kehrt ein: kein Schiff weit und breit, kein melancholischer Schiffer mehr, keine Worte schallen vom Fels. Nur etwas Nebel kriecht über das tote Wasser, worin alle Worte verstummt sind.

Trackliste:

1. Words Are Useless - 3:47 2. Letters Make No Meaning (Weapons No War Germs No Disease) I - 5:57 3. Food Combination Chart - 3:25 4. Die Ufer Sind In Feindes Hand - 3:18 5. Where The White Animals Meet - 3:41 6. Cognitive Modules Party II - 3:15 7. Dread In Strangers Eyes - 3:07 8a. Present - 1:23 8b. Absent - 9. Head Insid Cloud - 3:25 10. Ooops For Understanding III - 3:07 11. Kreuzwortraetsel - 3:39 12. Presswehen - 2:59 13. Mohr Und Die Raben Von London - 4:06 14. KZ - 3:35 15. I-War - 3:30 16. Under Water (Run!) - 3:39
Alle Tracks: Antye Greie.

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Hot Chip [x>] [D]: Made In The Dark [F] [P]

CoverLabel: EMI 5099951822422
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 02 04
Genre: Electronica - Poptronica, Newpop - Electronicpop, Post-Millennial-Music - New-Rave

Stell dir Elecroclash von Intellektuellen gemacht vor – statt hemmungslos sei diese Musik einfach verspielt hat aber im Übrigen die selbe Ohrwurmqualität und die selben Bezüge zu den 80er Jahren. So klingt Made In The Dark, das dritte Studioalbum von Hot Chip.
Die Bezüge, die dieser Retro-Act herstellt, sind frühe Synthpop-Bands: Die Sparks, Human League, die Korgis oder Devo kommen in den Sinn. Nun, statt das Erfolgsrezept der ersten beiden Alben fortzuschreiben, statt einfach Tanznummern für Studentenparties abzuliefern, versetzen Hot Chip ihr Album mit balladesken Nummern, was dem neuen Album so etwas wie eine Tiefe oder Vielschichtigkeit gibt. Klug gemacht, Burschen! Doch eines verstehe ich an eurem Album nicht ganz: seinen Titel Made in the Dark. Da ist nichts Dunkles an dieser Musik, sie trägt mit anderen Worten keine Signatur der Nacht. Das kann damit zusammenhängen, dass es in der modernen Grossstadt keine Nacht mehr gibt. Der Ort, von dem diese Musik stammt, ist ein neonbeleuchteter Raum ohne Fenster. Als die Band Made in the Dark eingespielt hat, war es Tag oder Nacht oder 1983.
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Trackliste:

1. Out at the Pictures - 4:26 2. Shake a Fist - 5:10 3. Ready for the Floor - 3:52 4. Bendable Poseable - 3:46 5. We're Looking for a Lot of Love - 4:43 6. Touch Too Much - 4:05 7. Made in the Dark - 3:00 8. One Pure Thought - 4:53 9. Hold On - 6:20 10. Wrestlers - 3:45 11. Don't Dance - 4:42 12. Whistle for Will - 2:23 13. In the Privacy of Our Love - 2:52
Bonustracks (iTunes) 1. So Deep - 2:34 2. With Each New Day - 2:58 3. Bubbles They Bounce - 5:52
Alle Tracks: Hot Chip

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Miss Kittin [x>] [D]: Batbox [F] [P]

CoverLabel: Nobody'S B
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 02 01
Genre: Electronica - Elektro - Electroclash

Sie gehören fest zum Bestand der 80er, in die Zeit also, die vom Elktroclash-Genre systematisch und programmatisch geplündert – ausgesaugt – wird. Nun sind sie dran, die unhörbar musizierenden Viecher der Nacht. Sie leben in unheimlich hohen Kirchtürmen. Es ist Mitternacht. Sie fliegen wieder. Ihr hektischer Flug verscheucht das Mondlicht hinter dunkeln Wolken. Im Kirchhof siehst du eine schwarze Katze. Das ist sie, Caroline Herv? aus Grenoble. It s Miss Kittin Time!
Der erste Track Kittin is High ist die erste Single, die bereits seit dem letzten November auf dem Markt ist. Der Track rockt und hat einen eingängigen Refrain. Dann folgt der Titeltrack, der in der selben Manier weiter macht, mit einem Schuss EBM-Remineszenzen. Das Rocken dieser Tracks kommt etwas noch etwas unentschlossen daher. Doch dann geht Grace etwas fester zur Sache: Er spricht davon, wie der Bass dir ins Gesicht schl?gt, wie er dich ergreifen kann – das nennt Miss Kittin Touched by Grace. Hier haben wir das, was Electroclash mit ausmacht: Die heftigen Aspekte des Lebens werden ästhetisiert und idealisiert. Play Me A Tape, der sechste Track zeigt Miss Kittin von ihrer lieblich-zärtlichen Seite, wie du sie von derr tollen Platte mit Golden Boy her kennst. Track sieben, Pollution Of The Mind ist der Killertrack dieser CD. Er hat ein brutales Elektro- oder EBM-Sequenzerpattern, über dem die liebliche Stimme von Miss Kittin schwebt. Dazu das ferenetische Bum-Bum-Bum-Bum der Bassdrum. I love it! Das beatlose Wash N Dry erinnert schwer an Depeche Mode Phase Music For The Masses und Violator. Sunset Strip ist näher bei Synthpop als Elektroclash und dir wird spätestens jetzt klar, dass Batbox mehr ein Neo-Synthpop- als ein Electroclash- Album ist, mehr für den Hausgebrauch gemacht als für die Tanzfläche.

