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Anzeige aller Musikzimmer Rezensionen von 2007 geordnet nach Monat

Rezensionen Dezember 2007

Surgeon [x>] [D]: This Is For You Shits [Mix, Cardboard-Sleeve] [F] [P]

CoverLabel: Warp 151
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 12
Genre: Electronica - Techno

Absoluter Killer-Mix von Anthony Child, der seit den Mittneunzigern als Surgeon unterwegs ist und ein paar richtig harte Techno-Scheiben gemacht hat, etwas vom Coolsten, was britischer Techno zu bieten hatte. Bevor Surgeon diesen Mix für Warp gemacht hat, war es ein paar Jahre lang eher ruhig um ihn.
Es ist nicht so, dass Child während den letzten Jahren nichts Musikalisches geschaffen hätte: Er war zusammen mit Karl O'Connor als British Murder Boys tätig und hat an einem respektablen Netaudio-Katalog gearbeitet. British Murder Boys – was für ein Name! Ein paar dieser Mörderjungen-Tracks haben es auch in diesen Mix geschafft, in dem sie neben denen von Aphex Twin, Squarepusher, Brothomstates oder Autechre stehen. Surgeon holt und schält das Härteste aus dem Warp-Label heraus. Schier unglaublich!

Trackliste:

DJ Mix: This Is For You Shits (61:52) 1. Unknown Artist: (Intro) From Tape Archive (Anthony Child) 2. Scorn: Doors (M. Harris) 3. Kero Vs dbit: Prof Railer (Kero, dbit) 4. Autechre: Laughing Quarter (Brown, Booth) 5. British Murder Boys: Splinter (Anthony Child, Karl O'Connor) 6. Aphex Twin: Vordhosbn (Richard D James) 7. Paul Damage: Passing By (Paul Damage) 8. Bug vs. Rootsman Featuring He-Man: Killer (Bug, He-Man, Rootsman) 9. Squarepusher: My Red Hot Car (Tom Jenkinson) 10. British Murder Boys: Anti Inferno (Anthony Child, Karl O'Connor) 11. Throbbing Gristle: Persuasion (Motor Remix) 12. Tony Rohr & Paul Birken: Lo-Fi Shizzy (Paul Birken, Tony Rohr) 13. Cane: Fall (D. Funcken, R. Funcken) 14. British Murder Boys: Unreleased (Anthony Child, Karl O'Connor) 15. Aphex Twin: Ventolin (Richard D James) 16. Scorn: Sleep When Home (M. Harris) 17. Archae & Grovskopa: Elements (Benny Liberg, Mika Hallbäck) 18. British Murder Boys: Father Loves Us (Anthony Child, Karl O'Connor) 19. Curve: Falling Free (Aphex Twin Remix) (Garcia, Halliday) 20. Eight Frozen Modules: Datacasting (Ken Gibson) 21. Brothomstates: Rktic (Lassi Nikko) 22. Monolake: Invisible (Robert Henke, T++) 23. British Murder Boys: Don't Give Way To Fear (Part1) (Anthony Child, Karl O'Connor) 24. Whitehouse: Dumping The Fucking Rubbish (William Bennett) 25. Autechre: Second Bad Vilbel (Brown, Booth) 26. Vex'd: Canyon(J. Teasdale, R. Porter) 27. Scorn: Snow Hill (M. Harris) 28. Surgeon: Klonk (Part2) (Anthony Child) 29. British Murder Boys: Don't Give Way To Fear (Part2) (Anthony Child, Karl O'Connor) 30. Monolake: Linear (Robert Henke) 31. Eight Frozen Modules: A Low Bite Riddim (Kenneth James Gibson)

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Bruno Pronsato [x>] [D]: Why Can't We Be Like Us [F] [P]

CoverLabel: Hello? Repeat Hello 010
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 12
Genre: Electronica - Minimaltechhouse

Bruno Pronsato, eigentlich Steven Ford, nicht Italiener, sondern Amerikaner in Berlin, bringt nach Silver Cities von 2004 seine zweite CD heraus. Ein Mnimaltechhouse-Release der Spitzenklasse, Musik, die aus den selben Gefilden stammt, wie die Musik von Ricardo Villalobos.
Das Coverbild und der Titel der CD sprechen die Differenz zwischen Identit?t und Gleichheit an. Das Spiegelbild sieht gleich aus, hat aber eine andere Identität. Die Zwillingsschwester sieht gleich aus, ist aber eine anderer Mensch. Jeder der Pronsato-Tracks hört sich gleich an wie die anderen, variiert wenig in der Anlage und im Tempo, birgt aber in den Details sehr interessante Elemente. In die Minimaltechhouse-Struktur werden sorgsam Fremdelemente eingelassen, nicht-elektronische Drums (Steven ist Drumer), stark verfremdete Vocalsamples oder elektronischer Lärm – Elemente, die nicht eigentlich in die geschliffene Oberfläche passen, die sich wie Einschlüsse in einem edlen Material verhalten, dieses aber interessanter machen. Plötzlich öffnet das Speigelbild die Augen und es zeigt sich, dass seine Farbe eine andere ist als die deine. Da staunst du nicht schlecht.

Trackliste:

1. Slowly Gravely (7:53) 2. What They Wish (9:22) 3. Same Faces, Different Names (8:04) 4. An Ill Collage (7:20) 5. At Home I'm A Tourist (9:50) 6. Too Few Hellos, Too Many Goodbyes (6:59) 7. What We Wish (3:12) 8. Who Is Sarah Stern (11:16) 9. Why Can't We Be Like Us (10:53)
Alle Tracks: Steven Ford.

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Rezensionen Novemeber 2007

Valerie Project [x>] [D]: The Valerie Project [F] [P]

CoverLabel: Drag City DC 352
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 11 20
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk

Cineastische Instrumentalmusik die dem Kultfilm Valerie and Her Week of Wonders von Jaromil Jires aus dem Jahr 1970 gewidmet ist. Die Musiker, die dieses Album eingespielt haben, stammen aus dem Umfeld von Espers. The Valerie Project bietet Freakfolk mit dezent eingesetztem elektronischem Analogequipment, versetzt mit gotischen und noisigen Elementen. Godspeed trifft This Mortal Coil.
Der tschechische Nouvel Vague Film Valerie and Her Week of Wonders ist vor wenigen Jahren erst in den USA erschienen. Er fiel auf den fruchtbaren Boden der gerade angesagten Freakfolkbewegung. Der Film ist gegenwärtig auf Youtube greifbar. Du wirst sehen, das sind wirklich perfekte Bilder f?r dieses musikalische Genre. Kein Wunder kam Greg Weeks von Espers auf die Idee, diese Bilder zeitgem?ss zu vertonen.

Trackliste:

1. Prelude (0:44) 2. Introduction (2:26) 3. Torchlight (3:10) 4. Grandmother (4:58) 5. A Letter (2:03) 6. Tree Of Life (1:39) 7. The Sermon (1:32) 8, Eagle's Theme (2:19) 9. Dungeon (2:57) 10. Fire Fountain (3:00) 11. The Feast (3:22) 12. Dove, Pearl, Priest (2:31) 13. Vampires (2:57) 14. Eagle's Theme (Reprise) (2:25) 15. The Crypt (0:57) 16. Elisa (3:12) 17. Machine Room (3:06) 18. Bookshelf Serenade (1:21) 19. Flower Girl (1:00) 20. Blood Sacrifice (3:31) 21. The Crypt (Reprise) (2:31) 22. A Second Letter (0:55) 23. Hedvica (2:11) 24. Burned At The Stake (2:53) 25. Den Of Iniquity (3:16) 26. An End To Enchantment (0:55) 27. A Final Letter (3:13) 28. Death And Rebirth (2:04) 29. Reunion (6:32) 30. Crib (0:20)

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Six Organs Of Admittance [x>] [D]: Shelter From The Ash [F] [P]

CoverLabel: Drag City DC 348
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 11 20
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk

Six Organs Of Admittance ist das Soloprojekt des amerikanischen Gitarristen Ben Chasny, der auch mit der Band Comets On Fire unterwegs ist. Chasny ist eines der Aushängeschilde des amerikanischen Psychfolk-Undergrunds. Sein drittes Album für Drag City ist ein Muss für alle, die sich dafür interessieren, wie zeitgenössische amerikanischen Folk-Musik klingt.
Das Album ist eine eigentümliche Mischung aus 60er-Folk mit Anleihen an Davey Graham oder Pearls Before Swine, Krautrock der psychedelischen Sorte und Lo-Fi-Rock. Die acht Stücke sind gefällig, haben tolle Arrangements, grosse Melodien, die ohne jede Sentimentalität auskommt. Mit jedem Anhören geht mir dieses Album tiefer unter die Haut.

Trackliste:

1. Alone with the Alone - 4:15 2. Strangled Road - 5:33 3. Jade Like Wine - 4:11 4. Coming to Get You - 7:28 5. Goddess Atonement - 6:01 6. Final Wing - 8:35 7. Shelter from the Ash - 3:24 8. Goodnight - 3:36
Alle Tracks: Ben Chasny.

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Burial [x>] [D]: Untrue [F] [P]

CoverLabel: Hyperdub HDBCD 002
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 11 05
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Dubstep

Diese CD schafft mit ihren vielfach geschichteten Vocal-Samples ein Meisterwerk des Hyper-Souls. Das ist R&B und UK-Garage auf einem neuen Plateau. Burial singt/spricht mit Engeln und dem Himmel. Untrue ist ein Hypergebet – ein Hyperprayer.
Wenn ein Erstling so einschlägt wie die Burial von letztem Jahr, dann steht immer die Frage im Raum, wie das weiter geht: Wiederholt einer einfach das Erfolgsrezept oder vermag er sich zu entwickeln? Verstummt er oder fällt er ab. Wenn man über das Problem der zweiten Veröffentlichung nach dem Erfolg mit dem Erstling nachdenkt, zeigen sich mehr Fallstricke als Erfolgswege. Es ist viel einfacher, mit einen guten Erstling zu landen als das ästhetische Niveau beim zweiten Release zu halten. Burial ist dieses Kunststück gelungen. Mit Untrue liegt nun ein weiteres Meisterwerk des jungen Südlondoners vor, der es vorzieht, anonym zu bleiben, statt sich einem Medienhype um seine Person oder gar einem Personenkult auszusetzen.
Burial klang nicht zuletzt wegen dem Coverbild futuristisch düster, erinnerte an Bladerunner, an eine durch ewige Regenwolken verdunkelte Stadt, in der es keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht mehr gibt. Cover von CDs oder Platten prägen den Klangeindruck immer mit, vor allem wenn es sich um eine sehr eigene oder neue Musik handelt. Untrue arbeitet stärker mit Vokal-Samples und schafft den Hyper-Soul, den ein paar Jahre zuvor Jamie Lidell um Haaresbreite verpasst hat, weil er klassizistisch geworden ist und plötzlich wie Al Green und andere Soul-Grössen klang. Hier definiert einer den Soul auf einer neuen elektronischen Ebene. Die Vocals bestehen aus Samples, deren Pitch (Geschwindigkeit und Tonhöhe) verändert ist. Die Stimmen sind deshalb geschlechtlich nicht zurechenbar und wirken vergeistigt wie Selbstgespräche, wie Mantras, I envied you girl, I envied you girl, I envied you girl, I can take my eyes off you, I can take my eyes off you, I can take my eyes off you (Near Dark) oder nach dem Intro das erste Stück Archangel: Holding you, good at being alone, good at being alone, good at being alone. Die Vocals sind zudem in weite Echoräume gestellt, was den Eindruck von Gebeten unterstützt. Die Beats sind fast immer etwas holprig, allerdings deutlich weniger als auf dem Erstling. Ein drittes Element dieser Musik (neben Vocals und Beats) sind die verwendeten Aufnahmen von Umweltgeräuschen, die den Stücken ein abstraktes Setting geben.
Im Ganzen ist dieses Album eine Sammlung von einsamen Gebeten eines Engels, der seine Klagen und Hoffnungen an andere einsame Engel richtet, ohne zu wissen, ob diese ihn erhören. Ich glaube, er ahnt die Unmöglichkeit dieses Versuchs, was sich in einem noch vehementeren Rückzug aus der Kampfzone niederschlägt. Er gibt nicht auf, sondern versucht es mit noch grösserer Innigkeit. Im The Wire Intwerview bestätigt Burial, dass seine Tracks das Verlangen nach einem Schutzengel zum Ausdruck bringen, der über einem wacht, wenn man spät in der Nacht keinen Ort mehr hat, wo man hingehen kann, ausser zu McDonalds, und wo man auch keinen Anruf mehr entgegennimmt (siehe die Coverillustration). Eines der Alben dieses Jahres! Auf Burial fällt nun die noch schwierigere Aufgabe des dritten Albums nach zwei Meisterwerken. Ob er auch dieses Problem lösen wird?

Trackliste:

1. Untitled - 0:46 2. Archangel - 3:58 3. Near Dark - 3:54 4. Ghost Hardware - 4:53 5. Endorphin - 2:57 6. Etched Headplate - 5:59 7. In McDonalds - 2:07 8. Untrue - 6:16 9. Shell of Light - 4:40 10. Dog Shelter - 2:59 11. Homeless - 5:20 12. UK - 1:40 13. Raver - 4:59
Alle Tracks: William Bevan.

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Rezensionen Oktober 2007

Charalambides [x>] [D]: Likeness [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 113
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 10 29
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Spacefolk

Kosmisch ist das Wort, das diese Musik am besten beschreibt. Likeness schenkt uns neun neue Songs von Christina und Tom Carter. Likeness ist die etwas andere Weihnachtsmusik von einer der wichtigsten Bands der Gegenwart, um in kalten Winternächten auf dem Land und draussen zu sein.
Nathan Hogan von Dusted Reviews schreibt in seiner Rezension zu Likeness, dass der Begriff Cosmic American Music, den Gram Parsons in den 60er Jahren für seine Musik in Anspruch genommen und gegen deren Fremdkategoriesierung als Countryrock gestellt hat, besser, viel besser auf Charalambides passt, die ursprünglich aus Houston (Texas) stammen. Houston (Texas) hat ja eine lange Vergangenheit mit dem Kosmischen Element, dem Weltraum dort draussen, da seit den 60er Jahren im Südosten vor der Stadt das Lyndon B. Johnson Space Center beheimatet ist – vielleicht die wichtigste Schaltzentrale zwischen Erde und Weltraum. Von daher ist es kein Zufall, dass Christina und Tom Carters Musik so klingt wie sie klingt – auch wenn sie mittlerweile in Austin (Texas) leben. Die Instrumente, vor allem Gitarren, und die Stimme Christinas sind durch Hall-Effekte in einen kosmischen Raum gestellt. Wenn du die Augen schliesst hebst du ab wie der Vogel auf dem Cover und schwebst bald im schwerelosen Raum dieser Musik.

Trackliste:

1. Uncloudy Day (11:02) 2. Do You See? (7:21) 3. Figs And Oranges (5:51) 4. Memory Takes Hold (13:24) 5. The Good Life (4:35) 6. Saddle Up The Pony (7:15) 7. Feather In The Air (7:15) 8. Walking Through The Graveyard (3:35) 9. What You Do For Money (8:56)

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Alter Ego [x>] [D]: Why Not?! [F] [P]

CoverLabel: Klang Elektronik KLANG 15
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 10 23
Genre: Electronica - Techno - Techhouse, Electronica - Elektro

Why Not? haut ganz schön rein. Electro-Sound am Rand zum Kitsch (wie das Cover zeigt).
Roman Flügel und Jörn Elling Wuttke machen seit Jahren beachtenswerte Musik. Einen Namen haben sie sich beispielsweise mit der CD Decoding The Hacker Myth gemacht Das war IDM-Musik, die bewies, dass dieses Genre nicht bloss in England, sondern auch in Deutschland produziert werden konnte. Heute präsentieren uns die beiden Musiker eine CD voller Electro-Tracks, die eingängig sind, dass es weh tut. Der Boomkat-Reviewer schreibt, dieses Album klingt wie Led Zeppelin, die Techno auf einem Commodore 64 machen. Tanz den Nachtfalter und tanz den Totenkopf!

Trackliste:

1. Why Not?! - 5:40 2. Gary - 7:12 3. Fuckingham Palace - 6:12 4. Jolly Joker - 10:40 5. Queen Anne's Revenge - 7:00 6. Chicken Shag - 6:00 7. Third World Food On Upper East Side - 8:50 8. Blank - 7:30 9. Exile On Bleep Street - 7:04 10. Pleasure Island - 7:06 11. Welcome To Germany - 1:30
Alle Tracks: Roman Flügel und Jörn Elling Wuttke.

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Vashti Bunyan [x>] [D]: Some Things Just Stick In Your Mind: Single And Demos 1964-67 [2 CD, Act-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Fat Cat Records FATCD 059, DiCristina Stair Builders STEP 11
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 10 22 (Ed.), 1967-64 (Rec.)
Genre: Folk - Urbanfolk - Psychedelicfolk

Dieses Album versammelt frühe Singles und Demos der in ihrer Zeit relativ erfolglosen Folksängerin, die aber von Folkies ab den 90er Jahren regelmässig als wesentlicher Einfluss genannt wird. Joanna Newsom oder Devendra Banhart gehören zu ihren Fans.
Vashti Bunyan war in ästetischer Hinsicht der weibliche Nick Drake – allerdings fünf Jahre vor diesem. Beide waren für ihre laute und angespannte Zeit zu introvertierte Singer-Songwriter (höre dir in diesem Zusammenhang die ersten Sekunden von Track 15 Leave Me an; hier spielt sich meines Erachtens ein kleines Drama ab). Die Introversion ist ein Element, das damals zum Misserfolg führen musste, als anderes wäre die Traurigkeit der Songs zu nennen: Themen sind Trennung, Verlust und Reue. Auf dem Erstling Just Another Diamond Day war diese thematische Traurigkeit weitgeend verschwunden, einer Naturmystik, einem Naturalismo gewichen, für den Vashti so sehr geschätzt wird. Die Songs scheinen auf der CD chronologisch angeordnet zu sein. Die erste Single Some Things Just Stick In Your Mind (Track 1), notabene geschrieben von Jagger und Richards, hört sich furchtbar an – kaputt produziert von Andrew Loog Oldham, der Vashti als Popstar gross raus bringen wollte, wahrscheinlich als zweite Marianne Faithfull. Doch erst wenn die oppulenten Streicherarrangements verschwinden kommt die zerbrechliche und feinstoffliche Stimme Bunyans voll zur Geltung. Also achtung: nicht das Album weglegen, nur weil die ersten beiden Tracks so schlecht sind!

Trackliste:

1. Some Things Just Stick In Your Mind (Keith Richards, Mick Jagger) (2:18) - Decca Single, 1965 2. I Want To Be Alone (2:51) - Arranged By - David Whitaker - Decca Single, 1965 3. Train Song (Alasdair Clayre, Vashti Bunyan) (2:15) - Columbia Single, 1966 4. Love Song (1:59) - Columbia Single, 1966 5. Winter Is Blue (2:55) - Unveröffentlichte Immediate Single, 1966 6. Coldest Night Of The Year (Mann/Weill) (3:28) - Unveröffentlichte Immediate Single, 1966 7. I'd Like To Walk Around In Your Mind (2:15) - Unveröffentlichte Immediate Single, 1967 8. Winter Is Blue (1:48) - Acetate Demo, 1966 9. Girl's Song In Winter (Alasdair Clayre, Vashti Bunyan) (1:37) 10. If In Winter (100 Lovers) (Alasdair Clayre, Vashti Bunyan) (1:47) 11. Wishwanderer (1:56) - Acetate Demo, 1967 12. Don't Believe (1:37) 13. 17 Pink Sugar Elephants (Jenny Lewis, Vashti Bunyan) (1:51) 14. Autumn Leaves (1:57) 15. Leave Me (2:24) 16. If In Winter (100 Lovers) (Alasdair Clayre, Vashti Bunyan) (1:19) 17. How Do I Know (2:00) 18. Find My Heart Again (1:59) 19. Go Before Dawn (1:54) 20. Girl's Song In Winter (1:38) 21. I Don't Know What Love Is (1:48) 22. Don't Believe What They Say (2:12) 23. Love You Now (2:10) 24. I Know (1:34) 25. Someday (2:05)
Alle Tracks: Vashti Bunyan, ausser wo anders vermerkt.

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Sawako [x>] [D]: Madoromi [F] [P]

CoverLabel: Anticipate 003
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 10 15
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism, Electronica - Ambient, Electronica - Soundart

Diese CD klingt wie der Zen-Klang-Garten meiner Träume. Beruhigende Spielzeuginstrumenten-Klänge, die dahinplätschern wie ein Bach in Zeitlupe. Sawakos Musik eigent sich für den Endlosbetrieb deines CD-Players. Einfach laufen lassen und dazu arbeiten, essen, ruhen, denken, .. Tapetenmusik (Ambient), bei der ich gerne ein Teil der Tapete werde.

Trackliste:

1. August Neige (7:00) 2. It's Not On Purpose (3:46) 3. Uta Tane (5:59) 4. Passepass (3:15) 5. Appled Soapbox (3:46) 6. Kira Kira (3:22) 7. Purple Sky Coming (6:38) 8. Far Away (6:41) 9. Tiny Tiny (1:36)

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Robert Wyatt [x>] [D]: Comicopera [F] [P]

CoverLabel: Domino WIGCD 202
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 10 08
Genre: Alternativerock - Neo-Progressiverock, Newpop - Artpop

Robert Wyatts neues Album ist, wie der Titel zum Ausdruck bringt, eine komische Oper, eine Form Singspiel, die auf Jahrmärkten entstanden ist – ein Vaudville-Genre also. Die komische Oper ist nicht vor allem komisch im Sinn der Komödie, sondern sentimental, für einfache Leute zur Unterhaltung gemacht. Ob Wyatts Album für solche Unterhaltungszwecke gemacht ist, wage ich zu bezweifeln, dass eine zeitgemässe Oper eher von Populargenres her aufgezogen werden sollte, kann ich nur nachdrücklich begrüssen. Dieses lose Konzeptalbum ist trotzdem, dass es nicht zur Popmusik zählt, weder verkopft noch unzugänglich.
Robert Wyatt gehört zur Generation Musiker, die in der zweiten Hälfte der 60er mit Psychedelic-Rock gross geworden sind. Seine Musik war immer mehr Art als Punk, trotzdem hat er die gegen den Artrock gerichtete Punk-Revolution schadlos überstanden. Wyatt veröffentlichte seine Musik bei Rough Trade und gehört heute zu den interessantesten lebenden Musikern. Angefangen hat seine Karriere mit der Band Soft Machine. Soft Machine waren zusammen mit Pink Floyd die englischen Top-Acts der psychedelischen Rockmusik. Soft Machine wechselten das Genre, liessen damit Pink Floyd die Meriten einheimsen, und erfanden die englische Spielart des Jazzrock (in diesem Zusammenhang wichtig: Third). Psychedelik und Jazz haben Wyatts Schaffen geprägt. Aus der Psychedelik ist eine Ideosynkrasie geworden, eine eigenwillige und unverwechselbare musikalische Sprache. Dem Jazz sind viele musikalische Elemente entnommen.
Die drei Akte der Comicopera führen dich von einer Welt persönlicher Konflikte (Überschrift: Lost in Noise) in eine Welt globaler Konflikte (The Here And The Now) bis zu einer Reise mit Feen (Away With The Fairies). Im ersten Teil wird die Alkoholsucht thematisiert, die Wyatt nicht fremd ist, im letzten Teil singt er nur noch Lieder in spanischer und italienischer Sprache – eine Form des Protests gegen die angloamerikanischen Kriegs-Politik, die die weltpolitische Bühne beherrscht. Nicht nur in seinen Songs zeigt sich Wyatt als Mensch mit politischer Haltung, auch bei der Wahl des Labels, wo seine Musik erscheint: Nachdem sein altes Label Rykodisc vom Major Warner aufgekauft worden ist, wechselte Wyatt kurzerhand zu Domino, dem wahrscheinlich angesagtesten britischen Rock-Label. Gefragt weshalb, meint er: Die Leute von Domino arbeiten höchst effizient, haben den Finger am Puls der Zeit und sind leidenschaftliche Musikfans. Solche Labels sind die Zukunft der Schallplattenindustrie und die Antwort auf die Krise. (siehe NZZ Interview mit Christoph Wagner)
Mit Comicopera ist Robert Wyatt einmal mehr ein Album mit emotionalem Tiefgang gelungen, ansprechend ohne anzubiedern, ideosynkratisch ohne unzugänglich zu sein.

Trackliste:

CD 1: Act One: Lost In Noise 1. Stay Tuned (Anja Garbarek) - 3:48 2. Just as You Are - 4:22 3. You You - 4:22 4. A.W.O.L. - 2:58 5. Anachronist (Robert Wyatt) - 3:36
CD 1: Act Two: The Here and The Now 1. A Beautiful Peace (Robert Wyatt, Brian Eno) - 2:28 2. Be Serious (Robert Wyatt) - 2:56 3. On The Town Square (Robert Wyatt) - 5:26 4. Mob Rule (Robert Wyatt) -2:15 5. A Beautiful War (Robert Wyatt, Brian Eno) - 2:39 6. Out of The Blue - 3:45
CD 1: Act Three: Away With The Fairies 1. Del Mondo (Giovanni Lindo Ferretti, Massimo Zamboni, Maroccolo, Magnelli, Canali) - 3:30 2. Cancion de Julieta (Federico García Lorca, Robert Wyatt) - 7:33 3. Pastafari (Orphy Robinson) - 4:37 4. Fragment - 1:39 5. Hasta Siempre Comandante (Carlos Puebla) - 4:38
Alle Tracks: Alfreda Benge und Robert Wyatt.

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Om [x>] [D]: Pilgrimage [F] [P]

CoverLabel: Southern Lord SUNN 086
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 10 02
Genre: Metal - Undergroundmetal - Stonermetal, Metal - Numetal - Doommetal

Es ist schier unglaublich, was diese beiden Musiker, Al Cisneros und Chris Hakius mit nur Schlagzeug, Bass und Gesang hinkriegen. Stonerrock vom besten. Dreh mal den Regler auf!
Stonerrock ist in den 90er Jahren entstanden. Wichtigste Band sind die Erfinder des Genres: Kyuss und neuerdings Om. Verwandt ist diese Musik auch mit Doommetal von Sunn O))) oder Boris. Es handelt sich um Metal, der in der Regel langsam gespielt wird und auf Loops oder Riffs, statt auf Songstrukturen basiert. Der Bassgitarre steht dabei im Zentrum. Die Wirkung dieser Musik ist nicht zuletzt etwas psychedelisch. In Pilgrimage klingen die mittleren Pink Floyd nach. Steve Albini als Produzent gibt dem neuen Om-Album einen eingängigen Schliff. Das Covermotiv lügt natürlich: Das ist keine Kirchenmusik!

Trackliste:

1. Pilgrimage (10:33) 2. Unitive Knowledge Of The Godhead (5:50) 3. Bhima's Theme (11:40) 4. Pilgrimage (Reprise) (4:15)

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Cristian Vogel [x>] [D]: The Never Engine [F] [P]

CoverLabel: Tresor 231
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 10
Genre: Electronica - Techno - Wonkytechno

Tresor-Releases sind selten mehr Thema im Musikzimmer. Seit einiger Zeit schon. The Never Engine von Cristian Vogel bricht mit diesem Schweigen. Hier kommt eine bis ins feinste Detail geschliffene Techno-Scheibe, die für die Einen wenig Neues bringen mag, die aber mein nach Zukunft dürstendes Herz mit Blut versorgt.
Organische Sounds, an denen Vogel Stunden lang programmiert hat, die bis ins letzte Detail geschliffen klingen, werden in die Never-Engine geschickt, gehen auf eine Repetitions-Reise. Wo bei Super_Collider, der Kollaboration von Vogel mit Jamie Lidell, die Parameter verrückt spielen, so dass dir der Boden unter den Füssen weggezogen wird, geht es hier vergleichsweise sachte zu und her. Die Sounds lassen sich Zeit, sie klingen selbstbewusst. Es tanzt schon zu diesen organischen Sounds, ohne dass Vogel an den Reglern drehen muss, die Musik dreht in sich selbst, sie hüpft elastisch, sie ist funky, kurz: die Maschine haucht den Klängen Seele ein. Dabei arbeitet sie mit der arithmetischen Schönheit eines Computerprogramms.

Trackliste:

1. CYK movingHigh (4:54) 2. XPUTE theWoopWoop (4:53) 3. rogue PROTOCHI (5:09) 4. BOPX_BOCX (variant1) (4:56) 5. SKX engineUndercover (6:16) 6. SAGA (9:36) 7. BOPX_BOCX (variant2) (5:11) 8. PROTOCHI rearMount (4:19) 9. CYK sprintSparks (4:33) 10. SKX engineUnderwraps (8:01) 11. PERCOL ecoDrive (5:08)

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Rezensionen September 2007

Gravenhurst [x>] [D]: The Western Lands [F] [P]

CoverLabel: Warp 157
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 09 18
Genre: Post-Millennial-Music - Indiefolk

Nick Talbot schreibt diese wunderschönen, flauschigsten Dreampop-Songs. Als wären die Pale Saints auferstanden. Es leben die Achzigerjahre!
Dieses Album ist Stimmungssache. Es ist soundmässig nichts Neues, zu verbuchen unter Spät-80er- bzw. Anfangs-90er-Retro. Aber die Songs sind dermassen eingängig, dass man Nick Talbot einfach in alle Himmel hinauf loben muss. Die Musik ist hervorragend in Szene gesetzt, die Songs sind verschiedener als es auf der tief-melancholischen Oberfläche scheinen mag: Shoegazer- und Noise-Elemente (Hollow Man oder The Western Lands), Janglefolk She Dances oder Trust), Psychfolk (Song Among The Pine), ja jazzige Akkorde (Grand Union Canal) findet man auf Western Lands.Talbot darf als einer der besten Singer-Songwriter unserer Zeit gelten.

Trackliste:

1. Saints - 3:24 2. She Dances - 4:01 3. Hollow Men - 3:58 4. Song Among The Pine - 4:11 5. Trust - 4:06 6. The Western Lands - 4:14 7. Farewell, Farewell (Trad. Lyrics: Richard Thompson) - 3:14 8. Hourglass - 4:46 9. Grand Union Canal - 6:05 10. The Collector - 4:56
Alle Tracks: Nick Talbot, ausser wo anders vermerkt.