Trackliste:

1. Kittin Is High - 3:51 2. BatBox - 3:20 3. Grace - 3:19 4. Solidasarockstar - 3:57 5. Barefoot Tonight - 3:04 6. Play Me a Tape - 4:09 7. Pollution of the Mind - 5:17 8. Wash n Dry - 4:16 9. Metalhead - 5:24 10. Machine Joy - 3:32 11. Sunset Strip - 3:02 12. Playmate of the Century - 4:04 13. Lightmaker - 4:32

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Rezensionen Januar 2008

Autechre [x>] [D]: Quaristice [F] [P]

CoverLabel: Warp WARPCDD 333
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 01 29 (Netaudio), 2008 03 03 (CD)
Genre: Electronica - IDM - Glitch-IDM

Die neue Autechre ist da, wie freue ich mich! Bei dieser Musik bin ich berechenbar und gebe drei Punkte. Die beiden Jungs machen Musik als wäre sie für mich allein bestimmt. Das neue Album geht soundmässig zurück zu den Anfängen, die Prozeduren bleiben allerdings die selben: nerdiges Frickeln am Sampler.
Ich stelle sie mir vor, Sean Booth und Rob Brown, wie sie sich über ihre Hardware beugen, bewaffnet mit Lötkolben und Schraubenzieher, um da einen Schaltkreis kurzzuschliessen und dort ein Schaltungsteil dazu zu löten. Heraus kommen glitschige Sounds, die in keinem Gerät als Preset vorhanden sind. Die letzten Autechre-CDs hinterliessen eine sehr perkussiv geprägte Erinnerung in meinem Kopf. Quaristice hat die selben schrägen Rhythmen und Breaks, die verwendeten Klänge sind allerdings näher an etwas Musikalischem – falls es das Musikalische im Glitch-Genre denn gibt. Unbedingt laut zu hören! Ohren und Verstärker auf!

Trackliste:

1. Altibzz - 2:52 2. The Plc - 4:16 3. IO - 3:08 4. plyPhon - 2:33 5. Perlence - 3:25 6. SonDEremawe - 1:21 7. Simmm - 5:00 8. paralel Suns - 3:03 9. Steels - 2:56 10. Tankakern - 3:39 11. rale - 3:42 12. Fol3 - 3:47 13. fwzE - 2:38 14. 90101-51-1 - 3:11 15. bnc Castl - 2:52 16. Theswere - 2:12 17. WNSN - 4:56 18. chenc9 - 4:57 19. Notwo - 5:34 20. Outh9X - 7:14

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Vampire Weekend [x>] [D]: Vampire Weekend [F] [P]

CoverLabel: XL Recordings XLCD 318
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2008 01 29
Genre: Post-Millennial-Music - Postpunk-Revival, Newpop - Artpop

Ein bemerkenswertes Album von Vampire Weekend. In die Postpunk-Revival-Textur sind allerlei überraschende Elemente eingearbeitet: eine Juju Musik in Cape Cod Kwassa Kwassa oder Ska-Punkrock in A-Punk, Streicher und ein Cembalo in The Kids Don't Stand A Chance. Da und dort habe ich den Eindruck als höre ich eine Pubrock-Scheibe aus den 70ern. Jener Stil vereinigte die Tugenden der 50er Jahre Musik mit allen damals verfügbaren Stilen (Ska, Regae, Rock'n'Roll, klassischem Rock, Hardrock usw.). Vampire Weekend vereinigt die Tugenden der Postpunk-Musik und vermischt sie mit den genannten verfügbaren Stilen. Tolles Album!

Trackliste:

1. Mansard Roof (2:07) 2. Oxford Comma (3:15) 3. A-Punk (2:17) 4. Cape Cod Kwassa Kwassa (3:33) 5. M79 (4:14) 6. Campus (2:55) 7. Bryn (2:12) 8. One (Blake's Got A New Face) (3:11) 9. I Stand Corrected (2:38) 10. Walcott (3:39) 11. The Kids Don't Stand A Chance (4:03)
Bonustracks (J) 1. Ladies of Cambridge - 2:39 2. Arrows

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