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Murcof [x>] [D]: Cosmos [F] [P]

CoverLabel: Leaf BAY 059
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 09 17
Genre: Electronica - Postelectronica - Neo-Klassik

Fernando Corona ist mehr Ambient geworden als auf seinen früheren Releases. Ich bin noch unentschieden, ob ich etwas verloren oder etwas gewonnen glauben soll. Es ist gut, dass Murcof Mut zu einem Schritt nach vorn hatte, statt das Erfolgsrezept seiner früheren Releases zu wiederholen. Das Thema dieser CD scheint mir Luft zu sein. Die Tracks sind kaum greifbar, Gestalten bleiben schimärenhaft. Wenn etwas Form annimmt, dann Angst, die in einer dicken Luft liegt und sich zuweilen von weit oben über dich wirft.
Der erste Track Cuerpo Celeste braucht einige Zeit, bis er in die Gänge kommt. Er beginnt leise, mit Strömungs- oder Umgebungsgeräuschen. Unentschieden kommen warme Streicherklänge, um etwas anzukünden, um es dann aber zu lassen. Diese Streicher klingen zunächst deutlich nach Murcof, haben dann aber etwas Orientalisches, schliesslich Sakrales (Kirchenorgel). Einige der sechs neuen Tracks von Murcof laufen gegen die 10-Minuten-Grenze zu. Das mit sieben Minuten vergleichsweise kurze Cielo klingt wie ein vaporisierter Vladislav Delay. Der vierte Track Cometa ist unheimlich klaustrophobisch und angstgeladen. In Cosmos II baut sich ein Gewitter auf. Aus Cumulus wird Cumulonimbus. Das zwölfminütige Oort schliesslich ist ein ausgedehntes Schimmern, in das zuweilen ein schwerer Akkord als eine Angstwalze fährt – wiederum umrahmt von arabesk anmutenden melodischen Gesten. Mit jedem Hören der CD gewöhne ich mich mehr und mehr an diesen neuen Sound Murcofs. Die CD wird besser und besser ?.

Trackliste:

1. Cuerpo Celeste - 9:06 2. Cielo - 7:23 3. Cosmos I - 8:58 4. Cometa - 8:17 5. Cosmos II - 9:39 6. Oort - 12:49
Alle Tracks: Fernando Corona.

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Ricardo Villalobos [x>] [D]: Fabric 36 [Mix] [F] [P]

CoverLabel: Fabric 71
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 09 10
Genre: Electronica - Minimaltechhouse

Minimaltechhouse mag ja die gegenwärtige Konsensmusik und damit die Langeweile an sich sein, der Ort, wo Techno überlebt hat, ein totes Genre, Musik, die an jeder Party läuft und leicht anödet, weil die Musik zu laut dröhnt, wo sich alle eh bloss unterhalten wollen, weil tanzen von gestern ist, aber Ricardo Villalobos legt mit diesem Fabric-Release ein Set hin, das mich frenetisch stimmt.
Die minimalen Beats kommen leicht daher, haben diesen hohen Bounce- oder Gummiball-Faktor. Immer ist irgend etwas am Track, das lose oder schräg mit dem 4/4-Template verzahnt ist, Höhepunkte werden mit Latin-Rhythmen oder afrikanischen Drums geschaffen (so zum Beispiel im Track 9). Bernardo Rondeau von Dusted Magazine schreibt: A fibrous simmer &Ndash; clicks, cracks and claps sizzling like gristle – ring the chatter of throb and snare that powers the disc through a reverberant maze. By crafting a mix where monads and motifs can linger, stretch, or cycle through multiple tracks, Villalobos allows himself to pile disparate contents into vertical montages of near-Orb density. Die Platten von Ricardo Villalobos reihen sich fast ausnahmslos in den Kanon des Minimaltechhouse-Genres ein. Auch dieser Mix. Gross, einfach gross!

Trackliste:

1. Ricardo Villalobos: Groove 1880 (1:30) 2. Ricardo Villalobos: Perc And Drums (3:22) 3. Ricardo Villalobos: Moongomery (6:07) 4. Ricardo Villalobos: Farenzer House (6:00) 5. Ricardo Villalobos & Patrick Ense: M.Bassy (2:26) 6. Ricardo Villalobos: Mecker (2:33) 7. Ricardo Villalobos & Jorge Gonzales: 4 Wheel Drive (5:30) 8. Ricardo Villalobos & Patrick Ense: Fizpatrick (6:30) 9. Ricardo Villalobos & Andrew Gillings: Andruic & Japan (12:30) 10. Ricardo Villalobos: Organic Tranceplant (1:00) 11. Ricardo Villalobos: Prevorent (2:00) 12. Ricardo Villalobos & Fumiya Tanaka: Fumiyandric 2 (2:30) 13. Ricardo Villalobos: Won't You Tell Me (6:15) 14. Ricardo Villalobos: Primer Encuentro Latino-Americano (9:45) 15. Ricardo Villalobos: Chropuspel Zündung (6:15)

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Swod [x>] [D]: Sekunden [F] [P]

CoverLabel: City Centre Offices TOWERBLOCK 041
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 09 07
Genre: Electronica - Postelectronica - Neo-Klassik, Electronica - Ambient

Eine Art Weihnachtsmusik im September. Leise Instrumentalklänge vermischt mit sanfter Elektronik. Sekunden ist Ambient-Kunstmusik, die perfekte Mischung aus To Rococo Rot (Abstraktion) und Wunder (grosse Gefühle).
Oliver Doerell macht grossartige CDs, hier mit Stephan Wöhrmann unter dem Namen Swod, dort mit Roger Döring als Dictaphone. Eine wunderbare Kunstwelt aus Klang eröffnet sich vor deinen Ohren. Die Instrumente spielen Tonfolgen, die nicht zur Melodie werden und nur Soundtapete sein wollen, wie der blaue Himmel auf dem Coverbild, von dem du nicht wei?t, ob er Decke ist oder Boden. Falls Boden würden die Hirsche auf der Decke gehen, was durchaus möglich ist, weil auch sie nur Form sind, nicht Körper, Ornament nicht Figur. Auf die selbe Weise wird mit Worten verfahren. Es gibt sie, aber sie wirken nicht wie Worte sonst wirken, indem sie dir Bedeutungen zuwerfen. Würdest du das? im Track Nummer zwei: Ja lässt deine Bedeutungsmaschine leer laufen. Die Sprache ist wie ein Geräusch, sie deutet etwas an, wo nichts ist. Alle instrumentalen, verbalen und klanglichen Elemente sind zu einer Ambientkomposition arrangiert, die dich täuscht. Du meinst Musik zu hören und in Wirklichkeit hörst du nur Klang. Und da Coverbilder gleich funktionieren wie die Musik, die sie verpacken, glaubst du zwei Hirsche zu sehen, die auf dem Boden gehen, doch auch sie sind nur Ornament und können so gesehen ebenso gut auf dem himmel als Decke gehen.

Trackliste:

1. Montauk - 4:41 2. Ja - 6:22 3. Deer - 3:46 4. Sekunden - 4:53 5. Exit - 4:00 6. Insects - 4:16 7. Belgien - 4:17 8. Frost - 3:17 9. Patinage - 5:35
Videos: Steffen Ramlow 1. Mamaev Kurgan - 4:20 2. Avtobus - 4:25
Alle Tracks: Oliver Doerell und Stephan Wöhrmann.

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Rezensionen August 2007

Tunng [x>] [D]: Good Arrows [F] [P]

CoverLabel: Full Time Hobby FTH 040
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 08 27
Genre: Electronica - Folktronica

Die Londoner Band Tunng besteht vor allem aus Songwriter Sam Genders und Elektroniktüftler Mike Lindsay, die vor etwa vier Jahren begannen, zusammen zu arbeiten. Mittlerweile ist aus Tunng eine sechsköpfige Band geworden, ein Folktronica-Act, den du dir merken solltest ?
Good Arrows ist das dritte Album von Tunng, das zweite in voller Bandbesetzung. Aber was heisst in ihrem Fall schon Band? Keiner der Musiker spielt genau ein ihm zugeordnetes Instrument, sondern man wechselt sich ab und man verwendet kein Schlagzeug, sondern erzeugt Rhythmen organisch, ähnlich wie eine Jugband, die mit Kartonkisten und Waschbrett arbeitet. Bei Tunng sind es Muscheln, Absätze auf Asphalt und andere geigente Klänge. Good Arrows enthält elf Folktronica-Songs mit Einworttiteln wie Bricks, Bullets, Soup, String oder Cans. Diese Musik hat nichts mit Lo-Fi-Folktronica wie The Books zu tun, schon eher erinnert sie an März, ist aber klanglich dichter und vielschichtiger. Tunng haben seit dem ersten Album einen hörbaren Freak- bzw. Psych-Folk-Einschlag. Dieses Album besticht durch die unglaublich guten Songs von Sam Genders und strotzt nur so vor musikalischen Ideen.

Trackliste:

1. Take (Sam Genders, Tunng) - 3:24 2. Bricks (Genders, Tunng) - 4:19 3. Hands (Genders, Tunng) - 3:40 4. Bullets (Genders, Tunng) - 5:58 5. Soup (Mike Lindsay, Tunng) - 3:32 6. Spoons (Lindsay, Tunng) - 1:58 7. King (Ben Bickerton, Tunng) - 3:06 8. Arms (Genders, Tunng) - 5:16 9. Secrets (Genders, Lindsay, Tunng) - 3:31 10. String (Genders, Becky Jacobs, Tunng) - 2:44 11. Cans (Genders, Phil Winter, Tunng) - 5:26

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Rezensionen Juli 2007

µ-Ziq [x>] [D]: Duntisbourne Abbots Soulmate Devastation Technique [F] [P]

CoverLabel: Planet Mu ZIQ 190
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 07 30
Genre: Electronica - IDM

Was soll man dazu sagen? Spitzen-IDM, aber um Jahre zu spät. Wer interessiert sich noch für diese Musik? Wer erwartet in diesem Genre noch etwas? Also ich nicht – mit diesem Album habe ich nicht mehr gerechnet. Doch jetzt wo es da ist höre ich genau so gebannt zu wie damals vor vierzehn Jahren bei Tango'n'Vectif. I did some retro-listening today.

Trackliste:

1. Prongh Seemness - 3:08 2. Duntisbourne Abbots - 2:01 3. Dexedrine Girl - 2:53 4. Woozy - 2:54 5. 2CV - 2:33 6. Eggshell - 3:03 7. Dirtylush Stinkwife - 3:37 8. Strawberry Fields Hotel - 3:58 9. Pons Pons - 4:45 10. Old & Tired - 2:57 11. Rise of the Salmon - 3:52 12. Something Else - 3:24 13. Insomnia - 3:01 14. Painshill Park - 2:18 15. Acid Steak Night (Floyd, Paradinas) - 5:54 16. Eggshell 2 - 4:03 17. Drum Light - 5:37
Alle Tracks: Mike Paradinas, ausser wo anders vermerkt.

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A Fine Frenzy [x>] [D]: One Cell In The Sea [F] [P]

CoverLabel: Virgin (US) 0946 3 73825 2 3
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 07 17
Genre: Newpop - Singer-Songwriter - Adult-Alternative

A Fine Frnezy ist Alison Sudol (und ihre Band), Jahrgang 1984, aus Los Angeles. Sie trägt ihre Songs am Klavier vor – Songs, die ein Wunder sind, wie die Natur, die sie in fast allen Zeilen (mit-)besingt. Und weil alles in der Natur flüchtig ist und nach der gegebenen Zeit wieder vergeht, ist allen Songs eine mächtige Prise Traurigkeit beigegeben.
One Cell In The Sea ist Musik für Freunde von Coldplay, Aimee Mann oder Elton John – also nichts revolutionär Neues. Aber ein Meisterwerk in mancherlei Hinsicht: tolles Songwriting, himmlische Melodien (nein, nie kitschig), produktionstechnisch wunderbar in Szene gesetzt. Ein erhebendes Album!

Trackliste:

1. Come On, Come Out (Alison Sudol, Hal Cragin, Lukas Burton) - 3:35 2. The Minnow & the Trout (Sudol) - 4:28 3. Whisper (Sudol, Cragin, Burton) - 4:56 4. You Picked Me (Sudol) - 4:23 5. Rangers (Sudol, Cragin, Burton) - 4:33 6. Almost Lover (Sudol) - 4:28 7. Think of You (Sudol) - 4:06 8. Ashes and Wine (Sudol, Cragin, Burton) - 4:20 9. Liar, Liar (Sudol) - 5:55 10. Last of Days (Sudol) - 4:12 11. Lifesize (Sudol, Cragin, Burton) - 3:44 12. Near to You (Niklas Sample, Sudol) - 4:35 13. Hope for the Hopeless (Sudol, Cragin, Burton) - 4:17 14. Borrowed Time (Sudol, Gus Black) - 4:13

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RF & Lili De La Mora [x>] [D]: Eleven Continents [F] [P]

CoverLabel: Rowing At Sea RAS 001
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 07 05
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk

Diese CD schafft eine ähnliche Stimmung wie die Releases von Piana. Das Cover verrät den japanischen Einschlag dieses exotisch anmutenden Freakfolks. Du glaubst gar nicht, dass Lili De La Mora Englisch singt. Ihre Worte sind so intoniert, als wären sie Japanisch. Eleven Continents macht den Katalog des zeitgenössischen Freakfolks um eine Nuance reicher, plätschert aber etwas zu selbstgenügsam ohne Höhepunkte dahin.

Trackliste:

1. Through the Trees - 3:53 2. Fences - 5:16 3. Miles and Miles - 3:45 4. Kings - 3:37 5. Hundreds of Threads - 4:45 6. Cherry Park - 3:35 7. Fascinated - 3:20 8. Newt Crossing - 4:05 9. 11:11 - 2:07 10. Steep Ravine - 3:47 11. Eleven Continents - 3:41 12. Lifetime - 2:26

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Rezensionen Juni 2007

Dead C [x>] [D]: Future Artists [F] [P]

CoverLabel: Ba Da Bing! BING 053
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 06 19
Genre: Alternativerock - Noiserock

Dead C kommen aus New Zealand, machen Musik seit den 80ern und legen nach etwa vier Jahren nun wieder ein Noiserock-Album nach, das einen ersten Track programmatisch The AMM of Punk Rock nennt. Dead C als die Gruppe also, die alle Struktur von Punkrock abträgt und auflöst, um reine Oberfläche zu bieten (siehe das Tapetencover dieser CD). Durchaus farbig.
Nun, ganz so laminar wie AMM klingen Dead C nicht – nicht einmal im besagten programmatischen Track. Es gibt einen Takt, es gibt Loops, es gibt erkennbare Parameter des Lärms, die verändert werden. Die Musik auf dieser CD ist stets interessant genug, um mit neueren Acts des Genres (Wolf Eyes oder Black Dice beispielsweise) mithalten zu können. Kein Wunder: Dead C wissen, was sie tun, denn sie haben das Genre damals in den 80er-Jahren miterfunden.

Trackliste:

1. The AMM of Punk Rock - 13:21 2. The Magicians - 3:45 3. Macoute - 8:35 4. Eternity - 16:58 5. Garage - 20:15

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Elegi [x>] [D]: Sistereis [F] [P]

CoverLabel: Miasmah MiaCD 005
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 06 11
Genre: Electronica - Postelectronica - Neo-Klassik, Electronica - Postelectronica - Darkambient

Elegisch, schwer und traurig kommt diese Musik daher. Du kannst sie nicht ständig hören, aber jedesmal, wenn du diese CD reinlegst, bist du von Neuem überrascht, wie gut das gemacht ist. Doomambient ist eine treffende Stilbezeichnung für Sistereis.
Es ist eine neue Musik, ein neuer Stil, der in den letzten Jahren in England und Schweden entstanden ist: Eine elektronisch produzierte Ambientmusik, die Klämge aus der klassischen Konzert- und Kammermusik verwendet. Klavier, Streicher, Orgeln und diese Sachen, zudem kommen Feldaufnahmen oder Glitches mit in den Mix rein, so dass sich das Resultat durchaus zeitgemmäss und in unserem Sinn modern anhört. Andere Acts, die diese Ästhetik teilen sind Svarte Greiner, Ryan Teague oder Rafael Anton Irisarri. Das Miasmah- und das Type-Label sind auf diese Doomambientmusik spezialisiert.
Elegi ist Tommy Jansen, ein klassisch ausgebildeter Musiker und Produzent, der in seiner Freizeit nach Schiffswracks taucht. Und nach dunkeln aber interessanten Untwerwasserwelten klingen die zehn Tracks auf Sistereis.Komm, steig mit Tommy Jansen ins Wasser und lausche den &Klängen längst versunkener Frachter, die in den dunkeln Gewässern geisterhaft nachhallen: das Nebelhorn (Titeltrack Sistereis oder Fyrt?rnet Part 3), das Knarren der Fracht beim Wellengang und sogar die Möven, als w6auml;ren sie mituntergegangen.

Trackliste:

1. Despotiets Vesen (3:16) 2. Fyrtårnet Part 1 (6:21) 3. Dauingene (6:29) 4. Skumring (3:16) 5. Time Lapse (8:05) 6. Interbellum (5:13) 7. Fyrtårnet Part 2 (5:13) 8. Sistereis (5:48) 9. Fyrtårnet Part 3 (4:17) 10. Spill For Galleriet (6:17)

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Paul McCartney [x>] [D]: Memory Almost Full [F] [P]

CoverLabel: MPL Communications 30348
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 06 04
Genre: Newpop - Singer-Songwriter - Adult-Alternative

Mit Memory Almost Full gelingt Paul McCartney nach Chaos And Creation In The Backjard von 2005 schon wieder ein Album voller grosser Melodien, an das man sich gern erinnern wird.
Ein Thema dieser CD ist das älter werden. Paul McCartney gibt sich in vielen seiner neuen Songs der nostalgischen Rückschau hin (That Was Me, Ever Present Past oder You Tell Me), dann aber singt er mit ungebrochener oder gar altersloser Frische und ladet dich zu einem Fest zu sich nach Hause ein (Dance Tonight) – im Video aber siehst du, dass nur noch Naturgeister und der Postmann die Einsamkeit des alten Mannes aufsuchen. Stellenweise rockt dieses Album in für Paul McCartney untypische Weise ab: dicht in der Manier von Kunstrock (Only Mama Knows). Dieser Titel könnte von den späten Move stammen. In The End Of The End gibt Paul uns seine Anweisungen für seinen Todestag: Wir sollen Witze erzählen und seine Lieder pfeifen, summen und singen. Da wähnt sich einer bereits mit einem Fuss im Grab. Ich hoffe, dass dies ein Konzept für dieses Album ist und nicht aus dem Leben gegriffen. In meinem Speicher ist für so gelungene McCartney-Songs noch mehr als genug Platz.

Trackliste:

1. Dance Tonight - 2:54 2. Ever Present Past - 2:57 3. See Your Sunshine - 3:20 4. Only Mama Knows - 4:17 5. You Tell Me - 3:15 6. Mr. Bellamy - 3:39 7. Gratitude - 3:19 8. Vintage Clothes - 2:22 9. That Was Me - 2:38 10. Feet in the Clouds - 3:24 11. House of Wax - 4:59 12. End of the End - 2:57 13. Nod Your Head - 1:58
Bonustracks 1. In Private - 2:08 2. Why So Blue - 3:11 3. 222 - 3:38 4. Audio commentary: Paul talks about the music of Memory Almost Full - 26:04
Alle Tracks: Paul McCartney.

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Rezensionen Mai 2007

Fennesz & Ryuichi Sakamoto [x>] [D]: Cendre [F] [P]

CoverLabel: Touch Tone 32
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 05 28
Genre: Electronica - DSP, Electronica - Elektroakustische-Musik - Elektroakustische-Improvisation

Auf diese CD war ich gespannt. Eine Zusammenarbeit zwischen Fennesz und Ryuichi Sakamoto (Gründungsmitglied des Yellow Magic Orchestras). Schätze ich doch die CDs, die Sakamoto mit Alva Noto zusammen veröffentlicht hat, vor allem Vrioon und Insen. In dieser Liga, habe ich vermutet, müsste Cendre spielen – Cendre französisch für Asche. Ich war zunächst etwas enttäuscht:
Sakamotos Piano steht auf dieser CD sehr im Vordergrund, Christian Fennesz kommt selten gegen ihn auf. Zum ersten Mal kommt er vielleicht in Track 5, Kuni, ins Spiel, dann aber ab Track 7, Kokoro, ist das Verhältnis zwischen den beiden Musikern ausgegelichener.
Anfangs bilden Fennesz' Soundscapes meist eine graue Tapete, vor die Sakamoto seine schillernden Möbel stellt. Es ist leider keine besondere Chemie zwischen den beiden Musikern hörbar. Das ändert sich, wie gesagt, in der zweiten Hälfte der CD, wo Fennesz das Tempo angibt. Und dieses Tempo ist natürlich stellenweise eine Art Stillstand (Track 10: Glow). Das Album gewinnt in dieser zweiten Hälfte sehr und macht aus Cendre in mancher Hinsicht ein atemberaubendes Album. Auf der CD finden Freunde leiser moderner Töne über 50 Minuten wunderbar Musik. Wer Eric Satie mag und nichts gegen elektronsiche Soundscapes im Hintergrund hat, der oder die wird dieses Album lieben! Deine Aufmerksamkeit verdient natürlich wieder einmal das Cover von Jon Wozencroft: Es ist mit seiner rotbraunen Abendstimmung ein typisches Fennesz-Cover. Diese Cover haben eines gemeinsam: Auf ihnen geht etwas zu Ende: auf Endless Summer der Sommer, auf Venice das Leben und hier auf Cendre ein Tag. Was von diesem sterbenden Tag bleibt, ist auf diese Touch-CD gebannt. Lehne zurück und bejahe dieses Ende.

Trackliste:

1. Oto (3:49) 2. Aware (4:46) 3. Haru (4:39) 4. Trace (5:46) 5. Kuni (2:24) 6. Mono (4:13) 7. Kokoro (4:16) 8. Cendre (3:09) 9. Amorph (5:58) 10. Glow (7:12) 11. Abyss (5:38)

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Marsen Jules [x>] [D]: Golden [F] [P]

CoverLabel: Genesungswerk 024
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 05 26
Genre: Electronica - IDM

Herbstliche Töne noch vor dem Sommer. Music out of season präsentiert von Marsen Jules.
Da ist viel heller Raum, in dem sich die Instrumentalklänge einrichten können: Gitarre und Piano vor allem, hinten in der Ecke auch noch ein Cello. Der helle Raum ist die Elektronik, die kaum wahrnehmbar, die Szene durchherrscht, den Klängen ihre Brillianz verleiht und den Instrumenten ihren Ort zuweist. Im Tempo geht es gemächlich durch diese eher langen (vier drei Viertel bis acht Minuten dauernden) Tracks hindurch. Das ist die Musik, die ich von Marsen Jules erwarte, nichts Überraschendes, aber solide Postelectronica-Sounds, von Boomkat treffend als neo-klassizistisch beschrieben, an denen nichts falsch ist.

Trackliste:

1. Birkengeflüster (6:25) 2. Während (7:08) 3. Golden (5:07) 4. In Einem Raum Mit Dir (4:43) 5. An Einem Wintermorgen (6:53) 6. Von Hier Nach Dort (5:44) 7. Contenance (8:08)

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Death Ambient [x>] [D]: Drunken Forest [F] [P]

CoverLabel: Tzadik TZ 7264
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 05 22
Genre: Jazz - Fusion - New-York-Downtown

Vor Jahren waren Death Ambient mehr Death (Metal) als Ambient, heute ist das umgekehrt. Mit Drunken Forest gibt das Improvisations-Quartett, das aus Fred Frith, Ikue Mori, Jim Pugliese und Kato Hideki besteht, eine spannungsgeladene CD heraus, auf der die Sounds wuchern und wo es furchtbar viel zu entdecken gibt.
Drunken Forest ist wie ein Gang durch einen tropischen Regenwald, nicht leicht, aber für abenteuerlustige Soundliebhaber/innen jeden tropfen Schweiss wert, weil dieser Wald ein Wesen ist, in dem alles berauscht lebt: Bäume, Sträucher, Äste, Blätter, Blumen, der Boden und natürlich die Tiere, die überall lauern. Sogar Dampfschwaden oder Nebel schleichen umher. Der Wald ist unheimlich, wie sich das für einen rechten Wald gehört. Ihr verirrt euch darin, Hänsel und Gretel. Vergesst nicht die Repeat-Funktion an eurem CD-Spieler auszumachen, sonst gibt es keinen Weg mehr, der euch hinaus führt.

Trackliste:

1. Lake Chad (4:45) 2. Greenhouse (6:01) 3. Belarus (4:11) 4. A Cocktail Of Chemicals (3:38) 5. Thermohaline (4:11) 6. Dead Zone (4:25) 7. Qianwei Sky (4:59) 8. Yellow Rain (5:11) 9. River Tigris (3:59) 10. Drunken Forest (6:02) 11. Coral Necropolis (6:46)

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Strategy [x>] [D]: Future Rock [F] [P]

CoverLabel: Kranky KRANK 108
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 05 21
Genre: Electronica - Dubtronica

Elektronische Designermusik, die Dub-Techniken verwendet, klingt aus Amerika anders, bodenständiger und um Welten weniger abstrakt als wenn sie aus Berlin käme. Future Rock klingt rockiger, funkiger, schwärzer als ein Release von Basic Channel, Fenin. Deswegen fehlt es dieser Musik aber nicht an Coolness. Perfekt für einen warmen Sommerabend am Strand.

Trackliste:

1. Can't Roll Back - 6:20 2. Future Rock - 9:07 3. Running On Empty - 8:59 4. Windswept (Interlude) - 2:15 5. Stops Spinning - 5:34 6. Phantom Powered - 6:43 7. Sunfall (Interlude) - 2:59 8. Red Screen - 8:24 9. I Have To Do This Thing (Planete Sauvage Mix) - 7:02
Alle Tracks: Paul Dickow.

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Von Südenfed [x>] [D]: Tromatic Reflexxions [F] [P]

CoverLabel: Domino WIGCD 190
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 05 21
Genre: Postrock - Indietronica

Musikzimmer hat die nächste CD des Jahres entdeckt. Sie heisst Tromatic Reflexxions von Von Südenfed. Die Gruppe mit dem verqueren Namen, hinter dem sich Mark E. Smith von The Fall und die beiden Mitglieder von Mouse On Mars, Andy Toma und Jan St. Werner, verstecken, ist Europas schnoddrige Antwort auf LCD Soundsystem.
Diese Platte ist die Sonne des Musiksommers 2007!
Von Südenfed ist nicht einfach eine Kollaboration, wie es viele gibt, sondern das Resultat einer gegenseitigen Annäherung. Das Interesse und die Freude an einander ist in jedem Stück hörbar. The Fall haben sich immer für deutschen Roch interessiert, der im angelsächsischen Sprachraum liebenswert oder auch nicht Krautrock genannt wird. The Fall hört man an, dass sie Can mit der Muttermilch getrunken haben. Von dieser ästhetischen Herkunft betrachtet scheint diese Zusammenarbeit mit Mouse On Mars mehr als verständlich. Zum ersten Mal sang Smith für deren Maxisingle von 2004: Wipe That Sound. Auf dieses Ereignis spielt der Song That Sound Wiped, Track 10, an. Worin besteht die Annäherung aber genau? Mouse On Mars haben noch nie ein Album gemacht, das sich so nahe an Rocksongs bewegt. Mark E. Smith hat noch nie mit einer Band gearbeitet, die dermassen an Musik als Prozess interessiert ist. Bei MOM fliesst eben nicht nur der Rhythmus (wie im Krautrock), sondern es sind alle Elemente einer kontinuierlichen Veränderung unterworfen. Tromatic Reflexxions klingt, wie eine Album, dessen Musiker sich irgendwo in der Mitte getroffen haben und aus der neuen Position etwas machen, das sie stimuliert. Dabei geben sie sich selbst nicht auf. Marc E. Smith ist und bleibt mit einem Kopierschutz ausgestattet. Ihn kann man nicht kopieren. Er ist einzigartig, ein Original. Er prägt mit seiner Stimme viel, verleiht einigen Tracks seine persönliche Signatur. Höre Track 1, Fledermaus Can't Get It! Dies ist dieser schnodrig-funkige Titel, der es mühelos mit Loosing My Edge von LCD Soundsystem aufnehmen kann. Du musst dir das Video anschauen: Die Transvestiten, die darin die Sängerrolle spielen, sind der Gipfel an postmodernem Glamour, ausschweifend, dekadent, perfekt! Höre Track 3, Flooded! In diesem Track mietet der Erzähler der Geschichte, wenn ich es recht verstehe, einen Club (!), um DJ zu sein, muss sich mit dem Haus-DJ, der Sven Väth heisst, auseinandersetzen und flutet den Club. Lustig. Die Bässe pumpen laut, dreckig, ja gemein mehr und mehr Wasser auf den Dancefloor während Marc's Vocals in diesem Wasser unterzugehen drohen. Tromatic Reflexxions ist ein deutsch-nordenglisches Album (Düsseldorf und Manchester). Die Verbindung zwischen den beiden Parteien ist auf den zweiten Blick mehr als eigentümlich: Marc E. Smith wahr schon immer mehr Kraut als seine beiden Deutschen Projektpartner. Und MOM scheinen hier raviger, britischer als je. Ich schätze, im angelsächsischen Raum wird diese CD ihre liebe Mühe haben, Zeit brauchen, sich durchzusetzen. The Wire widmete dem Projekt zwar einen grossen Artikel und die Titelseite der Mai-Ausgabe. Von daher wird diese CD keine graue Fledermaus bleiben. Auch wenn Von Südenfed jetzt dann auf Tour geht, wird die Band und ihr hervorragendes Produkt eine Anhängerschaft gewinnen. Mark Richardson von Pitchfork beschriebt die CD ganz gut (ratet aber nur mit 7 von 10 Punkten): Its grooves are harsh and noisy, often stuttering about in strange ways, and they strike a strong contrast to the accessible pop tendencies of Mouse on Mars' clubbier recent material. Meanwhile, Smith's voice is slathered in reverb, EQ'd to give it midrange-only bite, and occasionally chopped into bits and inserted where its abrasion can be best felt – the sonic equivalent of a pebble in a shoe. Ich hingegen kann diesen Stein im Schuh nirgens spüren. Diese Musik funktioniert perfekt, auf dem Dancefloor und Zuhause. Genau so muss eine gute Electronica Platte heute sein.

Trackliste:

1. Fledermaus Can't Get It - 3:56 2. The Rhinohead - 4:16 3. Flooded - 4:46 4. Family Feud - 4:28 5. Serious Brainskin - 3:51 6. Speech Contamination / German Fear Of Österreich - 3:59 7. The Young The Faceless And The Codes - 4:32 8. Duckrog - 2:47 9. Chicken Yiamas - 2:36 10. That Sound Wiped - 6:05 11. Jbak Lois Lane - 2:56 12. Dearest Friends - 4:44
Alle Tracks: Mark E. Smith, Andi Toma und Jan St. Werner.

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Colleen [x>] [D]: Les Ondes Silencieuses [F] [P]

CoverLabel: Leaf BAY 057
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 05 21
Genre: Electronica - Postelectronica, Electronica - Folktronica

Die neue Colleen-CD ist kein elektronisches Album mehr, sondern wurde mit klassischen Instrumenten ohne elektronisches Processing eingespielt: Spinnet, Cello, Viola da Gamba, Gitarre, Klarinette – alles komponiert und gespielt von Cécile Schott.
Es ist entspannend und schön, Les Ondes Silencieuses zu hören, aber ich bin unentschieden, ob dieses Going-Acoustic von Colleen ein Schritt nach vorn oder einer nach hinten ist. Positiv ferstzuhalten ist auf jeden Fall dass Colleen weder in die Kammermusik-Falle tritt (zu sehr kommen die an nichts Romantisches erinnernden Klänge der Instrumente zur Geltung), noch einfach den Klang eines ECM-Releases kopiert (bei einem ECM-Release geht es zu sehr um die Klangfarbe der Eicher-Produktion, die eine Art Corporate-Sounddesign des Labels bildet). Mögliche Vorbilder dieser Musik sind Impressionismus und Rennaissancemusik. Und natürlich passt das alles ausgezeichnet zu den geliebten Miasmah-Releases.

Trackliste:

1. This Place In Time (2:33) 2. Le Labyrinthe (5:15) 3. Sun Against My Eyes (4:22) 4. Les Ondes Silencieuses (6:09) 5. Blue Sands (5:16) 6. Echoes And Coral (3:09) 7. Sea Of Tranquillity (5:46) 8. Past The Long Black Land (3:41) 9. Le Bateau (7:09)
Alle Tracks: Cécile Schott.

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Wilco [x>] [D]: Sky Blue Sky [F] [P]

CoverLabel: Nonesuch STCD 400009
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 05 14 (EU), 2007 05 15 (US)
Genre: Alternativerock - Alternativecountry

Wilcos neues Album Sky Blue Sky wird in anderen Rezensionen als klassisch, down to earth und basic beschrieben. Es enttäuscht diejenigen von euch, die neue Experimente erwarten, beglückt aber dich, der du dich über einen gelungen Song freuen kannst.
Wer von Wilco grosse Experimente wie zu Zeiten mit Jim O'Rourke als ihrem Produzenten erwartet, wird enttäuscht sein (es ist die Rede von den beiden Alben: Yankee Hotel Foxtrot und A Ghost Is Born). Auf Sky Blue Sky findest du 12 neue grossartige Songs von Jeff Tweedy, die von der Band auf solidem spielerischen Boden eingespielt sind. Da sind keine Soundexperimente zu finden, keine Dronen, keine motorischen Krautrock-Beats, nur Sound, die in der Tradition von pure americana stehen. Die Stimmung ist die von Westcoast Sound. Die Sonne scheint, der Himmel hat sich aufgeklärt. Dylan, Lennon und die Eagles kannst du da und dort raushören, wenn du nach Bezügen suchst. Sky Blue Sky ist eine sehr schöne CD, Sie mag etwas Zeit brauchen, bis sie die Herzen erreicht ?

Trackliste:

1. Either Way - 3:05 2. You Are My Face (Tweedy/Cline) - 4:38 3. Impossible Germany (Tweedy/Wilco) - 5:57 4. Sky Blue Sky - 3:23 5. Side with the Seeds (Tweedy/Jorgensen) - 4:15 6. Shake It Off - 5:40 7. Please Be Patient with Me - 3:17 8. Hate It Here (Tweedy/Wilco) - 4:31 9. Leave Me (Like You Found Me) - 4:09 10. Walken (Tweedy/Wilco) - 4:26 11. What Light - 3:35 12. On and On and On (Tweedy/Wilco) - 4:00
Alle Tracks: Jeff Tweedy, ausser wo anders vermerkt.

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Pan Sonic [x>] [D]: Katodivaihe [F] [P]

CoverLabel: Blast First Petite PTYT 007
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 05 14
Genre: Electronica - Soundart - Conceptual-Glitch

Pan Sonic sind die absoluten Meister des Glitch-Electronica Genres. Ihr neues Album Katodivaihe / Cathodephase führt dies erneut vor Augen. In dieser Zeit, in der die besten Releases nicht mehr aus der Electronica-Sparte kommen, hat die Qualität dieses Albums um so mehr Gewicht.
Ist die grosse Zeit von Pan Sonic vorbei? Hatte die Band ihren Höhepunkt am Anfang ihrer Karriere? War Vakio das höchste (oder zumindest radikalste) der Gefühle in Sachen Glitch-Electronica? Ich möchte diese Fragen mit Nein beantworten, indem ich das neue Pan Sonic Album Katodivaihe hier in den höchsten Tönen lobe und feiere. Es ist das sechste Album der beiden Finnen Mika Vainio und Ilpo Väisänen. Wenn man die Kollaborationen mit anderen Künstlern wie Alan Vega oder John Duncan mitzählt, kommen sie auf weit mehr Veröffentlichungen. Es ist in unserer schnelllebigen Musikwelt selten, dass ein Act nach zwölf Jahren seines Bestehens noch nicht altbekannt und damit etwas verstaubt wirkt. Aber für Katodivaihe gilt diese Faustregel nicht. Während den 68 Minuten Laufzeit entsteht in keinem Moment der Eindruck, Ilpo und Mika seien nicht 100% bei ihrer Sache. Dabei lassen sie sich von den neusten Sounds inspirieren, wie der Rezensent von Boomkat feststellt, sogar bei Dubstep: this is Pan Sonic taking on the same murky world that gave us dubstep and coming out with a track that transcends the genre like nothing else: the bass is thicker, the beats are heavier and the mood is darker … and then before you even realise it the track has morphed into a half-tempo crunk monster. Die Rede ist vom vierten Track Hyonteisistä. Absolut hörenswert sind auch die drei im Charakter sehr unterschiedlichen Tracks, die zusammen mit der Cellistin Hildur Gudnadottir entstanden sind. In Virta 1 kontrastiert ein warmer Strich Cello die kalten elektronischen Pulse. In Suhteelinen prozessieren Pan Sonic das improvisierende Cello digital und entlocken dem Instrument einen Charakter, den du von ihm nicht gewohnt bist: Da bleibt nichts mehr von der erwarteten warmen Klangfarbe des Instruments übrig. Virta 2 beschliesst das atemberaubende Album. Das Cello geht nun ganz in das lärmig dichte elektronische Klanggemisch ein. Zuletzt fällt mein Augenmerk noch kurz auf das Cover der CD: Es bildet in den schönsten Farbtönen alte Analogtechnik ab. Ob diese radikal moderne Musik überhaupt durch Röhren hindurch geht? Man möchte fast daran zweifeln.

Trackliste:

1. Virta 1. / Current 1. (5:40) 2. Lähetys / Transmission (4:53) 3. Koneistaja / Machinist (2:48) 4. Hyönteisistä / About Insects (2:51) 5. Laptevinmeri / Laptev Sea (4:59) 6. Kuumuudessa Muodostuva / Forming In Heat (2:16) 7. Hertsilogia / Herzlogy (4:54) 8. Suhteellinen / Comparative (9:01) 9. Kytkennät / Connections (6:54) 10. Haiti (6:31) 11. Hinaaja / Tugboat (5:06) 12. Tykitys / Cannoning (3:18) 13. Leikkuri / Cutter (2:26) 14. Virta 2. / Current 2. (5:51)

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Björk [x>] [D]: Volta [F] [P]

CoverLabel: One Little Indian TPLP 460
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 05 08
Genre: Newpop - Singer-Songwriter, Newpop - Dancepop, Electronica - Singer-Songwriter

Diese neue – ich nehme es vorweg – ausgezeichnete CD von Björk erinnert am ehesten an Homogenic aus dem Jahr 1997. Volta ist das, was Björk bekanntlich liefern will, ein grosses Popalbum, das Electronica mit charakteristischem und erinnernswertem Songmaterial verbindet. Wie immer haben diese Songs einen Hang zum Grotesken, schau dir nur die Bilder im Booklet an, die Björk als Pixie, als entgrenztes Naturwesen in Szene setzen oder das Titelbild, das die Künstlerin in einer schier unglaublichen – ja was? – Konstruktion von Bekleidung darstellt (ich wage das gar nicht erst zu beschreiben!).
In technischer Hinsicht versteht Björk es ausgezeichnet, mit den heutigen Produktionsbedingungen umzugehen und aus den vielen zur Verfügung stehenden Layern in den Soundeditoren, in denen Musik produziert und arrangiert wird, kubistisch und radikal modern anmutende Kunstwerke zu schaffen. Sie fungiert dabei bekanntlich als so etwas wie eine Projektmanagerin ihrer Alben. Sie wählt (wie etwa Madonna) zu jedem einzelnen ihrer Songs ästhetische Konzepte, Produzenten und Musiker bedachtsam aus. Das ist weit mehr als was der klassische Produzent eines Albums tat. Diese Art Projektmanagement steht über dem Produzenten, weil es die Produktion mit einbezieht und über sie entscheidet. Björk arbeitet auf Volta mit den Produzenten Timbaland, Danja, Damian Taylor und wie stets mit Mark Bell von LFO zusammen. Zwei Songs singt sie im Duett mit Antony Hegarty von Antony And The Johnsons: The Dull Flame Of Desire und My Juvenile. Herausstechend sind fast alle Songs, es fällt schwer, einen Anspieltipp anzugeben und so Schwerpunkte und Präferenzen zu inaugurieren. Volta ist durchgängig zu gut hierfür, denn es besteht nur aus Rosinen!

Trackliste:

1. Earth Intruders 6:13 2. Wanderlust 5:51 3. Dull Flame of Desire (ft. Antony Hegarty) 7:30 4. Innocence 4:27 5. I See Who You Are 4:22 6. Vertebrae by Vertebrae 5:08 7. Pneumonia 5:14 8. Hope 4:02 9. Declare Independence 4:13 10. My Juvenile (ft. Antony Hegarty) 4:13
Bonustracks (iTunes) 1. I See Who You Are [Mark Bell Mix] - 4:06 2. Earth Intruders [Mark Stent Extended Edit] - 4:26 3. Innocence [Mark Stent Mix] - 4:21

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Taxi Taxi! [x>] [D]: Taxi Taxi! [F] [P]

CoverLabel: Rumraket rum 009
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 05 07
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk

Taxi Taxi! sind zwei erst 17 Jahre alte Zwillingsschwestern, aus Stockholm: Miriam and Johanna Berhan. Das dänische Label Rumraket bringt ihre Debut-EP heraus. Dieser Folk-Act ist etwas für Fans von CocoRosie. Ein Geheimtipp aus dem Norden.
Die sechs Songs der EP werden auf den Punkt gebracht: Sie sind sparsam instrumentiert, zweistimmig vorgetragen, schweben zwischen Innigkeit und Trübsinnigkeit. Allerdings fehlt ihnen verglichen mit CocoRosie jede Exaltiertheit, was sie introvertierter als jene erscheinen lässt.

Trackliste:

1. All I Think Of (2:16) 2. Belle (3:36) 3. To Hide This Way (2:53) 4. Water (3:20) 5. Heart (4:09) 6. Mary (2:42)
Alle Tracks: Johanna Eriksson Berhan und Miriam Eriksson Berhan.

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Kemialliset Ystävät [x>] [D]: Kemialliset Ystävät [F] [P]

CoverLabel: Fonal FR 50
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 05 07
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Psychfolk, Post-Millennial-Music - Freakfolk - New-Weird-Finnland

Kemialliset Ystävät machen Musik aus einer anderen Welt. Das müssen all die gehört haben, die herum erzählen, dass es seit den 80er Jahren keine neue Musik mehr gibt.
Kemialliset Ystävät (zu deutsch etwa Chemische Freunde) sind drei Finnen aus Tampere: Jan Anderzen, Merja Kokkonen, Sami Sänpäkkilä, die in der Regel mit vielen Gastmusikern im Kollektiv musizieren. Es gibt diese Formation beinahe seit zehn Jahren. In ihrer neopsychedelischen Instrumentalmusik scheinen zuweilen mittelalterlich anmutende Melodien hindurch. Diese Musik geht als Riitual Ambient durch, hat aber nicht den toten Enst anderer Veröffentlichungen dieses Genres. Bei fast jedem Stück scheint es als würde eine grössere Zahl von Musikern, manchmal Tieren (Enten kann ich mir vorstellen) singen. Man versteht aber nichts, weil der Gesang mehr ein tranceartiges Mitsummen ist. Vielleicht kommt der Eindruck, dass diese zwölf Tracks Lieder sind, aber auch von den verwendeten Instrumenten, die auffällig lebendig – animiert – sind. Eben als würde der ganze belebte Kosmos mitsingen: der Wind, die Tiere, die Pflanzen gar.

Trackliste:

1. He Tulivat Trivaan Ã?äristä (3:37) 2. Lentävät Sudet (4:19) 3. Tulinen Kiihdytys (4:03) 4. Näkymättömän Hipaisuja (3:06) 5. Solusyke (1:51) 6. Superhimmeli (4:10) 7. Merkkejä Iholla (2:53) 8. Himmelimenetelmä (3:03) 9. Valojuopot (3:53) 10. Kokki, Leipuri, Kylvettäja Ja Taikuri (Enna 132 Eaa.) (4:28) 11. Ã?lyvaahtoa (2:48) 12. Himmeli Kutsuu Minua (3:58)

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Rezensionen April 2007

Shackleton & Appleton [x>] [D]: Soundboy Punishments [2-CD, Label-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Skull Disco Skull 1
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 04 30
Genre: Post-Millennial-Music - Trap - Dubstep

Dies ist die erste Label-Compilation des Süd-Londoner Skull Disco Labels. Wieder eine Dubstep-CD, die dir das Hirn aus dem Schädel zu pusten vermag. Musik, wie sie nur von Engländern gemacht werden kann, auf dem wahrscheinlich innovativsten Boden Europas. Hier werden Soundsignaturen von Dubstep mit arabischen Rhytmuspatterns versetzt und es entsteht ein neuer Dialekt von Dubstep, etwas, was du noch nie gehört hast. Weltmusik im besten Sinn.
Stichwort: Weltmusik. Fertiger Kitsch in meinen Ohren. Alarmstufe Rot, wenn jemand solches Zeug zu Hause stehen hat. Musikethnologische Aufnahmen mögen für Akademiker interessant sein, aber musikalisch spricht es erst zu mir, wenn das ethnologische Material raffiniert wird, wenn ihm die ethnozentrische und die traditionalistische Seele entzogen wird und das zurückgebliebene Material mit fremdem Material vermengt wird. Interessante Weltmusik entsteht in der Diaspora, im Clash verschiedener Kulturen. Sie siedelt sich in der Peripherie von Grossstädten an, weit ab von Ethno-Zentrum ihrer Entstehung, sie kommt zum wahren Leben im fremden Raum. Sie explodiert in der Fremde als neue Musik. Als eine solche neue Musik ist Dubstep entstanden: eine Mischung von westindischer Musik und englischen Breakbeats. Und wenn jetzt junge Produzenten wie Shackelton und Appleblim dieser Stilhybride ein weiteres Element zugeben, nämlich arabische Musik, entsteht ein geiles Hurengebräu, ein Stilbastard, der die geronnenen musikalischen Formen in die Luft zu sprengen vermag und alles neu durchmischt.
Der Killertrack ist Blood On My Hands, der von Ricardo Villalobos geremixt worden ist. Der postapokalyptische Kommentar von 9/11 lautet: When I see the towers fall, it cannot be denied, that as a spectacle it is a realization of the mind. Geronnene Formen fliegen in die Luft, stürzen zusammen, die Macht oder deren Symbol fällt zu Boden. Schrecken und Spektakel zugleich. Vielleicht daher der Name des Tracks: Blood On My Hands.

Trackliste:

CD 1 1. Shackleton: Hamas Rule (7:22) 2. Appleblim: Girder (4:20) 3. Shackleton: Tin Foil Sky (7:07) 4. Appleblim: Mystical Warrior (4:56) 5. Shackleton: I Am Animal (6:57) 6. Appleblim: Fear (5:43) 7. Shackleton: Majestic Visions (6:19) 8. Shackleton: Naked (5:39) 9. Gatekeeper: Tomb (5:42) 10. Shackleton: Hypno Angel (5:31) 11. Appleblim: Cheat I (5:14) 12. Shackleton: Blood On My Hands (7:30)
CD 2 1. Shackleton: Blood On My Hands (Ricardo Villalobos' Apocalypso Now Mix) (18:34) 2. Shackleton: Stalker (5:51) 3. Appleblim: Gold And Silver (5:25) 4. Shackleton: I Want To Eat You (6:06) 5. Shackleton: New Dawn (5:36) 6. Shackleton: Massacre (6:50) 7. Shackleton: You Make Me Cry (6:38)
Alle Tracks: Sam Shackleton.

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Taylor Deupree [x>] [D]: Landing [EP] [F] [P]

CoverLabel: Room40 EDRM 411
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 04 30
Genre: Electronica - DSP - Digitalminimalism

Eine neue EP von Taylor Deupree mit knapp zwanzig Minuten (sehr entspannter) elektronischer Ambient-Musik, die sehr nach Brian Eno klingt. Besonders Neroli steigt beim Anhören in der Erinnerung hoch. Allerdings klingt Landing wärmer und organischer als Neroli.

Trackliste:

1. Landing - 8:47 2. Seep - 6:16 3. Field - 3:56
Alle Tracks: Taylor Deupree.

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Patti Smith [x>] [D]: Twelve [F] [P]

CoverLabel: Columbia 82876 87251
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 04 24
Genre: Alternativerock - Powerpop

Es gab einige bemerkenswerte Alben, die aus lauter Coverversionen bestanden, aber noch nie hat jemand sich an zwölf so klassische und kanonisierte Songs herangewagt und sie allesamt dermassen eigenständig interpretiert. Twelve hört sich an wie die vorderen Plätze einer Ewigbestenliste aus Rock- und Popsongs.
Ich erinnere mich gerne an Pin Ups von David Bowie, Through The Looking Glass von Siouxsie And The Banshees, Good As I Been To You von Bob Dylan, Kicking Against The Pricks von Nick Cave And The Bad Seeds, Counterfeit [EP] und Counterfeit2 von Martin L. Gore, Almost Blue von Elvis Costello, The Brave And The Bold von Tortoise & Bonnie 'Prince' Billy. Alle diese Alben enthalten persönliche Favoriten der jeweiligen Interpreten. Mit einem solchen Coveralbum legt ein Interpret seine Einflüsse offen – und das ist es doch, was solche Alben ausmacht. Besonders interessant sind dann jeweils die Entdeckungen, die man machen kann. Man erfährt, dass da vor x Jahren einer ein Song geschrieben (und interpretiert) hat, den man auch mag, weil der, den man mag, diesen Song mag. Bei Patti Smith allerdings ist keine solche Entdeckung drin, zu bekannt sind diese zwölf Songs. Einzig staunen kann man da und dort, weil Frau Smith Songs ausgewählt hat, die wenig mit der Rocktradition zu tun haben, in der sie steht: Beispielsweise erstaunt mich Everybody Wants To Rule The World von Tears For Fears oder Pastime Paradise von Stevie Wonder. Hochkarätiges Zeug, was da vorgespielt wird! Da sind Songs wie Gimmie Shelter und Smells Like Teen Spirit oder Changing Of The Guards mit drauf. Ich glaub es fast nicht! Damit kann man sich sowas von die Finger verbrennen. Doch es gelingt Patti Smith wahrlich, sich diese Songs anzueignen. Na ja, wahrscheinlich sind in jeder grossen Songwriterin, was Patti zweifellos ist, alle grossartigen Songs präsent. Diese Präsenz des Kanons stellt den Boden dar, auf dem jeder andere grosse Song entsteht. Diese Songs klingen auch in dir drin, da bin ich überzeugt, Mann! Du bringst es nur nicht raus, wie Patti.

Trackliste:

1. Are You Experienced? (Jimi Hendrix) (4:46) 2. Everybody Wants to Rule the World (Tears for Fears) (5:07) 3. Helpless (Neil Young) (4:02) 4. Gimme Shelter (Rolling Stones) (5:00) 5. Within You Without You (The Beatles) (4:51) 6. White Rabbit (Jefferson Airplane) (3:54) 7. Changing of the Guards (Bob Dylan) (5:47) 8. The Boy in the Bubble (Paul Simon) (4:30) 9. Soul Kitchen (The Doors) (3:45) 10. Smells Like Teen Spirit (Nirvana) (6:31) 11. Midnight Rider (The Allman Brothers Band) (4:02) 12. Pastime Paradise (Stevie Wonder) (5:26)
Bonustrack (Target Stores only) 1. Everybody Hurts (R.E.M.)

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CocoRosie [x>] [D]: The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn [F] [P]

CoverLabel: Touch And Go TG 306
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 04 10
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk, Electronica - Folktronica

Die neue CocoRosie – natürlich habe ich auf diese Platte gewartet, wie auf Weniges in diesen Tagen. Und siehe, sie enttäuscht mich nicht.
The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn klingt polierter als die beiden Vorgänger, ohne dass die beiden Casady-Schwestern dabei ihre Verschrobenheit aufgeben würden. The Adventures of Ghosthorse and Stillborn weist in eine etwas kommerziellere Richtung als ihre beiden ersten CDs, so dass es spannend ist, zu verfolgen, wohin diese Reise geht. Die Spitzenplätze der Hitparaden vielleicht nicht ausgeschlossen … Wäre das wirklich so schlimm? Wäre eine Welt mit CocoRosie auf Platz eins der Hitparaden nicht eine bessere Welt als unsere? Der Song Japan mag als politischer Kommentar missverstanden werden. Da heisst es: now, everybody wants to go to iraq; but once they go, they dont come back; bringing peanut butter jelly and other snacks; we might have our freedom, but we're still on crack. Das Lied weist mit allen seinen Strophen auf das Sapannungsverhältnis zwischen unserern Träumen und der Wirklichkeit, mit der wir leben bzw. zu leben gewillt sind, hin. Hier vermute ich die Hauptbotschaft von CocoRosie: Mit allen vorgeführten Travestien bieten Bianca und Sierra eine Antwort darauf, wie man mit diesem schmerzlichen Spannungsverhältnis künstlerisch und lebenstechnisch produktiv umgehen kann: Zuvorderst mit viel Humor, dann aber mit der vorgeführten Travestie: Sich verkleiden, sich einhüllen ins Kleid des unerreichbaren Phantasiegegenstands. Ich meine das so: Wenn sich jemand in die Kleidung eines Hure, eines Top-Managers oder eines Star-DJs wirft, dann tritt er oder sie in ein produktives Verhältnis zu jenem unerreichbaren Andern, das die Phantasie beherrscht.
Einen Blick noch auf andere Reviews: de:bug rät CocoRosie, sich mit Kate Bush zusammenzusetzen, um das Hitpotential von Rittern auf Hexenbesen zu ergründen. Pichfork beruhigt diejenigen von euch, die hinter der polierteren Oberfläche den Auverkauf vermuten damit, dass CocoRosie noch immer mit Devendra Banhart befreundet sind, mit isländischen Kerlen, die Björks Platten produzieren (gemeint ist Valgeir Sigurdsson), und anderen viel cooleren Leuten, als ihr es seid. Antony wäre hier noch zu ergänzen, der im viel zu kurzen Abgesang dieser CD Miracle mitsingt. Intro schreibt von Adventures, dass hier die schönste Katzenmusik der Welt gespielt würde. Mein eigenes Fazit lautet: Mit ihren drei exzellenten CDs in Serie habe ich CocoRosie bereits in meinen Pantheon der Lieblingsmusiker aufgenommen. Wenige nur schaffen eine vergleichbare Serie.

Trackliste:

1. Rainbowarriors - 3:55 2. Promise - 3:37 3. Bloody Twins - 1:37 4. Japan - 5:02 5. Sunshine - 2:58 6. Black Poppies - 2:37 7. Werewolf - 4:50 8. Animals - 6:02 9. Houses - 2:56 10. Raphael - 2:48 11. Girl And The Geese - 0:46 12. Miracle - 3:35

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Senking [x>] [D]: List [F] [P]

CoverLabel: Raster-Noton 077
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 04 09
Genre: Electronica - Ambient - Glitchambient, Electronica - Dubtronica

Jens Massel hat sich Zeit gelassen, bis er mit einem neuen Release rauskam. Jetzt ist es so weit. Das Warten hat sich ein Mal mehr gelohnt.
Dreieinhalb Jahre ist der letzte Release von Senking alt, Tap. Auf List gibt es zwar nicht unbedingt etwas Neues zu hören, aber die Elemente mit denen Massel arbeitet – düstere, verdubbte Basslinien, Sprachsamples, sparsame Glitches, Industrial-Texturen –, werden miteinander zu einem äusserst organischen Resultat vermengt, das von cineastischer Qualität ist und eine klaustrophobische Stimmung erzeugt. Hier eben so gut gelungen wie damals auf Ping / Thaw. Etwas anders nimmt sich das Stück Graue Musik aus. Dort liest eine leise Männerstimme eine Art Graue Musik ist ein vierminütiges Minihörspiel, eine für Jens Massel neue Form, die gut kommt. Das wäre eine Richtung, in der sich seine Musik weiter entwickeln kann. Der Gesamteindruck dieses Albums: So eingängig war Jens Massel noch nie. Das Warten hat sich wirklich gelohnt.

Trackliste:

1. Common Business (4:00) 2. Pathogenic Agent (4:26) 3. Come In (4:36) 4. Bohrer (5:35) 5. Great Day (4:41) 6. Gestalt (0:36) 7. Graue Musik (4:24) 8. Mist (4:47) 9. Crevasse (5:04)

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Laub [x>] [D]: Deinetwegen [F] [P]

CoverLabel: AGF Producktion AGF PRO 006
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 04 09
Genre: Electronica - Poptronica, Electronica - Breakbeat - Triphop

Ich hätte nicht gedacht, dass Antye und Jotka noch einmal ein Album zusammen machen – nicht nach fünf Jahren Pause ?
Angefangen haben Laub 1997 als hybrider Act aus Drum'n'Bass plus Pop. Neben Laub hatten Jotka und Antye zusammen mit Marko Timlin die Band Tritop, von der es nur eine CD gibt, Rosenstolz. Aus dem Drum'n'Bass-Genre haben Laub die Production-Skills bzw. letztlich diesen Sinn für hervorragend in Szene gesetzte Musik. Was am Anfang von Breakbeats geprägt war (Kopflastig), wurde minimaler (klar, das war gerade sehr angesagt und Drum'n'Bass war so was von tot) und schenkte uns zwei herausragende Alben Unter anderen Bedingungen als Liebe und Filesharing. Antye hat während der Sendepause von Laub einige Alben unter ihrem Namen, als Antye Greie und als AGF, herausgegeben und mit anderen elektronischen Musikern zusammen gearbeitet, beispielsweise in der Formation Lappetites. Bekannt ist Antye Greie für ihre Texte, die durchzogen sind von syntaktischen und lexikalischen Eigenheiten aus der elektronischen Kommunikation (Mail, Blogs, Foren, …). Hinzu kommt, dass diese Texte klingen als wären sie direkt aus dem Gedankenstrom herauskopiert worden. Von glitchy Haikus spricht The Wire (die Wire-Rezension wird übrigens online auf der Deinetwegen-Site zur Lektüre angeboten.)
Die CD beginnt mit dem Track Covering, einem instrumentalen Hyperblues. Dieser Track klingt als wäre er aus Deltablues-Samples gemacht. Auf diese Weise wähnst du dich sofort in den Gefilden von CDs wie A Life Without Fear von Ekkehard Ehlers. Aber die neue Laub-CD ist nicht mit Samples gemacht, sondern eingespielt. Dabei suchen Laub nach dem, was den frühen Blues authentisch gemacht hat, nicht den Blues selbst. Es geht um die Erfahrung, die hinter dem Blues steht. Da Deinetwegen im Prenzlauerberg entstanden ist, kann das Album nicht wie ein Bluesalbum von, sagen wir, John Lee Hooker klingen, sondern nach Berlin. Tatsächlich hat dieser erste Track Covering etwas Programmatisches und stellt eine Hommage an den Blues dar. Dieser Track liess mich baff über das Produktionsverfahren staunen, das covert und nicht sampelt! Auch nicht in denjenigen Momenten von Deinetwegen, die am ehsten nach klassischem Blues klingen. Der zweite Track gab der CD den Namen: Deinetwegen. Er ist ein Liebeslied mit Antyes lyrischem Text im Zentrum. Drei. Tofu. The Wire schreibt von glitchy Haikus und meint nicht zuletzt diesen Track. Laut Website ein erzählerisches Werk über einen Durchschnittstag im 21. Jahrhundert, an dem man mit der Arbeit nicht vorwärts kommt, an dem man nichts, was man sich vorgenommen hat, zu Stande bringt. Stattdessen macht man sich was aus der entstanden Leere: Als Ersatzbefriedigung haut man sich Zigaretten, DVDs und Essen rein. Der Zielsatz der Lyrics lautet: Ich bin allein zu Haus und mach mir was draus. Dann Nummer vier, einer der Killertracks: Schnee, die Hymne an diejenigen, die lachen, aber kalt sind, die viel sprechen, aber nichts ändern, Schneekönige werden sie genannt. Nun springe ich zu sieben. D-Land. Eine sehr bluesige Nummer, die mit Deutschland (mit-)heult, (mit-)jammert. Errinnert ihr euch an Deutschland? Deutschland war ehemals dieser wirtschaftlich erfolgreiche Staat in Mitteleuropa, der dann überhungrig zu viel Sauerkraut in sich hinein gestopft hat und seither völlig unbeweglich am Boden liegt, mit Koliken kämpfend. Es ist wahr, das tut einem beim Zusehen weh. Armes Deutschland. Acht, dann. Sommer 2006 – ein aussergewöhnlich heisser Sommer. In der hitze scheint salles still zu stehen ausser der Schweiss. Laub sampeln für ein Mal – sich selbst und montieren einige Sequenzen aus alten Songs zusammen. Nun zum Fazit: Boomkat schreibt: I can't say that 'Deinetwegen' is always particularly on-point with its experiments, but for the most part it is an engaging listen well worth a closer look. Bei mir hatte diese CD das höchste denkbare Mass an Vorschusslorbeeren. Und sie enttäuscht mich nicht. Laub machen da weiter, wo sie vor Jahren aufgehört haben.

Trackliste:

1. Covering (3:57) 2. Deinetwegen (3:31) 3. Tofu (5:24) 4. Schnee (6:01) 5. Ein Herz In Uns (3:41) 6. Country Code (4:51) 7. D-Land (3:52) 8. Sommer 2006 (5:20) 9. Analog (4:15) 10. Ruf (3:28)

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Dominik Eulberg [x>] [D]: Heimische Gefilde [Act-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Traum Schallplatten TRAUM 19
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 04 02
Genre: Electronica - IDM, Electronica - Minimaltechhouse

Die Gesänge der Vögel und die Geräusche der Tiere hat Musiker aller Zeiten fasziniert. Für Dominik Eulberg sind diese Klänge das Rohmaterial, aus dem er seine Electronica- bzw. House-Tracks schmiedet. Heimische Gefilde versammelt seine wichtigsten Tracks aus den vergangenen Jahren.
Dominik Eulberg führt disch durch seine heimischen Gefilde, durch deutsche Wälder und Wiesen. Dort gibt es nämlisch allerlei Tierisches zu hören, Gesänge von Buntspeschten, Uhus, Waldkäutzen sowie Geräusche von Waldameisen, Gelbbauschunken, Borkenkäfern usw. Jedem Track ist eine kurze Erklärung vorgeschaltet, in der der Biologe Eulberg (nomen est omen) dir das Geräusch wie ein die Natur liebender Lehrer näher bringt. Kommt mir etwas schräg rein mit seinem Dialekt und ohne Ironiesignale. Aber die Musik sprischt für sisch: Da ist das federnde Afraid Of Seeing Stars, das trashige Der Hecht im Karpfenteich oder das flauschige Klangteppichverleger Wolke. Die Tracks sind nur für CD-Käufer neu, weil schon zuvor auf verschiedenen Vinyl-EPs veröffentlischt.

Trackliste:

1. Begrüßung Und Buntspecht (1:15) 2. Afraid Of Seeing Stars (6:52) 3. Uhu (0:42) 4. Adler (5:49) 5. Rote Waldameise (0:47) 6. Klangteppichverleger Wolle (4:49) 7. Goldammer (1:07) 8. Die Alpenstrandläufer Von Spiekeroog (6:22) 9. Feldgrille (0:32) 10. Björn Borkenkäfer (5:22) 11. Eistaucher (1:02) 12. Der Hecht Im Karpfenteich (4:46) 13. Gelbbauchunke (0:40) 14. Die Rotbauchunken Vom Tegernsee (5:48) 15. Nachtigall (0:42) 16. Gasthof Zum Satten Bass (6:51) 17. Rauhhautfledermaus Und Großer Abendsegler (1:01) 18. Der Buchdrucker (7:16) 19. Waldkauz (0:50) 20. Harzer Roller (6:23) 21. Stelldichein Des Westerwälder Vogelchores (9:31)

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Throbbing Gristle [x>] [D]: Part Two: The Endless Not [F] [P]

CoverLabel: Mute TG 16
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 04 01
Genre: Postpunk - Industrial

Nach fast 25 Jahren hat sich Ende 2004 die radikalste Band der Pop- und Rockgeschichte für die Bühne wiederformiert. Dieses Jahr führen sie mit The Endles Not diesen zweiten Teil ihrer Bandgeschichte fort. Entstanden ist ein Alterswerk, das nach wie vor im Bereich von Uneasy-Listening anzusiedeln ist.
Nachdem diese Band etwa sechs Jahre lang jedes Tabu herausgefordert hat, trennten sich die Mitglieder 1981, um verschiedene ästhetische Strategien zu verfolgen. Der eine Teil der Band wollte rituelle Ambientmusik machen, der andere soziale Experimente. Das Resultat waren Chris And Cosey und Coil. Auch Coil formierte sich nach einer Trennung von Chris Cristopherson und Genesis P-Orridge um. Mittlerweile leben alle vier Throbbing Gristles in verschiedenen Erdteilen: Amerika, Asien, Europa. Von den zehn neuen Tracks sind vier Solowerke eines Bandmitglieds, bleiben sechs neue Throbbing Gristle Tracks. Vow Of Silence, Track 1, schliesst irgendwo dort an, wo man in den frühen 80ern aufgehört hat, nur wird die Musik inzwischen digital produziert. Das ist höhrbar. Ein dumpfer ritueller Rhythmus, ein Feedbackloop wie von einer elektrischen Gitarre, Rauschen/Lärm. Dann aber Track zwei, Rabbit Snare. Mit einem Piano gespielte abstrakte Jazzakkorde schlagen Saiten an, die ich von Throbbing Gristle noch nie gehöhrt habe: Unheimlich die Stimme von Genesis Breyer P-Orridge, sogar das Schlagzeug unterstützt diese Stimmung. Da werden tatsächlich Jazz und Ritual Ambient miteinander amalgamiert. Grossartig! Und der Rest der CD? Der ist auch grosse Klasse. Anspieltipp: Das Titelstück, das verhältnismässig eingängig ist.

Trackliste:

1. Vow of Silence - 7:02 2. Rabbit Snare - 8:55 3. Separated - 4:51 (Chris Carter solo) 4. Almost A Kiss - 6:47 5. Greasy Spoon - 9:31 6. Lyre Liar - 7:51 7. Above The Below - 4:28 (Cosey Fanni Tutti solo) 8. Endless Not - 8:01 9. The Worm Waits Its Turn - 5:50 (Genesis P-Orridge solo) 10. After The Fall - 4:05 (Peter Christopherson solo)

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Rezensionen März 2007

Panda Bear [x>] [D]: Person Pitch [F] [P]

CoverLabel: Paw Tracks PAW 014
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 03 20
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Noisefolk, Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Chillwave, Post-Millennial-Music - Psychedelia - Psychedelicpop

Panda Bear ist Noah Lennox von Jane und – bekannter – von Animal Collective, der New Yorker Psychfolk-Band. Panda Bear ist der Mann, der im Zusammenhang mit dem Animal Collective einen Tiernamen angenommen hat und auf dem Cover mit den Ladies in die Wanne steigt. Als Panda darf er natürlich mit hinein, hingegen als Mr. Lennox weiss ich nicht ?
Person Pitch ist eine atemberaubende CD mit tranceartigen Rhythmen im Echobad, industriellen Noises, Folk-Gitarren und wunderbar verhalltem melodiösem Gesang, der stellenweise an die Beach Boys erinnert. Für einen Avantrock-Act stellt Person Pitch geradezu eine eingängige Popscheibe dar. Allerdings schon sehr trippig. Ich staune, wie weit in Richtung Kommerzialität Panda Bear hier gehen kann, weil er eine einfache eigene musikalische Sprache gefunden hat, mit der er es nicht nötig hat, irgendwelche Differenzen durch Keile zwischen ihm und dem Publikum zu markieren. Diese Musik klingt wie Psychedelik vor den 60er Jahren, also noch ohne entsprechende Drogen und ohne den Bewusstseinserweiterungs-Überbau. Sie kommt eher etwas rückwärts gewandt daher (siehe das vergilbte Coverbild), höre I'm not mit dem Kirchenchoral-Sample aus der Rennaissance. Dann findest du aber auch ein Stück wie Good Girl, das einen hohen rhythmischen Noise Glitch aufweist, der klar die Signatur von Gegenwartsklängen trägt. Person Pitch bietet aber schon vor allem zeitlos eigene Trance-Musik im Popgewand, Musik, die für unser Jahrzehnt stehen darf. Zweifellos eine der musikalisch ideenreichsten und interessantesten Ecken unserer Zeit.

Trackliste:

1. Comfy in Nautica - 4:04 2. Take Pills - 5:23 3. Bro's - 12:30 4. I'm Not - 3:59 5. Good Girl/Carrots - 12:42 6. Search for Delicious - 4:53 7. Ponytail - 2:05
Alle Tracks: Noah Lennox.

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Pole [x>] [D]: Steingarten [F] [P]

CoverLabel: ~scape sc 044
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 03 16
Genre: Electronica - Breakbeat - Downtempo, Electronica - Dubtronica

Nach fast vierjähriger Absenz bringt Stefan Betke alias Pole ein neues Album heraus. Ihm gelingt damit eine produktionstechnische Meisterleistung, aber er gewinnt damit nur wenig musikalisches Neuland.
Warum heisst der erste Track auf Steingarten. Da fragst du dich tatsächlich: Warum?. Warum dieser üppige Name und warum Schloss Neuschwanstein in voller Winterpracht auf dem Cover, wo man dem Titel gemäss doch einen bunten Steingarten erwarten würde oder ein Zengarten meinetwegen. Auch über ein einfarbiges Coverhättest du dich nicht gewundert, auf dem vielleicht nicht einmal Name oder Titel gedruckt wären. Apropos Titel: Bisher verwendete Pole für seine Platten und CDs jeweils auf beinahe Null zurückgefahrene Namen: 1 2 3 R Pole 45/45. Ich kucke mich um: de:bug meint in der Rubrik Coverlover: Pole zeigt wie schön die Kulisse zum ins Wasser gehen ist, wenn man die Welt prinzipiell für inkompatibel hält, und im Speziellen die Irrungen der eigenen Seyualität gründlich satt hat (Nr. 11, S. 7). David Stubbs von The Wire bringt das Cover in Zusammenhang mit der biografischen Situation seines Erbauers Ludwig II, der gerade einen Krieg verloren und damit seine Macht verspielt sich in ein Märchenschloss zurückzog. Stubbs sieht Steingarten als hermetischen Rückzug vor seinen musikalischen Referenzen: Hip-Hop, Funk, Dub Electronica usw. (Nr. 276, S. 46). Vielleicht gibt es keine ganz klare Antwort auf die Warum-Frage und so hörst du dich erst einmal durch das Album hindurch. Der Warum-Track ist eine Downtempo Nummer, mit nagendem Fräs- oder Sägegeräusch, das mancheinem durch und durch gehen kann, das man aber so wenig vergisst wie dieses Coverbild. laquo;Winkelstreben, Track zwei, steigert das Tempo etwas. Hier fällt die reiche Produktion auf, die viele keine Details verwendet, ein Soundschnipsel da, ein Soundschnipsel dort, jedes Schnipsel wirkt differenziert, mit Bedacht gesetzt. Eine völlig verfuzzte und verzerrte Gitarre sorgt hier für Irritation. Und so geht?s weiter durch die ganzen 45 Minuten hindurch: Grosse Kontrolle über alle Elemente, wirkt reflektiert, kühl, wie eh und je, aber praktisch jeder Track enthält diese Glitches oder teils gar Industrial-Elemente, die das geschliffene Klangdesign mit Kratzern versehren. Am brutalsten vielleicht in Düsseldorf und in Jungs . Die von Pole bekannte Dub-Sprache findest du am ehesten in Mädchen wieder.
Nach dem letzten Track gleich ab in eine zweite Runde: Beim Wiederh&oml;ren stellen sich bereits Wiedererkennungseffekte ein. Spätestens von jetzt an besteht kein Zweifel mehr, dass Steingarten ein aussergewöhnlich gutes Album ist. Eine produktionstechnische Meisterleistung, um es noch einmal zu sagen, eine kühle aber auch provokante, gar angriffslustige Downtempo-Hybride.

Trackliste:

1. Warum - 4:58 2. Winkelstreben - 5:04 3. Sylvenstein - 5:08 4. Schöner Land - 3:39 5. Mädchen - 5:38 6. Achterbahn - 4:55 7. Düsseldorf - 4:24 8. Jungs - 7:15 9. Pferd - 4:13
Alle Tracks: Stefan Betke.

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Arcade Fire [x>] [D]: Neon Bible [F] [P]

CoverLabel: Merge MRG 285
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 03 05 (EU), 2007 03 06 (US)
Genre: Post-Millennial-Music - Indiefolk, Newpop - Artpop - Chamberpop, Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Electronicpop

Ein düsteres, ja schwarzes Album, schwer mit Orgelakkorden geladen, dabei grosse Melodien, die mich an Trackliste:

1. Black Mirror - 4:13 2. Keep the Car Running - 3:29 3. Neon Bible - 2:16 4. Intervention - 4:19 5. Black Wave/Bad Vibrations - 3:57 6. Ocean of Noise - 4:53 7. The Well and the Lighthouse - 3:56 8. (Antichrist Television Blues) - 5:10 9. Windowsill - 4:16 10. No Cars Go - 5:43 - Orchestrierte Wiederaufnahme von einer früheren EP-Version dieses Songs (2003) 11. My Body Is a Cage - 4:47
Alle Tracks: Arcade Fire.

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Air [x>] [D]: Pocket Symphony [F] [P]

CoverLabel: Virgin CDV 302
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 03 05
Genre: Indiepop - Ambientpop - Loungepop

Ich muss nachzählen: 1, 2, 3, 4, 5, 6. Dies ist die sechste CD von Air. Und – ich glaube es kaum – nächstes Jahr wird Moon Safari, der Erstling von Air, zehn jährig! Was alle bisherigen Air-CDs ausgemacht hat: diese kühle Duchsichtigkeit – nomen est omen – stets mit diesem Hang zum Belanglosen, aber die Grenze zur Langeweile nie überschreitend. Das macht die Souveränität und Coolness dieser Band aus.
Pocket Symphony ändert nichts am Erfolgsrezept von Air. Ausser vielleicht, dass die beiden Musiker der Band nun mit Sängern wie Jarvis Cocker von Pulp zusammen arbeiten. Die besten Momente von Pocket Symphony sind, wenn wenn Air etwas Herzlichkeit oder gar Rührseeligkeit aufkommen lassen, wie beispielsweise in Left Bank oder auf Photograph Kein essentielles, aber sehr schönes Album.

Trackliste:

1. Space Maker - 4:02 2. Once Upon a Time - 5:02 3. One Hell of a Party - 4:02 4. Napalm Love - 3:27 5. Mayfair Song - 4:18 6. Left Bank - 4:07 7. Photograph - 3:51 8. Mer du Japon - 3:04 9. Lost Message - 3:32 10. Somewhere Between Waking and Sleeping - 3:35 11. Redhead Girl - 4:33 12. Night Sight - 4:17
Bonustracks 1. The Duelist - 4:40 (iTunes or via OpenDisc) 2. Crickets - 3:32 (iTunes pre-order) 3. Time Capsule - (Japan bonus track or via OpenDisc)
Alle Tracks: Air.

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Rezensionen Februar 2007

Dälek [x>] [D]: Abandoned Language [F] [P]

CoverLabel: Ipecac IPC 084
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 02 27
Genre: Hip-Hop - Underground-Hip-Hop - Industrial-Hip-Hop

Das Wort massiv ist eine Art Universalbeschreibung für den Sound von Hip-Hop – meist als Attribut für die Bässe verwendet. Selten bedeutet massiv tatsächlich etwas Signifikantes. Hier bei Abandoned Language von Dälek allerdings lässt sich das Massive an allen verwendeten musikalischen Elementen spüren.
Schwer, mit voller Materialität bilden komplex bearbeitete Synthi-Akkorde eine Mauer von Sound, in die die Breakbeats eingelassen sind. Diese Wand mit ihren ausgefeilten Texturen ginge glatt als eigenständige Drone-Musik durch, wenn man Beat und Gesang weglassen würde. Der Charakter der Klangwand ist wie das Cover der CD zeigt warm, orange-braun. Der Raum ist so hoch, damit die vielen geschichteten Sounds Platz haben. Die Türe führt dich in den nächsten Raum. Du gehst von Stück zu Stück hindurch.

Trackliste:

1. Abandoned Language - 10:13 2. Bricks Crumble - 3:36 3. Paragraphs Relentless - 5:33 4. Content to Play Villain - 5:20 5. Lynch - 5:25 6. Stagnant Waters - 4:24 7. Starved for the Truth - 4:35 8. Isolated State - 6:15 9. Corrupt (Knuckle Up) - 4:04 10. Tarnished - 6:45 11. (Subversive Script) - 6:33

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Fonoda [x>] [D]: Eventually [F] [P]

CoverLabel: Büro 004
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 02 23
Genre: Post-Millennial-Music - Lo-Fi-Underground - Nugaze

Eventually mag zwar nicht das Indietronica-Album sein, auf das ich warte oder das mich jäh überrascht, aber es fällt durch einige Faktoren positiv auf: Es ist gut produziert, hat einprägsame Melodien, die Vocals sind interessant inszeniert: Die Leadstimme klingt stellenweise nach dem Sänger der Tindersticks, Stuart Staples, die Begleitvocals sind nichts weniger als klug (höre Silence Means Disease). Ein toller Erstling, der gespannt macht auf das, was noch folgen mag.

Trackliste:

1. A Spiral Ant 2. Not Dead, Just Sleeping [They Are] 3. The New Red, Part 1 Vocals - Squares On Both Sides 4. The New Red, Part 2 5. Silence Means Disease 6. Stone Cold Seconds 7. Ambient Take No 1 [W.I.A.] 8. Last Folder Vocals - Squares On Both Sides

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Julian Fane [x>] [D]: Our New Quarters [F] [P]

CoverLabel: Planet Mu ZIQ 161
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 02 19
Genre: Postrock - Indietronica

Julian Fanes Stimme klingt etwas nach Thom York von Radiohead, seine Musik nach Sigur R?s.

Trackliste:

1. Our New Quarters (3:16) 2. New Faces (5:04) 3. Youth Cadet (4:40) 4. The Moon Is Gone (4:32) 5. Downfall (3:34) 6. Jonah The Freak (5:32) 7. Break And Enter (3:21) 8. Rattle (4:44) 9. Among The Missing (4:35) 10. Plastics For A Heart (4:09)

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Kuupuu [x>] [D]: Unilintu [Vinyl LP Act-Comp.] [F] [P]

CoverLabel: Dekorder 018
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 02 12
Genre: Post-Millennial-Music - Freakfolk - Psychfolk, Post-Millennial-Music - Freakfolk - New-Weird-Finnland

Jonna Karanka gibt beim Dekorder Label ihre Compilation Unilintu heraus – eine Sammlung von Tracks, die zuvor nur auf CD-Rs und Kassetten erhältlich waren. Dieses Album ist ein kleiner New-Folk Geheimtipp.
Roh kommen diese Songs daher, dilettantisch, aber ebenso verspielt. Karanka schafft ein Album wie aus der Spielzeugkiste. Das Mädchen ist gross geworden. Doch jedes Mal, wenn sie eines ihrer Spielzeuge auspackt, wird sie wieder ganz Kind und schafft aus ihrer Phantasie aus fast nichts eine ganze Welt. Generatoren, Verzerrer, autistischer Gesang, akustische Instrumente, versunken gespielt. Worlds Within Worlds von Basil Kirchin kommt mir in den Sinn, wenn ich das Ende von Track 1, Linnut höre. Setze dich mit in ihr Spielzimmer, wenn sie ihre Sachen auspackt. Aber setze dich still in eine Ecke und höre zu. Wecke sie auf keinen Fall aus ihrer Versunkenheit auf!

Trackliste:

Seite A 1 Linnut 2 Uhuvava Uu 3 Ilta Suree 4 Myrskylaulu 5 Onnenkuolaa
Seite B 1 Lohtulaulu 2 Lintupolku 3 Mustaruhtinaan Laulu 4 Lumiportti 5 Piupiu 6 Taivaankotiin 7 Hiillos

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Yoko Ono [x>] [D]: Yes, I'm A Witch [F] [P]

CoverLabel: Astralwerks ASW 79287
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 02 06
Genre: Electronica, Newpop - Artpop, Alternativerock - Artrock - Avantrock

Mit Yes, I'm A Witch hat Yoko Ono eine Remix-CD von ihrem Backkatalog produzieren lassen. Jede und jeder der Remixer konnte den Track selbst aussuchen, nahm die Spur mit der Stimme und unterlegte neue Musik.
Mitgemacht haben unter anderem Hank Shocklee (von Public Enemy), die Flaming Lips, Le Tigre, DJ Spooky, Peaches, Cat Power, Jason Pierce von Spiritualized, Antony von Antony & The Johnsons, Craig Armstrong und einige mehr. Heraus stechend: Rising (DJ Spooky, Track 7), Toyboat (Anthony & Hahn Rowe, Track 13) und Shiranakatta (Craig Armstrong, Track 17). Es sind die Tracks, die eher im Downbeat-Tempo gehalten sind und deren schöne Seite hervorgekehrt wird. Unbedingt auch anzuhören ist die Version des ergreifenden Songs Death of Samantha interpretiert von Porcupine Tree.

Trackliste:

1. Witch Shocktronica Intro - Hank Shocklee (1:47) 2. Kiss Kiss Kiss - Peaches (3:18) 3. O'Oh - Shitake Monkey (3:38) 4. Everyman...Everywoman - Blow Up (4:01) 5. Sisters O Sisters - Le Tigre (2:47) 6. Death of Samantha - Porcupine Tree (4:35) 7. Rising - DJ Spooky (4:13) 8. No One Can See Me Like You Do - The Apples in Stereo (3:56) 9. Yes, I'm a Witch - The Brother Brothers (3:48) 10. Revelations - Cat Power (3:52) 11. You and I - The Polyphonic Spree (3:26) 12. Walking on Thin Ice - Jason Pierce (from Spiritualized) (5:07) 13. Toyboat - Antony and Hahn Rowe (4:24) 14. Cambridge 1969/2007 - The Flaming Lips (5:37) 15. I'm Moving On - The Sleepy Jackson (4:55) 16. Witch Shocktronica Outro - Hank Shocklee (0:30) 17. Shiranakatta (I Didn't Know) - Craig Armstrong (3:09)
Alle Tracks: Yoko Ono.

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Rezensionen Januar 2007

Franz And Shape [x>] [D]: Acceleration [F] [P]

CoverLabel: Relish FOR 82876851922
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 01 29
Genre: Post-Millennial-Music - Postpunk-Revival - EBM

Geile tiefe Bässe aus dem Sequencer. Die 80er Jahre musikalisch perfektioniert. Neo-EBM (Electronic Body Music). Also total retro, aber so was von einem Abgang, wenn du dieses Album laut hörst. Dein Körper wird zuerst weich, dann liquid wie die Sequenzer-Melodieläufe. Hier geht's um Spass, um Maximum Joy, wie Track 13 heisst. Nach dem Album habe ich Lust, Originale aus der Zeit wieder zu hören: Ich greife nach Cabaret Voltaires Code, zu Nitzer Ebbs That Total Age und zu Bourbonese Qualks Unpop.

Trackliste:

1. Channel One - 4:39 2. Thightropes (feat. Perspects) - 4:59 3. Countach - 5:48 4. God Lost My Address (feat. Chelonis R. Jones) - 5:58 5. This Is The Way (feat. GD Luxxe) - 5:45 6. Regrets And Tears (feat. GD Luxxe) - 4:59 7. Acceleration - 5:50 8. Kill The Pooh - 3:11 9. 3AM Still Life (feat. Mount Sims) - 4:50 10. Guantanamo Democratie (feat. David Carretta) - 4:47 11. 444 Days - 2:35 12. Take Off (feat. GD Luxxe) - 6:20 13. Maximum Joy (feat. Dirk Da Davo) - 4:35
Alle Tracks: Chris Shape und Francesco Spazzoli.

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Denzel und Huhn [x>] [D]: Paraport [F] [P]

CoverLabel: City Centre Offices TOWERBLOCK 036
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 01 22
Genre: Electronica - Postelectronica

Abstrakte elektronische Musik. Das Cover mit seinen vielen Punkten und dünnen Linien lässt Clicks & Cuts erwarten. Darum geht es aber nicht – auch dann nicht, wenn im dritten Track Tango so etwas wie einen Click-Beat auftaucht. Die anderen Tracks sind frei davon. Viele Stücke auf dieser CD haben etwas Skizzenhaftes. Die Tracks nehmen schnell ein paar Züge an, die Linien sind mit sicherer Hand gezogen. Ist die Idee eines Tracks dargelegt, wird es kaum verändert. Viele Samples werden auffällig brüsk ein- und ausgeblendet. Somit wirkt die Musik einerseits sehr fertig, andererseits kühl und maschinell. Nicht nur der Titeltrack Paraport erinnert an to rococo rot.
Paraport gehört zur Gruppe jener Acts und CDs, für die ich die Genrebezeichnung Postelectronica verwende. Eine sehr atmosphärische elektronische Listeningmusik, die Strukturen oder Klangmaterial aus dem (Post-)Rock bzw. der klassischen Musik übernimmt. Vor allem Labels wie Type, Leaf oder City Centre Offices veröffentlichen solche postelektronische Musik. Postelectronica inszenieren keinen Bruch mit der Tradition von Electronic-Listening-Music / IDM (Aphex Twin, Black Dog, Plaid, Autechre usw.). Postelectronica-Acts führen diese Tradition fort, indem sie entweder in Richtung Rockstrukturen und -instrumentierung (Gitarren, Piano) arbeiten oder in Richtung Sampling von Instrumenten aus der klassischen Musik (beispielsweise Streicher bzw. Streichersamples), woraus eine neuartige Ambientmusik entsteht. Zur ersten Gruppe muss man auch Indietronica- und Folktronica-Acts zählen (eben Denzel & Huhn beispielsweise),.zur zweiten Gruppe Acts wie Svarte Greiner, Greg Haines, Jóhann Jóhannsson oder Deaf Center.

Trackliste:

1. Kleiner Bruder (3:18) 2. July (3:20) 3. Targo (3:25) 4. Korre (0:58) 5. Karlsruhe (2:27) 6. Dorian (3:06) 7. Cauka (2:40) 8. Ndr (3:55) 9. Paraport (4:21) 10. New Kerwe (3:13) 11. Lope (3:27) 12. Senet (2:41) 13. Erinnye (3:35) 14. Treibel (3:32) 15. Offane (4:05)
Alle Tracks: Bertram Denzel und Erik Dühn.

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Mira Calix [x>] [D]: Eyes Set Against The Sun [F] [P]

CoverLabel: Warp 150
Erscheinungsdatum (JJJJ MM TT): 2007 01 15
Genre: Electronica - DSP, Electronica - Postelectronica

Eyes Set Against The Sun ist ein typisches Postelectronica-Album und passt ausgezeichnet in die Klanglandschaften der gegenwärtigen Elektronischen Listeningmusik. Das Album bewahrt sich aber viele Eigenheiten:
Mira Calix ist bekannt für ihre surrealen Klangwelten. Oft erinnern diese an die um ein Vielfaches verstärkten Bewegungen von Insekten. So auch im ersten Track Because To Why. Allerdings wird der Gesamtklang auch durch Orchester und Chor geprägt. In The Stockholm Syndrome singt Mira Calix monoton, ritualhaft. Bemerkenswert: Indem die Stimme die Melodie bis fast zur Unkenntlichkeit verflacht, wird der Gesang einprägsam. A Cereus Night klingt nach Spieldosen und erinnert etwas an Colleen. Eelio ist ein Klavier- und Orchesterstück, das nur wenig mit Geräuschen ausgeschmückt ist. Das über acht Minuten lange Stück bleibt unentschieden zwischen Tonalität und Atonalität, ist einmal verträumt dann launisch. Protean ist warm, melodisch, mahleresk. The Way You Are When ist eines von drei Stücken, die über zehn Minuten Laufzeit aufweisen. Es wächst um ein Pizzicato aus vier repetierten Tönen herum, die während vier Minuten ihre Spannung halten, vor allem deshalb, weil dieses Pizzicato sich nicht zwischen maschinenhafter Repetition und organischer Variation entscheidet. Als ornamentale Beigabe spielt das Streichorchester und arbeiten die Insekten. Dann erfindet sich das Stück kurz vor seiner Mitte neu. Eine schwere Perkussion kommt hinzu, an der das Orchester sich nun orientiert, der Chor singt stellenweise. Dazu scheint Mira Calix Samples zu verwenden, die aus kaum vernehmbaren Anlauten von Gesang bestehen – das gibt dieser Stelle eine unglaublich surreale Stimmung. Dann folgt das zwei Minuten lange Tillsammans, das um ein Marimba-Riff herum gebaut ist. Umbra / Penumbra (astronomische Begriffe für die Kern- und Halbschatten auf der Sonnenoberfläche) bringt das Thema der CD auf das Tapet. Der Gesang macht für ein Mal eine deutliche Aussage: You make me feel like summer's never coming, you make me feel like nothing's ever true. Belonging (No Longer Mix) bewegt sich zur Abwechslung eher auf der repetitiven Seite und klingt nach Spieldosenmusik, allerdings mit einer ausdrucksstarken Sehnsucht, die die Streicher in den Wind schreiben. Der letzte Track One Line Behind fährt noch einmal mit allen Ingredienzien dieses Albums auf – prominent nun: der Chor, das Orchester, das sich einstimmt und auf dem Kammerton verharrt. Bläser, die Ornamente an den Kammerton kleben und ein launisch-romantisches Piano. Das Stück scheint nach sechs Minuten zu enden, doch nach etwas Pause setzt Mira Calix noch einmal zu einem Hidden Track an, der den vom Chor gesungenen CD-Titel Eyes Set Against The Sun. intoniert und um dieses vokale Thema herum so etwas wie ein afrikanischer Stammesgesang entstehen lässt. Mit diesem klingt die CD schliesslich aus.
Das waren grossartige 60 Minuten Musik. Wer hätte gedacht, dass dieser Act, der bei Warp sozusagen inhouse entstanden ist (Chantal Passamonte war Marketing- und Pressefachfrau beim Label), so lange robust bleibt. Das ist die aufregendste Warp-Scheibe seit langem und ein erster musikalischer Meilenstein dieses Jahr.

Trackliste:

1. Because To Why (5:27) 2. The Stockholm Syndrome (5:27) 3. A Cereus Night (1:18) 4. Eeilo (8:34) 5. Protean (2:37) 6. The Way You Are When (10:43) 7. Tillsammans (2:10) 8. Umbra / Penumbra (5:09) 9. Belonging (No Longer Mix) (10:54) 10. One Line Behind (10:18)

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